Genau besehen ist die sogenannte objektive Welt eine von einflußreichen Subjekten über Generationen hinweg gemeinsam geteilte konstruierte Welt. Ein in diese Welt "neu" eingeführtes "individuelle Subjekt" erscheint diese konstruierte Welt als vollkommen unabhängig von ihm und anderen Subjekten, eben als falscher Schein objektiv. Ich unterscheide also zwischen zwei fundamental verschiedenen Begriffen von Subjektivität, der individuellen und der kollektiven. Die Welt, die aus dem individuellen Subjekt herauswächst, ist nicht relevant, ist nicht Wahrheit, ist nicht bebauungsfähig und hat keinen weiterführenden Wert. Aber das nicht wegzudiskutierende Manko, dass der Mensch über keinen archimedischen Punkt für die Erkenntnisfundierung verfügt, die notwendige Voraussetzung für substanzielle, nicht nur methodische Objektivität wäre, hat zunehmend (wieder) dem Paradigma der Objektivität zu schaffen gemacht, so dass der erkenntnistheoretische Blick und mit ihm in Gefolge die Geisteswissenschaften die individuelle Subjektivität wieder als ernstzunehmende Realität reflektiert. Von Roland Barthes mit der Härte Kirkegaards formuliert: "Lieber die Trugbilder der Subjektivität als der Schwindel der Objektivität. Lieber das IMAGINÄRE DES SUBJEKTS als seine Zensur" (Die Vorbereitung des Romans, Frankfurt am Main 2008, S. 30). Im Alltagsleben zeigt sich dieser Schwenk als Abwendung von einem Leben aus zweiter Hand, seien es Bilder oder Fertigprodukte. Die Eigenbewegung , wie in den Notationen und Aphorismen vorliegender Homepage thematisiert, ist Teil dieser Gesamtbewegung. Hinzugefügt sei, dass dieser Schwenk kein absoluter ist und aus Gründen der Humanität es nicht sein darf, sondern nur als Korrektur der einseitigen Ausrichtung auf die Objektivität zu verstehen ist.
Viele Aussagen haben deshalb den Konsumismus, d. h. den übersteigerten Konsum zum Gegenstand, weil er sich nicht nur allein gegen menschliche Möglichkeiten und Lebensqualität richtet, sondern auch eine wesentliche Ursache und Motor der gegenwärtigen Umweltzerstörungen an verschiedenen Orten und Ebenen.
Materielle Hauptursache der gegenwärtigen ökologischen, sozialen und individuellen Probleme ist der Motor, genauer: sein zunehmender Einsatz und Ersatz nahezu aller Prozesse und Tätig keiten. Der Motor ersetzt und verdrängt das Leben. Da der Motor selbst wiederum ein bedingter ist, bedarf es weiterer Analysen.
- Eine Vermutung: Die Zuneigung, ja Liebe zu Waren liegt primär nicht in den Waren selbst, sondern in dem Stolz, sie zu besitzen, über sie verfügen und sie beherrschen zu können. Zumindest "nach der ersten Liebe" tritt dieser Zustand schnell ein.
- Die stark vermehrten Paketdienste sind ehemalige lebendige Innenstädte.
- Das monadische Modell menschlichen Lebens stimmt schon traurig, aber eine Monadologie ohne Gott ist schlicht grauenhaft.
- Monadologie ist nicht nur ein Denkmodell, sondern wird zunehmend gesellschaftliche Realität.
- Aus den konkreten Prozessen des Erwerbs von Waren und Dienstleistungen verschwinden zunehmend reale Interaktionen zwischen Menschen: Produzent – Verteiler – Erwerber werden zu fensterlosen Monaden. Momentan verschwinden die Innenstädte, demnächst die Einkaufzentren auf grüner Wiese.
- Nach der Erstellung von Brasilia um 1963 wurde dieses Vorhaben als die Vereinzelung fördernde Retortenstadt stark kritisiert. Heute ist das Kritisierte überall Normalität.
- "The importance of communication and dialogue have taken on a new specific weight und urgency in modern times, because subjectivity and inwardness have become at once richer und more intensely developed, and more lonely and entrapped, than they ever were before" (Marshall Berman, All that is solid melts into air).
- Kapitalismus und Technizismus brauchen und schaffen isolierte Menschen, damit Sehnsüchte und Wünsche entstehen, die dann in Form von Waren im Schein und und technischen Appperaturen als Lebensprothesen befriedigt werden.
- "Es gilt das erlebte Wort" (Titel eines Zeitungsartikels).
- Das Kriterium „zeitgemäß“ als absoluten Wertmaßstab zu nehmen, zeugt von Dummheit gegenüber der Klug- und Weisheit vergangener Generationen und von totaler Anpassung an den Zeitgeist.
- Ein Plakat mit einem ästhetisch gestalteten Obst- und Gemüsestand und einer hübschen Verkäuferin dient der FDP als Argument für Wachstum. Einwand: Im materiellen Bereich ist stetiges Wachstum schädlich, im immateriellen Bereich wie Bildung und Soziales immer gut.
- Wenn eine Volkswirtschaft, z. B. die griechische, das rat-race des globalen Wirtschaftswachstums nicht mitmachen will, ist das gut nachvollziehbar. Aber diese Gesellschaften dürfen dann nicht Bedürfnisse entwickeln, die nur über den globalen Markt befriedigt werden können, und sie müssen dafür sorgen, entweder durch Kaufboykotte oder Einfuhrverbote. dass die globalen Produkte nicht ihre eigene Wirtschaft kaputt machen.
- Siedlungsbrei ist weder Stadt noch Land. Siedlungsbrei is nowhere or everywhere.
- Lionel Trilling coined a phrase in 1968: “Modernism in the streets.” Und Marshall Berman, aus dessen klugem Buch "All that is solid melts into Air" ich diese Information entnommen habe, fügt 1981 hinzu "The open way leads to the public square". Ich befürchte, im Jahre 2012 sind diese alltäglichen Face-to-face-Öffentlichkeiten auf "normalen" Straßen und Plätzen nahezu verschwunden.
- Je früher eine Gesellschaft den notwendigen Wandel zur Nachhaltigkeit vollzieht, desto weniger schmerzhaft wird er werden.
- Wenn Systeme sich vollkommen öffnen, verlieren sie zwangsläufig ihre Individualität und Identität. Das ist der Preis. Die Kunst eines Systems besteht darin, Offenheit und Identität in Balance zu halten, ohne dass es Opfer gibt.
- Einerseits fliegt die große Mehrheit der Menschen oder fährt habituell mit dem Auto, andererseits will keiner in Einflugschneisen oder an viel befahrenen Autostraßen wohnen. Moralisch wäre, diesen Widerspruch nach der einen oder der anderen Seite aufzulösen, d. h. die Belastungen klaglos zu akzeptieren oder eben auf Flugzeug und Auto zu verzichten. Tertium non datur.
- Mit den Kreuzfahrtschiffen reist man, ohne sich eigentlich zu bewegen. Kreuzfahrtschiffe sind eine technische Rekonstruktion der Welt auf kleinstem Raum. Warum sind Kreuzfahrten so populär? Momentan lösen sich massiv spontane Face-to-face-Öffentlichkeiten auf. Intakte Innenstädte gehören zumindest in Klein- und Mittelstädten der Vergangenheit an. Öffentlichkeit besteht nur noch aus inszenierten, zeitlich auf Stunden begrenzte Veranstaltungen, die in der Regel Eintritt kosten. Aber selbst die inszenierten Veranstaltungen werden als Mediumereignis viel häufiger frequentiert als die Veranstaltung selbst. Ich vermute, dass Kreuzfahrtschiffe die offensichtlich nicht zu Tode bringende Sehnsucht nach spontaner lebendiger Kommunikation in größerem Rahmen befriedigt. Die Sehnsucht nach konkreter Nähe ist dem Menschen wohl doch nicht abzugewöhnen.
- Wenn ich in einen Zug oder Bus steige, betrete ich eine Art Festsaal, zumindest einen sozialen Raum, wenn ich in ein Auto einsteige, eine Art Gefängnis. Das Auto ist gleichermaßen ein Fluchtmittel und Fluchtort in die soziale Isolation. Im Auto versteckt man sich. Würde das erkannt, wäre schon viel gewonnen.
- Man muss zwischen subjektiven und objektiven Argumenten für oder gegen etwas unterscheiden. Das sind zwei vollkommen verschiedene Dimensionen. Nehmen wir beispielsweise das Auto. Die objektive Situation ist für mich klar. Zum Subjektiven: Wenn jemand meint, es sei ein Gewinn für ihn, wenn er jeden größeren Ortswechsel mit dem Auto zurücklegt, ist er im Irrtum, denn er übersieht die Verluste für sich und die Belastungen für die Umwelt. Dass trotzdem Genuss entstehen kann, ist eben das Paradoxon von Süchten: "Ich rauche gern" entspricht "Ich fahre gern Auto". Süchte schaffen immer Befriedung und immunisieren gegenüber den angerichteten Schäden. Ist man in einer Sucht, die objektiv nicht nur sich selbst, sondern auch massiv die Umwelt schadet, sollte man eine selbstkritische Reflexion beginnen.
- Tourismus in seiner heutigen Form ist heute eine feindliche Kriegsmacht, die ein Land oder eine Region überfällt und sie nach ihrem Ziel verändert. „Die Befreiung von der industriellen Welt hat sich selbst als Industrie etabliert, die Reise aus der Warenwelt ist ihrerseits zur Ware geworden“ (Hans Magnus Enzensberger). „Indem der Reisende das findet, was er sucht, zerstört er es“ (Adrian Stokar). Der Umfang der Zerstörungen würde drastisch zurückgehen, wenn man in Urlaubsgebieten auf das Auto und auf Zeitwohnungen verzichtete. Noch besser wäre es, materiell so wenig wie möglich mitzunehmen -, wenn auch nicht ganz so konsequent, wie es Marie-Antoinette vor ihrer Hochzeit erging, als sie in Straßburg vollkommen neu eingekleidet wurde.
- These: Berlusconi und auch bereits Hitler waren Strategen der Bilder, Monti, Merkel und Heuß der Begriffe.
- Gegen ein Oberflächendasein: Der Mensch nimmt sich keine Zeit und Freiräume, Subjekt zu werden. Wir müssen beide Ansätze, Fremd- und Selbstbestimmung, verbinden und in eine Balance bringen.
- "Eins nach dem anderen. Gehirn ist auf Monotasking ausgelegt". Das wäre doch ein sinnvolles Kriterium zur Überprüfung von Lebenspraxen.
- Aus meiner Sicht der Widerspruch schlechthin "Digital Life".
- Immer häufiger wird in den Diskussionen nicht zwischen subjektiven und objektiven Argumenten unterschieden. Die Tendenz geht sogar dahin, subjektive Argumente als hinreichend für oder gegen eine Sache zu nehmen. Das ist ethischer Niedergang.
- In Nigeria finden Anfang 2012 große Protestmärsche statt, nicht wegen der gleichzeitig stattfindende Vertreibung von Christen aus dem Süden, nicht wegen Brot oder irgendwelcher Ideale, sondern wegen der steigenden Benzinpreise. Das ist ein Vorgang, der inzwischen in jedem Land der Welt droht, wo die Eigenbewegung durch Fremdbewegung, wo Nahstrukturen durch Fernstrukturen ersetzt wurden.
- Zur Untersuchung ‘Study of the Origin’, die der wissenschaftliche Direktor der Natura Foundation, Leo Pruimboom, kürzlich in den Pyrenäen durchgeführt hat. Ziel der Untersuchung ist es zu zeigen, dass Erkrankungen wie Übergewicht, Diabetes, Depressionen und andere Gesundheitsprobleme durch Rückkehr zu einem Lebensstil, der besser zu unserem genetischen Profil passt, vermieden und geheilt werden können. Die Studie basiert auf den Prinzipien der klinischen Psycho-Neuro-Immunologie (kPNI). Ein solcher Lebensstil steht nicht im Gegensatz zu kulturellen und sozialen Leistungen - im Gegenteil.
- Massiver Motoreneinsatz oder Leben – von dieser Entscheidung hängt nahezu alles ab. Ich übe Kritik an dem teilweise unsinnigen Einsatz von motorenbetriebenen Maschinen, weil sie die Menschen entmündigen, ja „entmenschlichen“.
- Moderne will den Widerstand und damit Materie in ihrer dinghaften Formen überwinden. Das leisten insbesondere Motore. Damit bleibt der Mensch zuerst einmal als "leerer Geist" übrig, der dann von der Bewusstseinsindustrie mit anstrengungslos anzueigneten Inhalten gefüllt wird.
- Bürger einer kleinen Straße unserer Stadt haben nach Neujahr gemeinsam die Spuren der Silvesterknallerei beseitigt. Das halte ich für vorbildlich: Die Lösung der Probleme grundsätzlich selbst in die Hand zu nehmen, und erst dann nach übergeordneten Institutionen in Anspruch nehmen, wenn die Lösung mit Eigenkräften nicht möglich ist
- „Konkretes Miteinander“, d. h. Face-to-face-Kommunikation, direkte Nachbarschaftshilfe, sich ganzheitlich als lebendige Wesen begegnen usw. geht nicht in dem Begriff „Soziales“ auf.
- Seit Tagen verschlechtert sich bei uns das Wetter in einem Ausmaße, wie ich es bisher noch nicht kennen gelernt habe. Kommt das Wetter ins Stolpern, bevor es endgültig aus den gewohnten Bahnen fällt? Ich hoffe nicht.
- Es gibt viele Missstände bei uns, aber der große Vorteil besteht darin, dass wir in einer Demokratie leben, und diese Mißstände, auch wenn wir uns irren, ohne Bedrohung öffentlich benennen können. Das ist vielleicht das höchste Gut.
- Armut, im Gegensatz zur Gerechtigkeit, ist kein relativer, sondern ein absoluter Begriff. Wenn ich nur zehn Prozent von dem verdiene, was Millionäre verdienen, bin ich nicht automatisch arm. Arm ist zum Beispiel: Wer kein warmes Zimmer hat, hungrig ist, keinen Arzt in Anspruch nehmen kann, an einer viel befahrenen Autostraße wohnen muss. Armut muss also konkret bestimmt werden.
- Ich war und bin Bewohner bestimmter Flecken auf dieser Erde (Elmshorn, Dithmarschen, Babenhausen, Föhr, Flensburg), aber ich bin auch Schleswig-Holsteiner, Deutscher, Europäer und mit vielen anderen Völkern und Gattungen Erdenbewohner. Wird eine dieser Ebenen verabsolutiert, entsteht falsches und unrechtes Bewusstsein.
- Sublimation der Materie ist eine negativ bewertete Entmaterialisierung.
- Wir müssen mehr die Bereiche Bildung und konkretes Miteinander in den Mittelpunkt stellen.
- Ich habe andere Zukunftsträume als in 15 Minuten nach Amerika zu fliegen, eine Autobahn von Hamburg über Sibirien und Alaska nach San Francisco zu befahren, drei Wochen Urlaub auf dem Mars zu verbringen, einen Fernsehapparat mit mehr als fünftausend Programmen zu haben, wobei die Bildschirme alle Wände meiner Wohnung ausfüllen, alle Waren der Welt in kürzester Zeit über Online ins Haus geliefert zu bekommen.
- Die Lebenswelt hat massiv an Bedeutungen verloren: Entweder besteht sie „idealiter“ aus einem Siedlungsbrei gleicher Einfamilienhäuser oder aus Gewerbegebieten mit Einkaufszentren. Übergänge zwischen beiden Bereichen gibt es nicht und sind nur mit dem Auto überbrückbar.
- Ich fliege nicht nach England, selbst nicht für fünf Euro. Basta! Ist das Ausdruck von Dickköpfigkeit oder ökologischer Charakterfestigkeit?
- Ziel muss sein: eine friedlichere, weniger ausbeuterische, nachhaltige, sinn- und sinnenvolle Lebenswelt.
- Wer alles konkret haben will, verzichtet auf das Bedenken von Möglichkeiten und damit Alternativen. Deswegen sind die offiziellen Träume und Utopien in der eindimimensionalen Warenkultur nur noch warenförmig.
- Kultur ist ein überindividueller Wert. Vielleicht liegt hier im Zeitalter des warenorientierten Individualismus die Ursache für den Niedergang lebendiger Kulturen.
- Durch die einseitige Ausrichtung auf medial vermittelte (zumeist nur kulturähnliche) Kultur ist insbesondere lebendige Volkskultur vernichtet worden. Dieser Gedanke kam mir anlässlich des spärlichen Rummelpott-Besuchs am Silvesterabend 2011.
- Eine Frage zum Jahresabschluss 2011: Warum ändern wir ständig die Welt - und nicht uns?
- Landschaftszerstörung und Sprachzerstörung von Minderheiten gehen Hand in Hand.
- Wenn bei Bild- und Filmkonsum keine Zeit für Erinnerung und Reflektion bleibt, dann ist diese Zeit verlorene Lebenszeit.
- Zerstörende und entfremdende Zivilisation hat auch Auswirkungen auf die Kultur und umgekehrt. Es bestehen zwischen Zivilisation und Kultur Wechselwirkungen.
- In der Demokratie ist jeder Bürger gleichzeitig Subjekt und Objekt (in einem), nicht nur Objekt. Kein Bürger ist gezwungen, seine Einkäufe primär über das Internet zu tätigen, ständig Auto zu fahren oder vor dem Fernsehapparat die meiste Zeit seiner Freizeit zu verbringen.
- Die technologische Interpretation des Menschen durch die Wissenschaft wird zunehmend von den Menschen internalisiert: Man sieht sich als Maschine und verhält sich idealiter wie eine Maschine.
- Die Uniformen von heute sind Designer-Klamotten und das Auto.
- Die gegenwärtige Zivilisation und Lebenswelt ist in bestimmten Bereichen extrem gewalttätig. Diese zu kritisieren und die Forderung, diese zu ändern, ist kein Ausdruck von realer oder potentieller Gewalt.
- Nur gegen Ideen zu sein ist genau so inhuman, wie nur für sie zu sein.
- Die Unerreichbarkeit der idealisierte Inhalte der Werbewelt macht diese zu religiösen Ikonen.
- Fünfundzwanzig Prozent der gekauften Lebensmittel werden weggeworfen. Interessant wäre, ob es hier schichtenspezifische Unterschiede gibt. Wenn ja, welche? Dieses Phänomen, wenn schichtenübergreifend, gehört auch zum Thema Armut.
- Vermutung: Wer im Geist klein ist, bedarf der großen Sachen wie überdimensionalsierte Autos und Fernsehschirme.
- Viele Bundesbürger gingen 2011 zum Weihnachtseinkauf gar nicht mehr aus dem Haus: Ncoh nie sind so viele Geschenke im Internet bestellt worden wie in diesem Jahr (Flensburger Tageblatt v. 27. 12. 11).
- Moderne, also zeitgemäße Menschen halten den Augenblick, den längeren geistigen Aufenthalt in einer relativ statischen Situation, nicht mehr aus, deswegen fahren sie, reisen sie und verlieren sich stundenlang in den Medien mit ihren stehenden und laufenden Bildern.
- Je früher sich eine Gesellschaft und Bürger auf die Erfordernisse einer nachhaltigen Gesellschaft ein- und umstellen, desto leichter wird für sie dieser sicherlich schwierige Übergang.
- Frage: Ist es langfristig bequem, es immer bequemer zu bekommen?
- Das erste Newtonsche Gesetzt lautet: „Ein Körper
verharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmigen Translation,
sofern er nicht durch einwirkende Kräfte zur Änderung seines Zustands
gezwungen wird.“ Hier wirken allein die Massenanziehungskräfte. Die
materiellen Körper selbst sind bewegungslos, was man auch als tot
bezeichnen kann. Die Massenanziehung wirkt nicht auf oder in
einem materiellen Gegenstand selbst, das wäre, wie Münchhausen sich am
eigenen Schopfe aus dem Sumpf zöge. Naturgesetze basieren und
beschreiben diese Massenanziehung.
Das Leben durchbricht diese Ordnung, allerdings nur auf Zeit, denn das Leben wird durch Krankheit geschwächt und erlischt schließlich im Tode, wird zu Materie oder teilt sich in Materie und Seele. Leben erhält sich mit Hilfe von äußerer Energie, die in Lebensmitteln vorhanden ist und in körpereigene (metabolischer) Energie verwandelt wird, so dass nur Lebewesen über die Möglichkeit der Eigenbewegung verfügen.
Die dominierende Logik der gegenwärtigen Entwicklung besteht aber darin, die Eigenbewegungen des Menschen durch Fremdbewegung in Form von Motoren angetriebenen Maschinen zu ersetzen, d. h.: Der zeitgemäße Mensch wird tendenziell zu einem Körper in Newtonschen Sinne, der allein durch auf ihn einwirkende Kräfte verändert wird. Diese Entwicklung bezieht sich nicht nur auf Ortsveränderungen, sondern wird tendenziell zu einer internalisierten Haltung. - Vermutung: Da die Wörter „die Ware“ und „das Wahre“ die gleiche Lautgestalt haben, werden zunehmend beide gleichgesetzt.
- "Die gröbste Form der Mißwirtschaft ist der Raubbau" (Friedrich Georg Jünger).
- Den Begriff „Reichtum“ ausschließlich auf den Besitz von materiellen Waren zu reduzieren, ist nicht angemessen. In Reichtum steckt immer auch eine innere, immaterielle Dimension, Freiheit von und zu und die Verfügung über Fähigkeiten und Kräfte.
- Der Vergleich von Preisen ist vielleicht die einfachste geistige Operation. Deswegen ist die Beschäftigung mit Preisen wohl auch so populär.
- Das weltweite Massenaussterben in Planzen- und Tierreich geht nach Angaben der Umweltstiftung WWF ungebremst weiter. Neben Wilderei und Klimawandel ist vor allem die unaufhörliche Lebensraumvernichtung ein Grund dafür.
- „Hauptsache billig. Die Überschrift des Artikels „Hauptsache billig: Leiharbeit auf dem Vormarsch“ im Flensburger Tageblatt ist wahr und bedauerlich zugleich. Aber weder die Gewerkschaften noch andere Instanzen erkennen – oder wollen nicht erkennen, dass das Prinzip „Billigkeit“ alle Schichten bereits durchdrungen hat, d. h. herrschende Richtschnur für rationales und moralisches Handeln geworden ist. Selbst ein Arbeiter kauft nicht die Produkte seiner Firma, selbst ein Nordfriese nicht die Milch seiner Region, wenn sie woanders billiger zu bekommen sind. Diese zwei Beispiele lassen sich leider ohne Ende vermehren. Nur wenn jemand selbst Opfer dieses Prinzips wird, entsteht plötzlich Empörung, ansonsten gilt es als Ausdruck zeitgemäßer Lebensklugheit“ (veröffentlichter Leserbrief v. 17. 12. 11). Dazu noch folgende Rückmeldung eines Lesers: "Leider scheint der Tellerrand für viele Mitbürger immer noch zu breit,um darüber hinwegzuschauen,solange auf dem eigenem Teller noch genügend Schnäppchen vorhanden sind."Hauptsache billig" heißt immer ,Ausbeutung in vielerlei Gestalt hier und anderswo billigend in Kauf zu nehmen ,denn irgendjemand muß den wahren Preis der Ware oder Dienstleistung ja bezahlen."
- Kritik an die Bürger kann aus strukturellen Gründen von der Politik und auch von der Presse schwer thematisiert werden. Warum ist das so? Kritisiert man das Volk, besteht die Gefahr, dass man nicht wiedergewählt oder nicht gekauft wird.
- Warum würde für viele Menschen ein Traum in Erfüllung gehen, wenn aufgrund der Klimaerwärmung es möglich wird, zwischen Sibirien und Alaska eine Autobahn zu bauen. Meine Träume sind jedenfalls von ganz anderer Art.
- Zumindest in der Rückschau war es ein falscher Weg Deutschlands, eine Nation und dazu militärisch und wirtschaftlich stark ausgerichtet, werden zu wollen. Warum haben wir nicht damals weiterhin auf kulturelle Identität gesetzt?
- Die Politik hat es ungleich schwerer als die Kritik der Politik. Die Politik muss ante festum entscheiden, die Kritik der Politik post festum.
- Vor kurzem fand ich folgendes Zitat, das aus meiner Sicht nicht die
ganze, aber eine Teilwahrheit enthält:
“So-wie-es-ist” wird nicht von “denen da oben” bestimmt und auch nicht von ihren Wasserträgern “ganz unten”. Mit deinen Entscheidungen gestaltest du “das Jetzt” und wirkst nach oben. Du entscheidest wieviel Nahrung das System erhält und welche Personen an Einfluss gewinnen." - Der Onlinekauf kennt nur noch als direkte Beziehung die von Käufer und der jeweils ausgewählten Ware. Andere Menschen, seien es Verkäufer oder Mitkäufer sind eliminiert. Das gilt auch für das Geschäft selbst und dem Ort, wo es steht.
- Wir müssen von der Position des Superkonsums herunterkommen (Hans Joachim Schellnhuber).
- Den einzigen Lebenssinn im Konsum zu sehen, ist die denkbar höchste Schwundform von Sinnhaftigkeit.
- Der gegenwärtige Zeitgeist konzentriert sich ausschließlich auf die Veränderung der äußeren Welt in Form von Waren, Infrastrukturen, neuen Technologien usw. Es ist Zeit, die Akzente auf innere Veränderungen in Form von Bildung, (höhere) Kultur, sozialer Sensibilität, Moralität, Genussfähigkeit, Blick für Schönheiten zu setzen, kurz: sich um das Wahre, Schöne und Gute intensiv bemühen. Diese Neuorientierung liegt nicht nur im Interesse des Menschen, sondern verringert auch den immensen Druck auf die Umwelt. Diesen Ansatz habe ich ein Stück verwirklicht.
- Amazon und ähnliche Unternehmen dehnen sich auf Kosten der Städte und Arbeitsplätze aus. Die Maxime lautet also: Nur abstrakt einkaufen, wenn es keine andere Möglichkeit gibt.
- Haptisch reduzieren sich unsere Welterfahrung zunehmend auf Knöpfe, Touchscreens und Lenkräder.
- Das junge, sehr hübsche, charmante und liebenswürdige Mädchen in ist Rumänien geboren, ihre Vorfahren sind rumänischer, jüdischer und ungarischer Herkunft. Aufgewachsen ist sie in Deutschland und fühlt sich auch als Deutsche. Was für ein Gewinn für dieses Land.
- Leben ist der gemeinsame Nenner aller Lebewesen. Lebendigkeit ist eine intensive, produktive und subjektiv als stark empfundene Zustandsform des Lebens. Leben erhalten sowieso, mir geht es auch wesentlich auch um die Erhaltung und Unterstützung von Lebendigkeit. Tendenz der Gegenwart: Erst nimmt man den Lebewesen ihre Lebendigkeit, dann das Leben. Das gilt nicht nur für Tiere und Pflanzen.
- "Niedlich, dass sich im südafrikanischen Durban gerade (2011, bm) das Weltvolk versammelt und so tut, als wolle man etwas gegen den Klimawandel unternehmen. Aber gemessen an dem, was nötig wäre, um die Katastrophe aufzuhalten, ist Durban Sandburgbauen gegen die Flut" (Monika Wilkens).
- Man sollte doch nicht Vernunft, Ethik und Zukunft allein mit dem Argument außer Kraft setzen, weil eine bestimmte Maßnahme Arbeitsplätze kostet oder kosten könnte.
- „Ich nehme das Auto, obwohl ich es eigentlich nicht dürfte“ oder „Es regnet, ich nehme das Auto“ oder „Ich will zum Kaufmann und nehme das Auto“. In der Reihenfolge dieser Sätze spiegelt sich das abnehmende Umweltbewusstsein bis zu seiner völligen Abwesenheit.
- Im Kapitalismus herrscht soziale Kälte, d. h. tendentiell verschwinden zunehmend konkrete zwischenmenschliche Beziehungen wie intakte Nachbarschaften aus der Lebenswelt.
- Durch die vielen Möglichkeiten, mit Auto und Flugzeug in die Ferne zu kommen, wird die konkrete Nähe, z. B. Naherholungsgebiete, entwertet und nicht mehr aufgesucht bzw. verlassen.
- Heute partizipieren neunzig und mehr Prozent der Deutschen (einschließlich des Autors dieser Zeilen) von dem gegenwärtigen globalen Wirtschaftssystem, zumindest in dem Sinne, dass Ihnen materiell mehr zuteil wird, als ihnen von dem Anteil, der Nachhaltigkeit sichern würde, zusteht.
- Dass heute in bestimmten Bereichen wie in der Wirtschaft und Finanzen ungerechtfertigt große private Gewinne gemacht werden, ist offensichtlich Tatsache, die geändert werden muss. Verteilte man diese Gewinne gleichmäßig auf die mittleren und niedrigen Einkommensschichten und Arbeitslosen, würde das für den einzelnen nicht spürbar zu Buche schlagen – so meine Berechnungen. Es liegt also ein Gerechtigkeitsproblem vor.
- Ein immer stärker werdender Irrtum des Menschen besteht darin, die Bedeutung einer Sache als wichtiger zu erachten als das Bedeutete, also die Sache selbst.
- How many slaves work for you? There are 27 million slaves in the world today. - Zumindest wenn Du Schnäppchenjäger bist.
- Moderne Traditionspflege: Nur noch auf Wandreliefs an städtischen Bauwerken kann man sehen, wie das alte Chengdu aussah, bevor es komplett neu aufgebaut wurde (FAZ v. 19. 11. 11).
- Wenn ich eine Pflicht in Freiheit übernehme, bin ich höchstens sekundär durch die Inhalte der Pflicht determiniert.
- „Die Woche ist nun fast niedergerungen“. Diese Satz hörte ich im NDR 2 an einem Freitag. Welch ein Verhältnis zur Zeit. Wie es nach Heine eine Ermordung des Raumes gibt, so auch eine der Zeit.
- Der Szientismus und Naturalismus haben es explizit, die bestehenden technischen Strukturen haben es implizit geschafft, dass die Gesellschaft und die Individuen zunehmend davon überzeugt worden sind, dass die Materie und ihre gesetzmäßigen Bewegungen, die „wirkliche“ Wirklichkeit sind. Materie und ihre gesetzmäßigen Bewegungen sind verglichen mit geistigen Bewegungen starr und eindimensional. Sie sind eindeutig voraussehbar und damit beherrschbar, während der Geist über Freiheit verfügt und damit sprunghaft und mehrdimensional ist, was gesetzmäßiges Verhalten auf Zeit sehr wohl einschließt. Die Folge ist, dass alles, was mit Geist zu tun hat, seien es Geisteswissenschaften, kulturelle Einrichtungen oder Bildung, auf dem Rückzug sind.
- Hochkultur als ein Maßstab für Orientierung ist unverzichtbar.
- "Endlos lange Beine, eine winzige Wespentaille, vollkommen glatte Haus: Werbefotos (und nicht nur die, bm) gaukeln dem Betrachter fast immer eine unrealistische, am Computer bearbeitete Welt vor" (Fl. Tagebl. v. 30. 11. 11). Verallgemeinert: Das Bild ist immer ein Abbild, nie die Wirklichkeit.
- Nach Kant verfügt das Gemüt bzw. die Seele über das angeborene Vermögen, Lust oder Unlust zu empfinden. Ich vermute, dass es letztlich keine neutrale Beziehungen zu Dingen und Situationen gibt: Wir bewerten immer. Dazu gehört keine Kunst und ist auch nicht aufwendig. Ernst wenn diese Bewertung differenziert begründet wird, sind Stil, Kultur und Demokratie vorhanden. Mit anderen Worten: Wenn jemand nur Lust bzw. Unlust empfindet und ausdrückt, mag das für andere eine Orientierung hergeben (s. Einschaltquoten), ist aber selbst nur ein sehr einfacher Ausdruck, wenn es dabei stehen bleibt.
- Für eine schwierige Aufgabe muß man immer einen Sündenbock bereithalten, der diese Aufgabe verursacht hat. Wichtig ist, dass der Sündenbock kategorisch nie man selbst oder seine eigene Gruppe ist.
- Bereits in ihrer Gründungsphase haben die Grünen von dem notwendigen Primat der politischen Ökologie Abstand genommen. Dieses Primat gilt aber immer dann, wenn es zwischen ökologischen und gesellschaftlich-sozialen Zielen zu Konflikten kommt. Dieses Primat gilt natürlich nicht, wenn menschliche Selbsterhaltung in elementarem Bereich gefährdet ist. Die Konsequenz ist, dass die Grünen ein genuin eigenes Profil verloren haben. Zwischen traditioneller linken und an technischen Entwicklungen angepasster Positionen gibt es die akzentuierte ökologische, die bei den Grünen nicht mehr nennenswert vertreten wird. Um ihre Politikfähigkeit zu beweisen, konzentrieren sie sich auf jedes aktuelle Thema, ohne es mit der ökologischen Theorie zu verbinden. Viele ökologische Politikfelder werden deshalb nicht thematisiert.
- Grün hat viel mit Liebe, aber nicht mit Angriff zu tun. Engagiert, aber nicht klassenkämpferische Rhetorik wäre die rechte Methode.
- Die technisch orientierte Moderne stößt an biologisch-genetische Grenzen. Sie nicht wahrzunehmen, dient weder dem Menschen noch der Natur.
- Ständiges Leben aus zweiter Hand ist zumindest reduziertes Leben - wenn überhaupt.
- Die Situation, die das 1975 erschienende Buch von Herbert Gruhl „Ein Planet wird geplündert“ beschreibt ist Ende 2011 noch viel realer als damals.
- Für zunehmend viele materiell und energetisch aufwendige, aber vollkommen überflüssige Dinge und Aktivitäten wird die Erde geplündert und wie eine Zitrone ausgepresst.
- 1973 erschien das Buch „Small is beautiful“ von Ernst Friedrich Schumacher, das sehr erfolgreich war und Kultcharakter hatte. Wenn ich mir allein die Autos in meiner Nachbarschaft ansehe, wird bereits deutlich, dass Schumachers Diktum sich in „Big is beautiful“ umgekehrt hat.
- Zweifelsfrei lösen Bilder Bedeutungen aus. Der große Irrtum der meisten Menschen besteht darin zu meinen, dass die durch Bilder ausgelösten Bedeutungen mit dem dargestellten Gegenstand, aber zumindest große Ähnlichkeit besäßen, fast identisch seien. Es ist vielmehr so, dass die aus Bildern entstandenen Bedeutungen gegenüber den realen Gegenständen und Situation nahezu autonom sind, d. h., sie sind gewissermaßen referenzlos. Die von Bildern ausgelösten Bedeutungen speisen sich zur Hauptsache aus subjektiven „Beständen“ wie Erinnerungen, Phantasien, Wünschen, Vorurteilen – und haben wiederum zweifelsfrei einen großen Selbstwert. Dieser Unterschied zwischen „Bildbedeutung“ und „Sachbedeutung“ in der Wahrnehmung wird in der Regel nicht reflektiert, ja nicht einmal wahrgenommen, denn diesen Unterschied sieht man nicht. Zugespitzt: Der Tahrir-Platz in der Tagesschau ist nicht der Tahrir-Platz.
- Kants „das moralische Gesetz in mir“ ist heute zusammengeschrumpft auf die Kategorie „Billigkeit“.
- Früher hatten die meisten Menschen zu wenige oder gar keine Bücher, heute oft zu viele, insbesondere wenn man das Potential des Internets hinzunimmt.
- Schizophren: Einerseits die berechtigte Forderung nach angemessenen Lohnuntergrenzen unterstützen, andererseits bewusst- und gewissenlos nur das jeweils Billigste kaufen.
- Ich unterstütze keine Revolution gegen ein undemokratisches Regime, wenn ausgewiesene Fakten belegen, dass diese Revolution nicht auf Dauer demokratische Strukturen anstrebt.
- Der zeitgemäße Mensch ist gleichzeitig real reduziert und im Schein erweitert. Anders gesagt: Die Realerfahrungen gehen drastisch zurück, die Welten des Scheins nehmen drastisch zu.
