Weichenstellung der Grünen um 1980 und Kritik traditioneller linker Politik

 

Stand: 20. 12. 18

 Ein sehr unvollständiger Versuch einer Gliederung, die verbessert werden muss und wird:

0. Unsortiertes (wird noch geregelt)

A. Meine Position

B. Grüne Liste NF1978

C. Die Grünen um 1980ö

D. Marxismus und Ökologie (Theorie)

E. Kritik der gegenwärtigen Grünen

F. Leserbriefe

0. Unsortiertes

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A.  Meine Position:

·      Ich teile die Position von Robert Kurs: Nicht mehr die Klassen- und Verteilungsfrage der alten Arbeiterbewegung  in das Zentrum der Analyse und Kritik zu stellen, die im Kern nur auf eine gerechte Verteilung des produzierten Mehrwerts abzielte; vielmehr fokussierte sich die Kritik nun grundsätzlicher auf die gesellschaftlichen Produktions- und Vermittlungsformen des Werts und der abstrakten Arbeit. Vor diesem theoretischen Hintergrund erscheint  der Sozialismus nicht als die große Systemalternative, sondern vielmehr als eine Alternation, eine staatskapitalistische Spielart des warenproduzierenden Gesamtsystems.

.       In einem Leserbrief von November 2016 habe ich versucht, das Kernproblem zu formulieren:„Erst Wertediskussion, dann Verteilung:„Ich gehe davon aus, dass die Kritik des WWF am gegenwärtigen  globalen Ressourcenverbrauch, der im Kern  Folge des Wirtschaftswachstums ist, stimmt. Wirtschaftsorientierte  Rechte unterstützen diese Art des Wirtschaftens direkt, traditionelle Linke indirekt. Rechte begründen das mit der Autonomie der Konsumenten, Linke mit der gerechten Verteilung der produzierten Waren und Dienstleistungen. Konsum und das entsprechende Verhalten nicht zu kritisieren, ist das Gebot der Stunde. Dieses Gebot wird  von traditionellen Linken bis hin zu Gewerkschaften ohne Einschränkungen ebenfalls befolgt, indem sie das bestehende Konsumangebot als unhinterfragbar sinnvoll akzeptieren. Die Position der Frankfurter Schule, um ein Beispiel zu nennen, ist  hier obsolet, die Begriffe repressive Toleranz, Entfremdung, Wahrenästhetik und Eindimensionalität sind aus dem politischen   Vokabular verschwunden.  Die nicht nur aus ökologischen Gründen notwendige Wertediskussion findet nicht statt. Stattdessen rückt einseitig die Frage nach der gerechten  Verteilung des jeweiligen  Mehrwerts in den gesellschaftlichen Diskurs. Diese Position wäre nur dann sinnvoll, wenn die Verteilung sich auf diejenigen Waren und Dienstleistungen beschränkt, die ohne zunehmenden  Ressourcenverbrauch auskommt. Das aber setzt die Beantwortung der Wertefrage voraus. Eine Politik, die vom Primat der Ökologie ausgeht, steht sicherlich vor einer  Aufgabe, die vielleicht als die schwierigste in der Menschheitsgeschichte einzustufen ist. Das impliziert auch Scheitern. Für diesen schwierigen Weg gibt es keine Alternative.“ (war für die FAZ gedacht, erscheint wohl nicht mehr).

 

   

·       Meine Strategie: In der Theorie bin ich Fundamentalökologe, in der Praxis versuche ich,  ökologische Positionen so weit wie möglich durchzusetzen.

·       Ich habe Liberalismus immer als demokratische Realisierungsmethode, nie als Inhaltsgenerator gesehen.

·       Fundmental und Realo sind zwei verschiedene Kategorien.

·       Ökologieverträglichkeit ist die Formel, der sich  alle Politikfelder und alles materielle Verhalten  unterordnen muss. Das kann auch Gewinn sein. Ökologie und Humanität sind das Nadelöhr, durch das alle Bedürfnisse hindurch müssen.

·       Ich halte es für einen Fehler, wenn man  die Grünen nun als eine links-liberale Partei versteht.  Nein, die Grünen sind eine ökologische Partei, keine linke, keine liberale und erst recht keine rechte.  Das haben wir als Grüne Liste angestrebt und das ist nach wie vor unsere große Aufgabe. Jetzt erscheint das Prädikat ökologisch und grün nicht mehr. Das ist der Verlust des Kernes.

·       Ob die Produktion direkt über das Ziel ständiges Wirtschaftswachstum oder indirekt über die Forderung, die Kaufkraft der Werktätigen ständig zu steigern, ist ökologisch (wahrscheinlich auch sozial und in Bezug auf Bildung) gesehen gleichermaßen fatal.

·       Vom Inhalt bin ich radikal ökologisch, von der Vermittlung Liberaler, d. h. der  macht nur Angebote, Preispolitik, Aufklärung und ist Vorbild.

·       Grün steht für Natur und damit für Eigenbewegung.