- In einem Zeitungsartikel wird bedauert, dass in ostdeutschen Wohnungen Geschirrspüler und Wäschetrockner nach der deutschen Wiedervereinigung immer noch nur halb so häufig vertreten sind wie im Westen. Auf die Idee, dass es Menschen wie mich gibt, die diese Küchenhelfer und viele andere Konsumartikel wie Auto und Fernsehapparat gar nicht zum Lebensstandard zählen, d. h. sie nicht haben wollen, darauf kommt der Autor nicht. Merke: Die Welt besteht nicht nur aus Waren.
- Offensichtlich waren immer viele Menschen leicht konditionierbar. Heute sind die „Leckerlis“ Schnäppchen.
- „Stadt für alle statt Kaufzwang“ steht in Kreideschrift auf der Straße nachdem ein bei Obdachlosen und Stadtstreichern beliebter Treffpunkt für sie unzulänglich gemacht wurde. Ich stimme diesem Schriftzug bei, erwarte aber gleichzeitig, dass sie sich in ihren Benehmen und Outfit ein Stück anpassen, aber nicht identisch werden müssen
- Große Errungenschaften der Moderne wie schnelle Raumüberwindungen und Verbildlichung aller Orte der Erde enthalten auch große Verluste.
- Amazon und andere Internetanbieter sind „menschenlose Läden“, die Jahr für Jahr rund um die Uhr Waren anbieten und verkaufen. Damit kann kein normaler Laden mit persönlicher Bedienung mithalten. Abgesehen vom Postdienst ist die Beziehung Käufer-Ware hier absolut „menschenfrei“.
- Der Wunsch, den ich auch kenne, aber nie realisiert habe, im Winter um die halbe Erde zu fliegen, um Baden zu können, reicht einfach als Legitimation nicht aus.
- Hochzeiten mit zusätzlichen spektakulären Bedeutungen wie Leuchtturm, mittelalterlichen Kostümierung oder „Schnapsdaten“ aufzuladen, sind ein Beleg für das Misstrauen gegenüber der eigenen Liebe.
- Fast 15 % der Flensburger sind überschuldet. Bevor man das bewertet, muss man fragen, für was wurden die Schulden gemacht? Notwendig oder nicht notwendig? Linkspopulisten sagen, das sei eine unanständige Frage, ich meine nicht.
- Das Problem gegenwärtiger Demokratie besteht darin, dass der Bürger Parteien wählen soll, die den Lebensstandard senken will bzw. muss. Jetzt rächt sich die enge Verknüpfung von Demokratie und materielles Wachstum.
- Durch unsere zwanghafte universelle Konsumorientierung gefährden wir unsere Freiheit. Wir werden uns in Zukunft zwischen diesem Konsum und Freiheit entscheiden müssen.
- These: Nicht die Umverteilung ist die große Lösung, sondern die Begrenzung und Entschleunigung der Dynamik des Kapitals; eine Dynamik, von der fast alle ergriffen worden sind.
- Verglichen mit modernen Informationsmedien ist das Auto rettungslos veraltet, weil es trotz aller Werbekampagnen dem Prinzip der Wirklichkeit ausgeliefert ist: Das Auto fährt ständig über Autostraßen, deren vorbeihuschenden Gebäude und Landschaften nur noch grau und schattenhaft wahrgenommen werden. Welch ein Unterschied zu den scharf gestochenen und farblich aufgemotzten Medienbildern jeder denkbaren Wirklichkeit oder Phantasie. Mit den modernen Medien ist dem Auto ein Gegner entstanden, der weitaus effektiver das Auto zurückdrängen wird als zum Beispiel mein Verweisen auf den unverzichtbaren Wert von wirklicher Wirklichkeit.
- Im Frühstücksraum eines Hotels steht in meiner Blickrichtung ein Fernsehapparat mit einem großen Bildschirm: Ich blicke hoch, sehe in das Bild hinein und erst mit einer nicht geringfügigen Willensanstrengung gelingt es mir, mich von dem Bild loszureißen und anderswohin zu blicken.
- Die Einkaufszentren an den Stadträndern ersetzen die gewachsene Innenstadt. Das ist nicht naturwüchsig, sondern das Resultat der Summe der Kaufentscheidungen der Bürger.
- Der Liberalismus ist der natürliche Gegner der politischen Ökologie. Es geht auch hier um die vernünftige Synthese, die beiden Dimensionen gleichermaßen dient.
- Eigenhaussiedlungen fördern die intensive Nutzung von Autos, die hier naturwüchsigen Charakter annimmt, obwohl man auch hier oft auf das Auto verzichten kann. Dieser Wunsch, im Grünen zu wohnen, reduziert sich real auf einen Garten, die restliche Landschaft wird zu Gebäuden und Straßen, d. h. die vorhandene Natur wird zerstört.
- Nicht den Satz des Protogoras verkleinern: Der Mensch ist das Maß aller Dinge.
- Der Kritiker ist nicht derjenige, der entlarvt, sondern der, der vesammtelt" (Bruno Latour).
- Grenzen setzen ist generell nicht mehr zeitgemäß, weil sie sich primär gegen die Dominanz der Waren richten müssen.
- Leben im Prenzlauer Berg in Berlin, im Schanzenviertel in Hamburg oder im Stadtteil Jericho in Oxford sind für mich Hoffnungszeichen, dass Urbanität noch möglich ist.
- Der große Gewinn der Globalisation besteht darin, dass Rassismus und Nationalismus zurückgedrängt werden.
- „Gegen vorschnelles Crossover: Man müsse quer zu den bisherigen Strukturen denken und nicht in ihnen, fordert Robert Habeck (Fraktionsvorsitzender der Schleswig-Holsteinischen Grünen). Aber dadurch werden Strukturen nicht abgeschafft, sondern es entstehen neue. Ob diese neuen sinnvoll sind oder nicht, muss diskutiert werden. Sein Beispiel „Jugendtheater“ statt ´Die Physiker` trifft sicherlich den Zeitgeist, aber nicht meine Auffassung von Kultur, die in ihren besten Ausformungen immer Hochkultur sein muss. Dass Hochkultur schwer bestimmbar und deswegen auch kontrovers diskutiert werden muss, ist kein hinreichendes Argument dafür, dass es sie nicht gibt. Dass es auch Kulturen außerhalb von Hochkultur gibt, weiß ich als ehemaliger Jazzfan und noch immer mitzitternder Fußballfan. Es geht hier also nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch“ (Leserbrief von mir im Flensburger Tageblatt).
- Alle Kulturen sind wertvoll und verdienen, unterstützt zu werden. Einer bestimmten Kultur das Prädikat Hochkultur abzusprechen, heißt nicht, sie in ihrem Eigenwert zu mindern. Vorsicht: Der Begriff Hochkultur wurde in der Vergangenheit häufig als soziales Unterscheidungsmerkmal missbraucht. Hochkultur kann man übrigens nur über einen kurzen Zeitraum leben. Hochkultur ist ein nie zu erreichendes Ideal, dem man sich nur nähern kann. Niveauunterschiede gibt es zumindest innerhalb einer Qualität, aber u. U. auch zwischen verschiedenen Qualitäten so zwischen Schlagermusik und klassischer Musik
- Krankheit ist eingeschränkte Lebenskraft. Es gibt Bedingungen, die die Lebenskraft fördern oder schwächen. Habituelles Autofahren und Fernsehen sind nicht förderlich.
- Arbeit am Fließband ist abstrakte Arbeit, die sich in drastisch reduzierten sozialen Situationen, regulierten Bewegungsabläufen und verengten Bewusstseinszuständen äußert. Der Gegenbegriff zu abstrakter Arbeit ist lebendige Arbeit. In beiden Fällen liegt zwar Abstraktion vor, aber von unterschiedlichem Ausmaß. Übrigens hat heute die abstrakte Arbeit auch auf den Konsum übergegriffen.
- „Woanders mehr bezahlen? Ich bin doch nicht blöd“ lautet ein Werbespruch einer bekannten Firma. Ist es gerade nicht umgekehrt? Ist nicht gerade derjenige Käufer im weitesten Sinne blöde, der Billigkeit zur alleinigen Entscheidungsgrundlage seiner Kaufentscheidungen macht? Müssen nicht Entfernung, Zeitaufwand, Benzin und Abschreibungen, nachhaltige Beratung, aber auch Schönheit, Freundlichkeit, Treue, Stadterhaltung, Umwelt- und Klimaschutz in die Kaufentscheidungen mit einfließen? Ist es nicht ein Zeichen von Intelligenz, Souveränität und kritischer Kompetenz, wenn sich der Käufer der Mehrdimensionalität des Kaufaktes stellt?
- Bedenkenswert: „Das Leben so einfach, das Denken so komplex wie möglich, so ist´s nach meinem Geschmack“ (Paul Valery).
- Eindimensionales Denken und Fühlen gibt es, seitdem Befehle ausgesprochen und befolgt werden.
- Gesellschaften oder Individuen, die auf dem Stand modernster Technologie und Ausstattung existieren wollen, müssen der Weltwirtschaft ein Äquivalent verkaufen können. Können oder wollen sie es nicht, müssen sie materiell weniger anspruchsvoll selbst bestimmt alternativ leben.
- Ein Ort muss so autonom sein, dass er ohne Hilfe von Medien Feste mit allen Bürgern durchführt. Ein Fest muss sich selbst tragen.
- Bildungslosigkeit ist der gleiche Zustand, wie wenn ein schlecht Sehender seine Brille verlegt hat.
- Auf die Frage, was Glück sei, antworten Kinder in Bhutan "Ganz laut ein Lied singen".
- Es gibt Leute, speziell junge Leute, die ihre Lebendigkeit und Spontaneität trotz massivem Motoreneinsatz und eindimensionalem Konsumdenken noch nicht verloren haben. Sie scheinen zumindest auf Zeit, unverwundbar zu sein. Aber das kann sich ändern. Warten wir ab.
- Eindimensionales Denken und Fühlen gibt es, seitdem Befehle ausgesprochen und befolgt werden. Übrigens geben Maschinen auch Befehle.
- Triviale Texte lesen und Bilderfluten über sich ergehen lassen = geistige Reduktion; Fremdbewegung = körperliche Reduktion. Schwierige Texte lesen, anspruchsvolle Bilder zu interpretieren, Ortsveränderungen zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen basieren auf interne anstrengende Interaktionen.
- „Zurück zur Natur!“ Nein. Aber mehr Anteile der Natur im und am Leben.
- Kritik der instrumentellen Vernunft, die keine anderen Werte kennt als die, die in der jeweiligen Gesellschaft dominieren und nicht in der Lage ist, diese dominierenden Werte zu kritisieren.
- Wirkliche Menschen sind für Menschen unverzichtbar: „Nur wo sich der Mensch am Menschen stößt und reibt, entzündet sich Witz und Scharfsinn, nur so sich der Mensch am Menschen sonnt und wärmt, entsteht Gefühl und Phantasie, nur wo der Mensch zum Menschen spricht, nur in der Rede, einem gemeinsamen Akt, entsteht die Vernunft“ (Quelle ist mir nicht bekannt).
- Wirtschaftswachstum ohne Zwecke, sondern nur als Selbstzweck, ist auch unverantwortlich gegenüber kommenden Generationen, denn diese werden die nun vergeudeten Rohstoffe und Energien noch bitter nötig haben.
- "Gebt ihnen ein Handy, aber erst, wenn sie vierzehn sind. Ansonsten sorgt dafür, dass Kinder kein iSpielzeug in die Hände bekommen, sonst landen sie im elektronischen Fegefeuer. Ein Plädoyer für die wirkliche Welt" (David Gelernter). Warum gilt das eigentlich cum grano salis auch nicht für Erwachsene?
- Zur Kultur der Kritik gehört wesentlich auch Selbstkritik gegenüber mir und meiner Gruppe. Kritisches Denken darf nicht aussetzen, wenn es in die eigene Nähe kommt.
- Alles kommt darauf an, ob man unter Vernunft „Technik-Vernunft“ oder „Allianz-Vernunft“ (Ernst Bloch) versteht. Eine Allianz-Vernunft liegt nicht vor, wenn Bahn und Auto in einer bestimmten Situation gleiche Aufgabe erfüllen, und man sich für das Auto entscheidet, obwohl die Bahn hier weniger zerstört.
- Der Präsident des SSC Neapel, Aurelio De Lautrentiis, beklagt, dass Disneyland in Paris mehr Besucher habe als die Ausgrabungen in Pompeji. Er hat mit seiner Klage Recht.
- "Wenn am Frankfurter Flughafen eine neue Landebahn in Betrieb genommen wird, reichen beispielsweise die Auswirkungen auf den nordwestlichen Luftraum über Düsseldorf hinaus bis zum Niederrhein" (FAZ v. 18. 10. 11).
- Wir leben im Motorzän:
In seinem bedenkenswerten Beitrag “Von der Umweltforschung zur
Unsweltforschung” (FAZ v. 12. 10. 11) verwendet Reinhold
Leinfelder folgerichtig, aber nicht die Sache treffend, den Begriff
„Anthropozän“, da wir uns bereits im „Motorzän“ befinden. Dieser
Begriff trifft genau das dominierende Merkmal des gegenwärtigen
Erdzeitalters: Zunehmend werden alle körperlichen und geistigen
Tätigkeiten in der Produktion und Konsumtion über
motorenbetriebene und Energie verbrauchende Maschinen vermittelt. Und
zunehmend wechselt das Herrschaftsmoment vom Menschen zum Motor: Der
Mensch wird zur Funktion der Maschine und nicht umgekehrt, wie es
ursprünglich der Fall war und wie immer noch viele Menschen
glauben. In dieser Entwicklung zum Motorzän liegt die Hauptursache
gegenwärtiger ökologischer, humaner und letztlich wirtschaftlicher
Probleme.
Die gegenwärtige Hauptaufgabe besteht darin, unser Verhältnis zu Motoren zu reflektieren und dann zu bestimmen. Maxime: „So wenig wie nötig“ und nicht „So viel wie möglich“. Diese Prioritätensetzung und deren Reflexion werden weder von der traditionellen und „neuen“ Linken noch von den Grünen geleistet. - Ich bin gegen die Forderung nach Gleichheit der Lebensbedingungen. Warum? Die gegenwärtige Auffassung von guten Lebensbedingungen teile ich teilweise nicht. So möchte ich in einer autofreien und nicht in einer autogerechten Stadt leben.
- Der Philosoph Pascal Bruckner äußert sich zur Ökologie wie folgt: „Die Freunde der Natur sind die Feinde der Menschheit. Er stört sich darin, dass man seiner Tochter in der Schule beibgringt, beim Zähneputzen ncht permanent den Wasserhahn laufen zu lassen und hält es für eine moralische Anmaßung, wenn aus Umweltgründen um Einschränkung bei Flugreisen und Autofahrten geworben wird.“ Und Peter Sloterdijk spricht neuerdings vom „klimatischen Sozialismus“. „Wir brauchen eine Rettung vor den Rettern.“ Ich frage mich, ob diese Philosophen unbeschränkte Lobbyisten der Wirtschaft geworden sind oder den absoluten Individualismus huldigen oder der Meinung sind, dass die Technik alles richten wird.
- Ab dem 17. Jh. begann, man, das Verhalten der Menschen in Form der Innenlenkung in Analogie zur Uhr
auszurichten, mit der Erfindung von motorisierten Maschinen ab
dem 18. Jh. wurde diese Innenlenkung in der Produktion zusätzlich von
außen von diesen Maschinen verstärkt, heute findet Innenlenkung
und Außenlenkung gleichermaßen in allen Lebenssituationen
statt.
Selbstbeherrschung ist der Gegner von Konsumimpulsen. - „Die Deutschen sollen mehr konsumieren“ lautet eine oft gehörte Forderung von Wirtschaftsfachleuten. Das kommt mir so vor, als ob man einen extrem übergewichtigen Menschen auffordert, noch mehr zu essen.
- Es gibt viele Formen der Armut: Hunger haben, kein Dach finden, wichtige Dinge nicht besitzen, sich nicht selbst bewegen können, nur im Konsum leben, keine Kinderlaute hören, keine Gespräche führen, täglich stundenlang vor dem Fernseher sitzen, in eine duftlosen Welt leben, keine Natur in seiner Umwelt haben, ....
- Für Traditionslose gibt es keine Vergangenheit und (inhaltlich) keine Zukunft. Warum? Sie leben nur im gegenwärtigen Zeitpunkt. Dadurch fehlt ihnen das Bewusstsein für epochale Unterschiede, die wiederum Voraussetzung für historisch-vergleichende Begriffsbildung sind. Sie vermögen nur noch Begriffsbildungen für Oberflächen, die primär aus verschiedenen Waren besteht, zu verwirklichen. In diese eindimensionale Welt fallen widerstandslos die Konsumimperative ein.
- Einerseits ärgere ich mich über einseitig konsumorientierte Menschen, weil sie direkt die Umwelt zerstören, andererseits tun sie mir Leid wegen ihres verfehlten Lebens. Sie müssten sich einer Therapie unterziehen; ob diese hilft, vermag ich bei dieser übermächtigen Sucht nicht zu beantworten.
- „Das Leben so einfach, das Denken so komplex wie möglich, so ist´s nach meinem Geschmack“ (Paul Valery). Sollte wir nicht alle etwas von diesem Geschmack übernehmen?
- Die Erosion der Innenstädte beginnt an ihren Rändern, bevor sie ihr Zentrum selbst befällt.
- Susanne Gaschke äußert entschiedene Kritik an der kommerziellen Ausbeutung unserer Kleinsten. Sie werden erschlagen von materieller Überfülle. Ich meine, das ist nicht nur ein Problem unserer Kleinsten.
- Das industrielle Wirtschaftssystem mit seinem strukturbedingten Wachstumsnotwendigkeit ist aus ökologischen, wirtschaftlichen und humanen Gründen in eine Sackgasse gelandet. Wir müssen neue Wege suchen und betreten.
- Eine Facette des auf Preise dressierten Bürgers: Am liebsten billig. Beim Einkauf von Lebensmitteln geht bei Bundesbürgern Preis vor Qualität.
- Jedes Lebewesen und damit jeder Mensch hat das Vermögen, sich selbst zu bewegen, und das Wollen, dieses Vermögen zu praktizieren. Wegen inneren und äußeren Bedingungen ist dieses Vermögen in der heutigen sitzenden Gesellschaft drastisch eingeschränkt. Wegen dieser Beschränkungen versucht der Bewegungsdrang aber gelegentlich noch auszubrechen in Form von Tanzen, Randale, Extremsport usw.– bis auch diese Ausbrüche langsam versiegen.
- Körperliche Arbeit fällt unter die Kategorie Eigenbewegung. Technische Entwicklungen haben dazu geführt, dass schwere körperliche Arbeit nicht mehr das Los der Mehrheit der Bevölkerung ist. Und das ist gut so. Nicht nachvollziehbar ist aus meiner Sicht, dass tendenziell die Eigenbewegung in alltäglichen Funktionen wie Einkaufen, Freunde besuchen, Naherholungsgebiete zu genießen oder an öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen von der inzwischen überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung im Auto durchgeführt wird. Diese Entwicklung ist die Hauptursache für das Sterben unserer Städte und Dörfer, für die Auflösung von lebendigen Nachbarschaften, für vermehrten Autoverkehr mit entsprechenden (häßlichen) Infrastrukturen.
- Die ursprünglich verschiedenen Lebenswelten werden auf der Erde immer ähnlicher.
- Vergleiche die Breite und Tiefe von Gerüchen in einer amerikanischen Kleinstadt in North Carolina um 1906 (Thomas Wolfe, Schau heimwärts Engel, S. 100) mit der heutigen Abwesenheit von Gerüchen in Natur, Läden, Häusern. Das ist übrigens auch eine Form von Armut.
- „Die Erde hat kein Fell mehr“ (Thomas Wolfe, Schau heimwärts Engel S. 101).
- Wenn es noch lebendige Städte und attraktive Naherholungsgebiete gäbe, gäbe es nicht so viele Fluchten in die Medien und Fahrten zum Selbstzweck.
- Ein Zeit fressender, aber doch viele Menschen befriedigender Mittelpunkt des Lebens besteht faktisch und emotional aus den Akten des Bestellens.
- In den visuellen Medien kann tendenziell nur materiellen "Reichtum" bzw. Armut gezeigt werden. Innere Werte im weitesten Sinne sind visuell direkt nicht darstellbar.
- Überflüssiger materieller "Reichtum" gehört in Wirklichkeit zur Armut. Die dominierende Täuschung in der Gegenwart besteht darin, die Anhäufung von Waren umstandslos als Reichtum zu bezeichnen
- Den Weltreisenden geht zunehmend die Zone des Außen abhanden.
Aus einer Werbung, die gleichzeitig den Niedergang sozialer Netze belegt: „Viele Extra-Aufgaben wurden von Nachbarn, Freunde, Verwandten und Mitarbeiter erledigt. Diese schöne Tradition ist heutzutage jedoch nicht immer möglich. Unsere Firma kann diese Lücke schließen.“
- Der Begriff „konservativ“ ist einerseits von der dogmatischen Linken umstandslos mit „reaktionär“ gleich gesetzt worden, andererseits von selbsternannten „Konservativen“ umstandslos mit reaktionären Inhalten gefüllt worden. Er hätte Besseres verdient.
- Das Leben ist das Höchste, was wir haben. Im Leben ist alles, von Materie bis Transzendenz, enthalten - und das Leben ist heute in nie gekanntem Ausmaße in Gefahr. Daraus speist sich meine Engagement, alles zu verhindern, was das Leben unnötigerweise behindert oder zerstört.
- Wir können die Welt gezwungenermaßen nur von außen betrachten, aber inzwischen dehnen wir diese Sichtweise auch auf uns selbst aus, obwohl wir sehr wohl hier auch die Möglichkeit der Binnenperspektive haben. Der Verzicht auf diese Perspektive ist eine Ursache für die Flachheit des Zeitgeistes und der Tendenz, die Möglichkeit der eigenen Entwicklung nur noch in seinem äußeren Erscheinungsbild zu suchen.
- Der Schriftsteller José Saramago wusste, wie es ist, in Armut aufzuwachsen. Wenn man in jedem Frühjahr die Bettdecken verpfänden muss. Wenn die Großeltern mit den kleinen Ferkeln im Bett schlafen, um sie vor der Kälte zu schützen. Oder wenn man sich mit der ganzen Familie einen Teller Suppe teilen muss. Dazu als Differenz: Die Hälfte der Deutschen trägt nur die Hälfte des Bestandes ihres Kleiderschranks.
- Nach Aristoteles ist Bewegung das Hauptmerkmal von Natur, Bewegungslosigkeit im Sinne von Eigenbewegung ist der Normalzustand moderner Menschen im Alltag.
- Der moderne Mensch ist problemlos in der Lage, permanent Kontinuitäten abzubrechen oder gar nicht erst entstehen lassen. Möglichkeiten sind: ins Auto steigen, in die Sonne fliegen, den Fernseher anschalten, ….
- Zukunft der Innenstädte: Handeln ohne Stadt? Stadt ohne Handeln? Online-Shopping, große Ketten und Einkaufscenter am Rande der Stadt verändern die Strukturen der Innenstädte (Verlautbarung der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland). Ich befürchte, nicht nur die Strukturen der Innenstadt ändert sich, sondern deren Auflösung an sich steht bevor, wenn sich nicht das Kaufverhalten der Bürger ändert. Denn jeder Kauf ist auch ein politischer Akt.
- Ein Desiderat: Zu untersuchen, welche vielfältigen Verluste mit dem Verschwinden von Innenstädten verbunden sind.
- Selbst gut verdienende Menschen halten sich stundenlang im Internet auf oder laufen sich die Hacken ab, d. h. heute die Autoreifen abfahren, um an den jeweils günstigsten Preis heranzukommen. Die damit verbundenen Implikationen werden nicht thematisiert, sie sind das eigentliche Tabu unserer Gesellschaft.
- Der eigentliche Skandal oder die Amoralität besteht darin, dass Menschen aus Prinzip, nicht aus Not, unreflektiert nach dem Billigsten suchen.
- Leben entsteht erst, wenn Leben auf Leben trifft. So gesehen verschwindet das Leben aus dem Alltag.
- Im Supermarkt haben die Menschen im Gang und Gesichtsausdruck diesen lauernden Jagdausdruck – nicht nach Wild, sondern nach Schnäppchen.
- Das ist das Dilemma menschlichen Lebens. Wir sind immer Handelnde i. w. S. Jede Tätigkeit schließt während dieser Zeit alle anderen Tätigkeiten aus. Aber wir können uns für diese oder jene Handlung entscheiden. Auf diese Entscheidung kommt alles an. Es ist nicht egal, ob ich meine Lebenszeit sinnvoll oder zerstreut verbringe, ob ich ein Boulevardblatt oder ein gutes Buch lese, ob ich mit Motorengeheul durch Landschaften rase oder wandere. Hier prinzipiell alles gleich zu lassen, wäre das Ende der Humanität und Kultur. Aber diese Entscheidungen sind immer im Bewusstsein der relativen Wahrheit, mit Bedacht und selbstkritisch mit der Möglichkeit der Revision durchzuführen.
- Die Würde der Erde (Benedikt XVI.
- Logik gegenwärtigen Wirtschaftens: Verschwendung kurbelt die Wirtschaft an.
- Eine lebensnotwendige Frage: Eine Schau in Warschau fragt nach dem Rückschritt im Fortschritt (FAZ v. 23. 9. 11).
- Die Face-to-Face-Kommunikation ist in wesentlichen Teilen durch mobile Kommunikationstechnik ersetzt worden (Miram Meckel). Die damit verbundenen Verluste sind kein Thema mehr.
- Technische Systeme eliminieren den Zufall, was zu seiner generellen Ablehnung geführt hat. Es gilt, den Zufall aufzuwerten, z. B. ein Lob des Zufalls zu schreiben.
- Das Ende der Neugierde durch Luxus: "Selbst beim Inselhüpfen durch die Ägäis ist es als Passagier der "Seadream II" manchmal schöner, an Bord zu bleiben, als an Land zu gehen - denn dort wird jeder Gast behandelt als sei er Millionär" (FAZ v. 22. 9. 11).
- Colin Crouch schreibt in seinem lesenswerten Buch „Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus“, dass es die gigantischen transnationalen Konzerne seien, unter denen die Demokratie und das Marktmodell leiden. Aber - so der Ausweg - wir können uns wehren, indem wir auf unsere Werte und unsere Macht als Verbraucher besinnen. Dem stimme ich vorbehaltlos zu, allerdings darf nicht davon ausgegangen werden, dass „unsere Werte“ identisch seien mit den Warenangeboten dieser Konzerne.
- Zeitgemäße Welt: Was man nicht messen und damit berechnen kann, existiert nicht.
- Ein Fernsehapparat ist ein Staubsauger ohne Beutel, d. h. seine gesendeten Inhalte verschwinden im Nowhere
- Gekaufte Individualität: „Konsumtrend: Individualität ist gefragt. Jeder Anzug ein Einzelstück – das ist der Wunsch von immer mehr Kunden“ (Flensburger Tageblatt vom 20 .9. 11).
- Eine Maxime gegen den Zeitgeist: .Wenn Du auf der Treppe gestolpert bist, bringe nicht noch mehr Handläufe an, sondern entferne die bereits bestehenden. Problematisch?
- Nur wenn menschliches Leben direkt bedroht ist, gehe ich nicht vom Primat der Ökologie gegenüber der Ökonomie aus. Diese Position muss meiner Ansicht nach allgemeine Maxime werden.
- Eine angepasste Existenz verhindert ein gutes Leben und insbesondere gegenwärtig Nachhaltigkeit.
- „Ein Algorithmus ist eigentlich simpel: Er wertet als mathematische Formel das aus, was wir bisher getan haben und projiziert es dann in die Zukunft. Aus unserer Vergangenheit und unserem früheren Verhalten wird unser mögliches zukünftiges Verhalten errechnet. Das bedeutet, wir bewegen uns in einem Tunnel unserer selbst hinein, der immer enger, immer selbstreferentieller wird, weil keine neuen Impulse mehr hinzukommen. Wir werden zu dem, was eine Software als historische Präferenz- und Verhaltensmuster von uns errechnet hat“ (Miriam Meckel in FAZ v. 17. 9. 11).
- Wenn Menschen zu einem Algorithmus geworden sind (im Sinne von Miriam Meckel), dann sind sie für andere und für sich selbst absolut berechenbar und damit prognostizierbar. Freiheit, Spontaneität und Kreativität sind dann aus dem menschlichen Leben eliminiert. Vielleicht sind unsere Erfahrungen das Ergebnis von unbewussten Verrechnungen, aber das geschieht implizit und ist damit relativ unscharf, so dass Freiheit in menschliches Denken und Handeln einkehren kann, ja muss.
- Wir sind alle an der gegenwärtigen Misere und kommenden ökonomischen Katastrophe schuld, weil auch wir von dem System, das wie kein anderes in der Lage ist, Wohlstand zu generieren, profitiert haben. Wir waren und sind immer noch alle Komplizen dieses Finanzierungsmodells. Das System hat den Konsum befeuert, auch für Leute mit bescheideneren Einkommen. Einzig mögliche Gegenwehr: eine kampfeslustige, vielstimmige, transnationale Zivilgesellschaft, die sich gegen die Ausschließlichkeit ökonomischen Denkens in Stellung bringt und Politik (Staat) wie Konzerne immer wieder auf das Schlachtfeld der Moral zerrt, auf dem diese noch am ehesten verwundbar ist (aus einer Rezension zu "Das befremdliche Überleben des Neoliberaslimsu" von Colin Crouch in der FAZ v. 17. 9. 11).
- Je stärker und umfassender ein Mensch eine Funktion für etwas wird , desto schwächer wird seine Subjektfähigkeit.
- Der Ausdruck „life“ bei Radio- und Fernsehsendungen ist irreführend, denn die gesamte technische Vermittlung und das Artifizielle der Übertragungssituation sind davon unberührt.
- "Die ständig Sorge, ein besseres Leben zu versäumen, vergiftet unser eigentliches Leben“ (Melanie Mühl).
- Wirtschaften an sich zielt immer auf Gewinnmaximierung. Zum universalen Kapitalismus wird Wirtschaften erst dann, wenn global alle Gesellschafsschichten in der Produktion und Konsumtion eine Funktion von der Wirtschaft werden. Ich glaube, dass es keiner alternativen Wirtschafsform und –verfassung gelingen kann, die erreichte Höhe des Produktionsausstoßes zu erreichen. Trotz dieser Erfolge in der Warenproduktion und wohl auch in der notwendigen internationalen Zusammenarbeit sind die negativen Folgen für Mensch und Umwelt derart groß, dass wir dieses Modell nicht mehr weiter verfolgen können und dürfen. Das heißt auch, dass wir unser Wertesystem ändern müssen.
- Wirtschaftliche Subsistenzsysteme und Vereinigungen, die Erzeugergenossenschaften gerechte Preise garantieren, sind vielleicht die einzigen Mittel, sich gegen die Zwänge und Folgen der globalisierten Wirtschaft zu wehren.
- Zumindest im Alltagshandeln haben wir keine interdisziplinäre Sicht, das Ziel blendet alle anderen Dimensionen aus.
- Wenn man genauer hinsieht, sind historische Städte tendenziell geschminkte Leichen, nicht, weil sie alt sind, sondern weil sie fast nicht mehr bewohnt werden.
- Ein ständig laufender Fernsehapparat ist eine Art Staubsauger, der nicht Dreck, sondern Lebenskraft der Zuschauer aufsaugt, zumindest still stellt.
- Wenn jemand alle seine Kaufentscheidungen von dem Kriterium Billigkeit abhängig macht, ist das gleichwohl eine Form der Rationalität – wenn auch eine destruktive.
- Warum sind die ökonomisch Erfolgreichen so homogen in ihrer materiellen Ausstattung? Nur innerhalb dieser materiellen Werte wird Individualität ausgelebt, statt Mercedes-Limousine Jaguar.
- Der riesige Materie- und Energieverschleiß gegenwärtiger Lebensweise ist Ursache für die meisten globalen gesellschaftlich-politischen und natürlichen Verwerfungen, deren Ursprung man oft nicht mehr erkennt. Es gibt fast keine Aktivität mehr, die nicht in diese Logik eingebettet ist. Dagegen sind natürliche Lebensprozesse optimal material- und energiesparsam.
- Eine Selbstbeschreibung: Ich bin eine Art ökologische Cassandra.
- Die wirtschaftliche Logik sagt: Wer seine Konsumbedürfnisse allein in dem zehn Kilometer entfernten Einkaufszentrum befriedigt, leistet einen individuellen Beitrag zum wirtschaftlichen Niedergang aller dazwischen liegenden Läden. Tun dies viele, können diese Läden nicht existieren.
- Die zwei dominierenden Werte-Bs sind „bequem“ und „billig“.
- Meine Theorie ergibt Konsequenzen, die, wenn realisiert, anschlussfähig an die gegenwärtige Lebensweise sind.
- Wann setzt sich endlich die Erkenntnis durch, dass die Forderungen der politischen Ökologie ohne Wenn und Aber praktisch verwirklicht werden müssen. Allein der Klimawandel zwingt dazu. Intelligenz heißt doch, in unbekannten Situationen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Seien wir also intelligent.
- Wir ernten nicht mehr. Das ist ein beträchtlicher Verlust.
- Längere Aufenthalte in "Graubereiche" wie Medienkonsum, Autofahren usw. verhindern Wachstum.
- Eine ohne Notwendigkeit einseitige Ausrichtung auf Einkommen kann die Lebensqualität beträchtlich.verschlechtern.
- Eine konservative Haltung ist primär eine „Liebe zu“. Alles kommt also auf den Gegenstand der Liebe an. Wirtschaften kennt per definitionem keine Liebe.
- Zur Stille, die geistige Produktivität ermöglicht, gehört die Abwesenheit von Fernsehapparaten und Autos.
- Die Differenz zwischen notwendig und überflüssig ist kein Ausfluß von Ideologie, sondern es sind Begriffe, die Lebensqualität ermöglichen.
- Die Lebensmöglichkeiten sind viel zu reich, als sie zugunsten des Fernsehens und Autofahrens aufzugeben.
- Zwei Formen modernen Vandalismus: a) eine Bank im Park ist von Müll umgeben, b) Menschen, die meinen, sie hätten das Recht, jeden Ort allein mit dem Auto erreichen zu dürfen. Mit anderen Worten zur letzten Form: Legale Zerstörung bleibt trotzdem Zerstörung.
- Die abnehmenden Kraft der Wirklichkeit: Ein in Natur gelegenes Hotel mit vielen interessanten Gästen im schönen Schwarzwald. Trotzdem können einige dieser Gäste nicht auf das tägliche Fernsehen verzichten.
- Das genügt: Gutes Essen für den Körper, Wahrheit für die Seele.
- Bilder und Filme kann man bestenfalls nur addieren, wenn keine Zeit für deren Bedenken vorhanden ist.
- Zeitgemäße Menschen, die aus Prinzip den gegenwärtigen Trends hinterher hecheln, sind in der Regel langweilig, weil (fast) alle ihre Aussagen und Meinungen prognostizierbar sind.
- Die Lebenswelt wird durch eine Technikwelt ersetzt, in der das Restleben nur noch eine Funktion der Technik ist. Die Lebenswelt ist dort nur noch eine durch Massenmedien vermittelte Fiktion (Stichwort: Fernsehserien)..
- Für „zeitgemäße“ Menschen hat die Seele Chamäleoncharakter: Je nach subjektiven Erfordernissen der jeweiligen Situation ist sie entweder eine Funktion des Körpers oder sie ist zumindest im Alltag vollkommen autark, d. h. die Umwelt, wie immer sie ist, hat keinen Einfluß auf die Seele – selbst bei täglichen mehrstündigen Fernsehkonsum.
- Alle Versuche, das Leben zu beschreiben, führen unweigerlich in einen Zirkel, weil wir als Lebende selbst das zu Beschreibende und zu Erklärende sind. Deswegen hat die Kategorie des Lebens es in den Wissenschaften und im Alltagsdiskurs, der zunehmend von den Naturwissenschaften bestimmt wird, so schwer, Leben ist eben nicht objektivierbar. Damit ist auch der Niedergang der Eigenbewegung, die ein Lebensmerkmal ist, ein Stück erklärt: Der Motor (Fremdbewegung) ist berechenbar, erkennbar und damit beherrschbar, er ist eben nicht antiquiert.
- These: Bilder und Filme betrachten findet im Zustand der reinen Sinnlichkeit (an sich) statt. Aber jedermann fühlt und weiß, dass es sich hier um Defizitformen gegenüber Originalbegegnungen handelt.
- Von Natur aus sind wir tagaktiv und nicht nachtaktiv. Diesen Unterschied nicht zu berücksichtigen, hat oft seinen Preis - auch in ökologischer Hinsicht.
- Bedenkenswert: "Ich mag gerne unterschätzte Orte" (John von Düffel).
- "Friedlich in die Katastrophe" ist der Titel des gerade wieder aufgelegten Buches von Holger Strohm. Gerade, weil die Katastrophe im Kleide der Friedfertigkeit und des Fortschritts daherkommt, hat es die Kritik so schwer.
- Baron von Münchhausen-Strategie: Sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf ziehen heißt im Wirtschaftlichen: immer neue Schulden machen, die somit den Konsum und die Produktion ankurbeln, die wiederum mehr Steuern in die Kassen spülen.
- „Der Spiegel wird wichtiger als das Gespiegelte“ (Horst Stern). Das gilt universell: Etwas existiert erst, wenn es in einem Menschen gespiegelt wurde. Aber inzwischen gibt es massenhaft technische Spiegelungen des Spiegels – und hier liegen Gefahren.
- Vielleicht sind Sitten und Gebräuche ein Hindernis für die ungebrochene Entfaltung von Konsumzwängen.
- Habituelles Fernsehen hat den Charakter von einem Palimpsest, d. h. jedes Erlebnis wird sofort überdeckt und der Erinnerung entrissen.
- Der polnische Film „Shopping Girls“ zeigt: Zumindest vordergründig haben diese Mädchen nur ein einziges Bestreben: Shopping, alles andere hat sich diesem Bedürfnis unterzuordnen. Das ist natürlich nicht neu, aber diese Haltung war wohl nicht so beherrschend.
- Die Sorge um unsere Seele ist heute kein Thema mehr; heute dominiert, wenn überhaupt, die Sorge um unseren Körper. Wir müssen aber den Körper und die Seele gleichermaßen gut behandeln. Wenn ich den Körper gut behandele, profitiert nicht automatisch die Seele davon. Umgekehrt gilt Gleiches.
- Zwei Belege für die Macht des Konsums: "Die Chinesen sind Feuer und Flamme für Produkte von Apple: Wer sich kein iPad leisten kann, bietet Organe an" und "Einkaufen, solange wir jung sind" (Artikelüberschriften in der FAZ vom 22. 8. 11).
- Globalisierung: Heute kann sich selbst ein Amazonasindianer oder ein Halligbewohner über Internet etwas bestellen und bekommt es auch prompt geliefert.
- Eine mögliche Frage: In welchem zeitlichen Verhältnis steht Ihr Aufenthalt in Ihrem Garten aus Gründen des Genusses oder aus Gründen der Bearbeitung? These: Der erste Grund verliert zunehmend an Gewicht.
- Der Titel „Empört Euch“ der Schrift von Stėphane Hessel ist mir zu allgemein, d. h. es bedarf hier inhaltlicher Einschränkungen. Vermutung: Wenn man davon ausgeht, dass nicht alle Faktoren optimierbar sind und eine Partei seine Forderungen realisieren wollte, gäbe es eine noch größere Empörung.
- Bei Darwin ist die jeweilige Umwelt letztlich der Ursprung der Selektion. Heute übernehmen die Imperative der Konsumindustrie die Selektionsfunktion für menschliches Handeln.
- Wir haben heute tendenziell keine Primärerfahrungen und keine Zeit, um eigene Urteile zu bilden.
- Viele Menschen haben gelernt, ihre Standpunkte und Interessen zu äußern und darzustellen, aber nicht gelernt, persönliche Verantwortung für ihr Tun und ggf. anderer zu übernehmen. Das ist die Folge des einseitigeb Denkens in wirtschaftlichen kategorien und Werten.
- Das real existierende Einzelne wird durch das virtuelle Viele entwertet.
- Auch ein Aspekt der Armutsdiskussion: An unseren öffentlichen Wegen verkommen tonnenweise Obst, so auch gut schmeckende Mirabellen.
- Fernsehen und Auto haben die Gesellschaft weitgehend atomisiert; Internet führt die atomisierten Menschen auf sehr abstrakter Weise wieder ein Stück zusammen.
- Der gegenwärtige, objektive bestehende Furor der gesamten Menschheit besteht darin, die Erde wie eine Zitrone bis auf den letzten Tropfen auszuquetschen. Physikalisch ausgedrückt: die Entropie wesentlich beschleunigen.
- Wir machen uns in vielen Situationen grundlos zu Objekten, wenn wir beispielsweise unnötigerweise Auto fahren oder uns vor den Medien zu Tode amüsieren. Aber man ist nie nur Objekt, denn immer liegt zwischen Subjekt- und Objektsein ein Gemenge in mehreren Dimensionen in verschiedenen Mischungsverhältnissen vor, wobei ständig Interaktionen stattfinden. Subjekt und Objekt bilden immer eine Einheit.
- Menschliche Aktivitäten gibt es fast nur noch, wenn Wirtschaftsprozesses (direkt als Konsum oder indirekt als Event) stattfinden, wenn nicht, kommt das Leben zum Erliegen. Populär ausgedrückt: Ohne Moos nichts los.
- Sparen heißt heute nicht mehr, seine Konsumbedürfnisse einzuschränken, sondern allein die Preise, seien sie berechtigt oder nicht, für Waren und Dienstleistungen mit aller Kraft zu drücken.
- Die Forderungen der politischen Ökologie werden durch die Konsumindustrie erstickt.
- Wann fangen wir endlich an, unsere großen Aufgaben anzupacken?
- Was ist das für eine Seele, die nicht über eigene Erfahrungen und nhaltliches Wissen verfügt, sondern nur noch weiß, wo das jeweilige Wissen zu finden ist?
- These: Viele der jugendlichen Plünderer in England (2011) unterscheiden sich strukturell nicht von denjenigen Managern, die ihre Firmen oder die Volkswirtschaft um des persönlichen Vorteils Willens plündern. Beide Gruppen wollen Waren, Waren, Waren......Ende, das war es!
- Bildung ist strukturell Eigenbewegung, Medienkonsum ist strukturell Fremdbewegung. Mediennutzung ist das Gegenteil von Medienkonsum.
- Wir haben unbegründeten Respekt vor der großen Zahl – besser wäre, wir hätten Angst vor ihr.
- Innerhalb welcher Grenzen liegt das menschliche Maß? Diese Frage ist schwer, vielleicht gar nicht zu beantworten. Aber trotzdem weiß man genau, wenn es überschritten wird.
- Ein Hotel in Sils Maria geht mit Selbstverständlichkeit davon aus, dass seine Zimmer „fernsehfrei“ seien. Das ist allein schon durch die Schönheit der Landschaft und der Gegenwart von Friedrich Nietzsche nur stimmig. Übrigens verstehe ich es nicht, wenn im Urlaub nicht auf massivenm Bilderkonsum verzichtet wird.
- Ob Du die Differenz von Ort A nach Ort B im Modus der Eigenbewegung oder im Modus der Fremdbewegung, ob zu Fuß oder mit dem Auto überwindest, macht den großen Unterschied für Dich selbst und für die natürliche, soziale und kulturelle Umwelt aus. Diese Summe Deiner Entscheidungen und die Deiner Mitmenschen bestimmen Dich und sie und die Zukunft der Erde. Warum diese Enrsthaftigkeit? Frremdbewegung ist nur mit Hilfe von Motoren möglich. Jetzt denke weiter!
- Den zeitgemäßen Konsumbürger interessiert nur, wie sie neu angebotene Produkte und Entwicklungen günstig erwerben können und wie diese funktionieren. Ihre eventuellen negativen Auswirkungen werden nicht reflektiert, sondern hermetisch ausgeblendet. Man hat also Informationen, aber kein Wissen oder gar Bildung. Informationen sind nahe bei Signifikanten, die (fast) nicht internalisiert werden und die man ggf. problemlos vergessen kann.
- Eine provozierende These: Ausschließlich warenorientierte Bürger und englische Plünderer vom August 2011 sind in der Form verschieden, vom Inhalt gleich: beide Gruppen zerstören. Die Zerstörung durch den warenorientierte Bürger erfolgt legal, äußerlich friedlich, geordnet, systematisch, „rational“ in allgemeinem Konsens. Die Gewalt ist versteckt im Design, sie ist eine ästhetisierte Gewalt. Die Randalierer und Plünderer von England im August 2011 sind offensichtlich in ihrer Mehrheit die radikale Speerspitze des Konsumentismus.
- Auf die Bemerkung, dass ich keinen Fernseher habe, antwortet sie: „Ohne Fernseher könnte ich nicht leben.“ Und ich frage mich selbst: „Lebst du eigentlich?“
- Der gegenwärtige globale exzessive Konsum zerstört Erde und Klima. Wann beginnen hier endlich Selbstkritik und Verantwortung zu greifen? Letztlich begreife ich nicht diese Resistenz gegen notwendige Einsichten und Verhaltensänderungen.
- Luxus ist der Gegensatz zum Naturnotwendigen - und drin liegt die Gefahr des Luxus, wenn er auf Dauer gestellt wird.
- Eine Information ist ein Wissen, das uns hilft, Technik zu nutzen. Bildung ist nach vorherrschender Meinung überflüssig und real massiv auf dem Rückzug. Das Beharren auf Bildung und Eigenbewegung ist aber nicht reaktionär, sondern ein wesentlicher Bestandteil der condition humaine.
- In immer mehr Situationen reduzieren wir den Leib zu einem transportfähigen Körper oder zu einem reinen Träger von psychischen Inhalten und Prozessen.
- Technik macht wegen der Beschleunigung der Entropie aus Natur Müll. Natur macht aus Natur Natur.
- Exzessive Konsumorientierung dient der Flucht vor sich selbst.
- Die Bilder der Medien sind nicht die Realität. Deshalb kommt man nie in der Realität an. Aber das ist das uneingestandene utopische Ziel.
- Alles spricht dafür, dass das hartnäckige Leugnen der Klimaveränderungen und anderer ökologischen Schäden durch Menschen in der zumeist unbewussten Befürchtung beruht, seine Konsum- und Lebensgewohnheiten ein Stück verändern zu müssen.
- Das Wunsch nach Originalen (Bauwerke, Kunstwerke usw) ist Ausdruck für das Bestreben, nicht ganz auf Gewissheiten verzichten zu wollen. In der Orgiginalbegegnung vergewissert man sich auch selbst. Das passiert nicht in virtuellen Welten.
- In der Natur gibt es wie in der Zivilisation Ödnisse, aber nur letztere stimmt traurig.
- Das ist auch möglich: Mein PC ist - von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen - still wie ein Buch.
- In meiner Kindheit war die Alltagwelt „Programm“. Wir brauchten keine Spielscheunen oder Fremdinszenierungen, wir schufen uns eigene Welten. In unseren Spielwelten waren Eltern und Erwachsene Störfaktoren
- Eine Frage, die wir uns stellen müssen: Was ist schwerwiegender? Die Zerstörung der Erde, der Verlust von Arbeitsplätzen und die Schaffung neuer oder gar die Reduktion des gegenwärtigen Warenkorbs?
- Notwendiger Modernisierungsschub? Früher vertrieb man mit Schellen, Töpfen und Pfeifen den Winter, heute vertreibt man erfolgreich den Sommer mit aufheulenden Motorrädern, brummenden Autos und lärmenden Rasenmähern. Letzteres funktioniert, da der Sommer Stille liebt.
- Die Inhalte und Prozesse des Bewusstseins sind und finden im Bewusstsein statt, wurden aber oft nicht im Kopf hergestellt. Das gilt insbesondere für das Konsum-Bewusstsein.
- Toleranz ist ein wertvolles demokratisches Gut, durch sie werden eigene Normen und Überzeugungen rein formal überwunden, d. h. akzeptiert, ohne dass man es inhaltlich einsieht. Wenn allerdings Toleranz eingefordert wird, um Falsches und Schädliches ungestört durchführen zu können, liegt ihr Missbrauch vor. Das ist z. B. der Fall, wenn Motorradfahrer für ihr Verhalten Toleranz fordern, wenn ihre aufheulenden Motore ganze Stadtteile und Landschaften mit einem extrem lauten Lärmteppich überziehen. Hier eine klare Bestimmung von Mißbrauch vorzunehmen ist zumindest schwierig, oft unmöglich. Deshalb bedarf es hier einer ständigen Diskussion, nicht eines ständigen Schluckens.
- Meine Generation durchlebte eine Straßenkindheit. Wir kannten Autos nur von außen und mochten sie gar nicht, weil sie uns beim Spielen störten. Die heutige Enkel-Generation er-fährt eine Autokindheit. Kinder kennen Straßen nur von „außen“ und mögen sie nicht, weil sie ein Ort voller Gefahren sind und, wenn sie in Anspruch genommen werden, Anstrengungen verlangen.
- Seit der Vertreibung aus dem Paradies verändert der Mensch die Natur. Aber das ist kein einmaliger Vorgang, sondern es finden ständig weitere Veränderungen der Veränderung der Veränderung, der Veränderung …..statt. Nun ist ein Punkt erreicht, wo die Manipulation der Natur überhand genommen hat. Übrigens befürchte ich, dass der Prozess der Verhäßlichung der Erde noch lange nicht abgeschlossen ist.
- Auto- und Fernsehorientierung als Lebensziel binden den Menschen an ein flaches Leben. Auto- und Fernsehkonsum sind keine Erweiterungen der Fähigkeiten des Menschen, sondern Einschränkungen.
- Es gibt gute Gründe, die dominierende Logik und Ziel der Moderne als die Ersetzung der Eigenbewegung durch Fremdbewegung zu beschreiben. Ein Projekt, das unendlich viel Energie und Materie verbraucht. Das zu erkennen und korrigieren zu wollen, ist das genuine Anliegen der Politischen Ökologie.
- Ein Warenbewusstseins verhindert oft notwendige Reflexionen.
- "Müssen wir wirklich mehr, schneller, weiter, größer und höher sein als alle anderen ?" Diese Frage stellen sich viele Chinesen. Aber auch wir sollten sie für uns bedenken.
- Wir Menschen stehen nicht vor der Welt, sondern sind immer ein Teil der Welt: Wir sind immer in der Welt, sei es im Gefängnis, vor dem Fernseher, im Auto, im Theater oder auf der Wiese. Nur die unmittelbaren Umwelten unterscheiden sich also. Auf diesen Unterschied kommt alles an.
- Einige Dinge sind für uns aus sinnvollen Überlegungen Instrumente, andere Selbstzwecke. Hier findet oft unbemerkt ein Tausch statt. Es gilt aufzupassen.
- Zahl der Schlaganfälle bei Schwangeren steigt. Gründe sind eine ungesunde Lebensweise mit wenig Bewegung, ungeignete Ernährung und Übergewicht (FAZ v. 29. 7. 11).
- Bildung wir gegenwärtig von vielen Seiten bedroht.
- Moderne Menschen haben oft den „objektiven“ Blick und die Emotionsfreiheit von Wissenschaftlern, ohne solche zu sein.
- Eine analytische Einsicht: In unserer Gesellschaft ist die Freiheit und Zukunft mehr durch bestimmte Technologien als durch gesellschaftliche Eingriffe bedroht, obwohl man real beide Dimensionen nicht trennen kann.
- Aus technischer Sicht ist und muss der Mensch ein Mängelwesen sein. Sein Potenzial kann per definitionem nicht wahrgenommen werden.
- Die Konsumwelt kann ihre inszenierte platte Attraktivität nur dann entfalten, wenn die Erfahrung natürlichen und sozialen Lebens wegen innerer oder äußerer Bedingungen nur noch in minimalem Umfange möglich ist.
- Insbesondere Auto und Internet schwächen die Kategorien Raum und Zeit. Neue Orientierungssysteme treten an ihre Stelle. Autofahren ist für Leib und Geist immer Verlust, Internetnutzung ist für den Leib immer Verlust, für den Geist entweder Verlust oder Gewinn.
- Grundsätzlich gilt: Das Handeln bestimmt das Ich und nicht das Ich die Handlungen. Nicht: „Ich fahre das Auto“, sondern „Das Auto fährt mich.“ Nur in der Entscheidung, nun den Automotor anzulassen und dieses oder jenes Ziel anzustreben, ist das Ich Subjekt im autonomen Sinn. Ansonsten fährt das Auto, nicht das Ich. Diese Situation verallgemeinert. Die Summe meiner Handlungen konstituiert erst meine konkretes Ich: Wenn ich überwiegend vor dem Fernseher sitze, überwiegend Auto fahre, überwiegend mich selbst bewege und denke, überwiegend in Einkaufszentren und Internetkäufen aufhalte, prägt jeweils mein Ich. Die dadurch entstehende Eindimensionalität erklärt dann auch die jeweilige Kritikresistenz. Aber - und das darf nie vergessen werden - hat der Mensch aufgrund seiner Ausstattung mit Freiheit immer die Möglichkeit, sich Determinationen zu entziehen.
- "Im Internet spiegeln sich ökonomiegetriebene Globalisierung und wissenschafts- und technikgetriebene Medialisierung. Zwischen beiden wird es eng für das autonome Subjekt. Die Dinge verlieren ihren instrumentellen Charakter, sie verselbständigen sich und dienen sich gleichzeitig als neue Orientierungsliefereranten an. Wer darauf hereinfällt, der gehört dem (technischen) Fortschritt, statt dass ihm der Fortschritt gehört"(Jürgen Mittelstraß in "Internet oder Schöne neue Leonardo-Welt" in der FAZ v. 25. 7. 11). Auf der Mobilitätsebene entspricht das Auto dem Internet.
- Frank Schirrmacher stellt in dem Artikel „Wir brauchen eine europäische Suchmaschine“ in der FAZ alle wichtigen Informationen und Argumente zur Verfügung, um die Folgen einer konsequenten Auslagerung menschlichen Wissens, Erfahrungen und Erinnerungen in gegenwärtige und noch effizienter werdende Suchmaschinen bewerten zu können. Dafür Dank. Nur bedingt verständlich ist aber die Konsequenz, die Schirrmacher selbst zieht, nämlich die Forderung nach einer europäischen Suchmaschine. Entscheidend jedoch ist eine Haltung, die in diesen Maschinen nur eine Notlösung sieht. Nur von Fall zu Fall sollten sie in Anspruch genommen werden, wenn das eigene Gehirn über spezielle Informationen nicht verfügt. Ziel muss dabei sein, diese Informationen dann auch zu internalisieren. Nur unser Gehirn ist ein produktiv-kreatives, zur Vermehrung fähiges Organ - und eben kein Speicher. Diese Auffassung hat nichts mit Kulturpessimismus zu tun, sondern ist Ausdruck des Bestrebens, die Autonomie des Menschen zu wahren.
- Gedankenexperiment zur gehirnexternen Speicherung von Informationen: Jemand externalisiert sein gesamtes Wissen, also auch seine eigene Biographie bis zu seinem Namen. Einschließlich des Wissens, wie man Informationen externalisiert und aufruft. Nun hat dieser schlaue Zeitgenosse ein Problem.
- Wenn man total vernetzt ist, verliert man sein Ich. Selbstverwirklichung ist für viele Menschen heute offensichtlich nur noch im virtuellen Raum der Medien möglich.
- Bei ständiger Nutzung treiben die Medien die Nutzer vor sich her.
- Ständiges Reisen fördert Ortslosigkeit.
- Der Wort „friedlich“ in dem Buchtitel „Friedlich in die Katastrophe“ von Holger Strohm enthält aus meiner Sicht die entscheidende Information: Die Katastrophe kommt daher als Normalität, als verdrängte Folge der dominierender Werte heutiger Gesellschaften, als Naturwüchsiges, als Tagtägliches, als unabdingbares Schicksal, als universale Struktur, die der Einzelne nicht beeinflussen kann. Übrigens schreibe ich "der Einzelne" mit großem Anfangsbuchstaben, da ich die große Bedeutung des Einzelnen für "andere Wege" für einen entscheidenden Faktor halte.
- Bedeutungen haben heute tendenziell nur noch Waren: Alles, was erstrebenswert ist, kostet etwas. Aber es gibt noch immer Vieles, was nichts kostet und trotzdem wertvoll ist. Aber keine bemerkt sie.
- Weil die Lebenswelt zunehmend verdinglicht wird, müssen wir immer weniger Menschen und andere Lebewesen verstehen. Wir müssen nur wissen, wie Dingen und Prozesse funktionieren. Ich will in einer Lebenswelt zuhause sein, nicht in einer Motoren- und Medienwelt. Motore und Medien, wenn sie allgegenwärtig sind, zerstören Lebenswelten
- Naherholungsgebiete haben keine Bedeutung mehr weil sie entweder nicht mehr im öffentlichen Bewusstsein zentral vorhanden sind oder durch die vielen weltweit agierenden Konkurrenzen marginalisiert werden.
- Warum gibt es im Urlaub so viele Fotografierende? Ist es ein Misstrauen gegen die eigene Wahrnehmung und Erinnerung? Ist es ein Beleg für die Abdankung des Subjekts?
- Das Böse im Menschen besteht für Fichte darin, dass er sich von den Dingen bestimmen lässt. Das gilt heute erst recht, wenn man für Dinge Waren setzt.
- Aus der bergenden Natur ist ein Rohstoff oder eine Inszenierung geworden.
- Die Logik des Kapitals ist gegenwärtig die Theorie, die das Leben bestimmt.
- Die Neuzeit hat das Problem der Welterkenntnis derart geregelt, indem sie die überkommene Welt durch eine von ihr realisierte und damit verstandene Neukonstruktion ersetzt.
- Ein lebender oder mechanischer Sklave arbeitet mechanisch wie der Konsument innerhalb des Warenkosmos.
- Karl Marx spricht von Selbstentfremdung, Hannah Ahrendt von Weltentfremdung. Wahrscheinlich finden beide Prozesse statt und stärken sich gegenseitig.
- Das glückliche Bewusstsein, zumindest das in der Öffentlichkeit gezeigte, ist strukturell unkritisch.
- Bildung, wenn sie Selbstzweck ist und man von ihr ergriffen wird, ist vielleicht das beste Mittel gegen die Determination durch Konsum.
- Aus ökologischer Sicht ist der Normalbürger ein Ultra.
- "... an der Erde zu freveln ist jetzt das furchtbarste..."(Nietzsche).
- Das Gehirn kann viell mehr als ein Speicher. Der Mensch ist nicht antiquiert.
- Von Menschen produzierter Überfluß ist immer häßlich. Es fehlt das Maß.
- Die Einschaltquote sagt lediglich, wieviele Menschen auf einen Einschaltknopf gedrückt haben, sagt aber nichts über die jeweilige Qualität der Verarbeitung dieser Sendung.
- Der Sitz, sei es der im Auto, vor dem Fernsehapparat oder Schreibtisch, ersetzt zunehmend den aufrechten Gang, erst anatomisch-physiologisch, dann als innere Haltung.
- Erkenntnistheoretisch mag es ja plausible Gründe geben, dass die von uns wahrgenommene Lebenswelt nicht die wirkliche, sondern eine physiologische Illusion, reine Virtualität sei. Die wirkliche Welt findet man bei den Naturwissenschaftlern, den Neurobiologen und Mathematikern. Diese Position ist sicherlich den meisten Menschen nicht bekannt, trotzdem setzt sie sich zunehmend durch. Das erkennt man an der vorherrschenden Geringschätzung der Natur und ihrer Prozesse, an den immer größer werdenden Müllhalden, an den Bilderfluten, an der Dominanz der Eigenschaft „Zahl“ in der Bestimmung der Dinge. Kurz: Das Leben wird geschwächt, die Surrogate gestärkt.
- Wir geben in der Gegenwart zweierlei auf: a) unsere Subjektivität und damit Autonomie und b) verzichten auf den Leib als Erfahrungsraum.
- Ein flächendeckender, nur aus homogenen Blütengruppen bestehender Blumengarten wirkt auf mich wie eine abgetakelte, grell geschminkte Prostituierte.
- Bevor Innenstädte gänzlich sich auflösen, beginnen sie zuerst an ihren Rändern zu rotten.
- Viele Länder dieser Erde könnte man wegen ihrer riesigen Schulden, von denen sie offensichtlich nicht runterkommen, als Hochstabler kennzeichnen.
- Ein Widerspruch, der die ganze Gesellschaft durchzieht:„Die ohnehin vom Verkehrslärm gebeutelten Anwohner lehnen die Ansiedlung ab“ (aus einer Tageszeitung) und „Am Steuer eines klassischen Alfa Romeo Spider befahren Sie romantische Strecken um die oberbayrischen Seen“ (Werbung eines renomierten Hotels). Zudem ist es nicht unwahrscheinlich, dass einer der Ablehner und einer der Romeofahrer identisch sind.
- Der Konsum ist zum Selbstzweck geworden, Die Produktion hat nun freien Bahn.
- „Ich will Spaß“ ist Ausdruck von Nichtsubjektivität.
- Einseitige Konsumorientierung behindert die Reflexion und fördert das Vergessen. Früher sorgte die Arbeit dafür, dass die Menschen sich nicht emanzipierten konnten, heute ist es der Konsum.
- Minimierung des Lebens und Maximierung von technischen Strukturen ist das zwar uneingestandene, aber reale Ziel aller gegenwärtigen Gesellschaften - und bald haben sie es geschafft.
- Sinnvolle Frage: Jede einzelne Fremdbewegung auf den Prüfstand mit folgenden Fragen stellen: Ist sie tatsächlich notwendig? Kann sie nicht ebenso durch Eigenbewegung durchgeführt werden?
- Die „Empört-Euch-Leute“ gehören nicht eo ipso zur ökologisch-demokratischen Fraktion.
- "Es heißt, die Neuzeit habe eine "Entzauberung" der Welt bewirkt. Man sollte eher von einer Entdinglichung sprechen. Denn nicht nur die Möglichkeit magischer Einwirkungen auf den Weltlauf wird in Zweifel gezogen, sondern es scheint, daß die Dinge selbst von der Bühne verschwinden" (Jens Soentgen). Dinge werden in der Wissenschaft und im alltäglichen Leben durch Zahlen ersetzt.
- Auch die politische Mitte kann undemokratisch sein.
- These: Die gesamte Industrieproduktion, die inzwischen fast universal geworden ist, dient direkt und indirekt dem individuellen Konsum i. w. S. der Weltbevölkerung. Die Kosten sind gigantisch, ökologisch unverantwortbar und der Nutzen ist wesentlich geringer, als behauptet.
- Wir zerstören die Erde, und das zusätzlich Grauenhafte daran ist, dass wir uns für vollkommen normal halten.
- Man kann mit Hilfe von Auto und technischen Medien problemlos in einem fremden Land leben, ohne jeglichen sozialen und kulturellen Kontakt zu diesem Land zu haben.
- Es Der Satz „Es muss zeitgemäß sein“ ist dumm und unethisch.
- Der Begriff „Heimat“ darf nicht überfrachtet und negative Aspekte dürfen nicht ausgeklammert werden.
- Es bedarf schon eines analytischen Vermögens und Charakterkraft zu erkennen, welchen Versprechungen der Warenangebote stimmen und welche nicht - und dieses Urteil dann in Handlungen bzw. Nicht-Handlungen umzusetzen.
- Die vorherrschenden Konsumtionsstrukturen nützen unterm Strich weder dem Menschen noch der Erde.
- Heute prägt die Konsumsphäre direkt und indirekt stärker das Fühlen (einschließlich der Werte), Denken und Handeln der Menschen als die Produktionssphäre.
- Es gibt auch einen Terror des Alltags. Er reicht von Schlachthöfen, Fernsehprogrammen bis hin zum „normalen“ Auto- und Motorradverkehr.
- Immer mehr Felder der Lebenswelt werden technisch realisiert, so dass ihnen ihr Merkmal des Lebens ausgetrieben wird. Mir fallen die Felder Fortbewegung, Informationsgewinnung, Nahrung, Produktion, Freizeit, Säubern, Gestalten, Urlaub ein.
- Robert Gernhardt in einem Gespräch mit einem Italiener: "Die Deutschen reagierten auf Gesetze, neigten aber dazu, aus dem Fehlen eines Gesetzes darauf zu schließen, dass die Handlung dann statthaft ist - der Staat hat´s ja nicht verboten. So werde auf Straßen ohne Geschwindigkeitsbegrenzungen besinnungslos gerast. Der Deutsche trete seine Selbstverantwortung an den Staat ab" (Toscana Mia, S. 40). Hier wird die Differenz zwischen Legalität und Legitimität thematisiert.
- Autoren wie Horkheimer, Adorno und Marcuse ((die Frankfurter Schule) sind aktueller denn je. Ihre Konsumkritik wird um ein Vielfaches einsichtiger, wenn man ihre Kategorien auf die heutigen Verhältnisse anwendet.
- Wir dürfen ethisches Reflektieren, Handeln und Verantworten im wirtschaftlichen Bereich nicht vertrauensvoll oder aus Denkfaulheit der unsichtbaren Hand (invisible hand, Adam Smith) überlassen.
- Die weitgehend abgeschlossene Umbildung der Mehrzahl der Menschen zum homo oeconomicus hat dazu geführt, dass die Wirtschaft der existenzielle Grund und Zentrum seines Lebens wird . Da Wirtschaft im Wesen nur aus abstrakten Relationen und Zahlen besteht, findet eine konkret-sinnlich Verwurzelung des Menschen nicht mehr statt., sei es in der Tradition, in Heimat oder in Ideen oder in Transzendenz. Ohne jegliche inhaltliche Determination flottieren nun die Werte, das Wollen und die Wünsche der Menschen im Beliebigen umher und können so umstandslos in Waren gewinnträchtig instrumentalisiert vermarktet werden.
- Muss denn alles, Autos, Fernsehschirme usw., immer größer werden? Sind Maximen wie „Small is beautiful“ oder „Das rechte Maß“ denn so überholt und überflüssig? Aber: Wenn bestimmte Bereiche immer größer werden, geht das immer zu Lasten anderer Bereiche.
- „Zukunft - Weitermachen oder Ändern. Kein Mensch kann mit Sicherheit prognostizieren, ob im globalen Zeitalter eine Wirtschaft ohne Atomstrom in der Zukunft gestärkt oder geschwächt wird. Die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr groß, dass gegenwärtiges Wirtschaften ohne quantitative und qualitative Änderungen in die ökologische Katastrophe führen wird. Die Forderung, dass der Atomausstieg die Wirtschaft nicht gefährden dürfe und mit den Worten konkretisiert "Wir werden keinem Gesetz zustimmen, das die Industrieproduktion in Deutschland und damit sichere Arbeitsplätze gefährdet" (Sigmar Gabriel), schließt substanzielle Veränderungen systematisch aus und zementiert damit die vorherrschende Entwicklungsrichtung. Nur der ökologische Weg bietet Zukunftschancen – wohlgemerkt Chancen, keine Sicherheiten. Redlichkeit fordert, sich der entscheidenden Alternative zu stellen: Weitermachen oder Ändern! Ein Drittes gibt es nicht, auch keine Rhetorik.“
- Geburstagfeier im Schrebergarten ohne Pomp – ein Erlebnis.
- Einkaufen im Internet wird immer beliebter. Welch ein glänzender Fortschritt kündigt sich da an – ein Land ohne Läden.
- Daß Überindustriealisierung und Gesundheit nicht zusammengehen, ist heute zumindest denk- und aussprechbar (selbst auf der Titelseite der FAZ). Aus dieser Einsicht konkrete Konsequenzen zu ziehen, ist die Aufgabe schlechthin. Übrigens eine Aufgabe, vor der ich mich nun wirklich nicht drücke.
- Solange die gesellschaftliche Kraft nicht vorhanden ist, auch nur eine einzige Autostraße zurückzubauen, glaube ich nicht an eine Energiewende.
- Alternativen im Lebensstil sind nicht nur möglich, sondern intensivieren das Leben.
- In Anbetracht der Tatsache, dass ein US-Amerikaner im Jahre 2003 hundertzehn, ein Europäer sechzig, ein Chinese acht und ein Bangladeschi weniger als einen (1) Energiesklaven für sich beschäftigt, rufe ich den Bürgern der zwei erstgenannten Einheiten zu „Empört euch über euch selbst“!
- Man mache sich nichts vor: Waren bestimmen viel stärker den Konsumenten als umgekehrt. Pointiert: Die Waren machen aus Menschen Konsumenten nach ihrer Fasson.
- Der Materialismus ist auch eine metaphysische Setzung der Einseitigkeit. Dieser defizitäre Begriff des Materiellen hat nun auch das Alltagsdenken usurpiert.
- Zwei Artikel auf derselben Seite einer Tageszeitung (v. 31. 5. 11) „Der Ausstoß an Treibhausgasen ist im vergangen Jahr ist der höchste bislang gemessene. Im vergangenen Jahr wurden 30, 6 Gigatonnen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre geblasen. Das waren 1, 6 Gigatonnen mehr als 2009.“ Und: „Cate Blanchett, Schauspielerin, hat sich mit einem Werbespot für die Einführung einer Kohlenstoffdioxid-Steuer in ihrem Heimatland Australien Kritik eingehandelt. Sie missachte dabei die Problematik der steigenden Lebenshaltungskosten der normalen Australien, beschwerte sich ein Oppositions-Politiker.“ Konsequenz: Wir müssen uns entscheiden zwischen der Zukunft der Erde und dem gegenwärtigen (und den zukünftig noch zu steigernden) Lebensstandard. Beides zusammen geht nicht. Auch auf ökologische Maßnahmen zu verzichten, bis die materielle Gleichheit für alle hergestellt ist, ist keine sinnvolle Option.
- Es ist vollkommen unverständlich und stimmt mich sehr traurig, dass in meinen Beobachtungen von Verwandten, Freunden, Nachbarn und Mitbürgern keinerlei Bemühungen stattfinden, in ihrem Alltagsleben einen Beitrag in Richtung Reduzierung von Kohlenstoffdioxid zurealisieren. Soweit erkennbar, werden die täglichen Autofahrten häufiger, Urlaubsorte exotischer, die Autos, die Fernsehschirme, der Warenkonsum und der Motoreneinsatz in Gärten größer. Fast mit Ingrimm arbeitet jeder daran, die schädlichen Emissionen zu steigern. Niemand problematisiert auch nur in Ansätzen unseren Lebensstil. Er gilt als naturwüchsig.
- "Diese Handlung braucht wenig oder keine, jene Handlung viel Energie". Diese Sachverhalte müssen zu einer zusätzlichen Dimension der ethischen Bewertungen von Handlungen werden.
- Mir reichen reduzierte Zitate von zerstörten Bauwerken in der Regel nicht, oft empfinde ich sie als zynisch und würde lieber auf sie verzichten.
- Grenzen zu erweitern, gilt in unserer Gesellschaft prinzipiell als ein Wert. Das kann, muss es aber nicht sein. So ist geistiges Wachstum wünschenswert, materielles nicht. Grenzen sind auch Ermöglichungsbedingungen. So sind Fußballregeln nichts anderes als Handlungsgrenzen, deren Einhaltung den Reiz dieses Spiels ausmachen.
- Den Energieverbrauch auf 1960 stabilisieren heißt nicht, die Sechzigerjahre reproduzieren zu müssen.
- Großmärkte und Internetkäufe sind der Tod der Innenstädte.
- Über innere und äußere Techniken zu verfügen, ist ein Wesenszug des Menschen. Das Denken des Menschen passt sich dem jeweiligen Stand der von ihm entwickelten Technik an, die inzwischen so umfassend dominant ist, dass das Denken von ihr tendenziell vollkommen bestimmt wird. Die Meinung, dass Denken könne die gegenwärtige Technik meistern, ist der gravierende Denkfehler der Gegenwart.