·       Grüne sind weder links noch rechts, auch nicht Mitte, sondern etwas Neues, nämlich eine  Politik, die  in wichtigen Feldern, nicht in  allen!, von der Ökologie her denkt. Das als Mitte zu definieren, würde nur technisch-mathematisches Denken verlangen. Dieser Politikansatz funktioniert nur, wenn  Ökologie und Demokratie als Einheit verstanden werden.

·       Mitregieren muss  Mitgestaltung zulassen.

·       Die  Grünen dürfen den Vorwurf, sie seien eine Verbotspartei, nicht auf sich sitzen lasssen. Sie kritisieren nur die Handlungen, die Schönheit und Zukunft bedrohen. Die Natur hochschätzen, ist nicht dogmatisch, sondern notwendig und ästhetisch.

·       Ich bin 1983 aus den Grünen ausgetreten, weil ich damals und auch heute noch denke, dass die Ökologie das  Thema ist, wo sie als einzige Kompetenz haben, weil sie allein von der Ökologie her denken, was  neu war und immer noch neu ist.  Diese Verabsolutierung des Grünen sagt nicht, dass die Anliegen der nichtgrünen Farben nicht sinnvoll seien  und nicht gelöst werden müssten. Aber dafür sind andere Parteien federführend.

·       Die Grüne Liste von 1978 stand allein für  Naturschutz und Ökologie – und war aus dem Stand erfolgreich.

·       Zu damaliger Zeit war ich mitnichten ein Intellektueller, der die Prozesse von oben und außen reflektierend begleitete, sondern war mitten in der Auseinandersetzung mit äußeren und inneren Gegner, um ein ökologisch Eigenes aufzubauen. Mein Lebensgrund war noch immer bäuerlich-handwerklich geprägt. Schließlich hatte ich ohne Widerstand, aber nicht aus Neigung Schlachter gelernt.

·       Wir haben 1970 die Grüne Liste gegründet, weil das Hauptproblem, die Zerstörung der Erde, von den anderen Parteien nicht zur Kenntnis genommen wurde – und das ist immer noch so.

·       Ich werde in Zukunft auf den Begriff „grün“ als politische Kategorie  verzichten, weil es mittlereweile mit bunt gleichgesetzt wird. Stattdessen werde ich nur noch von ökologisch  reden.

·       Der wirklich substantielle Gegner gegen den Kapitalismus ist die Politische Ökologie, nicht der Sozialismus a la Sowjetunion noch a la Nahles.

·       Nico Paech vertritt fundamentale grüne Positionen, die für ein grünes  Programm heute ausreichen.

 

B. Grüne Liste NF 1978 und Landtagswahl Schleswig-Holstein 1983:

 ·       In der Wahl zum Kreistag Nordfriesland war ich Spitzenkandidat für die Grüne Liste Nordfriesland, und es gelang uns, die Fünf-Prozent-Hürde zu überschreiten. In der Landtagswahl Schleswig-Holstein 1983  war ich Spitzenkandidat für die Grünen, was allerdings an der Fünf-Prozent-Klausel scheiterte. Damals wie heute gab es meiner Ansicht nach innerhalb der Grünen einflussreiche  Strömungen, die nichts mit Ökologie am Hut hatten, zumindest nicht vom Primat der Ökologie ausgingen.  Da ich diese Widersprüche nicht mehr ertragen konnte und wollte, bin ich aus den Grünen ausgetreten, habe mich aber nicht von der ökologischen Thematik getrennt – im Gegenteil. Im Folgenden äußere ich nun unsystematisch Gedanken zu dem realen und idealen Verhältnis von Politischer Ökologie und Die Grünen. Wohl wissend, dass in jeder Rekonstruktion auch die Konstruktion lauert, insbesondere dann, wenn, wie bei mir, Traurigkeit über die Entwicklung der Grünen nicht zum Verschwinden gebracht werden können.

·       Von 1978 bis 1982 war ich Fraktionsvorsitzender der Grünen Liste im Kreis Nordfriesland, 1983 Spitzenkandidat der Grünen zur Landtagswahl Schleswig-Holstein. Die Grünen scheiterten damals an der fünf-Prozent-Hürde. Zwei Wochen später trat ich aus der Partei aus. Das will ich hiermit ein Stück begründen, indem ich gleichzeitig versuchen werde, die Grünen von damals aus subjektiver Perspektive  und damit auch selektiv zu beschreiben. Das ist Gewinn und Verlust in einem. Der Gewinn besteht darin, dass die Position des Primats der Ökologie, die damals aufgegeben wurde, die fundamental  falsche Weichenstellung der Grünen  war. Soweit ich mich erinnere, habe ich an allen Gründungsversammlungen der Grünen teilgenommen.

·       Meine Rekonstruktion: Nach 1970 haben sich die Achtundsechziger gespalten in verhärtete orthodoxe Marxisten (KB, KBW usw., von denen sich ein Teil wieder trennte) und ökologisch orientierte Suchende wie Dutschke, Bahro, Kretschmann, Fischer, Böll, Emde und fast alle kritischen Intellektuellen. Sie waren ökologisch und  nicht traditionell links.

Im Film "AKW im Watt" Hinweise zu den Anfängen der Grünen Liste.

·       Warum war die Ökologie um 1978 eine Massenbewegung der Denkenden und Sensiblen und heute nicht mehr?