- Ich rufe am Sonntag Morgen fünf Freunde an. Keiner von ihnen ist zu Hause. Zufall oder Ausdruck von rastloser Mobilität, die inzwischen fast alle ergriffen hat?
- These: Die Summe aller ökologisch orientierten kritischen Aussagen, seien sie deskriptiv und/oder normativ, ergeben ein Ganzes, das sich fundamental von der jetzigen dominierenden Kultur unterscheidet. Aber offensichtlich traut sich keiner oder hat nicht die Kraft, die noch vereinzelten Mosaiksteine zu einem widerspruchsfreien Gesamtbild zusammenzufassen. Dass muss zuallererst ein theoretisches Ansatz sein, der als Orientierung für die praktische Umgestaltung dient, so dass die permanente Dialektik zwischen Theorie und Praxis stets gesichert ist.
- Eine Form tabuierter Armut, obwohl materiell alles vorhanden ist: Er schläft bis in den Nachmittag hinein und sitzt dann bis morgens vier Uhr vor dem Fernsehapparat.
- In dem plattdeutschen Satz "Wat schasst du hemm?" (Was sollst du haben?) spiegelt sich noch das mittelalterliche Verhältnis vom gerechten Preis. Ich jedenfalls habe mich noch nicht von diesem Gedanken verabschiedet.
- Es ist ganz einfach (im doppelten Sinne): Der gegenwärtige Mensch denkt von der Logik her tendenziell ausschließlich naturwissenschaftlich, d. h. er abstrahiert. Seine materielle und geistige Lebenswelt ist nun eine abstrakte. Da das jeweilige Besondere einen eigenen Raum und eine eigene Zeit hat, stört es und muß beseitigt werden. Wir verdinglichen, algorithmisieren und unterwerfen zunehmend unsere Lebensabläufe mechanisch-kausalen Imperativen.
- Energiepolitisch machen wir alles so, wie man es nicht machen sollte: Die Ausrichtung auf Wirtschaftswachstum und die zunehmende Motorisierung des Lebens haben einen zunehmenden Energieverbrauch zur Folgen
- Georg Steiner kritisiert die jetzige Medienkultur als oberflächlich mit der Tendenz zur verminderten Denkunfähgikeit. Deswegen verstehen die Betroffenen diese Kritik per definitionem nicht, d. h. dieses Symptom ist ein Beleg für die Richtigkeit dieser Kritik. Ähnlich Kritik abwehrend wirkt die intensive Nutzung von Technik. Aber Vorsicht, die Kritik muß nicht automatisch wahrer oder richtiger sein als das Kritisierte.
- Der anthropologische Befund, dass das Tier weltarm sei, glt zunehmend auch für den Menschen dank weltabschließender Transportmittel und weltersetzender Medien.
- Menschen, die auf der Höhe der Zeit sind, machen nur noch minimale Primärerfahrungen. Diese Feststellung gilt nur dann, wenn man der Meinung ist, dass motorenbetriebene Bewegungen und Unterhaltungsmedien nicht gleichwertig mit der Welt sind.
- Einerseits besteht nicht mehr das Bedürfnis nach dem Original, andererseits sucht man das Original, allerdings mit einem Minimum an Kontakt und Aufwand.
- Dinge lösen sich zunehmend von ihrem Grund, wo sie entstanden sind und in lebendigen Zusammenhängen stehen: Venedig wird im Disneyland in Florida nachgebaut oder das in ein Symbol verwandelte Original hat keinen Ort mehr, es flottiert ohne Unterlass in den Medien.
- Der moderne Mensch will ohne seinen Körper, sondern nur im Geiste Raum und Zeit durchstreifen. Das dazu benötigte Medium ist nicht mehr das Buch, sondern Bildmedien. Aber nach wie vor besteht der Wunsch, mit seinem Körper möglichst viele Orte der Erde (kurzfristig) aufzusuchen. Aber eigentlich bräuchte er den Körper nicht „mitzunehmen“, weil dieser im Auto, Flugzeug, Rolltreppen usw. gänzlich ohne Funktion ist.
- Die Irrationalität des Wirtschaftens begann, als es als Wirtschaftswachstum zum Selbstzweck wurde. Da das Wirtschaftswachstum kein Ziel außerhalb seines Wachsens kennt, darf es nie beendet werden - selbst wenn die Erde in Scherben fällt.
- In einem Schulmuseeum hängt im Klassenzimmer an hervorgehobener Stelle ein Bild des Kaisers, übrigens auch in dem Wohnzimmer des Rektors. Später war es Hitler. Meine Vermutung: Heute sind es keine Fotos oder Gemälde von bestimmten Herrschern, sondern der Bildschirm des Fernsehapparates hat diese Funktion übernommen, auch wenn er nicht angestellt ist. D. h. der Fernsehapparat ist der Herrscher. In dieser Perspektive ist auch das Auto eine Art von Herrschaftsbild.
- So leicht ist es, Individualist zu werden: “Bunte Bademäntel für Individualisten. The Luxury of Diversity” (aus einer Hotelwerbung).
- The end of the world as we know it! Das ist leider - zumindest in immer größer werdenden Bereichen - keine negative Utopie mehr.
- “Vielleicht hat der bisherige Mensch seit Jahrhunderten bereits zu viel gehandelt und zu wenig gedacht“ (Heidegger).
- Viele Bürger sind rebellisch, wenn sie die meiner Ansicht nach harmlosen Blätter zur Volksbefragung ausfüllen müssen, zeigen aber absolut keinen Widerstand, wenn sie bestimmten lebenszerstörenden Konsumimperativen folgen müssen.
- In geometrisierten Gärten mit homogenen Rasenflächen sehen die Besitzer sich primär selbst, während in einem weitgehend sich selbst überlassenen Garten Menschen Natur wahrnehmen. Entweder bin ich Gartengenießer oder Gartenbearbeiter. Bei Arbeit ist zu beachten ist, dass jede Arbeit auch zerstörerische Momente enthält (s. Dekonstruktion).
- Der modernisierte Spießer braucht täglich das Auto und den Fernseher - selbst im Urlaub.
- "Denn sie wissen nicht, was sie tun": Der konsumorientierte Bürger handelt destruktiv, ohne es zur Kenntnis zunehmen oder ohne es zu wissen.
- Spontaneität in offenen Situationen, wie sie ideallter in einer lebendigen Innenstadt möglich ist, erhöht die Wahrscheinlichkeit, angenehme Beziehungen kurzfristig herzustellen. Aber offenen Situation werden drastisch weniger.
- Wesensmerkmal des modernen Menschen: Er will immer alles sofort haben bzw. sofort bei etwas sein, seien es Orte, Texte, Dinge, Zustände….
- Der Begriff „rein“ ist nach Novalis weder ein möglicher noch ein wirklicher Begriff, also ein leer. „Rein“ ist eine Idee, deren Realisation auf Erden oft viel Unheil angerichtet hat und es weiterhin tut. Weltteile sind immer Hybride.
- Warum haben es Innenstädte so schwer? Für viele Menschen ist ein Einkaufszentrum einfacher zu bewältigen als eine Innenstadt, weil es viel geregelter und damit weniger geistige Ansprüche gestellt. Hinzu kommen die geringen körperlichen Ansprüche, da der Autoparkplatz direkt an den Eingängen liegt und nur geringe Fußwege erfordert.
- Mit riesigen materiellen und energetischen Aufwendungen werden überall durchrationalisierte Einkaufszentren auf der grünen Wiese errichtet, die faktisch die Funktion der Innenstadt übernehmen. Welch ein Verlust. Ich liebe Spontaneität, Vielfalt, Lebendigkeit, gewachsene Architektur - all das finde ich in der Innenstadt.
- Dass die Kritik des Warenbewusstseins generell bei den Betroffenen auf Unverständnis stößt, ergibt sich zwangsläufig aus dem Kritisierten.
- „Die Regale in den Discountern wären ohne globale Wirtschaft relativ leer“ (aus einer Werbung). Das stimmt, aber vielleicht sind die Läden viel zu groß und haben viel zu viele Regale.
- Maßlosigkeit lässt keine Gestalt entstehen, sie ist immer destruktiv.
- Ich bleibe dabei, Wirtschaft ist ein Mittel, kein Selbstzweck. Die Verabsolutierung der Wirtschaft führt zu Verdinglichung, zu Entfremdung und zum Verschwinden der Vernunft, weil sie hier funktionslos geworden ist.
- Eigennamen durch Zahlen ist ein Schritt hin zum Verlust von sinnlichen Erfahrungen. So wehre ich mich, im Restaurant eine Zahl zu bestellen.
- Ich kenne jemand, der sitzt jeden Tag ca. acht bis zehn Stunden vor dem Fernsehapparat. In einem Gespräch mit ihm problematisiere ich das. Er antwortet, dass meine Kritik unzeitgemäß sei, man könne und dürfe nicht das Rad der Geschichte zurückdrehen. Ich sei nicht nur weltfremd, sondern übe eine längst überholte Technikkritik aus.
- Die Hauptidee, die die Bewegung der Moderne speist: Den menschlichen Körper so umzugestalten, dass er mit den gleichen Fähigkeiten ausgestattet wird wie der Geist. Der Geist will den Körper vergeistigen, zu seine gleichen machen, d. h. genau so schnell, flexibel machen wie der Geist selbst, ja diesen „verkörperten Geist“ noch gegenüber dem Geist verbessern. Dieses Projekt wird über Motore realisiert. Das verlangt nicht nur die Entwicklung der Technik, sondern auch die Umgestaltung der Erde in eine Ermöglichungsbedingung für die entsprechende Technik
- Heute regelt das Angebot die Nachfrage.
- Die „Kreativität“ und geistige Konzentration vieler meiner Nachbarn, Bekannten und Freunde besteht darin, die neuesten Produkte, die auf dem Markt angeboten werden, sich anzuschaffen. Über dieses Verhalten kann man sichere Prognosen erstellen.
- Die Aussage von Mandeville und Smith, dass es gerade die schlechteste Eigenschaften des Menschen seien, die gesamtwirtschaftlich zum größten Nutzen führten, ist aus rein ökonomischer Perspektive und nach rein ökonomischen Kriterien sicherlich zutreffend. Die Umkehrung dieses Satzes, dass aus guten Motiven und effektivem Handeln gesamtgesellschaftlich Schlechtes entstehen kann, gilt ebenfalls immer noch.
- Handeln ist kein Selbstzweck, es kommt immer auf die Inhalte an. So brauchen wir einen Paradigmawechsel von poiesis (Herstellen) zu prattein (sozial und politisches Handeln) und zu der schwierigen Selbstaufgabe der Bildung.
- Das Diktum Heideggers, dass das Tier weltarm sei, gilt zunehmend auch für den Menschen. Weltarm ist auch der Flug um die halbe Welt.
- Keiner kann plausibel erklären, warum und wozu ständiges Wirtschaftswachstum notwendig sei. Lediglich die Ahnung oder Vermutung, dass ohne ständiges Wirtschaftswachstum alles zusammenbräche, scheint die unausgesprochene Antwort zu sein. Aber genau dieser Zusammenbruch steht mit Sicherheit am Ende dieses Prozesses.
- Versuch einer Erklärung: Weil der Mensch den Kräften des Seins ausgeliefert ist (am augenfälligsten durch den Tod), versucht er durch ständiges und maß-loses Handeln diesen Kräften zu entrinnen, schafft aber dadurch noch ein zusätzliches Ausgeliefertsein an die von ihm hergestellten Artefakte mit ihren zerstörerischen Folgen.
- “Vielleicht hat der bisherige Mensch seit Jahrhunderten bereits zu viel gehandelt und zu wenig gedacht“ (Heidegger).
- Eine lebendige Stadt muss nicht über repräsentative Machtbauten verfügen. Es genügt als Zentrum ein Platz mit Bürgerhäusern; ein Platz, nicht um Autos abzustellen, sondern wo Menschen sich treffen.These: Die Forderung nach der Sicherung des gegenwärtigen (wachsenden) Energiebedarfs ist faktisch ein Plädoyer für die Atomenergie.
- Intensiver Heimatbezug und einseitige Konsumorientierung sind nach meinen Erfahrungen inkompatibel.
- Die Frage nach einem überindividuellen Sinn der Waren zu stellen und diese u. U. zu problematisieren, gilt heute als intolerant, überflüssig und antiquiert. "Jeder nach seiner Facon" ist hinreichend und genügt zur Begründung. Legalität ist die Grenze der Moral, die Frage nach der Legitimation liegt zumindest gegenüber dem Warenkosmos jenseits der Moral.
- Beziehungen in der Moderne: Statt Mimesis fortschreitende Distanz zu Objekten. so dass unsere Beziehungen zur Welt immer abstrakter werden.
- Ortsgebundene Praktiken und Gedanken verlieren drastisch gegenüber ortlose Techniken und Medien an Boden.
- Die Haupttendenz der Neuzeit: Entqualifizierung, Vereinheitlichung, Homogenisierung sind graduelle Prozesse. Herrschaft bedarf eines homogenen Feldes. Gegenüber Homogenisierungsforderungen müssen immer zuerst die Alarmglocken eingeschaltet werden.
- Auch der Konsumerwerb bedarf Grenzen, gewissermaßen einer Kaufhemmung. Hier kann der moderne Mensch von den Tieren lernen.
- Seit der Vertreibung aus dem Paradies gibt es die Sehnsucht. Diese Sehnsucht materialisiert sich heute im unendlichen Erwerb von Waren.
- Selbsterhaltung ist heute primär ein Kampf gegen die Folgen der verabsolutierten Selbsterhaltung geworden.
- Der Druck, der das Bevölkerungswachstum bei gleichzeitiger Steigerung materieller Güter erzeugt, geht eindeutig zu Lasten der Natur in Form denkbar radikalster Ausbeutung.
- Bildung, die den Namen verdient, vermittelt sich einerseits über sinnliche Wahrnehmung von realen Gegenständen und andererseits über Begriffe. Bilder haben nur als Gemälde oder als Modelle von sinnlich nicht Zugänglichen hier Platz. Bilderfluten, wie sie in den Medien zu finden sind, erschweren und verhindern Bildung.
- Wenn Freiheit zu Wahlfreiheit zwischen Waren verengt wird, werden Naturschützer, Wertkonservative, Traditionalisten, Nachhaltigkeitspolitiker usw. schnell zu Feinden der Freiheit.
- Es gilt, schädliche Nebenwirkungen individuellen und kollektiven Wirtschaftens als zu vermeidende oder zu beseitigende Aufgabe ins Bewusstsein zu heben.
- Hat Ethik so viel Kraft, dass aus ethischen Gründen auf legalem Gewinn verzichtet wird?
- Selbst wenn Werbung für rein artifizielle Produkte wirbt, verzichtet sie nicht auf Naturhinweise, denn jedes dargestellte Gesicht und jeder Körper ist trotz aller Zurichtung Natur.
- Viele neue Berufe haben – wie Modethemen - eine Blütezeit und vergehen dann.
- Ich bleibe dabei: Unter dem Strich sind ein naturnahes Leben und gehaltvolle Reflexion noch immer die beste Gesamtstrategie. Vorsicht vor Graubereiche.
- Wir leben in einer stummen Gesellschaft; dafür reden Motore für uns um so mehr und lauter.
- Nichts schien Teofila Reich-Ranicki unbegreiflicher, als das Menschen freiwillig bereit sind, Lebenszeit zu vergeuden.
- Es bedarf der Theorie einer ökologischen Marktwirtschaft und deren Realisierung auf Handlungsebene, die nicht nur Nischen ausfüllt und das Schlimmste verhindert, sondern die substantielle Nachhaltigkeit ermöglicht, d. h. nicht nur die Funktion einer Feuerwehr erfüllt.
- Sichere Energiegewinnung auf gegenwärtigem Niveau zu fordern, ist aus ökologischer Sicht die falsche Forderung. Sie stablisiert das System der Verschwendung und verhindert damit Zukunft.
- Anmerkungen zum Spaß: Das oft flüchtige und fragile begleitende Gefühl „Spaß“ hat heute normativen Rang von Letztgültigkeit. Spaß ist etwas ganz Subjektives und ist gegen ethische Überlegungen immun. Alles kann Gegenstand von Spaß werden, wie man für Geld alles kaufen kann. Das Wort Spaßgesellschaft weist auf die heutige anthropologische Bedeutung der Selbst- und Weltgestaltung dieses Gefühls hin.
- Kritik des Perfektionismus (genitivus obiectivus): „Jeder dritte Fernzug kommt zu spät“ Warum schreibt man nicht „Jeder zweite Fernzug kommt pünktlich an“?
- "Für Rasenmäher gilt keine Mittagspause" - ein weiterer Sieg für die Freiheit der Waren.
- Anmerkung zur Hochzeit der Royals: Jede Hochzeit ist in ihrem Wesen, nicht in ihrer Ausstattung nach eine Traumhochzeit.
- Zu einem erfüllten Leben gehört auch, eigene, d. h. innere Bilder zu entwickeln.
- Ein intelligent-skuriler Kommentar in unserer Zeitung beginnt mit dem Gedankenspiel „Mal angenommen, 6,8 von 7 Milliarden würden den Weg als Ziel wählen und ständig unterwegs sein und wieder zurück“, schließt aber mit der beruhigenden Feststellung „Vor den 7 Milliarden sind wirklich nur ein oder zwei Millionen gerne auf Achse und nicht umgekehrt.“ Stimmt Letzteres eigentlich? Die meisten meiner Freunde, Verwandte und Nachbarn – wenn ich es richtig sehe – fahren um des Fahrens willen, so mehrmals in Einkaufszentren, natürlich jede Fahrt in den Urlaub oder zu möglichst weit entfernt stattfindenden Events. Zieht man in diese Überlegungen die stundenlangen virtuellen Flüchte in die Fernsehprogramme, die in der Regel eben nicht der Informationsgewinnung dienen, hinzu, dann ist die Differenz der 7 Milliarden zu den zwei Millionen gar nicht mehr so groß.
- Wenn Geld- und Warenerwerb Selbstzweck werden, finden destruktive Rückwirkungen auf die Persönlichkeitsstrukturen statt.
- Grundsätzlich ist das Verhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie das eines Nullsummenspiels: Der Aufstieg der Ökonomie ist der Niedergang der Ökologie. Die Bewahrung dieser Natur ist die Beschränkung jener Ökonomie.
- Die Durchökonomisierung aller Lebensbereiche hat anthropologische Verelendung zur Folge.
- Die technologisch effizientere Ausnutzung der Kohle im 19 Jh. hat keineswegs zwangsläufig zu einer Verminderung des Kohlekonsums geführt. Dieser Rebound-Effect ist auch nicht für den Energiekonsum ausgeschlossen.
- Gegenwärtige Toleranz konzentriert sich auf Freiräume für aggressive und oft energieaufwendige Waren - also für schnelle Motorräder, Großautos, Flugreisen, elektronische Medien ..... Diese Toleranz als repressiv und zukunftsverhindernd zu erkennen, hier Grenzen zu benennen, ist ein Gebot ökologischer und anthropologischer Vernunft.
- Aggressive Freizeitunterhaltung (Brot und Spiele) hat es offensichtlich schon immer gegeben. aber das ist keine hinreichender Grund, gegenüber neuen Formen dieser Art "Unterhaltung" ein Kritiktabu einzufordern. Übrigens wäre das alleinige Argument "Bringt Spaß" ebenfalls kein hinreichender Grund, sie zu akzeptieren.
- Jeder Fortschritt ist gut, er muss allerdings verbessern und nicht verschlechtern.
- Der Kern des heutigen Fortschritts besteht darin, die Eigenbewegung durch Fremdbewegung zu ersetzen. Fort-schritt wird durch Fort-fahrt ersetzt.
- Nach meinen bisherigen Erfahrungen bin ich überzeugt, dass ein naturnahes und ein geistig intensives Leben die Wahrscheinlichkeit von mehr Gesundheit, Freude und Glück birgt.
- „Genießen“ ist oft ein beschönigendes Wort für lang andauernde körperliche und geistige Faulheit.
- Eine Anmerkung zum Rasen: Auf die Idee komme man erst einmal, alle Individuen einer bestimmten Pflanzenart jede Woche mit großem Motoren- und Zeitaufwand auf zwei Zentimeter Höhe zu trimmen.
- Der zugerichtete Konsument lässt sich per Flugzeug Tausende Kilometer in den Süden transportieren und setzt sich am dortigen Flughafen in ein Leihauto, um sich dann am Strand tatsächlich selbst zu bewegen.
- Die marxsche Analyse scheint mir in folgenden Punkten stimmig zu sein:
• Die stetig sinkende Profitrate zwingt zu ständiger Produktivitätssteigerung und zu ständiger Ausweitung der Produktion.
• Die Produktion und deren Produkte werden zum Selbstzweck ohne Sinn und inneres Maß.
• Das Kapital hebt alle Verhältnisse in sich auf, d. h. es gibt kein Außerhalb der Wirtschaft. Die kapitalistischen Impulse werden zum eigentlichen Selbst des Menschen, d. h. der totale Konsument zu einer Funktion und Logik des Kapitals. Denn was sind mehrstündiges tägliches Fernsehen und die Einsetzung der gesamten Lebensenergie für Warenkauf, Warenpflege und Warenbeseitigung, selbst wenn sie mit Hilfe von teuren Limousinen und Designerklamotten durchgeführt werden, anderes als vollständige Entfremdung? - Der Hinweis, dass jeder Maßnahme, die vernünftiges Handeln über den Preis durchbringen will, unmoralisch und zu unterlassen sei, weil es die Unterschichte überproportinal hart träfe, ist das Ende heutiger Politik. Denn die Implikation dieser Grenze lautet, bevor nicht die absolut materielle gleichen Verhältnisse hergestellt sind, sind alle korrigierenden Maßnahmen im Verhalten der Konsumenten über den Preisunvertretbar.
- Linke und Gewerkschaften werten mit ihren ausschließlich materiellen Forderungen in Form von Waren die bürgerliche (kapitalistische) Wirtschaft ungeheuer auf. Die Betroffenen und ihre politischen Vertreter sagen inhaltlich nicht nur Ja, sondern verteidigen diese Produkte ohne Einschränkungen, sie kritisieren nur noch die ungerechte Verteilung.
- Technikkritik einschließlich der sie forcierenden Wirtschaft muss die Leiterwissenschaft bei der Entschlüsselung der Gegenwart sein.
- Appell: Ersetzt nicht ohne Not Hand und Fuß (und Kopf) durch Motore.
- Versuch einer Annäherung: Im Modus des Zuhandenen habe ich zu meiner aktuellen Umwelt keine Distanz, keine Begriffe, ich bin reflexionslos „in ihr“ und funktioniere dort. Es bedarf meines distanzierenden Blicks auf etwas als Vorhandenes, um mein (zuhandenes) Tun kritisch als Bejahung oder Verneinung zu reflektieren. Die Abwesenheit der Distanz erklärt alle kritikresistenten Süchte und Einstellungen, die nicht weiter bringen. Die schwierige Lösung ist meiner Ansicht nach nur über partielle Selbstdistanzierung möglich.
- Wir müssen aus der Fülle der endlichen Waren sowie anderer Fremdbestimmungen herausfinden und unsere Innerlichkeit stärken. Innerlichkeit steht hier für Autonomie, sich Zeit für die Entwicklung eigener Gedanken und Positionen machen, kritisch und selbstkritisch zu sein. Innerlichkeit kann übrigens nicht in der Sprache der Ökonomie ausgedrückt werden.
- Es gibt in der Perspektive energetischer Vernunft gegenwärtig viele unnötige Dinge und Prozesse.
- Es geht darum, den zerstörerischen Folgen der entfesselten Technik und Ökonomie auf Mensch, Gesellschaft und Erde zu entgehen. Die Destruktivität dieser Entfesselung ist den meisten Menschen immer noch nicht klar bewusst, auch deswegen nicht, weil sie durch das Überangebot von Waren ständig korrumpiert werden.
- Wenn Welt erst einmal als kontingent gesehen wird, kann der Mensch sie lenken und ohne schlechtes Gewissen zerstören. Er kann diese Zerstörung dann sogar als Beitrag zum Wirtschaftswachstum rationalisieren und damit positiv wenden.
Sie halten sich nur aus zwei Gründen in ihrem Garten auf: Entweder wenn Besuch kommt oder um den Rasenmäher zu betätigen.
- Ein Fotograf hat es heute schwer, nichtfotografierende Menschen als Objekte zu finden.
- "Die technologische Kultur
und die neuen, massiven Technisierungsschübe des beginnenden 21.
Jahrhundert konfrontieren uns mit Herausforderungen, die tief in unsere
Lebenswelt eingreifen. An Schärfe sind die Einschnitte und
Veränderungen mit denen zur Zeit der Industrialisierung durchaus
vergleichbar. Dass dabei die Entwicklung ganz neuer Materialien und
neuer Technologien vor allem die Welt der Dinge, die uns umgeben,
verändern, ist offensichtlich. Dinge werden nicht nur technisch
hergestellt, sie sind zunehmend auch selbst hoch technisiert.
Für ein Verständnis aktueller Technisierungsprozesse und ihrer Konsequenzen für unserer Kultur, unsere Lebens- und Arbeitswelt, aber auch für unser Körperverständnis, ja sogar ganz grundsätzlich für das „Menschsein“ ist die Beschäftigung mit Kultur- und Techniktheorien sowie mit empirischen Studien zur Gegenwartsgesellschaft unerlässlich. Neue Technologien bestimmen unser Verhalten, unsere Beziehungen und Interaktionen, sie entgrenzen unseren Leib und unsere Identitäten, sie verändern Wahrnehmung und Präferenzen, so dass ihre Dynamik einer permanenten kritischen Reflexion unterzogen werden muss. Dazu bedarf es im besonderen Maße eines Bewusstseins ihrer Geschichtlichkeit" (Martina Heßler). - Sie fahren, fahren, fahren – und entfernen sich von dem eigentlichen Ziel immer weiter. Sie sehen fern, sehen fern, sehen fern – und entfernen sich von dem gelobten Land Ziel immer weiter. Sie kaufen, kaufen, kaufen - und erwerben nie das Wesentliche. Sie lesen, lesen, lesen – und kommen nicht ans Ziel, aber nähern sich ihm.
- Die Erreichbarkeit eines jeden Punktes auf der Erde in kürzester Zeit ist ein wesentliches Ziel des Fortschritts. Lohnt sich aber dafür der (energetische) Aufwand. Der Erde wird zu einem möglichen Dorf, aber eben nicht zu einem realen Dorf – und das ist ein großer, ja entscheidender Unterschied.
- Es gibt einen Besitz, der jenem der Freiheit vorausliegt: die Integrität der Natur, in deren ökologischer Nische Leben und Freiheit überhaupt erst möglich seien. Wer diesen Besitz antasten wolle, müsse begründen, warum der Eingriff harmlos und notwendig sei – auch und vor allem vor künstigen Generationen (Robert Spaemann).
- Wenn die Infrastrukturen von Urlaubsorten und –gebieten wie die in unseren „normalen“ Städten und Siedlungen ausgebaut werden, verfehlen sie ihre Aufgabe und werden als Urlaubsorte verschwinden. Das kann an vielen ehemaligen Naherholungsgebieten und –orten aufzeigen.
- Es gibt viele moderne Konservative bzw. konservative Moderne, die mit allen Neuerungen einverstanden sind, wenn sie, und seien sie noch so klein und nebensächlich, Identitäten aufzeigen, so dass Kontinuität gesichert ist.
- Bestimme Deine Bedürfnisse selbst, lasse sie nicht bestimmen.
- Die Hinwendung zum sinnlich Gegebenen macht Sinn, wenn sie nicht auf Waren verengt wird.
- „Gewalt der Natur“: Ist das ein genitivus obiectivus oder genetivus subjectivus? Wozu gehört ein Atomkraftwerk?
- Ich verstehe und teile die urgriechische Furcht vor schlechter Unendlichkeit, die sich heute in Form von Atomstrom, Einschaltquoten, Wirtschaftswachstum bis hin zu dem gar nicht so lange her grassierenden Streben nach Weltherrschaft in Deutschland.
- Je größer die Angebotspalette ist, der man hinterher hechelt, desto fremdbestimmter wird man.
- Die Natur kommt dem Menschen entgegen, und wir missbrauchen ihr Vertrauen uns gegenüber.
- Gartenarbeit verroht, wenn man die Natur beherrschen und unterjochen will -, wenn man der Natur ihr Telos nimmt.
- Kirchenglocken und aufheulende Motorräder sind laut, aber Erstere stehen für Geist, Letztere für Aggression und zumindest für zeitlich begrenzte Dummheit.
- Alternativen zu Waren und Events: Bildung, Natur, befriedigendes Sozialmilieu.
- Es ist ein großer Unterschied, ob die Sonne auf meine Haut, auf das Haus oder auf das Auto, in dem ich mich gerade befinde, fällt. Entscheidend ist also nicht, ob die Sonne scheint, sondern wo und unter welchen Bedingungen sie scheint: Mit oder ohne Lärm, mit oder ohne Gestank, mit hässlichen oder schönen Bauten. "Wir fahren in die Sonne" genügt also nicht.
- Catching words aus einer Kleinanzeige: Rügen, Komfort App., SAT-TV, Parkplatz.
- Da unsere Wahrnehmung zunehmend aus inszenierten Bildern besteht, ist es wichtig, sich mit Bildtheorien zu beschäftigen. Dazu folgende Überlegung: Ohne Einbildungskraft ist das äußere Bild kein Bild, sondern unverstandene Materie. Je unausgebildeter die Einbildungskraft ist und/oder je weniger sie in Anspruch genommen wird, desto schwächer wird das Bild.
- Platon sah das Ablenkungspotential von den Ideen in der sinnlich gegebenen Welt, ich sehe das Ablenkungspotential von der sinnlich gegebenen Welt in den bildzentrierten Medien.
- Höchst irritierend: In dem aufgesuchten Ferienort sieht man ein Reisebüro, das mit anderen Ferienorten wirbt, vielleicht sogar aus der Region, in der man wohnt.
- Eine absolut wirtschaftliche Orientierung hat Selbst- und Weltverlust zur Folge.
- Bei Störfällen existieren für AKWs keine Grenzen.
- Meine Vermutung, die sich aus vielen Diskussionen ergibt: Das uneingestandene Motiv derjenigen Menschen, die die Möglichkeit eines entscheidenden Klimawandels durch menschliche Aktivitäten vehement bestreiten und/oder nicht in Betracht ziehen, dass die Gewinnung von Energie aus atomaren Anlagen ein wirkliches Risiko darstellt, besteht im Kern darin, ihre Lebensgewohnheiten einschließlich der systemimmanenten Extrapolationen nicht ändern zu wollen. Es handelt sich also um eine kritikresistente Abwehrhaltung, die letztlich eine rationale Abwägung nicht zulässt.
- Beobachtung: Wenn es gelingt, ein Produkt, und sei es noch so überflüssig und idiotisch, mit Hilfe großer Werbung auf dem Markt zu installieren, verläuft der weitere Verkauf von selbst, weil nun alle es haben wollen.
- Der kantische Begriff der Selbstverschuldung muss in den Diskurs eingeführt und intensiver thematisiert werden.
- Der Konsumindustrie ist es gelungen, unsere Bedürfnisse stark zu bestimmen. Wenn ich die Augen zumache und Urlaubsbilder in mir aufsteigen lasse, sind es die Mittelmeerstrände der Werbung - allerdings erscheinen keine Autos.
- Zwischen destruktivem und nachhaltigem Wirtschaften muss sachlich und begrifflich unterschieden werden, auch wenn aus prinzipiellen Gründen (jede Handlung ist dekonstruktiv) diese Unterscheidung nicht immer eindeutig getroffen werden kann.
- Der Satz „Wir brauchen eine starke Wirtschaft, um den Umweltschutz finanzieren zu können“ (so bereits direkt von dem damaligen Ministerpräsident Stoltenberg gehört) geht nicht auf. Das heißt nämlich, die Ursache (den destruktive Teil der Wirtschaft) zum wirkenden Heiler zu bestimmen. Mit anderen Worten: den Bock zum Gärtner machen
- Natur ohne Metaphysik wird zum Rohstoff für die Produktion.
- Die Verabsolutierung von Adam Smith´s „invisible hand“ führt in die ökologische Katastrophe.
- Die Wirtschaft ständig zu stärken hat zur Folge, die Erde zu zerstören.
- Tendenz: Nur noch als Konsument erfährt man in der atomisierten Gesellschaft sein Subjektsein und damit seine Freiheit.
- Die immer noch zunehmende Bilderflut schwächt die Wahrnehmung der "wirklichen Wirklichkeit".
- Fukushima belegt, dass das optimistische „verum-faktum-ipsum- Prinzip“ von Giambattista Vico, dass der menschlichen Erkenntnis nur das zugänglich sei, was er selbst geschaffen habe, nicht stimmt.
- Zwei Konsumtypen: Typ A: Lebensmittelpunkt ist der Kampf um Waren, Typ B: Lebensmittelpunkt ist das ständige (vergebliche) Bemühen, Welt im Medium des Fernsehers einzufangen.
- Selbst Bildung wird heute als ein Instrument zur Steigerung wirtschaftlichen Wachstums interpretiert.
- Wirtschaft, wenn sie das Ziel der individuellen und kollektiven Selbsterhaltung überschreitet, führt zur Selbst- und Weltzerstörung. Mit ähnlichen Worten: Nicht-geistige Arbeit jenseits der Selbsterhaltung hat die Neuschaffung der Erde zur notwendigen Folge.
- Verhexung durch Sprache: „life“ im Radio ist nur Zeitgleichheit, aber nicht räumliche Identität, im Sinn von „denselben Raum teilen“. Das begründet, dass "life" hier eben nicht mit leben gleichgesetzt werden kann und darf.
- Früher baute man aus Steinen Tempel, heute baut man aus ihnen Autostraßen (der italienischer Dirigent, Psychiater, Komponist und vorderasiatische Archäologe Giuseppe Sinopoli).
- Es muss ein Grundrecht auf autofreie Straßen und Wege geben, das eine gleiche Erreichbarkeit von Orten ermöglicht wie durch das Auto.
- Habituelle Autofahrer und Fernsehende sind – so meine Beobachtung – zusehends immer weniger in der Lage, in Situationen, wo es keine klare Rollenzuschreibungen gibt, spontan sich zu verhalten und zu kommunizieren.
- In einem Stadtteil fand eine Demonstration für eine Neueröffnung eines Nahrversorgungszentrums statt. Leider konnten viele Bürgerinnen und Bürger nicht teilnehmen, weil zeitgleich ein Einkaufspark an der Autobahn sein mehrjähriges Bestehen mit zahlreichen Schnäppchenangeboten feierte.
- Bedürfnisse werden gesellschaftlich geschaffen oder zumindest massiv modifiziert. Man kann eigene und fremde Bedürfnisse durch Reflexion und Übung negieren. Das herrschende Kritikttabu der Bedürfnisse liegt im Interesse des Kapitals.
- Wir müssen den Begriff der Grenze neu bedenken, indem wir ihn aus seiner einseitig negativen Konnotation befreien und somit auch seine kulturermöglichende Funktion in den Blick bekommen.
- Wie die Römer problemlos auf „Brot und Spiele“ einschließlich der Scheußlichkeiten hätten verzichten können, so gibt es in den Industriegesellschaften viele energieaufwendige Aktivitäten, auf die ebenfalls ohne Verlust von Lebensqualität verzichtet werden kann. Das wäre oft kein Verzicht, sondern Gewinn.
- Wir sind Experten der Beschaffungskunst (Chrematistik) von Notwendigem bis zunehmend Überflüssigem geworden. Das Beschaffen hat sich verselbständig.
- In der Warenwelt wird alles zur Ware, auch der Konsument in seinen Außenbeziehungen und in seinem Selbstverhältnis.
- Der Mensch hat sich von der Natur emanzipiert. Natur ist für ihn real – von Sonntagsreden und seltenen Gefühlsaufwallungen abgesehen – Rohstoff und Energie.
- In unserer kleinen Straße hält am Tage nahezu stündlich ein Paketdienst und das heißt: Jede Lieferung ist gleichzeitig ein effektiver Beitrag zum Scheitern des Überlebens unserer Innenstadt.
- Das Moratorium ist überflüssig. Fukushima ist der Stresstest: Die Atomtechnologie hat den Test unter für sie optimalen Bedingen, nämlich in einem hoch technisierten Land, nicht bestanden. Es gibt nichts mehr zu prüfen, die Realität hat eindeutig gegen die Atomtechnologie entschieden.
- Warum ich, von bestimmten antiquarischen Büchern abgesehen, nur in Läden kaufe und von der Möglichkeit des Internetkaufes keinen Gebrauch mache: Ein Laden mit seiner Ausstattung und Waren hat zuallererst eine materiell-sinnliche Qualität – Und im Laden befinden sich Menschen, seien es Verkäufer oder Kunden. Kurz: Dort herrscht Leben.
- Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Leben zwischen Autos, Einfamilienhaus, Einkaufszentrum, Fernseher und All-inclusive-Urlaub ein kritisches Bedenken der Denkvoraussetzungen ermöglicht, ist sehr gering. Damit sind nicht so sehr die Inhalte, sondern die Art und Weise des indirekten Lebens, des Lebens in Ersatzteilen im Sinne von „The medium ist the message“ gemeint. Auf dieser Ebene werden die hier gemeinten denkresistenten Strukturen gelegt.
- Definiert man Zivilisation primär als Selbsterhaltung und Kultur als Selbstbestimmung, wobei natürlich zwischen beiden fließende Übergänge und Wechselbeziehungen bestehen, dann plädiere ich für eine Veränderung der herrschenden Zivilisation.
- Einmal in der Woche auf Auto und Fernsehen verzichten, das wäre schon was. Aber sich von diesen Kontaktvernichtern vollkommen zu befreien, wäre ein anzustrebendes Fernziel. Gleiches gilt dann für das Internet, wenn eine Sucht, statt der Wunsch nach notwendigen Informationen dominiert.
- Ein Photo lügt immer zweifach: Es ist nicht die Wirklichkeit, und es stellt Wirklichkeit auch nicht dar.
- Nicht vergessen: Jeder Kauf hat Folgen auf Dein Gemeinwesen, auf die Welt und auf Dich selbst. Folgen, für die Du Dich oft nicht verantwortlich fühlst. Jeder Kauf ist ein politischer Akt.
- Sehen ist kulturell geprägt. Aber die Kultur ist nicht einheitlich. Man kann also gegen die herrschende Kultur sehr wohl eine zumindest partielle Eigenkultur bilden. Mein Nachbar schmilzt beim Anblick eines seiner Kultur nach schönen Autos, während ich absolut nicht fasziniert bin, im Gegenteil.
- Fernsehen fasziniert primär, wenn auch unbewusst, wegen seiner ständigen, intensiven und überraschenden Bewegungen, nicht so sehr wegen seiner Inhalte.
- Es gibt inzwischen einen riesengroßen Hunger nach Bildern und Filmen, denn sich in ihnen „aufzuhalten“ ist absolut ungefährlich und verlangt – bis auf den Knopfdruck – keinerlei körperlichen und geistigen Einsatz.
- Ein entscheidender Unterschied: Ein Ding ganzheitlich sinnlich wahrnehmen oder das Bild dieses Dings sehen.
- Ein gutes Leben in platonischem Sinne erfordert eine materielle Basis, aber nicht ein materielles Leben.
- Wir messen ständig die Maßlosigkeit menschlicher Aktivitäten und Produkte.
- Gegen die Verhexung des Denkens durch sprachliche Dualismen: So kann man gegen den dominierenden Trend in einer Gesellschaft sich stellen, ohne damit zugleich konservativ zu sein.
- "Die Energiedebatte hat sich in den letzten Jahren fast ausschließlich mit der Frage befasst, welche Art von Energiebereitstellung wir wollen. Sie hat über Vor- und Nachteile und über die Potenziale von Wind und Sonne, Kohle und Atom gestritten -- aber kaum je den Umgang mit Energie unserer industrialisierten Gesellschaften an sich infrage gestellt. Doch: Wenn wir nur noch über technische Fragen diskutieren; wenn wir glauben, wir könnten die Glühbirne rausschrauben, die Sparlampe reindrehen -- und weiter machen wie bisher, dann verpassen wir eine Diskussion über die Frage, die doch im Kern jeglicher Politik stehen müsste: In was für einer Welt wollen wir leben! (Marcel Hänggi)
- Der Ökonomismus ist eine „Geisteshaltung, die allerorten, ausnahmslos, auf strikte Rechenhaftigkeit dringt, in privaten Entscheidungen wie im öffentlichen Bereich, wobei die Maßeinheit freilich ausschließlich materiell ist und alle immateriellen Gegenposten außer Acht gelassen werden. Dann geht es um eine materialistische Verkürzung des Blicks vieler Menschen, um die Fixierung auf Pekuniäres“. In diesem Zusammenhang spricht sie von materialistischer Kurzsichtigkeit (Karen Horn in FAZ v. 18. 3. 11).
- Überwiegend massenmedial verfasst sind heute nicht nur die Wahrnehmungen, die Gefühle und das Denken, sondern über diese auch bewusst und unbewusst die Waren und Dienstleistungen.
- Selbst stundenlanges Fernsehen hat immer eine monologische Struktur. Widerreden bewirken nichts.
- Ich denke, nicht die soziale, sondern die ökologische Systemfrage ist die, die zuallererst gestellt und beantwortet werden muss, - weil sie lebensnotwendig ist.
Ein Kauf hat immer auch eine soziale Dimension. Sieht man von der Tatsache ab, dass Paketbedienstete ausliefern, haben Internetkäufe keinerlei soziale Kontakte. Inzwischen weiß ich von Arrangements, wo ständige Internetkäufer eine Ablage für diese Dienste eingerichtet haben. Es findet dann nicht mal eine minimale Begegnung mit Menschen mehr statt.
- Waren haben nur dann Wert, wenn man sich auf einlässt.
- "Wer sich in zwei Millionen Jahren die Mühe macht, in die Erde zu bohren, wird eine dünne, völlig verschmutzte Erdschicht finden. Das war das Zeitalter der Menschen" (Prof. Dr. Manfred Frechen vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik). Hier fehlt meiner Ansicht nach die Informationen, in welchen Epochen der Menschheit in welchem Ausmaß diese Verschmutzung stattfand.
- Ich denke, technische Ansätze sind gut und notwendig, aber nicht hinreichend. Hauptsache = Wir müssen sparen, d. h. weniger verbrauchen.
- Um Energie zu sparen, müsste vielleicht jeder von uns eine negative Hierarchie aufstellen, die mit den energiegestützten Aktivitäten beginnt, auf die man leicht verzichten kann, und nach unten mit der absoluten Grenze der Selbsterhaltung endet. Meine Liste könnte wie folgt aussehen: 1. Motorensport jeglicher Art, 2. exotische Früchte, 3. Fernrei- sen, 4.großflächiger Fernsehapparat, 5. Auto, 6. Geschirrspüler, 7. partieller Bücherverzicht, 8. …..
- These: Einsparung von Energie kann auf bestimmten Felder auch ein Gewinn sein.
- Warum hielten so viele Ingenieure, aber auch nicht wenige Naturwissenschaftler die gegenwärtige Atomkatastrophe in Japan für unmöglich? Meine Erklärung: Dass von ihnen entworfene Modell der Welt haben sie mit der Welt an sich verwechselt. Modelle sind vollkommen durchsichtig, erkennbar und deswegen vorhersehbar. Weltprozesse verlaufen gesetzmäßig, aber auch kontingent. Kontingenz hat aber in diesen konstruierten Weltmodellen keinen Raum, keine Funktion, keinen Platz. Vielleicht macht es Sinn, diesen Sachverhalt mit Alfred Korzybskis Diktum: The map is not the territory" zu umschreiben.
- Die Mauer, die Distanz und Reflexion verhindert, besteht heute nicht aus Steinen oder Zement, sondern aus einem ständig fließenden, nie unterbrochenen Informationsstrom. Man blickt ständig auf Information, die wie ein Staubsauger nicht Staub, sondern Konzentration und Reflexionsfähigkeit aus dem Gehirn saugen. Es fehlt die Pause, die ich beim Lesen nach eigenen Bedürfnissen problemlos realisieren kann.
- Öffentlicher Raum wird zum Spektakulum mit technologischen Formen des Managements oder Organisation. Ein Prozess, der genuin politische Stimmen zum Schweigen bringt (Jean-Luc Nancy).
- "Jede Technologie, jedes menschliche Handeln beinhaltet ein Restrisiko. Das wird ebenso verdrängt wie der Preis wachsenden Wohlstands (Chefredakteur Stefan Richter vom shz-Verlag).
- Der weltweite kollektive und individuelle riesige und ständig steigende Energiebedarf hat auch den Bau von Atomkraftwerken erzwungen.
- Ich definiere Klassen nicht durch ihre Stellung im Produktionsprozess, sondern über sinnlosen, automatisierten, fremdbestimmten bzw. über emanzipierten Konsum, also auch über den realen Menschen.
- Nach Dürr (2004) verfügt der durchschnittliche Amerikaner über 110, der Europäer über 60 Energiesklaven. Es ist zu vermuten, dass sich in den acht dazwischen liegenden Jahren die Zahl noch mal beträchtlich vergrößert hat. Nich nur eine Geburtenkontrolle, sondern eine Reduzierung der Energiesklaven ist notwendig (im Sinne von "die Not wendend).
- Die Zeit nach Fukushima bedarf eines (ökologischen) Churchills, der den Zeitgenossen unverblümt sagt, was zu tun sei, und dass dieses Tun auch bestimmte Einschränkungen verlangt.
- Autos und elektronische Medien forcieren dien Prozeß der Atomisierung der Gesellschaft.
- Fukushima ist ein Argument dafür, dass Ökologie den Primat vor der Wirtschaft hat. Eine Umverteilung des riesigen Kuchens genügt nicht. Wir müssen den Kuchen auch verkleinern.
- These: Der moderne Medien- und Konsummensch hat keine Eigenschaften mehr, sondern tendenziell nur noch Merkmale. Mit anderen Worten: Seine Subjektivität löst sich auf.
- Eine Frau fragt ungläubig: Kommt man tatsächlich mit dem Zug von Chur nach Flensburg? Und wie machen Sie es mit dem Gepäck?
- Der moderne Konsument verbringt immer mehr seiner Zeit mit Packen und Verstauen.
- Informationsflut, to do Europe in nine days, Einkaufszentren oder Frühstückbuffets haben strukturelle Ähnlichkeiten: Sie überwältigen. Übrigens überwältigen nicht Einkaufsstraßen, da sie aufgrund ihrer linearen Struktur „Freizeit“ ermöglichen bzw. Auszeiten haben.
- Leserbief 1: Im Moment (12. 3. 11/ 10 Uhr) spricht man von möglicher Kernschmelze in zwei Reaktoren nach dem verheerenden Erdbeben in Japan. Wie immer der Ausgang sein wird, ist dieses „Ereignis“ einerseits ein Argument gegen die Atomenergie, im Wesentlichen aber eines gegen den ungeheuren weltweiten Energiebedarf. Hinter diesem stehen Prinzipien wie Bequemlichkeit, Schnelligkeit und Billigkeit – ein gigantischer Prozess der endgültigen Ersetzung der Eigenbewegung durch Fremdbewegung. Erstere basiert auf metabolischer, letztere auf exogener Energie (Ivan Illich). Der Weg in die Zukunft, für den ich mich theoretisch in Publikationen und praktisch mit einem nachhaltigen Lebensstil einsetze, heißt: Zuallererst die Eigenbewegung stärken.
- Leserbrief 2: Ganzheitlich ist gefordert ! Gegen die Atomenergie zu sein, ist notwendig, aber nicht hinreichend. Es müssen Wege aufgezeigt werden, wie der riesige weltweite Energiebedarf verkleinert werden kann. Diese notwendige Reduzierung ist meiner Ansicht nach nur durch eine Änderung des gegenwärtig vorherrschenden individuellen und kollektiven Lebensstils zu erreichen. Die Maxime lautet hierfür: So wenig Motoreneinsatz wie nötig, so viel Eigenbewegung wie möglich.“
- Leserbrief 3: „Verantwortung für Tarup
(ein Stadtteil in Flensburg)
Eine Stadt oder Stadtteil ohne Mittelpunkt ist ein Organismus ohne Herz. Bis zur Aufgabe des Edeka-Markts im März 2010 hatte Tarup ein Herz, zwar kein besonders kräftiges und schönes, aber es war eins - und ein neues soll dank einer emsigen Bürgerinitiative wieder entstehen. Aber es gibt zwei Hindernisse: zum einen die Preisvorstellungen der Nospa, zum anderen aber auch das bisherige Einkaufsverhalten einer großen Mehrheit der Taruper Bürger. Beide, Nospa und Bürger müssen ein Stück von der herrschenden Logik des größten Gewinns und des geringsten Preises abrücken, wenn dieses Projekt gelingen soll. Warum soll es eine Zumutung sein, die Waren, die das zukünftige Versorgungszentrum anbieten wird, dort zu kaufen und den Rest eben in der Stadt? Es entstände ein sich wirtschaftlich tragendes Gebilde. Eventuell der Kaufpreis oder die Miete könnten dann dynamisch von dieser Entwicklung abhängig gemacht werden, ein Anreiz für die Nospa. Zum Erfolg dieses Projekts gehört auch, dass die Taruper Bürger und die Stadtverwaltung gemeinsam, vielleicht mit Hilfe des bewährten Moderators Thomas Dau, sich um eine Verschönerung der davor liegenden freien Fläche bemühen. Da die Wege in der Regel fußläufig sind, kann ein Teil dieser Fläche statt für Autos für Spielplatz, Außencafe und Begrünung genutzt werden, kurz: ein Ort, wo man einerseits Einkäufe tätigt, aber an dem man sich auch gerne aufhält, weil er schön ist und dort Taruper trifft.“ - Die Leserbrief 1- 3 bilden eine Einheit. Das zu wissen, ist keine Selbstverständlichkeit: Ich kenne viele engagierte Menschen, die sich für regionale Projekte einsetzen, aber keinen Bezug zum allgemeinen Energieverbrauch herstellen und umgekehrt engagierte Atomkraftgegner, deren Lebenstil konform mit den Imperativen des Marktes ist.
- Ist das konditionierte Waren-Bewusstsein tatsächlich stärker als der Genuss von Natur und Kultur?
- Bilder und Zeichen sind nicht die Wirklichkeit. In der Regel verstellen sie den Zugang zu Wirklichkeiten, aber in günstigen Fällen verstänken sie die Intensität der Wirlichkeitsbegegnung.
- Geschmack und Inhalt von produzierten Nahrungsmitteln driften zunehmend auseinander, d. h., sie bilden keine untrennbare Einheit mehr.
- "... diese Zeit, welche das Bild der Sache, die Kopie dem Original, die Vorstellung der Wirklichkeit, den Schein dem Wesen vorzieht ...;" (Feuerbach zitiert in Debord "Die Gesellschaft des Spektakels"). Diese Aussage ist aktueller denn je. Natürlich kann man mit bestimmten erkenntnistheoretischen Argumenten, jeden Gegenstand in ein Konstrukt überführen, aber ich bleibe bei der Position: Mit einem lebendigen Hund zu spielen ist kategorial etwas anderes, als einen Stoffhund im Arm zu halten oder kleine Welpen im Bild zu betrachten.
- Die Logik des "Waren-Technik-Komplexis" ist das bestimmende Subjekt unserer gegenwärtigen Gesellschaft.
- In der gegenwärtigen Gesellschaft spaltet sich die Welt in Realität und Bilder, wobei der Anteil der Bildwelt bzw. Zeichenwelt ständig zuungunsten der Realwelt zunimmt.
- An den Häusern der Favelas Südamerikas soll trotz größter Armut immer eine Empfangsantenne für Fernseher angebracht sein. In jedem Haus der reichen Länder stehen immer mehrere Fernsehapparate. Arme und Reiche, so die Statistiken, benutzen gleichermaßen diese Geräte intensiv. Gibt es zwischen beiden bezüglich Realerfahrungen wesentliche Unterschiede? Und wenn ja, welche?
- Die Bezeichnung „Castor-Transport“ verdeckt den hochgefährlichen Inhalt. Es klingt nun ungefährlich, ja nach Bildung.
- Eine nachhaltige Problemlösung? Mein Verwandter hat wegen Bewegungsmangel massive Rückenprobleme. Er fährt deshalb mit dem Auto in die nahe gelegene Praxis seines Arztes.
- Weil Realbegegnungen immer weniger werden, entsteht ein zunehmender Zwang, Bilder zu betrachten bzw. zu konsumieren.
- Finanziell gut stehende Leute, das ist meine Beobachtung, argumentieren oft, wenn sie ihre einseitige Orientierung an Geld und Bequemlichkeit verdecken wollen, mit Argumenten, die nur aus dem Mund von gering verdienenden Menschen legitim sind.
- eder Kaufakt ist auch politisch, denn er hat immer positive oder negative Folgen für die Stadt bzw. für das Gemeinwesen (gr. polis). So, ob ich meine Einkäufe in der Innenstadt oder in Einkaufszentren an der Peripherie der Stadt tätige. Verallgemeinert: Wenn nicht mehr in der (Innen-)Stadt gekauft wird, stirbt diese mit Sicherheit. Tertium non datur. Auch Events helfen langfristig auch nicht.
- Unsere Welt verengt sich tendenziell auf die Zahl. In der Wissenschaft ist sie das Fundament für die Vermessung der Welt, in der Alltagswelt drückt sie sich in Tauschwerten aus. Die Zahl für ein Ding oder Prozess ist letztlich fast immer nicht sehr aussagenkräftig, aber sie ist absolut sicher. Diese Sicherheit ist wohl ihr Faszinosum.
- Eine neue Boeing-Maschine wird in einer Großanzeige vorgestellt. Über die Hälfte des Bildes besteht aus einem hübschen Mädchen. Worin besteht der Zusammenhang?
- Fernreisen leben von der Illusion, dass zumindest nach einem zehnstündigen Flug erst ein Paradies erreicht wird. Diese Reisenden erkennen nicht, dass die Lebenswelten auf der ganzen Welt längst einheitlich geworden sind, so auch das Ausmaß der jeweiligen Zerstörungen.
- Zumindest theoretisch kann man jede Lebenssituation als ein Gefängnis betrachten. So gesehen kommt alles auf die jeweiligen Freiheitsgrade an. Diese sind in einem herkömmlichen Gefängnis sehr klein. In einem Leben in der Konsumwelt sind die Freiheitsgrade zwar größer, aber doch viel enger als im Allgemeinen gedacht wird.
- Ich bin grundsätzlich gegen den Schein von Seiendem in Form von Bildern, wenn das Ziel die (scheinbare) Verdoppelung ist. Ich schätze Bilder, wenn sie eine neue Sicht auf das jeweilige Phänomen ermöglichen. Das bezeichne ich als Kunst.
- Nach Jacques Lacan empfindet der Mensch sich sein ganzes Leben lang als Mangelwesen. Dieser Mangel „sieht“ er in seiner prinzipiellen Unvollständigkeit, die er auf verschiedene Weisen zu füllen versucht. Ich denke, dass geistiges Wachstum hier eher zu partiellem Erfolg führt als Warenorientierung.
- Man mache sich keine Illusionen: Die meiner Ansicht nach notwendige Ausrichtung der Gesellschaft auf Ökologie und Nachhaltigkeit ist eine riesige Aufgabe und höchst riskant.
- Verlust des Bewusstseins für Distanzen: Wir sprechen mit einem Nachbar an einem etwas dunklen Januartag über Urlaub. „Zu dieser Jahreszeit muss Du schon auf die andere Seite des Äquators fahren, wenn Du einen ordentlichen Urlaub haben willst“ sagt er mit größter Selbstverständlichkeit.
- Die politische Ökologie ist als das Tertium aufgetreten, weil sie von linken und rechten Positionen sich in der Einschätzung der Technik, insbesondere in der motorenbetriebenen, von allen Gruppierungen radikal unterscheidet. Das ist ihr Kern. Sie sieht in der ungehinderten Entwicklung, ja Förderung der Technik nicht nur die Zerstörung der ökologischen Grundlagen des Menschen (und aller Lebewesen), sondern auch deren eigene Reduktion zu einer Funktion der Technik. Ihre Maxime lautet deswegen: So wenig motorenbetriebene Technik in der Konsumtion wie möglich, in der Produktion wie gerade nötig. Von dieser Position haben sich übrigens die Grünen sehr weit entfernt. Dass die Umsetzung dieser Position in einer nicht infrage zu stellenden Demokratie sehr, sehr schwer sein wird, soll und darf nicht abstritten werden.
- Entweder Produktion oder Akzeptanz, d. h. ich stelle etwas her oder ich akzeptiere etwas Gemachtes. Heute überwiegt überall bei weitem die Akzeptanz.
- Die Feststellung von Marx, dass die Bildung der fünf Sinne - ein musikalisches Ohr, ein Auge für die Schönheit – sei eine Arbeit der ganzen bisherigen Weltgeschichte, wird durch den Konsumismus sowie durch die Ersetzung lebendiger Tätigkeit und Umwelt wieder rückgängig gemacht. Der Sinn wird wieder ein bornierter. Nicht nur die ökologische Situation, sondern auch die Entfaltung menschlicher Möglichkeiten erfordern einen Lebensstilwandel.
- Wille ist Leben. Der Wille braucht ein Ziel. Darum waltet im Wesen des Willens der Schrecken vor der Leere. Deswegen selbst im Zeitalter der Bequemlichkeit Minimalaktivitäten wie Fernsehen, Autofahren und Warenerwerb in der Schwundform des Internetkaufs.
- Das Wirkliche wird zunehmend von Symbolen und Bildern ersetzt, deren Existenz die Abwesenheit von Wirklichkeit vergessen oder zumindest erträglich machen lässt. Dazu ein Satz von Friedrich Kittler: "Heutige Revolutionen werden sowieso nur für amerikanische Medien gemacht."
- Ständiger Medienkonsum verhindert Singen. Die Esten singen. Wie machen die das bloß?
- Ich glaube, dass der Widerstand gegen den technologischen Zeitgeist wesentlich von Ästhetik und Physiologie als der Einheit von Schönheit und Sinnlichkeit ausgehen kann und ausgehen wird. Technologischer Zeitgeist ist zutiefst davon überzeugt, dass alle Probleme der Menschheit sich nur mit Hilfe von Technik wirklich lösen lassen.
- Größere Distanzen mit der Bahn zurückzulegen, ist für mich Lebensqualität. Das ist keine Ironie, wie vielleicht eingefleischte Autofahren vermuten.
- Die innere Logik der Distribution von Waren wird immer deutlicher: Alle Waren, auch Lebensmittel, werden in Zukunft über Internet gekauft und per Lieferwagen direkt vor die Haustür gebracht. Innenstädte, Läden, ja selbst Einkaufszentren werden der Vergangenheit angehören. Einige nur mit dem Auto oder Flugzeug zu erreichende Event-Orte werden vorhanden sein, um das nicht ganz abzutötende Bedürfnis nach Realität zu befriedigen. Ansonsten werden vorwiegend visuelle Medien inszenierte Welten vorgaukeln.
- Das Verschwinden des Menschen in der Öffentlichkeit: Vor einigen Jahrzehnten traf man auf Menschen, wenn man das Haus verließ, wenn man von dort in die Stadt lief, in der Innenstadt selbst und natürlich in den Läden. Heute nur noch in der Fußgängerzonen und in den nur noch mit Auto zu erreichenden Einkaufzentren an der Peripherie der Stadt. Bald auch dort nicht mehr, weil alle Kaufakte über das Internet vollzogen werden.
- Durch die ständigen Themenwechsel in den Medien werden letztlich die Konsumenten aller Kritik und Möglichkeiten entsprechenden Handelns beraubt.
- Tendenziell verschwinden sowohl das Private als auch das Öffentliche.
- Die Augen haben sich von dem (sich bewegenden) Körper emanzipiert.
Der folgende Teil B ist abgeschlossen, so dass sich ab hier die Nummerierung nicht mehr verändert.
- Nicht die materielle Veränderung der Welt, sondern Bildung ist die denkbar größte Aufgabe und Baustelle des Menschen.
- Überlegung zum Fortschritt und Freiheit: Heute müsste man nicht von Fortschritt im Sinne von Schreiten, sondern von „Fortfahrt“ sprechen und zwar eine Fortfahrt ohne Steuer und Bremse. Aber auch wenn wir beim Begriff Fortschritt bleiben, heißt das nicht, sich zwanghaft nur in eine Richtung linear fortbewegen zu müssen, nein, der Mensch kann, weil er über Freiheit verfügt, andere Richtungen einschlagen und ggf. auch mal rückwärts schreiten oder gar stehen bleiben. Es ist also unbegründete Denkfaulheit zu sagen, die Zeit oder der Fortschritt oder die Entwicklung usw. könne nicht verändert werden. Es kommt immer auf die Inhalte an.
- Das menschliche Maß ist nicht nur eine Raumgröße, sondern eine Größe des Kraftpotentials, über das ein Mensch verfügt. Diese Kraft bestimmt wesentlich menschliche Grenzen. Sie war in der Vergangenheit wesentliches Maß für materielle Strukturen, z. b. von Städten, die der Mensch durch Eigenbewegungen bewältigen konnte. Durch das Auto, um in diesem Vergleich zu bleiben, gibt es diese Grenzen nicht mehr: ob das Einkaufszentrum fünf oder fünfzehn Kilometer entfernt liegt, ist für den Autofahrer kein Thema, solange die Zufahrtswege dorthin schnelles Fahren gestatten. Ähnlich verhält es sich beim Lesen und Fernsehkonsum. Beim Lesen tritt der Ermüdungspunkt relativ schnell ein, beim Fernsehen scheint er stundenlang zumindest nicht so stark zu sein, dass der Ausstellbefehl gegeben wird
- Ich bin immer auch „in“ der Gesellschaft, ich kann mich ihr nie ganz entziehen, bin immer ein Hybrid, aber ich kann mich zu bestimmten Aspekte meiner Gesellschaft verhalten, sie bejahen oder verneinen, mitmachen oder nicht mitmachen. Nicht Mitmachen kann man aus der Perspektive der dominierenden Fakten und Normen dieser Gesellschaft als Flucht bezeichnen, aus der Perspektive der Autonomie als sinnvoll.
- Die Konzentration auf Seiendes lässt uns das Sein vergessen, weil kein Raum mehr zur Reflektion auf Metaebene vorhanden ist. Wir vergessen, dass wir vergessen.
- In der Mediengesellschaft bekommt man ständig Impulse, die einen „aus der Spur bringen. Selten ist das gut, meistens ist das schlecht.
- Ein Lob des Buches: Auf einem Foto sieht man zahlreiche Passagiere auf dem Flugplatz in Kairo auf ihrem Abflug aus dem krisengeschüttelten Land warten. Alle haben, soweit man es erkennen kann, einen sorgenvollen Gesichtsausdruck. Nur ein älterer Herr liest konzentriert in einem Buch. Er ist der einzige, der sich von dieser Situation „befreit“ hat
- Konsumentismus kann sich wie z. B. der Bürokratismus verselbständigen und tendenziell alle Lebensbereiche durchdringen und bestimmen. Dieser Prozess scheint fast abgeschlossen zu sein.
- Ökologische Wirtschaft, liberale Politik und starker Akzent auf Kultur sind wesentliche Eckpunkte meiner Position.
- Liebe und Vertrauen überwinden Kontingenz - also nicht nur Maschinen ujnd Organisation.
- Eine Zeitungskolumne: „Nicht gleich beschweren! Jedes Mal ärgere ich mich über den zu kurzen Kassentresen im Einkaufsladen. Als ich die Verkäuferin aufforderte, das an ihren Chef weiterzugeben, unterbrach mich ein junger Mann „Nicht immer gleich beschweren, sondern einen Tipp geben“. Frech - aber vielleicht hat er Recht?
- Nicht Erhaltung des Lebens, sondern deren Steigerung ist der Sinn des Lebens. Mit Steigerung sind insbesondere diejenigen gemeint, die im Vollzug des Tuns "passieren", also nicht das Ergebnis eines Plans sind. Jetzt kommt alles darauf an, die Inhalte der Steigerung als sinnvolle zu bestimmen, die zuallererst auf geistiges Wachstum, auf mehr Gerechtigkeit, auf Nachhaltigkeit, auf Schönheit aus sind.
- Verzicht auf Originalbegegnungen und Verzicht auf Eigenbewegung in alltäglichen Umwelten sind wesentliche Merkmale einer konsumorientierten Lebensweise.
- Vermutung: Die Notwendigkeit des nachhaltigen Wirtschaftens zu bestreiten, ist letztlich Ausfluss eines individuellen und/oder kollektiven Egoismus, um sein Verhalten nicht kritisch zu bedenken und ggf. zu ändern müssen.
- Haben Bilder ihren Anfang in der Realität oder die Realität ihren Anfang in Bildern? Das Verhältnis hat sich offensichtlich verändert: Orientierung entsteht nicht mehr in der Auseinandersetzung mit der realen Welt, sondern in der visuellen Wahrnehmung von Symbolen und Bildern, wobei letztere ständig mehr an Macht über die Bewusstsein erlangen.
- Das Konsumbewusstsein ist ein hermetisches. Ein Blick auf ein Anderswo und Anderswie ist nicht mehr möglich. In diesem Sinn kann man auch von einem Gefängnis sprechen.
- Je mehr wir in Bilderwelten leben, desto ortloser wird unsere Existenz.
- John Berger vermutet, dass unsere Kultur vielleicht die klaustrophobischste ist, die je existiert habe. Ich denke, das genaue Gegenteil, die Klaustrophilie, ist der Fall: Die Mehrheit der Menschen verbringt nahezu mit Wollust ihr Leben in Räumen, sei es die Wohnung, der Innenraum des Autos oder das Einkaufszentrum. Es ist eine rundum Kultur des Drinnenseins. Eine komplett andere Sichtweise ergibt sich allerdings, wenn man das Fernsehen als ein Fenster zur Welt interpretiert, denn dann löst sich der Wohnraum auf.
- Die fatale Weichenstellung der Neuzeit liegt meiner Ansicht darin, dass der Mensch denkt, die Substanz der Welt sei die Vernunft, die zumindest identisch mit der menschlichen sei, ja überhaupt nur auf den Menschen zurückgeführt werden könne. Mit der Folge, dass die Vernunft den Dingen ihre „Wahrheit“ verleiht, so dass aus ursprünglich unabhängigen Subjekten Objekte der Vernunft werden und damit in den Herrschaftsbereich des Menschen fallen. Die Lösung besteht darin, diesen Denkprozess rückgängig zu machen, d. h. den Dingen ihren Subjektcharakter wieder zu geben (aber auch diese Formulierung zeugt noch von der Allmacht der Vernunft).
- Wenn es stimmt, dass man über die Sucht mit einem Minimum an Anstrengung Befriedigung (aber nicht Glück) erlangt, dann sind Fernsehen und Autofahren Süchte. Bücher kaufen übrigens auch, aber beim Lesen anspruchsvoller Lektüre verliert sich schnell der Suchtcharakter.
- "In den Zeiten der Trübnis haben die Starken tief durchgeatmet und an der Zukunft gearbeitet". Sie haben "Sportboote" konstruiert, die "ihre Kraft aus Kolossen von Motoren beziehen, denen der Treibstoff aus Tausende Liter fassenden Tanks zugeführt werden" (FAZ v. 25. 1. 11). Dazu zwei Fragen: a) Was haben diese Boote mit Sport zu tun? b) Inwiefern sind diese Boote zukunftskompatibel?
- Die mit einem Fernsehapparat ausgestattete Wohnung und das Auto sind heute für immer mehr Menschen die reale Heimat.
- "In den Zeiten der Trübnis haben die Starken tief durchgeatmet und an der Zukunft gearbeitet" . Sie haben "Sportboote" (was hat das mit Sport zu tun, bm) konstruiert, die "ihre Kraft aus Kolossen von Motoren beziehen, denen der Treibstoff aus Tausende Liter fassenden Tanks zugeführt werden" (FAZ v. 25. 1. 11).
- „Lob dem Unterschied!
In den Empfehlungen des bayrischen Zukunftsrates sehe ich eine Chance: Ein Leben auf dem Lande war bis vor wenigen Jahrzehnten grundsätzlich ein anderes als ein Leben in der Stadt – und umgekehrt. Diese Differenz wird zunehmend eingeebnet zugunsten einer einheitlichen Lebenswelt in Stadt und Land, deren Hauptelemente folgende sind: industrielle Produktionsstätten, immer größer werdende Einkaufszentren, der jährliche Urlaubsflug „in die Sonne“, einige Besuche von Großevents und exzessiver Medienkonsum, d. h. Flucht in Ersatzwelten. Aus meiner Sicht war es politisch falsch, in Stadt und Land gleichwertige, das heißt konkret gleiche Lebensverhältnisse herstellen zu wollen. Verschiedenheit ist ein Wert an sich, wobei man verschiedene Qualitäten nur schwerlich oder gar nicht miteinander sinnvoll verrechnen kann. Auf dem Land wie auch in der Stadt gibt es immer noch nur dort anzutreffende Qualitäten und spezifische Entwicklungspotentiale, die überhaupt erst angedacht bzw. revitalisiert werden müssen. Diese würden z. B. gestärkt werden, indem man nicht noch mehr Straßen baut und verbreitert, sondern massiv zurückbaut und damit den Staubsaugereffekt verringert, der das Land, aber auch die Stadt qualitativ verarmen lässt. Auch heißt Unterschied hier, dass ein Städter teilweise andere Bedürfnisse hat, wenn er die Stadt liebt, als der auf dem Land lebende Mensch, der das Land liebt.“ (ein Leserbrief) - Wer vertieft sich noch in große Kunstwerke? Die hohen Preise auf Versteigerungen ist das einzige Wunder, das nach bleibt.
- "Are humans too sentimental towards nature? (BBC) Wird hier die Formel "Natur = Rohstoff" eingeschworen?
- Neubaugebiete haben nicht mehr die Kraft (bzw. ihre Einwohner haben nicht den Willen), einen eigenen Kern, ein Zentrum oder einen Mittelpunkt zu bilden. Nicht einmal von der Form wird ein solches „Herz“ angedeutet, es gibt nur Straßen, keinen Platz. Es reicht nicht einmal zu einem bescheidenen Kiosk.
- Ein Fernsehapparat und ein Auto sind heute notwendige Garanten eines erfüllten Lebens.
- Ich bleibe dabei: Die Wirtschaft und die Technik müssen eine Funktion des Menschen sein und nicht der Mensch eine Funktion von Wirtschaft und Technik.
- Die ausschließliche Orientierung auf (günstigen) Konsum ist frei von jeglicher Ethik.
- Nietzsches Aussage „Ich bin das, was sich immer selbst überwinden muss“ ist ein notwendiges Korrektiv gegenüber der Dominanz des Rufs nach fremder Hilfe.
- Die Anerkennung des Ausdrucks „gefühlte Armut“ wäre das Ende aller politischen Rationalität.
- Die Logik des Kapitals erzwingt, die negativen Folgen des Wirtschaftens, insbesondere der ökologischen, soweit wie möglich herunterzuspielen, im Extremfall sie vollkommen zu negieren. Die implizite Botschaft lautet dazu oft: Weitermachen wie bisher!
- Heute ist der Konsument konstitutiver Teil und stablisierender Faktor des gegenwärtigen Wirtschaftssystems.
- Naturlandschaften sind immer schön, Industrie- und Autolandschaften mögen ggf. notwendig sein, aber sie sind immer hässlich.
- Joseph Beuys: Geld ist keine Ware. Geld ist kein Wirtschaftswert.Geld ist nicht gleich Kapital.
Kapital sind die Fähigkeiten und die Kreativität aller Menschen (aus einer Mitteilung der Folkbaltica). - Eine Sache im weitesten Sinne ist nicht identisch mit ihrem Wert und natürlich erst recht nicht mit an ihr gemessenen Zahlen. Die Tendenz besteht aber darin, den Wert einer Sache oder Zustandes auf Zahlen, insbesondere auf Preise, zu reduzieren.