.      Der ökologische Hausgarten mit natürlicher Vielfalt, giftfrei, ja chaotisch war Ausdruck des erfolgreichen Bemühens, konkret Ökologie zu verwirklichen, also  dem Diktum Adornos  „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ seinen Absolutheitsanspruch zu nehmen. Auch ein Plädoyer für Evolution und gegen Revolution, die nur ein entweder-oder kennt. An diesen Vorgärten kann man oft noch erkennen, ob sie von ökologisch orientierten Besitzern um 1980 oder von steril denkenden Besitzern angelegt wurden.

·       Die damalige Ökologiebewegung war primär praktisch orientiert, gegen große Systementwürfe, sie wollte nicht erschrecken. Sie war kreativ, offen und ideologisch beweglich. Ich war also kein Zeuge, sondern versuchte die ökologische Praxis und Theorie weiter zu entwickeln. Es war ein allgemein geteiltes Bewusstsein von ökologischen Werten vorhanden. Überall entstand eine Praxis, diese Werte Praxis werden zu lassen. Im „Stern“ wurden z. B. 50 praktische Vorschläge von Lichtsparen bis einfaches Toilettenpapier gemacht. Heute als Einheit  eine Unmöglichkeit.

·       Als Spitzenkandidat bin ich ohne schlechtes Gewissen ständig in SH mit dem Auto gefahren.

·        Rudolf Bahro durfte nicht in vom KB dominierten Kreisverbänden um Hamburg reden.

·        In Nordfriesland waren in der Grünen Liste ab 1978 Berliner Kommunarden bis konservative Beamte. Auch hier gab es Differenzen, aber die Zusammensetzung der  Blöcke wechselte andauernd. Es war wie ein Kaleidoskop: Nach jedem Schütteln entstand eine andere Zusammensetzung.  Als bei den Grünen SH der KB eintrat, war es damit zu Ende. Es entstanden feste Blöcke und vor allem beherrschten Strategie und Taktik das Denken, d. h. die Lebendigkeit und Kreativität verschwand.

·       Die genuin Grünen, die ökologisch und Natur orientierten Menschen, waren grundsätzlich nicht aggressiv, auch nicht auf Andersdenkende und Andershandelnde. Die traditionellen Linken waren immer revolutionär  und damit  aggressiv gestimmt. Dass die Rechte extrem aggressiv sein kann, wissen wir zumindest seit den Nazis.

·       Die Konzentration auf die Sinnlichkeit um 1980 war produktiv, aber nicht vollständig, weil die Bewegung und der Leib vernachlässigt wurden.

·       Meine hier vertretene Position  wäre um 1980 von jedem genuinen Grünen verstanden und unterstützt worden. Heute ist sie bestenfalls ein Minderheitsvotum.

·       Die Überheblichkeit der Moderne gegenüber der Tradition verschärfen die Grünen noch einmal. Da war die Kommune aus Berliner in Nordfriesland um 1978 anders gestrickt. Sie würdigte auch gute Positionen der Konservativen, sie wollten keinen Hiatus.

·       Um 1980 waren auch einige CDU-Leute wie Uwe Barschel und der Kreistagspräsident von Papenburg um 1980 ökologisch orientiert.

C. Die Grünen um 1980:

· Die Formulierung weder rechts noch links ist heute u. U. missverständlich. Zumal eine Position der ökologischen Mitte nicht ausformuliert wurde, trotz ermutigenden Anfänge.

Es fehlt eine Theorie, die die großen Destruktionen der Gegenwart erklärt- und das kann nur die Ökologie sein.

 Zu Realo und Fundi: Ich denke, das fundamentale Bedenken und Realpolitik ökologischer Themen darf nicht  auf zwei Gruppen verteilt, sondern in einer Person vereinigt sein. Das ist die Vertikalisierung in eine Person der bisher auf zwei Gruppen verteilten Begrifflichkeit. Das Fundamentale muss man dabei nicht ständig raushängen lassen. Aber beide Aufgaben bzw. Bereiche sind gleich wichtig. Maxime: Fundamental denken und so viel wie möglich in Realpolitik davon durchsetzen. 

Ab 1970 hatten wir gegenüber der Natur ein relativ rational-wissenschaftliches  Verhältnis. Wir hielten uns an Zahlen und empirischen Realisationen. Nur, das eine natürliche Umwelt dem Menschen gut tut, war eine emotionale Position.  Dass Natur nicht direkt zugänglich wäre,  sondern immer über ‚Begriffe und Werte vermittelt ist und auch missbraucht werden kann,  konnten wir damals nicht denken.

   Um 1980 im Arbeiterkampf: Auf dem Ozeangrund gibt es so viele Manganknollen, die jeden Energiebedarf decken können. Das steht auch hier für unbegrenzt technischen Optimismus. Der Hauptfehler: die Verabsolutierung des Menschen. Mitlebewesen haben keinen Platz, sie sind letztlich ggf. Rohstoff. Aber Ökologie steht für den Einsatz für das Ganze = alle Mitlebewesen habe ein Recht auf ihnen angemessenes Leben.

·       Ursprünglich war die dominierende Idee der grünen Bewegung implizit oder explizit die Bestimmung von  Grenzen im Makrobereich der Wirtschaft und im Mikrobereich des privaten Konsums. Ausdruck für diese Idee war „Die Grenzen des Wachstums“ von Dennis L. Meadows. Der Konsens für diese Position  reichte von Herbert Gruhl bis Rudolf Bahro, also das traditionelle Schisma von Links und Rechts überwindend. Bereits zu Beginn der Grünen wurde dieser Ansatz innerhalb der Grünen  einerseits von orthodoxen Marxisten, andererseits von Schwulen, Lesben und  Pädophilen begrenzt und verwässert, ja verworfen.

·       Bei der Grünen Liste stand 1978 bei der Gründung grün eindeutig und unwidersprochen  für den Primat der Natur. Der Wendepunkt war für mich, als es Thomas Ebermann  gelang,  auf einem der grünen Parteitage um 1980 der Mehrheit der  Delegierten die 35-Stunden-Woche bei gleichem Lohn einzureden. Das  war  substantiell die Abwendung der Grünen von der  Ökologie als durchgängige Theorie und Praxis.

·       Die Unterscheidung der grünen Mitglieder in ökologische Realos und linke Fundamentalisten halte ich für  unsinnig, die nur Verwirrung stiftet: Fundamentalismus hat viel mit reiner Theorie, Realo  viel mit praktischer Politik zu tun. Je nach Zeit, Aufgaben und Situation sind beide, Linke oder Ökologen, entweder Realos oder eben Fundamentalisten. Wenn ich z. B. schreibe, bin ich Fundamentalist, wenn ich versuche, ökologische Praxis privat zu realisieren, mehr oder weniger Realo. Übrigens war Jürgen Trittin in der Schröder-Ära im Kabinett, wie alle dort, Realo.  An die Herkunft dieser Unterscheidung kann ich mich nicht erinnern. Ich vermute, dass sie entweder von „unökologischen“ Linken lanciert wurde, um die ökologisch Fundierten in die Nähe der bestehenden kapitalistischen Gesellschaft zu positionieren, während sie selbst explizit und/oder implizit  fundamental gegen diese seien – oder  von „angehauchten“ Ökologen kam, die in der Ökologie nichts Fundamentales entdeckten oder haben wollten.

·       Die ökologisch-linken  Grünen waren die notwendige Korrektur der 68iger, nämlich die Integration der Wertkonservativen wie zum Beispiel Wilhelm Hauff in Das kalte Herz.

·        Der KB, der KBW usw. wollten die traditionellen Linken links als reine linke Lehre überholen.  Damit verhinderten sie neues (ökologisches) Denken.

·       Trotz Rudolf Bahro und Rudi Dutschke hat die traditionelle Linke um 1980 die ökologische Theorie und Praxis kaputt gemacht und damit die kapitalistisch ausgerichtete Wirtschaft objektiv gestärkt.

·       Um 1980 war die ökologische Praxis und Theorie in Deutschland und Europa auf ihrem Höhepunkt. Mit ihrem Niedergang und Verwässerung wurde eine große Chance für die Zukunft verpasst.

·       Der   KB war der unerbittliche Gegner einer  umfassenden politischen Ökologie. Er wollte die leading position nicht abgeben.Wirtschaftstheorie denkt Wirtschaft ohne Natur und Ökologie. Übrigens der Marxismus auch.

·       Die ökologische Theorie und Praxis wurden um 1980 von drei Seiten bedroht: a) vom Kapital und dessen Unterstützer, b) von den „reinen“ Marxisten, c) von der nichtkonventionellen Bewegung, die im Laufe der Zeit nur die Päderasten abstießen.

·       Objektiv haben diese Gruppen die Interessen des Kapitals und der nicht notwendigen Technik vertreten. Nachdem das geglückt war, entstand Orientierungslosigkeit, Willkürlichkeit und Steigerung des Konsums. Auch individuelle Bemühungen wurden verlacht, so die der landwirtschaftlichen Kommunen. Die traditionelle Linke hat die Erosion der Ökologie von innen geleistet. Die Grünen wurden bunt, Ökologie war ein Thema unter anderen.      

·       Ökolibertäre versuchten eine Gegenposition aufzubauen mit Kretschmann, Hoplischeck, Plagemann. In der zweiten Reihe saß ich.

·       Nur die Anti-Atom-Bewegung wurde von den K-Gruppen verschont, auch von technikgläubigen Marxisten.

·       Der technikkritische Impuls erfasste weite Teile der Bevölkerung und viele Intellektuelle, so Dutschke, Bahro, Harich, Gruhl, Robert Jung, Buys, viele Pastoren. Die halbe Abiturklasse galt bei uns als grün unterwandert. Selbst die FDP wurde grün. Dazu rechne ich auch Haugs Warenästhetik und Marcuses uneingestandener Heideggerianismus. Aber auch Franz Alt, auch einige Ministerpräsidenten wie Albrecht und Barschel.

·       Auch nichtlinke Ideologien versuchten die Grünen für ihre Ziele zu instrumentalisieren wie Geldtheoretiker nach Gesell oder eben die sexuelle Bewegung. So lässt sich Homosexualität nicht sinnvoll von Natur und Ökologie ableiten – im Gegenteil nach eigener Auffassung. Deswegen sind sie kein genuiner Teil der politischen Ökologie, sondern Gegenstand einer anderen Politik.