- Den „Willen zur Macht“ halte ich dann für sinnvoll und akzeptabel, wenn er der Selbstermächtigung und/oder zur Beseitigung von unberechtigten Freiheitsbeschränkungen dient. Unter dieser Bedingung kann ich Heidegger zustimmen, wenn er sagt: „Werden“ meint nicht das unbestimmte Fließen eines charakterlosen Wechselns beliebig vorhandener Zustände, auch nicht die Entwicklung zu einem Ziel. Werden ist die machtende Übersteigerung der jeweiligen Machstufe.
- Wenn Welt wesenhaft Chaos, aber nie Organismus ist, dann ist in bestimmten Situatonen, aber nicht in allen! Organisation notwendig.
- Begriffe wie Optimum, Grenze, Sättigung, Sparen und Nachhaltigkeit statt Schnelligkeit, Bequemlichkeit, Billigkeit und materielles Mehr sollten im Mittelpunkt unseres Denkens, Sagens und Handelns stehen. Diese Richtungsänderung würde, so meine Erfahrungen, nicht weniger, sondern mehr Glück und Freude nach sich ziehen.
- Fernsehen hat viel mehr mit Voyeurismus als mit Informationsgewinnung zu tun. Die Leute sind hier nicht selbstkritisch.
- Fragen eines Zeitgenossen an einen Welt- und Selbstverbesserer: Warum soll ich zu Fuß gehen, wenn ich vor dem Haus meine Autos stehen habe? Warum soll ich Bücher lesen, wenn bei uns in jedem Zimmer ein Fernsehapparat steht? Warum soll ich Sport betreiben, wenn der in den Medien gezeigte nicht zu toppen ist? Warum soll ich mit Dingen vorsichtig umgehen, wenn ich versichert bin? Warum in Bayern Urlaub machen, wenn es in der Türkei so billig ist? Hier breche ich erst einmal ab.
- Autofahren, Fernsehen, Einkaufen möglichst über das Internet, Rauchen, All-inclusive-Urlaube, also Aktivitäten mit minimalem körperlichen und geistigen Einsatz dominieren ungefährdet die Liste der realen Beschäftigungen an, zumal es die Lieblingsbeschäftigungen sind.
- Der Verzicht auf Wirklichkeit: "Tourist trails based on famous books and films are now common attractions in most of the world's major towns and cities"( BBC).
- Auch schöne und schönste Landschaften werden durch technische Großprojekte zerstört, was inzwischen tausendfach und mehr belegbar ist.
- Wirtschaftliches Wachstum zeigt sich auf der Konsumseite als ein Mehr-haben-Wollen. Dieses Wollen ist, im Gegensatz zum geistigen und sozialem Wachstum, relativ leicht zu realisieren.
- Leute, die viel Auto fahren oder Fernsehen, meinen, diese sitzenden Tätigkeiten hätten keinen Einfluss auf ihr Selbst. Das ist ein Irrtum, der Einfluss reicht vom Denken, Fühlen bis hin zur Körperform und Gang.
- Ein Leben im gegenwärtigen Mainstream ist tendenziell ein Leben ohne Beanspruchung des eigenen Leibes und ohne Begegnungen mit der äußeren Natur. Das sind schon bedeutsame Verluste, die nicht auf die leichte Schulter genommen werden dürfen.
- Macht ist für mich ohne Einschränkung akzeptabel, wenn darunter die Macht über sich selbst verstanden wird, um Wachstumsprozesse der Bildung und der ethischen-sozialen Selbstverbesserung in Gang zu setzen. Dann ist für mich auch – wie für Nietzsche – das Stehenbleiben auf einer Machtstufe der Beginn der Ohnmacht, die nur noch die Sorge um die eigene Selbsterhaltung zulässt.
- Wachstum ist Mehr-haben-Wollen. Durch die Variante des materiellen Konsums hat die Industriegesellschaft dieses Bestreben sehr leicht gemacht, aber damit gleichzeitig geistiges und soziales Wachstum geschwächt bzw. ge- und verhindert. Ein Konsumleben hat viel Ähnlichkeit mit einem Hamsterrad, das viel Aktivität erfordert, das aber durch die Wiederkehr des immer Gleichen letztlich Leere übertüncht. Hier findet eben kein Wachstum statt. Wohlgemerkt: Ich kritisiere nicht den Konsum, sondern dessen Verabsolutierung.
- Erst durch das Auto wurde die zunehmende Zentrierung fast aller Lebensbereiche ermöglicht, wobei die Anzahl der Zentren abnimmt und ihr räumlicher Abstand immer größer wird. Die Großmutter auf dem Dorfe musste zweihundert Meter laufen, um zu ihrem Kaufmann zu gelangen, ihre Tochter schon einen Kilometer zu Fuß oder mit dem Auto, während die Enkelin bereits acht Kilometer mit dem Auto fahren muss. Offensichtlich ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen.
- Wer den Andersdenkenden als Feind ansieht, befindet sich im Bürgerkrieg.
- „Man sieht nur, was man weiß“ (Fontane). Das ist starkes Argument für Bildung. Wenn man nicht über den Begriff verfügt, müssen die Dinge schon sehr grell sein, um wahrgenommen zu werden.
- Wahre Politik muss grundlos bleiben. Wenn, wie heute, Technik der unbestreitbare Grund ist und die es nur zu fördern gilt, also nicht mehr von Fall zu Fall bejaht oder verneint werden darf, dann ist das Ende des Politischen erreicht.
- Der Zeitpunkt ist gekommen, wo wir uns fragen müssen, was wir brauchen, und was wir nicht brauchen. Oft wird der Verzicht sich dann oft als Gewinn erweisen.
- Eine nicht-gestellte Frage: Muss denn Wirtschaft eigentlich immer wachsen? Und wenn ja, wie lange noch?
- Es findet seit längerer Zeit eine fast alle Lebensbereichen und Wissenschaften umfassende Entdinglichung statt, indem die Dinge durch mathematische Größen und Bilder ersetzt werden. Dieser Prozess ist für viele Menschen nahezu abgeschlossen. Jedes materielle Ding kann gemessen und mathematisch bestimmt werden, aber das Ding geht in dieser Bestimmung nicht auf, ja, verfehlt in der Regel das Wesentliche.
- Was man im Nahbereich nicht sieht, sieht man in der Regel auch nicht auch nicht in der Ferne.
- Konsum ist notwendig und berechtigt, wenn er dem Lebenserhalt dient, aber er darf nicht zum Selbstzweck werden. Wird er es trotzdem, ist es vergleichbar mit dem ständigen Kreisen eines Ringes um seinen Mittelpunkt, so dass nichts Neues wie Bildung entsteht.
- Durch Ausdrücken erlangen wir Klarheit über uns selbst und erlangen Freiheit. Man drückt sich heute, wenn überhaupt, nur noch minimalistisch aus. Zur Hauptsdache wird industriell hergestellter Ausdruck gekauft.
- Wenn Gegenwart mit Aktualität gleichgesetzt wird, dann ist die Gegenwart eine reduzierte und verdinglichte. In einer lebendigen Gegenwart wirken immer unbewusst, vorbewusst oder bewusst Vergangenheit und Zukunft.
- Immer mehr Bürger, die von Natur aus einen guten Verstand und von der Gesellschaft eine gute Ausbildung erhalten haben, versinken vollständig, widerstandslos und freudig im Morast des Konsums. Selbst das Lesen einer Tageszeitung, von anspruchsvoller Lektüre ganz zu schweigen, wird als eine Überforderung bewertet.
- Die Produktionskräfte revolutionieren nicht nur die Produktion, sondern auch – und das wird jetzt erst in vollem Umfange sichtbar – die nichtproduzierende Lebenwelt, in die die Technik nun massiv bestimmend eindringt.
- Das Programm der materialistischen Aufklärung war explizit: eine immer umfassendere Naturbeherrschung durch Technisierung der Erde und die Durchrationalisierung aller Lebensverhältnisse. Das ist heute wieder implizit das Drehbuch für nahezu alle individuellen und gesellschaftlichen Bestrebungen - weltweit.
- Der sowieso schon problematische philosophische Subjektivismus ist heute massenhaft zu einer flachen Konsumautonomie verkommen.
- Maxime: Halte Dich entweder in anspruchsvollen geistigen Bereichen auf oder suche den Kontakt zur sinnlichen Welt in Form von Eigenbewegung in interessanten natürlichen, sozialen und kulturellen Umwelten. Meide dagegen die sich massiv ausbreitenden Graubereiche der Konsumwelten.
- Künstlich angelegte Ferienanlagen großen Stils negieren das Wesen des Reisens.
- Der auf der Höhe der Zeit lebende Bürger wohnt nicht mehr in einem Haus, sondern ist (bzw. west) mit seinem Wesen in Fernsehapparaten und Autos.
- Dass das (grammatische) Ich die absolute Herrschaft über das Verb hätte, es absolut bestimme, ist die große Ideologie der Neuzeit.
- Das Ausdruck „face-to-face-communication“ ist dermaßen treffend, dass man, auch wenn man kein Freund von Amerikanismen ist, schlechterdings nicht auf ihn verzichten kann, wenn man den dramatischen Rückgang des Gemeinten anschaulich beschreibt.
- Jeder Deutsche hat 22 000 Euro Schulden, das sind 1, 791 Billionen Euro über Bund, Länder und Kommunen. Diese Schulden kann man formal als Blase interpretieren und ethisch als ein Leben auf Kosten zukünftiger Menschen. Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt, auch über unsere ökologischen. Die Preissteigerungen können darauf eine vernünftige Antwort sein, wenn sie denn der Tilgung dienen und gerecht verteilt sind.
- Per aspera ad adstra: Es bedarf in der Regel der Anstrengung und des zeitweisen Verzichts, um etwas Schönes aufzubauen. Mit dem Kauf oder Knopfdruck ist es nicht getan.
- Armut in unserer Gesellschaft ist oft eine Mischung von Selbstverschuldung und Fremdverursachung. Hier gilt es genau hinzusehen. Verabsolutierung des einen oder anderen Pols ist inakzeptabel.
- Descartes Cogito verengt sich heute auf ein bisher nicht erreichtes, fast wissenschaftlich zu nennendes Niveau des Schoppens.
- Von der Normalität geht zumindest heute die größte normative Kraft aus.
- Ich vermute, dass das stundenlange Verweilen vor Großbildschirmen nicht zur Erlangung von Informationen, sondern dem Erleben von Farbteppichen bzw. Farbwellen dient, die von links und rechts, von oben und unten sich über den Bildschirm entrollen und in Blitzesschnelle von einem anderen "Teppich" übermalt zu werden, der wiederum dominiert und verschwindet ad infinitum – bzw. bis der Fernsehende nach Stunden endlich die nahezu übermenschliche Kraft aufbringt, den Ausschaltknopf zu betätigen. Einfacher gesagt: Es blitzt beständig und das genügt, um unterhalten zu werden.
- Heutige Aufgabe: Das geplante Leben reduzieren und dafür sich öffnen und bereit sein für kontingente Begegnungen.
- Der Mensch ist bedingt und bedingend, er ist bei Geburt vollkommen bestimmt und bestimmt wieder andere, er steht er in ungetrenntem Zusammenhang mit der vergangenen und nachfolgenden Zeit. Darin besteht die objektive und subjektive Verantwortung eines jeden Menschen und seine Aufgabe.
- Das allmähliche Zurückdrängen des Lebendigen aus der Alltagswelt halte ich für durch und durch inhuman: Man möchte letztlich mit Seelen, nicht mit Körpern zusammenleben.
- Da sage noch einer es gäbe in unserer Gesellschaft keine Individualisten mehr. Ein Gegenbeispiel: Mein Verwandter ist gestern Nachmittag noch zu einem Outlet-Center gefahren, um eine bestimmte Jacke zu erwerben, für die im überregionalen Teil der Zeitung geworben war. Er hat sie bekommen, der sechshundert Kilometer lange Kurztrip hat sich also gelohnt. Und - dreißig Prozent billiger als in unserem Kleidungsgeschäft.
- ´Live´ beruht zwar auf Gleichzeitigkeit, aber Aktion und Rezeption finden an verschiedenen Orten statt. Wenn schon unbedingt das Wort ´live´ benutzt werden muss, dann bitte nur, wenn man direkt Teil des Ereignisses ist
- Konsumorientierung i. w. Sinne fördert Gedanken- und Erfahrungslosigkeit.
- Je naturferner das Leben, desto größer der materielle Aufwand zu seine Erhaltung.
- Technik gehört zur Wirtschaft und in bestimmten Zeit zum Krieg; heute wesentlich auch, um von sich selbst abzulenken.
- Zugespitzt: Warenbewusstsein ist keine Insel mehr im allgemeinen Bewusstsein, sondern füllt dieses ganz aus. Das Warenbewusstsein ist das allgemeine Bewusstsein. Übrigens hat der habituelle Fernsehkonsum ähnliche Merkmale wie der Warenkonsum: Beide stellen nur flüchtige Beziehungen zu den Oberflächen der jeweiligen Dinge her.
- „Literaturkenntnis schützt vor Neuentdeckungen“ (Ernst Schubert) - und vor arroganten Modernitätsfetischisten.
- Konsumentismus ist eine Krankheit, die drastisch die Möglichkeiten des Lebens einschränkt. Die Interessen des Kapitals können, müssen aber nicht deckungsgleich mit den meinigen sein.
- Statt von "virtuellen Welten" sollte man realistisch von "virtuellen Inszenierungen" sprechen. Das sprachliche Problem besteht darin, dass der Begriff "Welt" eine totale Kategorie ist, die keine Negation zulässt: Alles ist Welt, auch das Inhumane. Dass es das gibt, abstreite ich nicht, aber ich glaube fest an die Möglichkeit, es zumindest in Teilen aus der Welt herausschaffen zu können, ja müssen.
- Nietzsche kritisierte mit Recht verflachendes Vielwissen, das sich heute in Flachbildschirmen realisiert.
- Wir müssen unser eigenes Maß entwickeln im Jahrmarkt der Beliebigkeiten, wo man alles vermeint, kaufen zu können.
- Wenn das Diktum "Wahr ist, was erlebt wird" wahr ist, bleibt nur noch wenig Wahrheit nach.
- „Weltferne“ ist nicht absolut, der Mensch ist, wie minimal auch immer, mit der realen Welt verbunden. Diese jeweilige real-materielle Verbindung (z. B. der Fernsehapparat) wird in der Regel nicht als solche – wie der Blinde Fleck – bemerkt und es entsteht die Täuschung, in der Welt zu sein.
- Die soziale und kommunikative Dimension beim Kaufakt gehört zur Lebensqualität. Beim Kauf in anonymen Großmärkten oder Interkauf wird dieses Plus systematisch ausgeschaltet. Die ausgeschlossenen Erfahrungen werden in industriell produzierten Sendungen auf Surrogatebene befriedigt.
- Wirtschaft ist kein Selbstzweck, sondern Funktion, berechtigte Bedürfnisse zu friedigen.
- Jeder Deutsche hat 22 000 Euro Schulden, das sind 1, 791 Billionen Euro über Bund, Länder und Kommunen. Diese Schulden kann man formal als Blase interpretieren und ethisch als ein Leben auf Kosten zukünftiger Menschen
- Die Demokratie mit Wohlstand zu legitimieren, halte ich für falsch und ggf. für gefährlich. Sie muss auch Bestand in wirtschaftlich schlechten Zeiten haben. Wesensmerkmale sind ihre verfassungsabgesicherten Verfahrensweisen einschließlich der Wahrung der Grundrechte.
- Absolute Armut herrscht, wo gehungert und gefroren wird.
- Es gibt im Bewusstsein der Konsumbürger kein wesentliches Interesse mehr für das Naturschöne in seiner Umwelt; das Interesse an Schönheit reduziert sich auf das Waren-Design.
- Ab einer bestimmten Größe und Qualität ist die Vermehrung und Verbesserung der materiellen Bedingungen gegenüber dem Leben kontraproduktiv. Dass aus Schlechtem Gutes entstehen kann, ist zumindest seit Mandeville bekannt, dass aber aus Gutem Schlechtes entsteht, erfahren wir jetzt erst massiv: Die Fleißigen vernichten die Erde.
- Man mache sich keine Illusionen: Am Hindukusch wird nicht primär die Demokratie, sondern unser Gesundheitswesen, unsere Sozialleistungen, unser Bildungssystem, unser materieller Wohlstand, unser way of life verteidigt. Wer diesen Krieg nicht will – und dafür gibt es gute Gründe – muss gleichzeitig Einschränkungen als notwendig akzeptieren.
- Das so genannte Scheechaos im Dezember 2010 ist bei Lichte gesehen nicht die Folge einer normalen Wettersituation, sondern Ursache einer durch den Individualverkehr ermöglichenden Konzentration auf wenige und weit auseinander liegende Institutionen. Wenn die in der Nähe gelegenen Einzelhandelsgeschäfte erst einmal zugunsten eines acht Kilometer entfernten Einkaufszentrums „ersetzt“ sind, wird das Auto eine quasi naturwüchsige Notwendigkeit und Schneefall zu einer Katastrophe. Das alles ist ein Nichts dagegen, wenn die gar nicht unwahrscheinliche Situation eintritt, dass Benzin für den durch und durch irrationalen Individualverkehr nicht mehr zur Verfügung steht.
- Habituelles Fernsehen und Autofahren ist ein Leben auf Sparflamme.
- Es gibt kein entrinnen: Mein Freund hat sich immer erfolgreich gegen den Besitz eines Fernsehapparates gewehrt, aber jetzt kann er nahezu zu jeder Zeit in die Ferne schauen. Ist er also eingenickt? Nein, nicht direkt, aber sein Nachbar hat jetzt einen neuen Apparat mit einer riesigen Mattscheibe bekommen und so gestellt, dass mein Freund klar und deutlich das jeweilige Programm von seinem Arbeitszimmer mitbekommen muss, allerdings fehlt der Ton. Fazit: Früher mußte man wegen der schalldurchlässigen Mauern unfreiwillig viel hören, heute wegen der großen Bildschirme unfreiwillig viel sehen.
- Die großen Discounter wie Lidl und Aldi haben eine vergleichsstarke Monopolstellung wie die HO (Handelsorganisation) in der DDR.
- Ich bin der Auffassung, dass alle Kulturen, wenn sie denn diesen Namen verdienen, gleichwertig sind. Aber ich bin auch der Auffassung, dass es innerhalb einer Kultur sehr wohl qualitative Unterschiede gibt, für die sich einzusetzen, ein Muß ist. Dazu ein Handlungsfeldl: In vielen amerikanischen Städten auf dem Lande, auch wenn sie über fünfzigtausend Einwohner haben, gibt es nur noch Fastfood-Hallen.
- Ich halte eine undifferenzierte Kritik an den Vereinigten Staaten an sich und gerade als Deutscher für unmoralisch, bleibe aber dabei, den American way auf der Ebene der materiellen Selbstproduktion abzulehnen.
- In meiner absolut unspektakulären Heimatstadt gab es für uns sehr wohl bemerkenswerte „Elemente“: ein flacher Badesee von einem Durchmesser von 70 Metern, eine (angeblich) siebenhundertjährige Eiche, ein Berg zum Schlittenfahren von vielleicht 30 Meter Höhe, kilometerlange Gräben zum Schlittschuhlaufen, zwischen den alten Häuser geheimnisvolle Gänge und natürlich Jahrmarkt und Zirkus. Jedes für sich ein Paradies, zwar vielfach noch vorhanden, aber verkommen und vergessen. Aber es gibt Ersatz, wovon dem ich nun nicht sprechen mag bzw. den jeder erleidet.
- Bei uns war gerade ein junger Handwerker, der nicht nur kompetent, sondern auch einen sehr netten Umgangston hatte. Die tröstende Einsicht: Tüchtige, angenehme und schöne Menschen wachsen immer wieder nach.
- Der Kapitalist (im Sinne Max Webers) hat nur das eine Ziel, sein Kapital zu vermehren. Aber: Nicht die Vermehrung des (finanziellen) Kapitals, sondern die entsprechende Steigerung der Produktion von materiellen und immaterielle Werten, die gleichzeitig stattfinden muss, ist entscheidend. Finanzkapital ohne Gegenwerte ist eine Blase. In dieser Tatsache liegt der immense Druck, der die ständige Steigerung des Wirtschaftswachstums bewirkt: Die Blasen müssen ständig mit Inhalten gefüllt werden.
- Für viele Menschen besteht zwischen Fernsehbildern und Wirklichkeit kein Unterschied. Deswegen geben sie sich mit der Fernsehwelt zufrieden, ja ziehen sie der wirklichen Welt vor.
- Immer mehr materielle und geistige Dinge, mit denen wir tagtäglich umgehen, haben eine kurze „Lebensdauer“.
- Die Theorie des Wertsubjektivismus ist vielleicht der große Irrtum modernen Denkens, denn damit ist eine entscheidende Grundlage für die umstandslose Zerstörung der Schöpfung geschaffen.
- “The street as a home” – Das ist vorbei! Zwar gibt es in der Nacht noch einige autofreie Straßen, aber dann fehlen die Menschen.
- Der moderne Mensch hat in seinem Selbstverständnis keine Zeit mehr, sich und die Gesellschaft zu reflektieren und zu hinterfragen, die dadurch beide veränderungsresistent werden. Hat man doch Zeit, wird diese mit Trivialitäten der "Spaßindustrie" ausgefüllt. Das Bewusstsein wird zu einem geschlossenen System.
Der globale, in diesem Ausmaße bisher nicht gekannte Frevel gegen die Natur und gegen den Menschen selbst beruht auf der immer stärker und ausschließlicher werdende Konzentration auf das Materielle in Form von Waren auf Kosten der immateriellen Kultur und des Sozialen in Form von Liebe.
- Ich bin gegen das allumfassende, implizit durchgeführte und explizit vertretende Projekt „Anthropozän“, d. h. die Verabsolutierung des Menschen und seiner technischen Werke und damit die Abschaffung der Natur. Das ist fundamental unethisch und stellt letztlich eine Überforderung des Menschen dar
- These: Der Versuch, den Unterschied zwischen gut und schlecht als bloße Setzung zu diskriminieren, ist falsch und zeitigt hoch negative Folgen. Die Beseitigung dieses Unterschieds macht Kritik von Teilen des Bestehenden faktisch folgenlos.
- Der Hauptwiderspruch: Die Weltbevölkerung wächst beständig und gleichzeitig werden insbesondere in den entwickelten Industrieländern mehr Rohstoffe und Energien pro Person verbraucht. Letzteres wird dann sprachlich als Wirtschaftswachstum beschönigt.
- Zwischen dem Zuwenig und dem Zuviel liegt das Optimum. Dieses gilt es für sich und die Umwelt zu finden.
- Um ´Everyday Beauty´ (Roger Scruton) zu genießen, bedarf es der Zeit, um sich in das ästhetische Phänomen zu vertiefen. Diese Zeit nehmen wir uns viel zu wenig.
- Der Fernsehschirme werden immer großflächiger, so dass man demnächst nicht mehr im Wohnzimmer, sondern in einem Kino haust. Aber auch dieses ist noch zu überbieten, indem nämlich alle vier Wände von großflächigen Leinwänden ausgefüllt sind. Wie sollte man einen solchen Raum bezeichnen? Oder ist das bereits ein "Leben" in Bildern statt in Räumen?
- Die Wirtschaft ist zwar keine einseitige Funktion der Bedürfnisse der Bürger, aber er verfügt doch über wesentliche Einflussmöglichkeiten. Verlangten wir nicht die schlechten Produkte und Dienstleistungen, würden sie letztlich auch nicht mehr angeboten. Deswegen thematisiere ich vehement den individuellen und selbstkritischen Ansatz, der in der heute vorherrschenden strukturellen Kritik stark vernachlässigt wird.
- In der Umfrage „Umwelt und Zukunft“ von NATIONAL GEOGRAPHIK werden Fragen wie „Jeden Tag sterben weltweit mehr als 100 Tiere und Pflanzenarten aus. Meinen Sie, dass für den Artenschutz ausreichend getan wird?“ oder „Große Konzerne ignorieren immer noch den Umweltschutz. Sollten sie von staatlicher Seite zu ökologischem Handeln verpflichtet werden?“ Die insgesamt 5 Fragen sind höchst sinnvoll, aber aus meiner Sicht unvollständig, weil sie nur auf struktureller Ebene angesiedelt sind: Es fehlen Fragen, die das individuelle Verhalten thematisieren, problematisieren und die Bereitschaft erkunden hier ggf. Änderungen vornehmen zu wollen und zu müssen.
- Umweltzerstörungen sind vom Menschen verursacht, genauer: durch bestimmte menschliche Tätigkeiten, die in der Regel die Form eines Arbeitsplatzes haben: Holzarbeiter, Straßenbauer, Bauarbeiter, Autobauer, Chemiearbeiter usw. bis hin zum Berufsschullehrer für die Ausbildung dieser Berufe. Eine Kritik, ein Hinterfragen, eine Modifikation oder gar eine Abschaffung dieser Berufe und der damit zusammenhängenden Arbeitsplätze gilt in unserer Gesellschaft unabhängig vom politischen Standort als höchst unmoralisch. Jeder bestehende oder neue Arbeitsplatz ist gut und legitim Arbeitsplätze sind die heilige Kuh der Gegenwart. Dieses Kritiktabu ist letztlich fundiert in der erkenntnistheoretischen Position, dass es keine objektiven Werte gibt, sondern diese nur subjektive Setzungen sind, die gemacht werden können oder eben nicht. Werte haben bestenfalls nur noch eine höchst fragile Quasi-Objektivität im zwischenmenschlichen Bereich. Aus dieser Perspektive ist das Kritiktabu der Arbeitsplätze, das inzwischen uneingeschränkten globalen Konsens erreicht hat, ebenfalls eine Setzung. Im Interesse der Zukunft ist es aber unabdingbar, dieses Tabu aufzuheben und nach gesamtgesellschaftlichen Alternativen zu suchen, die ökologischen und humanen Anforderungen entsprechen. Das ist die denkbar schwierigste Aufgabe der Gegenwart, die zumindest begonnen werden muss.
- Versuch einer Definition der Virtualität: Wenn ich etwas anderes „sehe“ als die vor mir liegende Materie, dann bin ich im Virtuellen. Beispiele: Wenn ich Farbpigmente, die Formen bilden, vor mir habe und diese als Farbpigmente, die Formen bilden, wahrnehme, bin ich in der Realität. Wenn ich eine reale Kuh vor mir habe und diese als Kuh wahrnehme, bin ich ebenfalls in der Realität. Wenn ich diese Farbpigmente, die Formen bilden, aber als eine Kuh wahrnehme, bin ich im Virtuellen. Im Fall der Virtualität liegt ein objektiver absoluter Bruch vor, bei Wahrnehmung von Realität herrscht Kausalität. Virtuelle Welten ersetzen zunehmend reale Welten.
- Die einseitige Ausrichtung auf Wertfreiheit, um Freiheit für die Konsumgüter zu erreichen, hat dazu geführt, dass das Gute, das Schöne und das Wahre, also scheinbar unzerstörbare Universalien, zumindest stark beschädigt worden sind.
- Wenn eine Gesellschaft oder ein Individuum eindimensional wird, dann ist Alarm und Kritik angesagt.
- Konsumkritik op Plattdütsch: "Wenn de Minsch arm is un keen Geld dorför hett, sick wat to eeten un drinken to kopen, wenn he nich vör Hunger in´t Slap kamen kann, denn is dat keen Lewen. Wenn de Minsch awer so veel Geld hett, dat he blots noch daröber nadenkt, dat he noch mehr kricht, denn ist da ok keen Lewen" (Pastor i. R. Helge Hand).
- Die Konsumwelt als reduzierte Lebenswelt teilt sich tendenziell in fremdbestimmtem Kaufinteresse und massivem Kitsch.
- Human wäre es meiner Ansicht nach, wenn die Tschechen im Sudentenland die sudentendeutsche, wenn Deutsche in Schleswig-Holstein die dänische, wenn Franzosen im Elsaß die elsässische, wenn Amerikaner in Amerika die indianische Geschichte und Kultur der jeweiligen Landstriche übernehmen und pflegen würden. Die Liste muss natürlich erweitert werden.
- Das Internet ist auch deswegen so faszinierend, weil es absolut gehorsam ist: Jede Kommunikation, die es zu leisten vermag (und das ist nicht wenig), realisiert es sofort.
- "Die schönsten Frauen leben immer gegenüber" (aus einer Rezension zu einem neuen Woody-Allen-Film). Also konkret gegenüber, nicht im Fernsehen, nicht im Internet und nicht in Modejournalen.
-
Auf der Umschlagsseite eines Urlaubkatalogs: Ein siebengeschossiges Hotelgebäude, davor mehrere Swimmingpools mit Liegestühlen und Sonnenschirmen aus Bast. Ganz weit im Hintergrund ist das Meer zu erahnen. Selbst, wenn ich umsonst dahin käme, würde ich es nicht machen.
- Ich bin ein Gegner des American way of life, zumindest in der trashigen Warenform, wie sie sich auch bei uns durchsetzt. Aber nie dürfen wir vergessen, dass es die Amerikaner und andere Nationen waren, die uns von "unserem" Faschismus befreit haben. Auf einer anderen, "positiven" Ebene gehört auch die Zurückdrängung des Rauchens. Wenn es ihnen noch gelänge, die durch die Dominanz des Autos und des schlechten Essens bedingte Fettleibigkeit in den Begriff zu bekommen, könnte man wieder mit Gewinn auf dieses Land sehen.
- Roger Willemsen ist aus meiner Sicht einer der intellektuellen Zerstörer des NDR-Kultursenders.
- Auch Institutionen müssen sich als individuelle und als relativ autonome Organismen verstehen, die ihre Aufgabe selbständig gestalten und verantworten.
- Die einzige Limitation, bestimmte Waren nicht zu erwerben, liegt nicht in individuellen Vorlieben und Bedürfnissen begründet , sondern allein an finanziellen Ressourcen.
- Das Wunder des Lebens ist eine Beziehung zwischen zwei Lebewesen, die auf eine mehr oder weniger lange Zeit voneinander wissen: Ich weiß, was Du möchtest, und Du weiß, was ich gerne möchte. Oder sollte man sogar von Seelen sprechen? Dieser spezifische Zustand kann man vielleicht als flow bezeichnen, eine wirksame, aber unbewusste Harmonie. Seid also vorsichtig, wenn ihr Leben durch Lebloses wie Technik ersetzt.
- Heute, im Gegensatz zu 1975, wird alles mit Paintshop manipuliert, diese Frauen auf den Fotos gibt es in der Realität gar nicht (Christiana Lindberg). "Kunstmenschen" werden übrigens nach der ersten machtvollen Attraktion in der Realität schnell langweilig, wenn sie nicht aus dieser sich selbst auferlegten Starre ausbrechen.
- Das ästhetische Diktum, dass die Form der Funktion folgen müsse, ist gleichzeitig das Ende einer autonomen Ästhetik – und das allmähliche Verschwinden der Schönheit aus dem Alltagsleben, weil die Funktion dominiert.
- Ein großer Anteil der Waren besteht aus umgewandelter Natur. Das sollte bedacht werden, wenn unnötige Waren erworben werden.
- Der Begriff der Gleichheit hat ein einziges Problem: Gleichheit ist ein absoluter Wert, aus ihm lassen sich keine bestimmten inhaltlichen Werte ableiten und legitimieren.
- Auffällig am Autismus ist, dass die Betroffenen eher an Gegenständen als an Personen interessiert sind. So gesehen ist diese Krankheit viel allgemeiner, als man denkt.
- Vierundzwanzig Stunden ohne Mediennutzung ruft bei jungen Leuten oft Entzugserscheinungen und Gefühle von Isolation hervor bzw. von der Welt abgeschnitten zu sein (aus der Studie „Unplugged“). Die reale Umwelt ist keine Alternative mehr, geschweige die primäre.
- An einem Sonnabend vor dem Erste Advent gegen 14 Uhr: Wir fahren mit dem Bus an einem dieser riesigen Einkaufsparks auf grüner Wiese vorbei. Hunderte von parkenden Autos bilden einen undurchdringlichen breiten Ring um die Gebäude, deren grelle Beleuchtung die triste Atmosphäre auch nicht zu erwärmen mag. Eine Stunde später sind wir in der Altstadt, ein ästhetisches Paradies.
- Der von den herrschenden Ökonomen herbeiersehnte Kaufrausch heißt auch, dass das ökologische Bewusstsein, also Vernunft, beiseite geschoben wird.
- Im Zeitalter der Bilder muss man seine Idee veranschaulichen, sonst hat man fast keine Chance, mit ihnen durchzudringen.
- "Wer im Geschäft es zu etwas bringen will, der darf nicht in erster Linie an Geld denken" (Günter Faltin, Hochschullehrer und Unternehmer). Man sollte in erster Linie ein sinnvolles Produkt verkaufen, der angemessene Gewinn wäre gewissermaßen ein notwendiges und sinnvolles Nebenprodukt. Am Anfang sollte das Bemühen um ein gutes Produkt stehen, für das man dann einen gerechten Preis verlangen kann, der auch die Bedürfnisse der Arbeiter und Angestellten mit einschließt. Diesen Preis zu zahlen, muss dann der Konsument bereit sein.
- Den tatsächlich oft gehörten Satz „Wir fliegen in die Sonne“ kann ich nur mit der Frage kommentieren „Scheint in Mitteleuropa die Sonne nicht ebenfalls?“
- Es ist ethisch notwendig, Mindestlöhne zu fordern, aber das hat seinen Preis. Auf allen Produkten, bei deren Herstellung die Forderung nach Mindestlöhnen eingehalten wurde, müsste der Hinweis „Ethische Produktion“ deutlich sichtbar angebracht sein, um ggf. ihren Kauf zu fordern, auch wenn diese Produkte teurer sind. Tertium non datur.
- Nur die Seele lebt. Nur in Lebewesen zeigt sich Seele. Wenn wir Lebewesen zerstören, zerstören wir Seelen. Wenn wir den lebendigen Ausdruck immer häufiger durch äußere Regeln und Bilder ersetzen, verlieren wir unsere Seele und unsere Individualität.
- "Die Menschen nach ökonomischen Kriterien in Gruppen einzuteilen, ist in vielen Fällen sicherlich hilfreich und erkenntnisstiftend. Doch zu glauben, dass die Ökonomie alles ist, was im Leben eines Menschen zählt und wichtig ist, ist ein Irrtum" (Marco Iorio). Ein Irrtum, der inszwischen universale Ausbreitung und Anerkennung erlangt hat.
- Leben ist der Kampf gegen die Schwerkraft. Autofahren und Fernsehkonsum sind Minimalformen dieses Kampfes, der sehr wohl lustvoll sein kann.
- Eine Maxime zur Steigerung eines gelingenden Lebens: Bestimme Deine Bedürfnisse unabhängig von der Werbung selbst!
- Rousseau hat den Begriff der Autonomie eingeführt, um den Dualismus Freiheit versus Gesetz aufzuheben. Heute sind wir wieder hinter Rousseau zurückgefallen, denn Gesetze, die Freiheit des Konsums einschränken, werden zunehmend abgelehnt und auch beseitigt. Hier sich selbstgesetzte Grenzen setzen, wäre aber Aufgabe der Gegenwart.
- Die Werte der Welt verengen und reduzieren sich zunehmend auf Konsumwerte.
- Menschen nach ihrem eigenen Maßstab zu kritisieren, ist keine Bevormundung, sondern ein notwendiges Angebot.
- Die Aussage, „freedom is the essential foundation of economic success” (George Bush) stimmt, aber ihr Erfolg ist oft die Niederlage anderer Systeme wie z. B. der Ökologie. Daraus folgt: Die jeweiligen Freiheiten der einzelnen Subsysteme müssen in einem Gesamtsystem in einer austarierten Balance stehen. Wirtschaft ist also ein Subsystem, nicht das Gesamtsystem.
- "Die Globalisierung ist schlicht die Schwester der Marktwirtschaft (Marco Iorio).
- Warum mögen die Menschen von heute nicht den Schnee in ihren Städten, sondern nur noch im Urlaub auf den Berghängen? Die Freiheit ihres Autos wird durch den Schnee beschränkt, d. h. das jeweilige Sein bestimmt das Bewusstsein.
- Die gegenwärtige Wirklichkeit besteht wesentlich aus den Emissionen der Medien. Als Formel: Wirklichkeit = Medien-Wirklichkeit.
- Warum sieht man in Wohnzimmern immer mehr von diesen großflächigen Fernsehapparaten, obwohl allein durch deren schiere Größe der letzte Rest des Privaten und Individualität vernichtet wird? Ich vermute, dass nicht der Wunsch nach diesen Monstren bei vielen Menschen das Entscheidende ist, sondern die schlichte Tatsache, dass so viele Menschen bereits einen solchen Apparat haben.
- Keine Selbstverständlichkeit mehr: Ein bekannter Zeitgenosse nach seinem Lieblingsbuch befragt antwortete: "Ich lese keine Bücher."
- Maulwürfe können nur unter der Erdoberfläche leben, der moderne Mensch tendenziell nur noch in geschlossenen Räumen, wozu auch das Auto gehört.
- Vielleicht besteht das alles betreffende Hauptproblem der Gegenwart darin, dass sich die Schönheit ausschließlich auf Waren verengt hat. Die Schönheit der Natur, der Städte, der Ideen und Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung fristet ein punktuelles Dasein in Eventform in den Bewusstseinen und Gefühlen der angepassten Konsummenschen.
- Gutes Leben oder angepasste Existenz - was wollen wir bzw. in welche Richtung wollen wir uns entwickeln? Ebenfalls: Subjektivität und Selbsterfahrung oder Versachlichung und Medialisierung (Ferdinand Fellmann).
- Das Leben ist das einzige, das wir haben. Geht achtsam mit ihm um.
- Weil die materiellen Schriftzeichen im Gegensatz zu Bildern absolut „weltlos“ sind, d. h. nicht einmal Ähnlichkeit mit der Welt haben, entsteht keine Gefahr, dass man sie mit Weltteilen verwechseln könnte.
- Die Gegenwart von etwas ist nie allein zeitlich, sondern beinhaltet immer auch die räumliche, sinnlich wahrnehmbare Anwesenheit dieses Etwas. So sind selbst life-Sendungen nicht Gegenwart, die nur im Konzentsaal usw. möglich ist.
- Massenmedien können nur in autoritären Systemen oder im Kapitalismus eine derartig große Macht gewinnen und ausüben.
- Sie sitzt jeden Tag zehn bis zwölf Stunden vor dem Fernsehapparat. Während dieser Zeit besteht ihr Zugang zur Wirklichkeit allein in der Gestalt der Fernbedienung, ansonsten befindet sie sich in inszenierten, virtuellen Welten.
- Ästhetik ist (auch) eine politische Kategorie – und wenn sie es nicht ist, muss sie zu einer werden. Meine Einwände gegen bestimmte zeitgenössische Phänomene sind jedenfalls oft ästhetisch im Sinne von Schönheit, aber auch im Sinne von Sinnlichkeit begründet.
- Fast alle bedeutenden Orte in der Geschichte hatten immer auch große wirtschaftliche Bedeutung. Averlak, ein kleines Dorf in Dithmarschen und das Paradies meiner Kindheit, hat nie diese Bedeutung gehabt. Warum eigentlich nicht? Muss ich eigentlich immer meine Bedeutungen aufgeben und durch allgemeine ersetzen?
- Gleichheit ist ein absoluter Wert, d. h. er ist indifferent gegenüber nachfolgenden Inhalten.
- Wir fokussieren uns zu sehr auf Differenzen, was außerhalb von uns liegt, statt auch die Gemeinsamkeiten in den Blick zu nehmen. Deswegen darf Kritik (krinein = unterscheiden) nicht verabsolutiert werden.
- „Ein Schiff wie eine Kleinstadt: die `allure oft the Seas´, das größte Kreuzfahrtschiff der Welt. Das Unterhaltungsprogramm ist so gigantisch, dass es den Passagieren egal sein kann, wohin die Reise geht“ (FAZ v. 11. 11. 10). Übrigens: Lebendige reale Kleinstädte gibt es nicht mehr.
- Wir lieben die Medien, die uns entfremden (Neil Postman).
- Zu meinen, man könne Individualität kaufen, ist spießig.
- Nahezu jeder materielle Erfolg ist gleichzeitig ökologisch gesehen eine Niederlage. Es sind zwei Seiten desselben Prozesses.
- Wie ist es dem Auto und dem Fernseher gelungen, ohne wesentliche Widerstände das Leben auf ein Minimum zu reduzieren? Warum fasziniert ein Leben auf Sparflamme? Ein apollinisch und dionysisch
- Diedrich Diederichsen charakterisiert den "modernen" Mensche als den vielseitig konsumierenden westmitteleuropäischen "Fußgängerzonen-Menschen" , aber diese Charakterisierung gilt inzwischen für alle Industrieländer der Erde und diese Menschen halten sich schon lange nicht mehr in realen Straßen, sondern in Shopping-Malls und Einkaufszentren auf grüner Wiese mit entsprechenden Parkmöglichkeiten auf.
Zugespitzte These: Alle Konservativen sind heute prozesskonservativ, einige sind noch strukturkonservativ und keiner ist wertkonservativ.
- Zum Geschäftesterben in Klein-, Mittel- und Vorstädten: Noch nie wurde so viel ge- und verkauft - und noch nie gab es so wenige Geschäfte. Das sähe anders aus, gäbe es keinen Individualverkehr.
- Wenn heute jemand zehn und mehr Stunden vor dem Fernsehapparat sitzt und/oder fünfmal täglich mit dem Auto ins Einkaufszentrum fährt, kann man das als „neue Armut“ bezeichnen, die auch die Dimension der Selbstverschuldung hat.
- Die Werbefachleute haben heute weitgehend die Funktionen von Lehrern und Priestern übernommen.
- Verfolgt man die Diskussion zwischen Nachbarn und die Aussagen von Leserbriefen zu regionalen Problemen, so lassen sich die meisten von ihnen unter „Freiheit für die Konsumgüter“ bzw. um deren reibungslosen Funktionieren zusammenfassen.
- Bildung steigert die Intensität des Lebens, ständiges Autofahren und Fernsehen führt vom Leben weg.
- Bildung = die Welt am Verschwinden hindern.
- Vermutung: Die symbolische Welt des Fußballs in Form von Tabellen, Spielplänen, Spielberichten, Kommentaren usw. kann sich - wie die Mathematik - wie ein Netz über die reale Welt legen und diese ersetzen.
- Das Ich ist auf Dauer nicht "weltimmun". So dringt habituelles Tun, sei es z. b. Autofahren oder Fernsehen, in das Ich hinein und beeinflusst und bestimmt die Inhalte und das Wie der Lebensführung.
- Die Wissenschaft und das Alltagsbewusstsein drängen zur Zahl - und sei ihr jeweiliger Erkenntniswert noch so trivial. Die Zahl "zählt", weil sie als unhinterfragbare und als unbestreitbare größtmögliche Sicherheit bietet.
- Der Gebrauchswert nimmt zunehmend im Bewusstsein die Stellung des Tauschwertes ein.
- Eine kritische Diskussion der Warenwelt, d. h. der Sinnhaftigkeit der angebotenen Waren, ist weder von der strukturkonservativen Rechten noch von der traditionellen Linken erwünscht. In marxistischer Terminologie: Wir müssen zuallererst Wertkritik statt Mehrwertkritik üben.
- "Jeder Haushalt wirft pro Jahr Lebensmittel im Wert von 405 Euro weg." Interessant und wichtig wäre, diese Zahl nach Einkommensschichten ausdifferenziert zu erfahren.
- Sind Intensivnutzer eines bestimmten Mediums überhaupt in der Lage, dieses Medium ernsthaft zu kritisieren?
Die dominierende Konsum(un)kultur hat einen Spaßbegriff durchgesetzt, der nicht angemessen ist, weil er viele konstituierende Faktoren unterschlägt und sich selbst verabsolutiert: Spaß ist ein emotionaler Ausdruck, der gegenüber Konzentration, Willensanstrengung, Aktivierung von Wissen und Fähigkeiten, Stolz, Wunsch nach Anerkennung, Zufriedenheit u. a. bei der Erlangung eines Ziels relativ unbedeutend ist. Pointiert: Spaß ist nicht die Hauptsache oder Selbstzweck, sondern ein anstrebenswertes Nebenprodukt, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Oft gelingen Werke auch ohne Spaß.
Gibt es eigentlich Fernsehsendungen, sei es als Aufklärung und/oder als Unterhaltung, die die weit verbreitete Fernsehsucht zum Gegenstand haben?
- Es gibt immer mehr Menschen, bei denen zumindest am Wochenende Fernsehprogramme die Tage strukturieren: mehrmals Nachrichtensender, den Krimi am Abend, das Fußballspiel, die Sondersendung und den selten gespielten Film um 2 Uhr nachts.
Die Akteur-Netzwerk-Theorie (Hybrid-Theorie) beschreibt die Beziehung von natürlichen, technischen und sozialen Entitäten, als seien sie alle von eigenem Willen gesteuert und interaktionsfähig. Die Tatsache, dass technische Gebrauchsgegenstände vom Hersteller mit der Absicht gemacht sind, den Nutzer zu bestimmten Verhaltensabläufen zu zwingen (im Auto eben andere als bei der Nutzung eines Fahrrads), machen diese Theorie in Grenzen plausibel. Übrigens ging auch von Geßlers Hut auf der Stange selbst für Wilhelm Tell ein Befehl aus, und Foucault hat ein Buch mit dem Titel "Die Ordnung der Dinge" geschrieben.
- Luxus ist für viele Menschen ein Synonym für den eigentlichen Lebenssinn.
- Autofahren, Fernsehen und in Katalogen blättern – anstrengendere geistige oder körperliche Tätigkeiten sind heute oft nicht mehr drin.
- Ein einfaches Leben unter dem Konsumdiktat: Wenn sie zu Hause sind, läuft bei ihnen der Fernsehapparat, wenn sie nicht zu Hause sind, läuft ihr Auto.
- Wir müssen lernen, in der Behandlung und Verantwortung von privaten und öffentlichen Eigentum, keine Unterschiede zu machen.
- Zwei verschenkte Leben: Der eine fährt nur Auto, der andere sitzt nur vor dem Fernsehapparat.
- Die dominante Beziehung der Gegenwart: Leibloses Subjekt trifft auf körperlose Objekte.
- Wer in der Bilderwelt lebt, kommt scheinbar ohne reale Welt aus.
- Die Schrift führt in die Welt, weil sie Neugierde auf sie weckt, das Bild führt von der Welt weg, weil man sie nun scheinbar kennt und sie somit nicht mehr aufsuchen muss.
- Masive Bildungsferne findet man inzwischen massiv auch im deutschen Bürgertum.
- Nich Bach oder Dvorak, nicht Goethe oder Franzen müssen geändert werden, sondern die Bürger müssen den Willen, die Kraft und die Fähigkeit entwickeln, sich von diesen Musikern und Autoren hochziehen zu lassen.
- Noch auszuarbeitende These: Waren spiegeln das Denken, die Gefühle und Bedürfnisse des Menschen, so dass sie relativ problemlos assimiliert werden können. Naturdinge dagegen verlangen Hingabe, auch die Bereitschaft, sich selbst ein Stück zu verändern. In dieser Veränderung wird der Mensch "reicher", er gewinnt also.
- Nicht vergessen: Die Kräfte der Natur übertragen sich auf den Menschen, wenn er sich in ihr aufhält.
- Die Basiswerte einer Gesellschaft sind oft sehr versteckt und werden auch deshalb unreflektiert und unbefragt übernommen. Heute wären es beispielsweise Billigkeit, Bequemlichkeit, Schnelligkeit.
- Nach meiner Wahrnehmung gibt es kein Klassenbewusstsein mehr: Alle definieren sich über den Konsum. Tendenziell fühlt sich keiner mehr als Herr, sondern mehr als Getriebener. Haltungen und Phänomene wie Hochkultur, wie Tradition, wie unteres oder oberes Klassenbewusstsein, wie substantieller Individualismus sind für den gegenwärtigen Entwicklungsstand und für die weitere Entwicklung der Produktivkräfte und der Konsumindustrie hemmend und brechen deswegen massiv weg (differenzierter siehe in "Kleine Essays" und da unter "Klassen und Klassenbewusstsein).
- Der materielle Reichtum hat sich in den letzten 50 Jahren versiebenfacht (Martin Greffrath). Damit haben die Waren allein dank ihres schieren Umfangs, Macht über den Menschen erlangt. Die rationale Bewirtschaftung dieser Massen umfasst: Sich informieren über die Fülle der Angebote in verschiedenen Medien, die Preise vergleichen, sich entscheiden, der Kaufakt auf direktem und indirektem Wege, die Unterbringung der Waren, die Pflege und letztlich auch deren Entsorgung. All diese Aktivitäten fressen Zeit, verlangen Einsatz und Konzentration. Kein Wunder, dass für nichtökonomische Werte wie Kultur, Vielfalt, Tradition, Transzendenz, Einsatz für das Gemeinwohl fast kein Platz mehr in den Handlungsvollzügen und in den Bewusstseinen vorhanden ist.
- Die Linke vertritt einen utopischen Sozialismus, aber sie können das ja wegen ihres marxistisch ausgerichteten wissenschaftlichen Sozialismusbegriffs nicht in ihrem Bewusstsein zulassen.
- Bilder haben real eine andere Sinnlichkeit als sie vorgeben. Deswegen kann man bei ihnen sehr wohl von Täuschung sprechen.
- Da der materielle Reichtum sich - wie bereits erwähnt - in den letzt 50 Jahren versiebenfacht hat, ist es (fast) zwangsläufig, dass heute nicht mehr mit dem Korb oder Einkaufstasche eingekauft wird, sondern nur noch mit Hilfe des Autos, um die riesigen Mengen nach Hause transportieren zu können, dass die Kinderzimmer mit Spielzeug überquellen, dass die Straßen die Anzahl der fahrenden und parkenden Autos nicht mehr aufnehmen können, dass die Werbung teilweise immer aggressiver wird, dass die Reiseziele immer exotischer werden.
- Eine Begegnung ist nur dann eine Begegnung, wenn zwei Augenpaare sich wechselseitig in die Augen schauen, also Augenblicke stattfinden.
- Eine Vermutung angesichts der massenhaften Reisewelle in südlich gelegene Länder: In unseren Breiten fehlt es nicht an Sonne, sondern an wärmenden zwischenmenschlichen Begegnungen.
- Eine Frage, der nicht ausgewichen darf: Wo wird in der Gesellschaft, in der Geschichte, aber auch von mir Geist für Wahrheit, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Zukunft eingesetzt und wo nicht?
- Waren habe eine Aura, die etwas verspricht, was sie nicht einhalten können.
- Rationalität bzw. Irrationalität zeigt sich besonders deutlich in den jeweiligen Bedürfnissen.
- Warum hat es die konkrete Kritik insbesondere an ökologisch zerstörerischen Phänomenen und Prozessen in unserer Gesellschaft so schwer? Weil wir in der Regel selbst an ihnen nolens volens mehr oder weniger intensiv teilnehmen. Deshalb ist hier Kritik gleichzeitig Selbstkritik. Zur Selbstkritik vorzustoßen, ist offensichtlich aber ein sehr schwieriges Unternehmen. Zudem wird Selbstkritik oft als eine Art Selbstwiderspruch interpretiert, denn danach stimmt entweder die Kritik nicht oder der Kritiker hat ein beträchtliches charakteristisches Defizit.
- Es gibt immer noch Menschen, die kümmern sich um ihren Geist, und es gibt immer noch Menschen, die sich um ihren Körper kümmern. Aber es gibt immer mehr Menschen, die sich weder um ihren Geist noch um ihren Körper kümmern.
- Mein kluger Augenarzt erkennt nicht bzw. weiß nicht, dass in der menschlichen „Materie" und ihren Prozessen eine Seele enthalten ist, die zwar nicht allmächtig ist, aber sehr wohl über autonome Möglichkeiten verfügt
- Ich denke immer noch, dass die Grünen sich besser hätten Ökologen nennen sollen, denn die Ökologie und die Menschenrechte haben den Primat, die anderen Felder müssen sich innerhalt dieses Rahmense entfalten.
Nietzsche: "Wir haben das Glück erfunden" - sagen die letzten Menschen und blinzeln...Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich" (Also srach Zarathustra)" und "Angebot und Nachfrage...das ist es, worauf ihr Menschen des nächsten Jahrhunderts stolz sein werdet" (Morgenröthe). Auch in der Arroganz können Wahrheiten entstehen. Es gilt, ein freies Verhältnis zu den Möglichkeiten der eigenen Gegenwart zu gewinnen.
- Selbstgenügsamkeit wäre heute eine Tugend. Über Selbstbeherrschung zu verfügen, also Macht über sich selbst zu haben, kann nicht so falsch sein.
- Die ständige Berieselung oder "Bedröhnung" mit Musik ist kein Zeichen von Hörenwollen, sondern Ausdruck des Wunsches, nichts von der jeweiligen Mitwelt zu hören.
- In den Gewerbegebieten hat es das, was man als lebendige Urbanität bezeichnet, niemals gegeben. Aber hier ist eine Logik wirksam, die letztlich die gesamte Stadt ergreifen wird, wenn sie es nicht bereits getan hat.
- Der moderne Mensch kann nur noch schlecht warten, er hat keine Geduld. Diese Chance nimmt die Technik wahr.
Bei unserem hohen Energieverbrauch haben wir nicht mehr die „Entscheidungsfreiheit“, zwischen Scylla, sprich Atomkraft, und Charybdis, sprich Kriege um Rohstoffe, zu entscheiden, sondern wir müssen beide „Optionen“ gleichzeitig in Anspruch nehmen. Erneuerbare Energie ist ein Teil des Ausweges in die Zukunft, entscheidend sind aber Energieeinsparungen.
- Vorschlag: "konservativ" als Frage nach dem menschlichen Maß definieren".
- Handeln ist Transformation nach Maßgabe von Prinzipien. Deshalb kommt alles auf die Prinzipien an.
- Die Erfahrung des Fremden eröffnet dem Denken ein Denken in Möglichkeiten.
- Die Natur ist verstummt, aber wir hören sie auch nicht mehr.
- Es ist paradox: Einerseits zerfallen die Innenstädte von kleinen und mittelgroßen Städten. weil die Bürger sie nicht mehr betreten und dort einkaufen, sondern sie bestenfalls noch mit dem Auto durchfahren, andererseits werden Innenstädte in riesigen Fähren nachgebaut.
- Reisen mit Hilfe von Motoren haben den Realitätsgrad von Bildern.
- Die uns umgebende Dinge kann man nach dem Kriterium „Natur-Technik-Verhältnis“ in vier Gruppen einteilen: a) aus motorenbetriebenen Maschinen (von Autos, elektrische Zahnbürste, automatisch sich öffnenden Türen bis Fernseher), b) aus mit Lebenskraft betriebenen Maschinen und Werkzeugen (von handbetriebenen Sahneschlager bis Messer), c) aus nichtmaschinellen Gebrauchsgegenständen (von Bett bis Asphaltdecke der Straßen) und aus reiner Natur (wie in einigen Naturschutzgebieten). Auf Basis dieser Einteilung wird offensichtlich, dass der Anteil der Natur in den Lebensvollzügen immer geringer wird. Wende einmal dieses Schema auf Dich an.
- Die Natur ist dem Konsumbürger letztendlich kein Wert, denn er ahnt, dass die heutige Zivilisation nur durch die Zerstörung der Natur aufrecht zu erhalten ist.
- "Konservativ" heißt, genau besehen, im gegenwärtigen Poltikjargon: Konsumstrukturen erhalten und stärken.
- Es ist aus mehreren Gründen falsch, Glück auf Genuss zu reduzieren.
- Oft werden zukünftige Verluste, hervorgerufen durch eine Handlung, erst nach deren Entscheidung im vollen Umfang und Schwere bewusst. Genau dieser Prozess läuft gegenwärtig in Stuttgart ab, wo nach einem legalen Entscheidungsprozess, den Bahnhof abzureißen, in großen Teilen der Bevölkerung jetzt ein Bewusstsein für seinen „vollen“ Wert entstanden ist - vielleicht auch bei nicht wenigen „Entscheidern“ selbst. Diese neue Situation, die genau so real ist wie die vor der Entscheidung, zwingt meiner Ansicht nach zu einem Neuüberdenken und einer neuen Entscheidung, die dann nicht automatisch eine andere sein muss als die alte. Auf den Punkt gebracht: Durch die Diskussion, die erst mit dem Abriss begann, ist ein "neuer Bahnhof" entstanden, der ein Neuüberdenken der Entscheidung sinnvoll macht.
- Wir müssen zumindest die Möglichkeit bedenken, dass wir uns durch eigene Werke wie den Individualverkehr versklaven oder wie in der Zeit des Nationalsozialismus das Menschsein verlieren. Es gibt gute, aber leide auch schlechte Werke.
- Wir dürfen unsere unaufhebbare Alltäglichkeit nicht durch ständigen Medienkonsum verabsolutieren. Es muss auch Freiräume zum eigenen Denken geben, Räume, die nicht vollgemüllt sind. Innerlichkeit (Ernst Bloch) ist die Bedingung der Möglichkeit, zu der bestehenden Wirklichkeit eine eigene Distanz zu schaffen.
- Übrigens: An einem schönen Spätsommertag im heimischen Liegestuhl vermittelt den gleichen Genuss wie den auf einer Liege auf Lanzerote (denke ich allerdings nur, weil ich noch nicht dort war).
- Verhinderung durch Sprache, Wirklichkeit angemessen zu erkennen: Der Kausalitätsbegriff ist in Analogie zur totalen Subjektermächtigung ausgerichtet: Die Ursache bestimmt die Wirkung. In der Realität wirkt die Wirkung aber auch auf die Ursache, d. h. es herrscht immer ein Wechselverhältnis zwischen Ursache und Wirkung, zwischen Subjekt und Objekt. Das Verb ist nicht nur ein Mittel für das Subjekt, sondern auch eins für das Objekt. Eine Differenz ergibt sich oft durch die Spezifizierung des Verbs: Das Subjekt wirkt anders als das Objekt. Ein Beispiel: „Ich baue den Turm“ und „Der Turm baut mich“, d. h. mein Bauen ist nicht identisch mit dem Bauen des Turms. Auf meine Thema gewendet: Der Mensch beherrscht die Motore, aber die Motore beherrschen auch den Menschen. Die Herrschaft wird aber verschieden realisiert.
- Eherne Regel der "allgemeinen" Bürgerinitiative "Community Organizing": „Tue nie etws für jemanden, das er auch selbst tun könnte.“ Das müsste auch für Motore gelten.
- Wie geht das zusammen? Mehrere Male täglich lädt ein Paketdienst etwas bei ihnen aus und trotzdem fahren sie mehrmals täglich zum Einkaufen.
- Grundsätzlich finde ich Unterschiede gerade im Zeitalter der Globalisation fruchtbar. Sie müssen aber nicht in sich homogen sein und trennscharfe Grenzen aufzeigen. Die jeweils im Kern bestehende relative Identität kann sich sehr wohl in Richtung Außengrenzen nach und nach auflösen und mit den angrenzenden Identitäten Gemengelagen bilden. Ein positives Beispiel für eine solche Situation bildet für mich das Ober- und Unterengadin in der Schweiz. Deutsch, Räteromanisch und Italienisch bilden ein Gemenge, das ich als fruchtbar und friedlich empfinde.
- Wer ökologisch denkt und versucht, danach zu handeln, muss heute schon ein Stück Unverständnis, ja Ablehnung aushalten.
- Kontingenzbewusstsein "Es könnte auch anders sein" gehört zum Menschsein. Moderne Transport- und Informationstechnologien haben den Raum für eine problemlose Realisation von Kontingenzen ungeheuer erweitert, so dass die Aufrechterhaltung von bestimmten Wirklichkeiten sehr schwer fällt. Wirklichkeit verliert zunehmend an Wert, da sie theoretisch und real sofort in andere überführt werden kann.
- "Das Gesicht zu zeigen, sich in die Augen sehen, sich die Hand zu geben, das sind drei große zivilisatorische Errungenschaften" (Innenminister de Maizière). Aus der Perspektive des Gesehenwerdens: Errungenschaften, die nicht nur durch Kleidervorschriften, sondern ebenso durch das Verstecken in und hinter technischen Geräten gefährdet sind.
- Maxime: Nicht grundsätzlich, aber gegebenenfalls die Stimme gegen die normative Kraft des Faktischen (Jellinek) erheben.
- Das meine ich mit Urbanität: "Zur Feierabendzeit um sieben brummt und lärmt die Piazza della Repubblica im Zentrum (von Urbino, bm), obwohl sie autofrei ist. Stimmen hallen von den Mauern wider. Pensionäre, die Italien-Filmen der Sechzigerjahre entsprungen sein könnten, deuten mit Fingern aufeinander und werfen sich Argumente zu. Schülerinnen drängen eingehakt durch die Menge, lachen und plaudern. Junge Männer stehen mit Bier in der Hand vor der Bar und debattieren. Sie verstummen kurz, um den ragazze bewundernde Blicke hinterherzuschicken. Keine Pfiffe oder Machogesten, in Urbino flirtet man mit Manieren. Renaissance verpflichtet (aus Geosaison, Oktober 2010).
- Solange die Anti-AKW-Bewegung nicht erklärt, wie und wo Energie eingespart werden kann, hat sie ein Legitimationsproblem. Sie muss zur Zivilisations- bzw. Kulturkritik (im weiten Sinne von colere "bauen" und res novae) werden.
- Staunen und Dankbarkeit darüber, dass es Leben, Schönheit, Liebe und davon Spiegelungen im Bewusstsein gibt, werden weniger.
- Eine Stadt ohne Menschen, weil diese sich in Häusern und Autos verstecken, ist keine.
- Urbanität verlangt nicht zu große, aber auch nicht zu geringe soziale Dichte - also weder Großevents noch menschenleere Vorstädte.
- Ich kenne keine Stadt unter 10 000 Einwohnern, die nicht massiv unter der Aufgabe von Geschäften leidet.
- Warum finden bestimmte Leute Geschwindigkeit, Krach und Unterforderung so gut? Ich weiß es wirklich nicht.
- Einsicht nach einer sehr schönen geführten Stadtteilbegehung: Die Hauptverkehrsstraßen sind nicht die Stadt.
- Die lebendige Stadt ist eine Bühne. Hier entsteht soziale Nähe, die in der Regel durch viele Begegnungen wachsen muss. Sie ist ein Lernort für Interaktions- und Kommunikationsfähigkeiten, für Empathie, für Regeln, wie man sich anlächelt, aneinander vorbeigeht, eine Bermerkung macht. Urbanität heißt auch vielfältige Aktivitäten: schnell laufen, schlendern, stehen bleiben, auf der Bank sitzen, sich unterhalten, dösen usw. Deshalb darf man urbanes Leben nicht auf Events reduzieren, denn dort findet Gleichschaltung statt: Alle tun dasselbe: Hingucken und/oder Hinhören.
- Es gibt inzwischen viele Menschen, die denken, sie seien welterfahren, weil sie mit dem Flugzeug nach Thailand fliegen oder mit dem Motorad nach Südfrankreich brettern.
- Wer sich ständig schont, sorgt dafür, dass er krank wird.
- Das Auto und das Medium als Lebensersatz entwerten die Wirklichkeit.
- Stille muss sich gegen unnötigen Lärm wehren, aber Lärm nicht gegen Stille.
- Wer keine Neugierde (mehr) hat, die sich letztlich in Bildung verwandelt, verfehlt sich selbst.
- Versiegelung der Landschaft: Zwischen 1960 und 1970 wurden nach einer Berechnung des damaligen Münchener Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel in der damaligen Bundesrepublik zweieinhalb Milliarden Kubikmeter Beton verarbeitet; das entspricht achtmal dem Montblanc-Massiv. Wie viele Montblancs bis jetzt?
- Von wenigen Ausnahmen abgesehen verringert sich in öffentlichen Räumen der Städte und Dörfer drastisch die soziale Dichte. Der Zustand der Menschenleere wird dominant.
- Unbestreitbar hat die moderne Lebenswelt zumindest einen großen Verlust zu verzeichnen: Die drastische qualitative und quantitative Reduktion von Gerüchen. Jeder Bäcker, jeder Kaufmann, jedes Haus (wenn ich mich recht erinnere, jedes Ding) hatte in meiner Jugend seinen besonderen eigenen Geruch.
- Die Reanimation unserer Städte kann nur gelingen, wenn einerseits der Wunsch, die Bereitschaft und Kraft zur Eigenbewegung gestärkt und andererseits Abschied von der autogerechten Stadt genommen wird. Was das Eine werden soll, muss auch das Andere werden (in Abwandlung von Meister Eckhart).
- Kein Event, sondern ein lebendiges Ereignis: Im Flensburger Hafen fand ein Drachenbootrennen mit 82 Booten mit 1800 Aktiven und ca. 20 000 Zuschauern statt. Das war eine gelungene Mischung von Lockerheit und Gewinnenwollen, von Sehen und Gesehenwerden, von relativ wenigem Aufwand und großem Erfolg, von vorgegebener Struktur und kreativer Realisation. Es bestand eine Struktur, die eine starre Trennung zwischen Aktiven und Zuschauern ständig auflöste, man konnte das gut an gegenseitigen Zurufen, Ermunterungen, an flapsigen Bemerkungen ablesen. Jeder war potentiell für einen Moment der Kommunikation der Mittelpunkt. Kurz: Es war lebendig.
- An meinem neuen Ruter ist kein Ausschaltknopf. Mein lieber Nachbar, der ein Experte auf diesem Gebiet ist, meinte, daran sei nichts zu ändern, aber der Stromverbrauch, vielleicht zwei bis vier Watt, wäre so klein, dass man ihn vernachlässigen könne. Die Aussage stimmt, wenn man sie in Beziehung zu meinem gesamten Stromverbraucht setzt. Multipliziert man diese kleine Menge aber mit der Summe aller Nutzer von PCs, kommt eine Größe heraus, die das Vorhandensein eines Ausschaltknopfes zum ökologischen Muß macht, wenn dessen Installierung sich energetisch denn rechnet. Übrigens trat der Niedergang der Allmende, dem Gemeindeeigentum. immer dann ein, wenn der Blick ihrer Mitglieder fürs Ganze aus der Praxis verschwand und allein der individuell-isolierte dominierte. Ich denke, es macht Sinn, die Erde als eine Art Allmende aufzufassen.
- Immer mehr Menschen werden zu "Bild-Nominalisten", d. h. für sie bilden Bilder, nicht Wörter und Dinge die einzige Wirklichkeit.
- Auch für symbolische Umwelten gilt, dass sie entweder den Menschen fördern oder runterziehen.
- Wie sieht es mit dem Riß in uns selbst aus, dieses unvermeidbare Inter-esse zwischen zwei Polen: Tod und Leben, Gott und Tier, Vernunft und Gefühl, …? Diese Risse sind von existenzieller Natur, sie können nicht überwunden werden, und man sollte es auch nicht versuchen. Aber von diesen sind streng die nicht notwendigen Risse zu unterscheiden, sie gilt es zu überwinden.
- Tätigkeiten wie habituelles Fernsehen, Autofahren und Shopping sind deshalb Süchte, weil sie kategorisch nie zu dem führen, was ersehnt wird. Vom ersehnten Ziel her gesehen finden diese Tätigkeiten in einem leeren Raum statt. Dieses Leersein wird vom Süchtigen aber nicht erkannt, im Gegenteil, er verstärkt seine "Anstrengungen", weil er ja seiner Meinung oder Gefühl nach ankommen muss. Süchte sind induziert. Sie haben ihre Existenz in etwas anderem, als wo sie gesucht werden.
- Massenmedien sichern die Reproduktion der kapitalistischen Warenwelt, d. h. die unersetzliche Gier nach Waren.
- Es gibt tendenziell nur noch eine einzige Gegenwart, die von den Massenmedien erzeugt wird (Wolfgang Hagen).
- Die realen Wirklichkeiten verringern sich drastisch, weil es so viele mediale Gegenwarten gibt. Diesen Prozess kann man auch als Gegenwartsverdrängung bezeichnen.
- Fernsehapparate und Autos sind zmindest auch Menschenverstecker.
- Ein Roman, sagt Jonathan Franzen, habe nach seiner Ansicht die Aufgabe, uns an einen ruhigen Ort zu führen. Dort könne es kein Multitasking geben: "Entweder du liest ein Buch, oder du liest es nicht." Die Welt der Bücher sei die stille Alternative, eine immer dringender benötigte Alternative (FAZ, 21. 8. 10).
- Vor lauter medialer Gegenwart nehmen wir die reale Gegenwart (und auch die reale Vergangenheit sowie die realistisch mögliche Zukunft) nicht mehr wahr.
- Zwischen Wohnung und Einkaufszentrum bzw. Arbeitsplatz herrscht ein soziales Nichts. Jedes kleine Geschäft, das zwischen diesen Polen liegt, schafft soziale Möglichkeiten.
- Meine Beobachtung: Hausgärten dienen häufig allein der Repräsentation, man hält sich in ihnen nur noch auf, wenn Gäste da sind.
- „Malle“ für Mallorca suggeriert Heimat und Vertrautheit Ist auch ein Beleg dafür, wie heimatlos real der Mensch ist und wie er sich nach ihr sehnt.
- Modernes Leben findet immer mehr in Symbol- , Bild- und Phantasiewelten statt, die überwiegend industriell hergestellt werden.
- Die jeweilige Handlung zwingt mich in einen bestimmten Zustand: wenn ich Auto fahre, bin ich Auto, wenn ich im Wald laufe, bin ich Wald, wenn ich eine Boulevard-Zeitung lese, bin ich Boulevard-Zeitung, wenn ich Thomas Mann lese, bin ich in den Gedanken Manns. Das ist übrigens ein Argument, in seinem Leben zumindest überwiegend das Niveau zu suchen.
- Die gegenwärtige dominierende Ethik ist aus den Preisen der Waren abgeleitetet.
- Es bedarf sehr viel Charakterstärke, Kraft und Klugheit, sich gegen die universelle Transformation der Lebenswelt in eine technische Welt zu stellen, wenn sie dem Menschen nicht dient. Denn es ist eine Revolution gegen die Revolution.
- Meine Beobachtung: Zum Discounter fährt man grundsätzlich mit dem Auto, auch wenn er in der Nähe liegt.
- Das Verschwinden der Läden in den Innenstädten kleiner und mittlerer Städte hängt auch damit zusammen, dass die Bürger nicht mehr gehen mögen.
- Je abstrakter und kontaktloser die Lebenswelt wird, desto wichtiger wird freundliche Aufmerksamkeit, die man fast ausschließlich nur noch im Kaufakt findet, sei es in der Kleidungsboutique oder im Viersterne-Hotel. Allerdings legen fortgeschrittene moderne Menschen offensichtlich auch darauf keinen Wert mehr zu legen, denn die Onlinekäufe nehmen ja zu.
- Am wirklichen (im Sinne von Wirken) Leben sind immer Geist, Seele und Körper konstitutiv beteiligt. Fehlt eine dieser Dimensionen, ist das Leben reduziert.
- Die Natur bzw. das Leben in und außer mir vermag, substantielle kritische Impulse und Antworten auszusenden. Deswegen: Sei achtsam ihnen gegenüber, höre auf sie.
- Im Namen der Bequemlichkeit wird die Natur zerstört.
- Die Unterhaltungsmedien ersetzen Originalbegegnungen.
- Ich habe noch nie gehört, dass Konsumenten niedrige Preise aus ethischen Gründen problematisiert haben.
- Man lasse sich nicht täuschen: Der Fernsehkonsum und das Autofahren sind die Hauptursachen für den Verlust von Welterfahrungen. Vor dem Fernseher: Die Welt agiert als reiner Schein. Im fahrenden Auto: Die Welt wird von dem Fahrenden, wenn überhaupt, in denkbar drastischster Reduktion wahrgenommen. Aber in beiden Fällen neigt der Mensch zu der Selbsttäuschung, er sei in der Welt.