·       Der fundamentale Begriff Entropie für die ökologische Theorie wurde  um 1980 auf den Parteitagen der Grünen entweder aus Dummheit oder aus strategischem Kalkül verlacht.

·       Linke, die immer von der Notwendigkeit der Revolution her denken und träumen, haben viele Sympathisanten von der ökologischen Theorie um 1980 vertrieben, so Michael Emde und Peter Härtling. Die grüne Theorie ist inkompatibel mit  Gewalt. Die Anerkennung des Lebens schützt hoffentlich auch vor der eigenen Aggression. Die ökologische Bewegung war ursprünglich eine sanfte Bewegung. Änderungen wurden zuallererst von sich selbst verlangt. Da gab es keine Hassgegner, auch ihnen wurde zugestanden, dass sie falsch lagen.  Nicht Menschen waren die Gegner, sondern gegenwärtige Praxis sollte geändert werden in Richtung ökologischer Lebensweise.

·       Die orthodoxen K.-Gruppen, die um 1980 massiv in die Grünen eintraten, haben die Kreativität und Produktivität der Grünen dieser Zeit zerstört und damit objektiv die Arbeit des Kapitals übernommen. Ich vermute, dass die ökologische Bewegung, hätte sie sich damals entfaltet, ein großer politischer Faktor heute wäre. Jetzt haben sie „ihr“ Thema aus den Augen und Bewusstsein verloren, sie arbeiten nicht mehr an ihm.

·       Die Auffassung, dass die Ökologie nicht eine Säule, sondern das Fundament der Grünen sei, wurde schon ziemlich früh erodiert.

·       Die so genannten Fundis waren in der Anfangsphase der Grünen  reine Sozialisten, die so genannten Realos waren zumindest zu Beginn fundamentale Ökologisten, die allerdings das demokratische System nicht in Frage stellten.

·       Die Erde hört auf zu atmen, und die Grünen führen den Klassenkampf fort.

·       Die Grünen sind eine Regenbogenpartei, in der Ökologie nur noch eine Farbe von vielen ist. Es gibt keine überwölbende Idee mehr. Andere Farben sind Sozialismus, Schwulenbewegung,   Demokratiestärkung,  Modernisierungspartei usw.

·       Die populären Fernsehsendungen von Hoimar von Dithfurth sind  ein Beleg dafür, wie stark das ökologische Bewusstsein um 1980 war.

·       Um 1980 nahezu alle kritischen Denker und Literaten in den Grünen oder sympathisierten mit ihnen. Böll, Dutschke, Bahro, Hager, selbst Uwe Barschel. Marxistische  Kritik war „grüne“ Politik ohne Ökologie.

·       Von 1970 bis 1980 gab es viel Populärliteratur zur Naturbestimmung.

·       Der ökologische Niedergang der Grünen begann mit der Forderung nach der 35-Stunden-Arbeitswoche bei Beibehaltung des vollen Lohns und der Ablehnung des Begriffs der Entropie.

·       Linke und Rechte sind beide für den unbegrenzten Einsatz von Motoren. Motore werden  undifferenziert als Fortschritt bewertet, obwohl sie  „Schritte“ (wortwörtlich) verhindern.

·       Als die Politische Ökologie sich entfalten wollte, wurde sie von den K-Gruppen inhaltlich zermalmt. Damit über diese Gruppen die Arbeit des Kapitals

·       Autobahnen kann man formal nur mit Menscheninteressen begründen, was nicht stimmt.

Ökologische Position wäre, Kommunismus ohne Wachstum. Kommunismus ohne Wachstum wäre für Marx aber ein eklatanter Widerspruch zur unendlichen Fähigkeit des Menschen und seiner Zukunft. Wirtschaftswachstum und  ständige technische Entwicklung sind – auch für seine Theorie – unverzichtbar.

Marx ist der Fortschrittsvertreter des 19. Jh.schlechthin. Marx setzt alles auf den technischen Fortschritt, der im Sozialismus keine Probleme entstehen lässt, auch keine ökologischen.

Um 1980 gab es auch die linke Meinung, der Umweltschutz wäre sinnlos, sondern eine Erfindung der sozialen Mittelschicht, auch, um die Arbeiterschaft weiter zu deckeln.

 

D. Marxismus und Ökologie (Theorie)

·       Marx ist als Analytiker des Kapitals sehr wertvoll, in der Beschreibung des technischen Fortschritts leider einseitig positiv. Das erklärt übrigens auch den großen Widerstand der Linken gegen den physischen Begriff der Entropie, die ein absolutes Argument gegen ständiges Wirtschaftwachstum ist. Sie fürchtet Technikkritik wie der Teufel das Weihwasser. Als der Begriff Entropie zur Abstimmung kam (in Bremen?) brach die konservative Linke in schallendes Gelächter aus. Nicht, wie ich dachte aus Unwissenheit, sondern wohl aus politischem Kalkül. Die konservative Linke sah nicht oder wollte nicht die zerstörerischen Momente in der  Dialektik zwischen Mensch und Technik sehen. Für sie war die Technik absolut steuerbar und absolut unselbständig, reine Funktion des Fortschritts.Marx hat die krasse Ausbeutung der Arbeiter seit Beginn der Industrialisierung angemessen beschrieben, aber nur diesen Aspekt der Ausbeutung thematisiert, nicht den der Erde, also nicht die ökologische Problematik. Deswegen sind auch gegenwärtige Marxisten und traditionelle Linke nicht in der Lage, diese Ausbeutung in ihrem Umfange zur Kenntnis zu nehmen.  Mit der sekundären Ausbeutung über den Konsum werden nun die Konsumenten und noch stärker die Natur ausgebeutet. Zumindest ab 1950 wurde die primäre Ausbeutung der Arbeiter durch die sekundäre Ausbeutung über den Konsum der gesamten Gesellschaft ersetzt. In den letzten zwanzig Jahren hat sich dieser Prozess noch massiv verstärkt. Die sekundäre Ausbeutung verläuft heute primär über das Auto, über Unterhaltungsmedien und vielleicht auch über Reisen. Den Ausdruck „Konsum-Kapitalismus“ finde ich für diesen Prozess angemessen.

Die Entökologisierung der grünen Bewegung wurde auch mit einem soziologischen Argument vorangetrieben: Mitglieder und Sympathisanten kämen mehrheitlich aus der bürgerlichen Mittelschicht, was stimmte, aber noch nicht über den Wert ihrer Gedanken entscheidet. Zumindest waren – soweit ich mich erinnere – auch die Mitglieder des SDS weitestgehend von bürgerlicher Herkunft, und Marx und Engels hatten ja schließlich auch keine proletarischen Eltern.

·       Marxisten können nicht bedenken, was dem Menschen als Mensch gut tut, weil es methodisch nicht objektivierbar ist. Sie müssen das Subjekt von der Gesellschaft her bestimmt denken. Dem entspricht Unter- und Oberbau.

·       Der Ansatz „ökologische Politik“ war  zwischen 1970 bis Anfang der Achtziger die größte Gefahr für das Kapital. Traditionelle Linke haben innerhalb der Grünen und der grünen Bewegung  objektiv diesen Ansatz aufgeweicht und marginalisiert – und damit dem Kapital einen großen Dienst, nämlich die Drecksarbeit,  abgenommen, was das Kapital  nicht allein hätte leisten können.

·       Um 1980 saß ich auf einer der Gründungsversammlungen neben Rudi Dutschke,  der auf der ökologischen Seite stand. Gesprochen hat er allerdings nicht mit mir.

·       Der KB vertrat beispielsweise im Arbeiterkampf die Position, dass es kein Energieproblem gäbe, da bereits die auf dem Meeresboden der Ozeane vorhandenen Manganknollen die Nachfrage nach Energie  decken könnten.

·       Ob die Produktion direkt über das Ziel ständigem Wirtschaftswachstums oder indirekt über die Forderung, die Kaufkraft der Werktätigen ständig zu steigern, ist ökologisch (wahrscheinlich auch sozial und in Bezug auf Bildung) gesehen gleichermaßen fatal.

·       Jürgen Trittin und seine Anhänger verlängern  ad infinitum den verhängnisvollen Einfluss des KB auf die und in den Grünen. Verhängnisvoll, weil der Primat der Ökologie sich nicht durchsetzen kann.

·       Ich unterstütze vorbehaltlos linke Politik, wenn es um absolute Armut geht.

·       Die Destruktion durch  Motorennutzung entsteht nicht durch falsche Nutzung, sondern durch deren Nutzung an sich, wenn eine bestimmte Quantität überschritten wird. Ein sozialistisches AKW  ist auch ein AKW. Motorisierter Individualverkehr im Sozialismus unterscheidet sich nicht von dem in einem kapitalistischen Land.

·       Sozialismus primär und allein über Ungleichheit zu definieren, ist heute ein uneigentlicher Sozialismus, der sein Ziel verfehlt.

·       Kapitalisten dürfen wegen des Wirtschaftwachstums nicht ökologisch denken, Linke nicht wegen des Ziels der materiellen Gleichheit aller. Reine Umverteilung bringt fast nichts, denn der Besitz ist hier nicht entscheidend, sondern der private Konsum.

·       Absolute Armut muss beseitigt werden. Darüber darf es keine Diskussion geben. Aber Ungleichheit ist  nicht das entscheidende Problem. Ich behaupte, dass es heute viele Menschen gibt, die unzufrieden sind, weil es zwar unzweifelhaft Ungleichheit gibt, aber es ihnen trotzdem „objektiv“ gut geht. So steigt die Zahl der "Opfer" ständig.   Das nicht zu sehen, ist der große Fehler der traditionellen  Linken. Sie sind daher gezwungen, ständig neue Ungerechtigkeiten zu finden, die sich aus der Ungleichheit ergeben. 

·       Fazit: Die Beziehung zwischen linker und ökologischer Politik muss kein Widerspruch sein, ist aber mit Sicherheit kein Automatismus. Hier ist Reflektion und Wertung unverzichtbar.

·       Rudi Dutschke und Rudolf Bahro waren zur Grünenzeit explizit gegen orthodoxe Marxisten.

·       Adorno lässt das Individuelle nicht im Stich. Ein Generalist dagegen kennt keine Individuuen - außer sich selbst.

·       "Die kapitalistische Produktion entwickelt  nur die Technik und die Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde (!) und den Arbeiter". Diese Denkweise führt zu dem impliziten Schluß, dass in einer sozialistischen Produktion gerade das nicht passiert. Das heiß,t nur die kapitalistische Produktion ist ökologisch destruktiv, nicht die sozialistische.

·       Linke müssen also relativ konkret beschreiben, wie im Sozialismus eine ökologieverträgliche Produktion aussähe. Das ist nämlich kein  Automatismus, auch nicht in einer sozialistischen Gesellschaft.

·       Im Sozialismus war der Subjektivismus die ausschließliche Orientierung auf den Menschen. Tiere nannte man Produktionseinheiten. Marx ist Technikgläubigkeit + Wirtschaftwachstum + verabsolutierte Humanität, d. h. ohne Ökologie. Da der Mensch sich verabsolutiert hat, ist sein Handeln gegenüber der Natur mörderisch.

·       Marxisten können nichts Selbständiges wie Gene denken. Deswegen scheiterte auch Lyssenko. Deswegen lehnen sie auch die Systemtheorie Luhmanns ab, die übrigens gar keine Systemtheorie ist. So auch nicht die Natur und ihr Eigenrecht. Deshalb auch kein Verständnis für Adorno: „Mit sichtlichem Behagen marschieren in den Bergen die Kühe auf den breiten Wegen, welche die Menschen angelegt haben, ohne viel Rücksicht auf diese. Modell dafür, wie die Zivilisation, die Natur unterdrückend, der unterdrückten beistehen  könnte.“

 

E. Kritik der gegenwärtigen Grünen und Zukunftperspektive

·       Warum nennen sich die Grünen nicht Sozialisten oder Modernisierer?

·       Historisch gesehen ist jetzt der Zeitpunkt für eine zweite ökologische Bewegung gekommen, die erste fand um 1980 statt. In dieser Zeit war sogar der Schlager „Wir steigern das Bruttosozialprodukt“ populär.

·       Die orthodoxe Linke hat um 1980 das grüne Projekt kaputt gemacht. Übrigens gegen den expliziten Willen von Rudi Dutschke und Rudolf Bahro. Es wird höchste Zeit, dieses Projekt neu zu beleben.  Und es gibt dafür wieder viele Stimmen.

·       Winfried Kretschmanns und  Robert Habecks  Verdienst besteht darin, dass Ökologie in der Gesellschaft im politischen Raum  nicht einfach ignoriert wird, sondern als diskussionswichtig angenommen wird.

·       Die Grünen positionieren sich als progressive Kulturpartei, nicht als ökologische.   

·       Ich denke, Robert Habeck als Umweltminister in Schleswig-Holstein hat das  mögliche Ökologische durchgesetzt. Mehr war nicht drin.

·       Von der historischen Lebenspraxis lässt sich für die ökologische Praxis viel lernen.

·       Schwerpunktverteilung auf die bestehenden Parteien, wobei jedes Thema das Recht hat, eine Partei zu bilden: Soziales = SPD und Linke; Wirtschaft = CDU und FDP; Freiheitsrechte und sexuelle Rechte = FDP; Ökologie = Grüne. Also kein Gemischtwarenladen.

·       Ich bin in dem Sinne ein linker Ökologe, dass alle notwendigen Änderungen von allen gleichmäßig getragen werden. Politische Ökologie ist sachlich konservativ, muss aber aus ethischen Gründen der Gleichheit links sein.

·       Hauptaufgabe der Grünen: Ökologie und Demokratie als Einheit zu entwickeln.

·       Grüne sind weder links noch rechts, auch nicht Mitte, sondern etwas Neues, nämlich eine  Politik in wichtigen Feldern, vor allem von der Ökologie her gedacht. Das als Mitte zu definieren, würde nur technisch-mathematisches Denken verlangen.

·        Grüne sind ökologisch gesehen ein welkendes Projekt. Dieser Prozess begann, als Themen wie Sozialismus, Minderheitenpolitik usw. als gleichwertig im Programm aufgenommen wurden.

. An den Vorgärten kann man oft noch erkennen, ob sie von ökologische orientierte Besitzer um 1980 oder von steril denkenden Besitzern angelegt wurden.

·       Es gilt eine ökologisch nachhaltige und menschenförderliche Wirtschaft zu installieren.

.  Da der Mensch sich verabsolutiert hat, ist sein Handeln gegenüber der Natur mörderisch.

·       Ich verzeitliche das Verhältnis von Ökologie und Gerechtigkeit.

·       Umverteilung ja, aber nicht Gleicheit durch Wirtschaftswachstum, auch keine absolute Gleichheit.

·       Leider: Gegenwärtige, auch linke Politik beschränkt sich auf Probleme, die man lösen kann, also für die es eine empirische Basis gibt.

·       Linke können keine individuellen Veränderungen denken.

·       Bestehende reale Armut und Reichtum zwingen zum Handeln, aber nicht relative Armut auf Basis von Tauschwerten.

·       Materielle Ungleichheit ist nicht automatisch Armut.

·       Grüne Politik bemüht sich stets um das Lebendige, um die wirkliche Wirklichkeit.

 

F. Leserbriefe:

1. „Ein Weckruf, nicht ein Nachruf

Als einer der Gründer der Grünen Listen von 1978 und Spitzenkandidat der Grünen in der Landtagswahl 1983 in Schleswig-Holstein vertrete ich heute wie damals die Position, dass die Grünen idealiter keine linke Partei und erst recht keine rechte, sondern ein ökologische sind: Nur die ökologische Theorie stellt systematisch und zentral das letztlich alles zerstörende Wirtschaftwachstum und damit den Tauschwert infrage. Die wirtschaftsorientierte Rechte unterstützt dagegen Wirtschaftswachstum direkt, die traditionelle indirekt. Rechte begründen das mit der Autonomie der Konsumenten, Linke mit dem Erreichen einer gerechten Verteilung der produzierten Waren und Dienstleistungen unabhängig von ihrem Gebrauchswert. Ich frage mich, ob der SPIEGEL hier nicht ökologisch mit rechts verwechselt“ (erschien im Spiegel)

2.    “Die wesentliche Aufgabe der Grünen

Die Grünen haben in der Saarland-Wahl enttäuschende vier Prozent erreicht. Ich erkläre mir dieses Ergebnis damit, dass sich die Grünen  nach ihrer Gründung ziemlich schnell  zu einem politischen Gemischtwarenladen entwickelt haben, der u. a. auch Ökologie anbietet. Aber  die Lösung der ökologischen Frage ist die entscheidende, vor der die Menschheit steht. Die  ökologische Verträglichkeit der produzierten Waren und Dienstleistungen muss im Mittelpunkt stehen und nicht die Verteilungsfrage. Allein das zu begründen und zu fördern, wäre eine Herkulesaufgabe für die Grünen“  (am 30. 3. 17 im shz. erschienen).

3.    Leserbrief zu Jürgen Trittins Beitrag in der FAZ zu den Superreichen

„Die Forderung, jedem Bürger einen SUV zur Verfügung zu stellen, ist genauso verteilungsgerecht wie die Forderung nach einer gleichmäßigen Verteilung der materiellen Ressourcen im Zeitalter des Anthropozäns. Eine ökologische Wirtschaft ist aber mit Sicherheit die größte Aufgabe, vor der die Menschheit steht. Eine Aufgabe, die nicht wie Jürgen Trittin suggeriert als Nebenwiderspruch durch die Lösung des Hauptwiderspruchs, nämlich die Überwindung des Kapitalismus, sich dann von selbst löst. Typisch für diese Position ist, dass sie sich allein auf die Mehrwertdiskussion kapriziert und nicht mit der Wertediskussion der produzierten Waren und angebotenen Dienstleistungen beginnt. Diese notwendige Wertediskussion fände übrigens auch dann nicht statt, wenn man den viel zitierten 85 Superreichen die Produktionsmittel nähme und diese vergesellschaftete. Der private Konsum dieser Milliardäre ist normativ unakzeptabel, aber volkswirtschaftlich nicht folgenreich. Schwerwiegender könnte ihr Einfluss auf die nationale und internationale Wirtschaftspolitik sein. Das muss gegebenenfalls auch mit drastischen Mitteln verhindert werden“ (erschien nicht in der FAZ).

4. “Verfehlt

„Mir graut vor einer rechtsradikalen Sammlungsbewegung, aber auch eine linke  macht keinen  Sinn. Notwendig ist eine ökologisch orientierte Sammlungsbewegung, die die Sackgasse des Wirtschaftswachstums verlässt und den gegenwärtig dominierenden individuellen und kollektiven Konsum probematisiert. Also wieder anknüpfen an eine  grüne Bewegung, wie sie zwischen 1975 bis 1980 weltweit  den  öffentlichen Diskurs bestimmte. Ich saß übrigens auf einer der grünen Gründungsveranstaltungen neben Rudi Dutschke, wo es darum ging, traditionellen linken Vorstellungen in den Grünen keinen Raum zu lassen, was damals aber scheiterte.“

 

5.    Ein privater Brief  an Robert Habeck: Lieber Robert, Du hast – soweit ich es beurteilen kann – auch deswegen eine hervorragende Arbeit geleistet, weil Du das, was ökologisch unter diesen Bedingungen möglich war, herausgeholt hast. In der Öffentlichkeit giltst Du als ein ehrlicher Umweltschützer und Ökologe. Ein großes Verdienst. Ich halte es für einen Fehler, wenn Du die Grünen nun als eine links-liberale Partei verstehst.  Nein, die Grünen sind eine ökologische Partei, keine linke, keine liberale und erst recht keine rechte.  Das haben wir als Grüne Liste angestrebt und das ist nach wie vor unsere große Aufgabe. Jetzt erscheint das Prädikat ökologisch und grün nicht mehr. Das ist der Verlust des Kernes – denkt Boje.