- Die dominierende Ausrichtung auf die Warenwelt und deren Ausweitung lässt zunehmend Sätze wie "Ich habe x" und "Ich habe auch y" von Kindern und Erwachsenen vernehmen.
- Die Bedeutung der Natur als Selbstwert ist im Schwinden begriffen, sie findet aber noch Aufmerksamkeit, wenn es um ökologische Störungen geht, die das Leben der Menschen beeinträchtigen.
- Der Begriff `Natur´ ist auf erkenntnistheoretischer Ebene destruiert, aber ebenso auf konkreter Handlungsebene wird Natur nur noch als reine Materie und Rohstoff angesehen, auch wenn die Handelnden in Sonntagsreden noch von einem metaphysischen Naturbegriff ausgehen.
- Die unbewußte oder bewußte Entscheidung, eine Funktion der Warenwelt zu sein, ist gleichzeitig eine Entscheidung gegen das Leben.
- Ermunterung für Menschen, die, sei es im Beruf, in der Kunst, in körperlicher und geistigen Betätigung nicht auf Niveau verzichten: „Haltet durch, Ihr seid auf dem guten Weg“. Übrigens ist "Niveau" keine willkürliche Setzung, sondern eine regulative Idee mit Wahrheitskern.
- Demokratisches Mißverständnis liegt vor, wenn Massen kategorisch nicht kritisiert werden dürfen.
- Unser alltägliches Handeln in der globalen Weltwirtschaft hat fast immer und unvermeidlich eine mehr oder weniger große destruktive Komponente.
- Das Bildungsbemühen einer Gesellschaft kann man gut am Verhältnis zwischen lesenden Augen und verstöpselten Ohren in einem Zugabteil bestimmen.
- In Analogie zum Ausdruck "verinselte Kindheit" kann man ebenfalls von einer "verinselte Lebenswelt" der Erwachsenen sprechen: Zwischen den "Inseln" Wohnung, Schwimmbad, Arbeitsplatz, Sparkasse, Einkaufszentrum und Arzt nimmt man zwar nicht ein Boot, aber mit größter Selbstverständlichkeit das Auto. Offensichtlich ein Narr, der das Rad nimmt oder zu Fuß geht.
- Warum von berechtigten Forderungen Abstand nehmen, bloß weil sie momentan nicht durchsetztbar sind? So sind beispielsweise die Forderungen von Alexander Mitscherlich in "Die Unwirtlichkeit der Städte" nach wie vor berechtigt. Resignation oder Aufgeben sind in vielen Fällen falsch, langer Atem ist gefragt, der offensichtlich in der medialen Gesellschaft strukturell keinen Platz mehr hat. Es genügt offenbar, dass Forderungen thematisiert werden, ob sie realisiert werden oder nicht interessiert (später) nicht mehr.
- Ein Beobachter kann zwar die geistige Dimension von Tieren, von Pflanzen, ja von Dingen willkürlich nicht zur Kenntnis nehmen, aber nie verhindern (, was er auch nicht will), dass sein eigener Geist die Bestimmung dieser "Gegenstände" vornimmt. D. h. der Geist des Gegenstandes wird durch den Geist des Beobachters ersetzt. Damit wird der Gegenstand vom Beobachter (scheinbar) geist-los gemacht und real entmündigt und beherrscht - und alles das wird skrupellos als wahre Erkenntnis interpretiert.
- Der Geist des Urbanen speist sich nicht aus Stadtautobahnen, Malls, Großevents und einigen Baudenkmälern.
- "Alles, was falsch ist, ist zu groß. Größe ist ein Problem, nicht eine Lösung" (Leopold Korsch).
- Es geht um leb- und bewohnbare Welten (Donna Haraway) und dazu gehört eigenes und fremdes Leben.
- Eine Einheit von Natur und Kultur. "Die im Stein schlummernden Gestalten zu Leben erwecken" (der Bildhauer Werner Stötzer).
- Bedenkenswert: Vielleicht sind Tiere, Pflanzen, ja Dinge Subjekte, die nicht unsere Sprache sprechen und deshalb nicht von uns verstanden werden können. So könnte Widerständigkeit der Dinge, die wir als rein mechanisch erklären, heißen "Ich will das nicht"!
- Warum versucht die gegenwärtige Menschheit mit größten Anstrengungen aus toten Dingen Lebendiges zu machen? Fühlt sich der gegenwärtige Mensch überfordert, mit lebenden Wesen umzugehen oder will man sich auf den zukünftigen Zustand ohne größere Mitlebewesen vorbereiten? Oder?
- Große“ Geschichten sind heute problematisch, weil immer widersprüchlich. Trotzdem versuche ich es mit einer, allerdings in Kurzform: Technik ist Ausfluss von Subjekten. Technik ersetzt zunehmend Natur und Gott ist bereits eliminiert worden. Nur als Moment der Evolution erweist sich die Natur noch resistent gegenüber subjektivem Allmachtsstreben. Die Folge ist zunehmende Autonomie des Menschen. Er hat tendenziell keinen Bezugspunkt mehr außerhalb seiner selbst. Sein Denken nimmt zwangsweise eine zirkuläre Struktur an. Wenn er das erkennt, führt diese Erkenntnis zu dem, was Nietzsche Nihilismus nennt, nämlich die totale Sinnlosigkeit des individuellen Lebens und der Welt. Um das auszuhalten, bedarf es der ständigen Waren- und Bilderflut, die wiederum den skizzierten `subjektiven Weg´ stabilisiert.
- Der Sinn des Lebens besteht zuallererst darin, es zu leben und nicht zu erkennen oder gar durch Technik zu ersetzen.
- Informationen von Dingen sind nicht die Dinge selbst.
- Reale Zerstörungen haben in der Regel eine lange Vorgeschichte im Denken und Fühlen. Das reicht vom Antisemitismus bis zur Ausrottung von Pflanzen und Tieren.
- Das Denken in der Moderne ist abstrakt geworden: in seiner höheren Form als Mathematik, in seiner niedrigen Form als Schnäppchenjagd.
- Die Deutschen hat man - sicherlich auch ideologisch überhöht - das Volk der Denker und Dichter genannt. Heute könnte man es - natürlich etwas vereinseitigt - das Volk der Autofahrer und Fernsehernutzer nennen.
- Epistemologisch gesehen ist der moderne Mensch Nominalist, deswegen sind wir gezwungen, uns im Handeln konstruktivistisch zu verhalten. Wir hören nicht mehr hin, vernehmen (Hölderlin, Heidegger) nicht mehr, sondern zwingen unsere Werte und Vorstellungen unserer Umwelt auf.
- Wissenserwerb ist gut und unverzichtbar, aber genau so wichtig ist es, dieses Wissen auf Metaebene z. B. seine Voraussetzungen zu reflektieren.
- Die dominierenden Tätigkeiten modernen Lebens wie Autofahren, Medienkonsum, Unterhaltungsmusik, Kauf von Fertigprodukten und "Fertigurlauben" usw. bilden ein System, deren Elemente sich auf unterstem Niveau gegenseitig stablisieren.
- These: Das konsequente Ausweichen auf Technik und damit der Verzicht auf Leben im eigentlichen Sinne ist letztlich das Ergebnis von Angst, die durch diese Strategien ständig umfassender und tiefer wird.
- Wir reduzieren Wachstum einseitig mit Größerwerden, fassen diesen Begriff nur quantitativ, sehen aber nicht mehr die Möglichkeit des immateriellen qualitativen Wachstums wie Werden, Reifen, Entfaltung.
- "Wer aber die Kommunikationstechnik nutzt, verändert sich. Er passt seinen Lebensrhythmus den Geräten an und spürt kaum noch, dass er langsamer und weniger kreativ arbeitet...Es wird immer schwerer, sich auf einen bestimmten Gedanken, einen Aspekt im Leben zu konzentrieren. Die Außenwelt fordert Teilnahme, so sehr, dass die Innenwelt verkümmert" (Susanne Beyer: `Leben im Stand-by-Modus, Spiegel Nr. 29, 2010).
- Die ausschließliche Ausrichtung auf Schnäppchen ist auf wissenschaftstheoretischer Ebene dem Positivismus ähnlich.
- In der Gegenwart herrscht theoretisch und praktisch eine eindeutige Asymmetrie im Verhältnis von Natur und Kultur (im allgemeinen Sinne).
- Zwischen Leben und Tod gibt es noch die Phase des habituellen Fernsehens.
- Man kommt nicht um die Einsicht herum: Was ich schon immer vermutet und geahnt, selten ausgesprochen habe: Ökologie ist zutiefst konservativ und, wenn man Natur als einen unverzichtbaren Wert für Humanität nimmt, dann auch mit vollem Sinn und mit vollem Recht. Gleiches gilt übrigens auch für Nachhaltigkeit.
- Die Natur ist in der Gegenwart einem bisher nie gekannten Ausmaß von Zerstörung unterworfen. Aber auch in der Theorie wird sie von zwei Positionen hart bedrängt: Die Konstruktivisten behaupten, Welt und Natur seien im Geist gemacht, skeptische Erkenntnistheoretiker wie Derrida oder Luhmann behaupten die prinzipielle Unerkennbarkeit der Welt und damit der Natur. In beiden Positionen wird die Natur entwertet.
- Im konstruktivistischen Ansatz wird die Spontaneität im Sinne Kants sehr stark gemacht, während die Rezeptivität stark zurückgedrängt wird. Dass die Sinnlichkeit bereits Bestimmungen enthalten könne, ist fast nicht mehr denkbar.
- Im wohlverstandenen Eigeninteresse müssen wir die Natur stärken, nicht schwächen. Ganz pragmatisch kann man hier Natur als Individuenreichtum und Artenvielfalt verstehen. Natur darf nicht zum Ornament verkommen.
- Müssen denn alle Events immer mit großer Technik unterfüttert sein?
- Auf Grund der von der EU verhängten Einschränkung im Fischfang, sollen sich die Bestände einiger Arten im Atlantik signifikant erholt haben. Nachhaltiges Wirtschaften ist möglich und sicherlich nicht nur in diesem Bereich. Man braucht sich nur an Hegels Vernunftbegriff erinnern und entsprechend handeln: Vernunft ist die Einsicht in die Notwendigkeit.
- "Es gibt noch Menschen, denen es nicht nur darum geht, so schnell wie möglich von A nach B zu gelangen" (Rohan Vos).
- Gebe nicht (lebendige) Fähigkeiten ohne Notwendigkeiten an die Technik ab!
- Ein wesentlicher Unterschied: Habitueller Medienkonsum ist qualitativ etwas ganz anderes als die Arbeit mit Medien.
- Technik gehört zum Subjekt. Sie ist vom Menschen geschaffen und ist einerseits Reduktion, andererseits Erweiterung. Ob das eine oder das andere, hängt von der Situation und der Kraft des Eigensinns des jeweiligen Menschen ab.
- Einerseits gelingt es bereits, einfach gebaute Lebewesen mit riesigem Aufwand herzustellen, während man andererseits gleichzeitig Lebewesen in nie gekanntem Ausmaße ausrottet.
- Eine hohe Form des Glücks: An einem sonnigen Sommernachmittag auf der Veranda mit der Frau, die man liebt, Erdbeertörtchen mit Schlagsahne zu essen – und, wenn man Glück hat, keine Rasenmäher ertragen zu müssen.
- Produzieren und Konsumieren sind Handlungen, die (heute) in einem ethischen Vakuum stattfinden - in einer Welt, in der es irrational ist, sich von mehr leiten zu lassen als dem eigenen Interesse und dem Kalkül.
- Wenn Lebendiges verdinglicht wird, entsteht eine gespenstige Gegenständlichkeit.
- Die relative Bedeutungslosigkeit der Natur in der Praxis spiegelt sich auch in der Erkenntnistheorie und umgekehrt.
- Kultur verengt sich zunehmend auf Technik und deren Produkte.
- Paradoxon: Je sauberer (nach gegenwärtigen Kriterien) die Bürger in ihren spezifischen Aufenthaltsorten sind, desto mehr verdreckt die Welt.
- Lern- und Anwendungsmöglichkeiten von „Verhalten in sozialen Situation“ (Goffman) verringern sich drastisch.
- These: Menschen, die gerne ausgiebig vor dem Fernsehapparat und im Auto sitzen, sind nicht in der Lage, über einen längeren Zeitraum ihren Garten oder Natur überhaupt zu genießen, weil zu wenig spektakulär und zu statisch.
- Denken und Handeln verlaufen wie ein Fußballspiel: Es gibt Strukturen und Regeln, die unbedingt eingehalten werden müssen, aber innerhalb dieser Bedingungen kann das Individuum selbst entscheiden. Dieses Modell unterschlägt allerdings die Prägekraft der Bedingungen, die zu einer (1) Lösung tendieren, die auch von den meisten Menschen angestrebt wird. Das ist die innere Logik der gesetzten Bedingungen, die oft übersehen bzw. verdrängt wird., auch weil sie häufig als naturwüchsig genommen werden.
- Unsere inzwischen global gewordene Zivilisation beruht auf einem ungeheuer großen Verschleiß von Energie und Materie. Das zu ändern, muss das primäre Ziel aller individuellen und gesellschaftlichen Anstrengungen sein. Wenn uns das nicht gelingt, werden wir auch nicht keines der anderen drängenden Probleme nachhaltig lösen.
- Mein moderner und freiheitsliebender Nachbar ist engagiert gegen die Regulierungswut in Deutschland und gibt Beispiele: „Wenn ich es für nötig erachte, will ich in meinem Garten Gift spritzen, will ich auch am Sonntag meinen Rasenmäher anschmeißen, will ich, wenn die Straßen es zulassen, auch mit 90 km/h durch die Stadt fahren, will ich im Restaurant nach dem Essen gemütlich Zigaretten rauchen, aber alles das und viel mehr wird mir in diesem Bürokratenland verboten. Gäbe es in Deutschland eine Deregulierungspartei, ich würde sie sofort wählen."
- Der Kapitalismus ist ohne Zweifel in der Konsumdimension einschmeichelnd, aufmerksam, sensibel, ich-stärkend, aber nach dem Kauf herrscht wieder die Neutralität - bis man wieder ein Käufer wird. Diese positiven Aspekte gilt es zu bewahren, aufzuheben, zu verallgemeinern. Dazu finde ich heute folgende Aussage, die in die gleich Richtung zielt: "Warenästhetik, die glänzenden verlockenden Oberflächen käuflicher Güter, wurde lang als zentrale Kraft im Rahmen einer Strategie der Manipulation verstanden .... In Erweiterung und Facettierung, mitunter auch Revision etablierter kapitalismus- und konsumkritischer Perspektiven sind in den letzten Jahren aber auch produktive Aspekte des modernen Massenkonsums in den Fokus wissenschaftlicher Aufmerksamkeit gerückt" ("Habenwollen", Reihe zur Warenästhetik des Forschungskollegs Humanwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt).
- Anmerkung zur Fußballweltmeisterschaft: Wären Löw und Maradonna während der Pausen, um die Fehlentscheidungen der Schiedsrichter zu korrigieren, in die gegnerischen Kabinen gelaufen und angekündigt, dass ihre Mannschaften sich nach dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit nicht bewegen würden, damit ihre Gegner problemlos ein Tor erzielen, dann hätten Deutschland und Argentinien auf jeden Fall sportlich gewonnen, wie immer das Spiel auch ausgegangen wäre.
- Auto fahren, Rasen mähen und fernsehen bildet die Dreieinigkeit bürgerlichen Freizeitverhaltens.
- Gelegentlich hat man mir attestiert, ich sei ein Querdenker. Vielleicht stimmt das, aber ich bin es nicht aus Prinzip, sondern nur, wenn ich denke, dass eine Haupttendenz sich gegen den Menschen und die Natur wendet.
- Es gibt bis jetzt keine Theorie, die die existenzielle Differenz zwischen Eigenbewegung und Fremdbewegung prägnant herausarbeitet.
- These: Die Beseitigung von Dreck schafft letztlich mehr Dreck. Auch ist zu bedenken, dass Schmutz wertfrei betrachtet nichts anderes ist, also Materie an einem falschen Ort. Wer Schmutz definiert, hat die Macht.
- Wir brauchen reale Nähe, aber wir schaffen innere und äußere Bedingungen, die Nähe zunehmend abwesender werden lassen –aber das wird nicht durchschaut.
- Blaise Pascal hat Recht: Es fällt dem Menschen - auch mir - über eine längere Zeit schwer, in seinem Zimmer (Haus) zui verweilen, aber muß es gleich Lanzerote, New York, Honkong oder Dubai sein? Genügt nicht die hiesige Innenstadt, falls es sie noch gibt?
- Die Hauptaufgabe des Menschen besteht darin, seine Bildung zu erweitern und seine Mitlebewesen (die Natur) zu unterstützen. Auch sollte er, wenn er es denn vermag, Kunstwerke schaffen, aber in denen nur im Ausnahmefall viel Materie (letztlich Natur) und Energie verarbeitet wird. Ein Grenzfall wäre die neue Elbphilharmonie in Hamburg. Zu Zwecken der Selbsterhaltung sollte er materiell und energetisch sich eher dem Minimal- als dem Maximalprinzip nähern.
- Zwischen einem Erlebnis, das ich selbst gestalte und durchführe, und einem Event, das ich kaufe, besteht ein fundamentaler Unterschied, obwohl immer zwischen beiden ein Mischunsverhältnis besteht: Es gibt keine reines Erlebnis und kein reines Event.
- Die verhäuslichte Lebensweise und die hermetische Mobilität macht uns unabhängig von Natur und den Jahreszeiten.
- Zwischen dem Menschen und den Dingen der Welt schieben sich zunehmend Symbole und Bilder, die keinerlei Realität enthalten, oder motorisierte Bewegungen, die mit zunehmender Geschwindigkeit umgekehrt proportional die Möglichkeit sinnlicher Erfahrungen von Dingen verringern. Moderne Lebensweise ist mit großen Realitätsverlusten verbunden.
- Der Konsumentismus der Betroffenen ist hermetisch vor jeglicher Kritik geschützt. Er ist ein selbstreferentielles System. Er kann weder denkerisch noch praktisch von den Betroffenen durchbrochen werden. Mit dem Rad zum hundert Kilometer entfernten Ziel zu fahren oder mit dem Handrasenmäher zu arbeiten, ist für sie unmöglich, es gehört zum absoluten Das-geht-Nicht. Ein konsumentistisch ausgerichtetes Leben ist eine drastische Reduzierung menschlicher Potenziale.
- Wir müssen lernen, in bestimmten Situationen auf deren Gestaltung zu verzichten.
- Geldeinheiten müssten gleichzeitig in Energie-Materie-Aufwand ausgedrückt werden.
- In natura naturans steckt das Potenzial der Natur, nicht in der getöteten, der natura naturata.
- Warum lieben wir den Rasen? Aus Faulheit? Aus Dummheit? Um zu herrschen? Um Motore einzusetzen? Aus Liebe zur Homogenität? Meinen wir, dadurch die Natur zu verbessern? Oder?
- Zweifache Schönheit oder zwei Formen von Herrschaftsausübung? Er mäht wöchentlich seinen Rasen. Gleichzeitig spritzt er seine Gartengrenze von Wildkräutern frei, die als braun verbrannte Pflanzenruinen unregelmäßig umherstehen.
- Entfremdete Arbeit erzeugt Realitätsverlust bzw. den Verlust des Gegenstandes (Marx nach Eva Illouz). Dieser Realitätsverlust, der auch als Verschwinden der Wirklichkeit bezeichnet wird, gilt inzwischen für den gesamten Lebensprozess. In der sitzenden Lebensweise in Transportmitteln und im Modus des Medienkonsums findet eben keine Begegnung mit "ganzheitlicher" Realität statt.
- Mit dem Rückgang der Kultur der klassischen Schriftlichkeit verschwinden Fähigkeiten, die das reflektierte und kritische Selbst ausmachen (Charles Ess). Ess nennt das moderne Individuum "verschmiert".
- "Niemals zuvor ist das private Selbst derart öffentlich inszeniert worden, niemals zuvor ist es so sehr auf die Diskurse und Werte der ökonomischen und politischen Sphäre zugeschnitten worden" (Eva Illouz, Soziologin). Und zu diesem Zuschnitt gehören untrennbar das angemessene Auto und der protzige Fernsehapparat im Wohnzimmer.
- Eva Illouz spricht von einem „emotionalen Kapitalismus“, wo die Subjekte in ihren Gefühlen und Wünschen mehr, als ihnen lieb sei, standardisiert seien: „Ein Champagnerfrühstück ist romantischer als eine Currywurst zu zweit.“ Dazu: Vor kurzem waren wir zu einer "imperfekten" Geburtstagsfeier in einem Schrebergarten eingeladen, die alles beinhaltete, was ein gelungenes Fest ausmacht.
- Man sollte endlich Kapitalismus als beschreibenden Begriff verwenden. Er zeitigt Leistungen und Verluste. Das gilt es zu analysieren. Weder der Kapitalismus noch seine verschiedenen Formen der Negation stellen Paradiese her. Ich halte eine Kapitalismuskritik für absurd, die einerseits die auf dem Markt angebotenen Waren für alle beansprucht, andererseits aber die Waren selbst und ihre Art und Weise der Produktion unkritisiert, gewissermaßen als Idealform stehen lässt. Aus einer anderen Perspektive: Theodor W. Adorno ist aktueller denn je.
- Im Zeitalter der Durchdringung aller gesellschaftlichen und privaten Bereiche mit kapitalistischen Werten und Prinzipien bedarf es besonders intensiv der Stärkung der Autonomie, z. B. auf Auto und Fernseher zu verzichten, um die zwei hauptsächlichen Entfremdungsquellen zu nennen. .
- Wir befinden uns in einem gigantischen Transformationsprozess, in dem die Eigenbewegung durch Motoren angetriebene Systeme ersetzt wird. Dieser Prozess verändert die Welt und den Menschen. Wenn diese Analyse richtig ist, kommt alles darauf an, dass sie öffentlich wird und daraus die richtigen Schlüsse gezogen werden.
- Am Hindukusch wird auch für unsere Zweitwagen, für unsere Billigflüge, für unsere großen Häuser, für unsere Autobahnen, für unsere Sportarenen gekämpft. Inwieweit das den Terrorismus begründet, ist schwer auszumachen.
- Widerspruch: Die Befürworter einer ungezügelten Deregulation werfen nun Barack Oboma vor, er sei zu lasch.
- Sonnenschein ist inzwischen absolute Bedingung dafür, sich überhaupt draußen sinnvoll und mit Freuden aufzuhalten. Das ist eine drastische Reduktion von Lebenserfahrungen, denn eine Landschaft oder Architektur bei bedecktem Himmel oder selbst bei Regen ist nicht weniger schön. Diese Reduktion, die allein in der Psyche stattfindet, ist das Ergebnis der Überschwemmung mit "sonnigen" Bildern in der Werbung und in den Medien.
- Es besteht eine Tendenz zum Maschinenwesen: Die Spontaneität wird zurückgedrängt, selbst die Witze werden mechanisch abgerufen und wiedergegeben.
- Lebenswelt mit der Betonung auf Leben wird zur Konsumwelt, aber sie wird es nicht vollständig werden, denn dagegen steht zumindest der Schmerz bis hin zum Tod.
- Auf der konkreten Entstehungsebene sind Abstraktion und Reduktion
identisch. Der Unterschied besteht im Resultat: Eine Abstraktion hat
zum Ziel, das jeweilige Wesen freizulegen, was bei der Reduktion
nicht unbedingt der Fall ist. Eine nicht das Wesen einer Sache
freilegende Reduktion sind isolierte Einkaufszentren, die zumeist an
der Peripherie der Städte angesiedelt sind. Sie kann man auch als eine
schlechte Abstraktion bezeichnen Sie reduzieren eine Stadt um Wohnen,
Spielen, zweckfreies Leben, aber auch um scheinbar oder real
Störendes, und verabsolutieren die Funktion Kaufen bzw.
Verkaufen. Es entsteht eine rein monofunktiones Gebilde, das sich dem
Schein des Städtischen gibt.
Inzwischen hat jede Innenstadt eine solche, nahezu virtuelle Parallelstadt. - Die technischen Infrastrukturen, die inzwischen die Erdoberfläche nahezu lückenlos überziehen, sind überall gleich. Wohin also reisen? Warum überhaupt Reisen?
- Fernsehen ist materiell gesehen Nahsehen.
- Es gibt zu wenig Eigenes und zu viel Uniformiertes, ohne dass das gemerkt wird
- Die Natur im Garten ist der absoluten Herrschaft des Menschen unterworfen: Sie darf nur das, was der Besitzer will. Als Rasen wird dieser Herrschaftswille besonders drastisch wirksam. Panik entsteht, wenn etwa eine Katze oder Hund es wagt, diesen Ort zu betreten.
- Auto fahren und Fernsehen haben eine nicht notwendige Reduktion von Wirklichkeit im Bewusstsein zur Folge. Beim Autofahren kommt eine Reduktion der äußerlichen Realität in Form von autogerechten Infrastrukturen hinzu.
- Der Konsumismus ist nicht nur die wohl bedeutendste Kraft, die unsere Lebensumwelt formt, sondern auch ganz entscheidend unsere innere Lebenswelt (Robert Minsk in der TAZ).
- Der Hauptwiderspruch der ausschließlich wirtschaftlich und konsumistisch orientierten Industriegesellschaft: "Im Katastrophengebiet im Golf von Mexiko regt sich Widerstand gegen Obamas Moratorium, das in den nächsten Monaten Bohrungen in großer Wassertiefe verbietet. Der Gouverneur von Louisiana warnt vor dem Verlust von mindestens 10 000 Jobs" (FAZ v. 5. 6. 10).
- Der ehemalige Bundespräsident hat Recht, wenn er sagt, dass am Hindukusch (und anderswo) auch wirtschaftliche Interessen durchgesetzt werden, so zum Beispiel, um den riesigen Energiebedarf (inzwischen) auf globaler Ebene zu decken.
- "Wenn ihr umkehrt, wird euch geholfen" - vielleicht in einigen Situationen eine bedenkenswerte Alternative.
- In der normativen Kategorie "billig" steckt ein riesiges destruktives Potential, das bisher weder wahrgenommen wurde noch systematisch analysiert worden ist.
- Subjektivität reduziert sich in der konsumorientierten Industriegesellschaft tendenziell auf das Haben von Waren.
- Moderne Voyeure sind Autofahrer und Fernsehende: Sie schauen aus ihrem Versteck, ohne gesehen zu werden.
- Simplify and intensify your life (Titel eines Buches). Schaffe Dein Auto und Fernseher ab, und Du bist auf einem guten Weg.
- Ein Gedankenexperiment und eine Frage: Angenommen, es gäbe zwei Sorten von Tankstellen. An der einen ist Benzin billig, aber es kommt aus Ölquellen, die risikoreich mit wenig Sicherheiten arbeiten; an der anderen ist Benzin beträchtlich teurer, weil hier die Sicherheitsstandards sehr hoch sind und ggf. ganz auf die Ausbeutung verzichtet wird. An welcher Tankstelle wird wohl die Mehrzahl der Bürger tanken?
- In der konsumorientierten Industriegesellschaft gilt generell die Eigenschaft "neu" höherwertig als "alt". Die Erde ist alt.
- Erst wenn man die Seele eines Menschen schaut, beginnt Liebe.
- "Ihr erkennt Unsinn nicht als Unsinn, wenn ihn alle machen" (Gerold Horhan). Es hilft alles nichts, man muss schon selbst denken. Danach kann man u. U. auch das tun, was alle machen.
- Es herrscht viel Lärm und Krach in unserer Welt. Lasst zumindest den Garten ein Ort der natürlichen Stille sein.
- In meinem Bildungsprozess muss ich nicht die Kunst der Vergangenheit ändern, sondern ich muss mich so weit wie möglich mich dieser Vergangenheit annähern, damit ich mich erweitere.
- Eine Homepage ist ethisch in dem Sinne, dass es bei ihr nicht um das Verkaufen, sondern allein um das Gelesenwerden geht.
- Die fundamentale Botschaft der Werbung: Wirkliches und erfülltes Leben ist nur mit diesem angebotenen Produkt möglich, sei es Joghurt oder ein Auto.
- Für mich ist Heimat das, was ich erfahren (im ursprüngliche Sinne von Gehen) habe, sei es das Dorf, die überschaubare Insel, die kleine Stadt, das Stadtviertel einschließlich deren näheren Umgebungen. Der Rest ist - in erweiternden konzentrische Kreisen differenziert - "Ausland". Diese Kreise decken sich nicht mit politischen Grenzen.
- Wenn ich mit dem Auto oder Zug durch die Natur fahren, bin ich nur im Scheine in der Natur, da die reale Natur derartig reduziert, "verdünnt" ist, dass nur noch Schein übrig bleibt. ,
- Ich vermute, dass die Menschheit mit der Ölkatastrophe vor der Küste Louisianas (2010) das erste Mal erkennt, zumindest ahnt, dass solche Vorkommnisse letztlich unvermeidlich sind, weil ohne solche Risiken einzugehen, ihr ungeheurer Energiehunger nicht gedeckt werden kann. Ein Hunger, der zur Hauptsache dazu dient, Eigenbewegung durch Fremdbewegung zu ersetzen. Ein wesentlicher Antrieb zur Fremdbewegung besteht in der Sucht nach Bequemlichkeit und Unbeweglichkeit.
- Wir wohnen in der Nähe einer Sportanlage eines kleinen Fußballvereins. Ein Spiel löst das andere ab. Dabei schreien sich nicht nur die Spieler oft die Lunge aus dem Hals, sondern auch die Zuschauer unterstützen lautstark ihre Spieler bzw. kritisieren die gegnerischen Mannschaften. Das stört nicht nur nicht, sondern es ist schön, unvermittelt, nicht durch technische Geräte verstärkte menschliche Stimmen und leidenschaftliche Ausbrüche zu vernehmen.
- Der Konvergenzpunkt der Gesamtentwicklung ist nicht der Mensch, sondern die zunehmende Entfaltung der Technik. Mit anderen Worten: Die Technik ist das eigentliche Subjekt der Entwicklung. Der Mensch wird zunehmend eine Funktion der Technik. Diese Entwicklung wird mit Bequemlichkeit und Macht begründet. Sie wird in der konsumorientierten Industriegesellschaft verwirklicht.
- Er wohnt in der Nähe einer Kirche und beklagt sich häufig über "das laute Geläute der Glocken". Den Lärm seines Motorrasenmähers hat er noch nie kritisiert.
- Liebe Pflanzen, Tiere und Menschen, aber nicht Maschinen!
- Es ist eine Konstante: Der Mensch sucht immer auch den spontanen Kontakt zu seinesgleichen - und sei es nur einen Augen-Blick. Wohnt man in einem dieser typischen Vorstädte, macht es, um dieses Bedürfnis zu befriedigen, keinen Sinn, durch die Fenster zu schauen oder auf die Straße zu gehen - man sieht oder findet dort keine Menschen. Wo sind sie? Sie fahren entweder mit dem Auto irgendwohin oder sitzen vor dem Fernseher, um zumindest im Scheine, dort allerdings mit Sicherheit, "Menschen" zu treffen. Vor dem Fernseher sowieso, aber auch während der Autofahrt besteht absolut keine Chance, dieses Grundbedürfnis zu befriedigen, also verlorene Zeit.
- Die intensive Aufenthaltsdauer
in natürlichen bzw. naturnahen Umwelten wird immer kürzer, stattdessen
nimmt der Aufenthalt in künstlichen Welten in Form von Arbeitsräumen,
Einkaufszentren, Autofahrten, Medienkonsum usw. ständig zu. So wird das
in vielerlei Hinsicht insbesondere im Alltag das heilende Potenzial der Natur
nicht mehr ausgeschöpft - und das muss keine spektakuläre Natur
sein: Just five minutes of exercise in a "green space" such as a
park can boost health, reserchers claim.
- Immer mehr Menschen übernehmen die Botschaft der Werbung, dass Lebensfreude nur noch in Verbindung mit Waren, die einen starken technischen Appeal haben, möglich sei.
- Der verabsolutierte Konsument reproduziert sich allein in der Sphäre und in den Imperativen des Konsums. Er ist dort gestellt. Subjektiv erscheint ihm diese Form der Reproduktion als Freiheit.
- Fast alles individuelle und kollektive Wollen, Denken und Handeln konvergiert bewusst oder unbewusst auf die Erlangung von mehr Bequemlichkeit hin.
- Der Mensch ist die Summe seiner Handlungen. Wenn seine Handlungen überwiegend in Maschinenwelten einschließlich ihrer Infrastrukturen stattfinden, wird er zwangsläufig Merkmale der Maschine annehmen, falls er nicht über ein großes Potenzial an Freiheit und Widerstandskraft verfügt. Maschinenwesen sind die Nachfolger des Menschen. Meine Frage an Dich lautet deswegen: Bist Du, wie der überwiegende Teil der Menschheit, auf dem Wege, ein Maschinenwesen zu werden?
- "Klimaschutz oder Energiesicherheit. Die Mehrheit der Amerikaner plädiert für eine Ausweitung der Ölförderung" (FAZ v. 14. 5. 10). Die Forderungen, die sich aus dem konsumistischen Lebensstandard ableiten, sind die eigentlichen Normengeneratoren der gegenwärtigen Gesellschaften, sie sind unhinterfragbar und bilden das einzige wirkliche Tabu der Gegenwart. Ich befürchte, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die große Menschheit zu der Auffassung gelangt, dass die Existenz von wildlebenden Pflanzen sowie Tieren überflüssig und dass ihre Vernichtung notwendig und legitim sei, um die technischen Strukturen einschließlich ihrer in Kauf genommenen Zerstörungen zu realisieren. Es gäbe dann keinen Grund mehr, z. B. eine Ölkatastrophe als Katastrophe zu bewerten.
- Die Faszination und Interesse für die Natur hat sich inzwischen bei den meisten Menschen auf die Technik verschoben: Das technisch generierte Bild fasziniert, nicht das Abgebildete.
- Kinder sind zunehmend nicht mehr in der Lage, in ihrem Wohnviertel eine eigene Welt zu schaffen. Dafür gibt es vielfältige objektive und subjektive Gründe.
- Das Bild und erst recht der Film sind rein visuell gesehen der Wahrnehmung von Genuß suchenden Menschen überlegen: Sie können problemlos nur die Perspektiven einnehmen, die spektakulär sind und beeindrucken.
- Ein Defizit des gegenwärtigen Lebens besteht darin, dass wir keine Pausen mehr zulassen: Unterhaltungsmedien senden und Autos fahren ohne Unterbrechung und verlangen die Aufmerksamkeit, ohne Unterbrechung bei und in ihnen zu sein. Man schaltet den Fernseher nicht aus oder hält vor dem Ziel das Auto nicht an, um etwas in Ruhe und konzentriert zu bedenken. So verkümmert substanzielle Kritik und wird höchstens ersetzt durch partielle Überlegungen, wie man die bestehenden Systeme noch stärken kann. Diese Systeme beherrschen unswährend des gesamten Wachzustandes zeitlich und räumlich lückenlos , nur im Schlaf lockert sich deren Macht.
- Wenn das in Bildern Dargesellte nur dazu dient, wiedererkannt zu werden, dann ist die damit verbrachte Zeit, von bestimmten Ausnahmen abgesehen, verlorene Zeit.
- Nach Fliegenlogik ist es dort gut, wo viele Fliegen sind - selbst wenn es sich um einen Kuhfladen handelt. Ist das nicht ein allgemein gültiges und befolgtes Lebensgesetz, das nur nicht von einigen Eigenbrödlern und Querdenkern befolgt wird?
- "Die Natur hat viel mehr Möglichkeiten als jede Turnhalle" (Umweltpädagogin Gudrun Perschke-Mallach).
- Man kann mit gutem Grund gegen die eine oder andere Sparmaßnahme sein, aber wer gegen jede ist, hat nicht das Ganze im Blick.
- Die Wertschätzung, die die regional und saisonal orientierte Küche gegenwärtig erfährt, ist ein Hoffnungsschimmer, dass das Künstliche sich nicht widerstandslos in allen Bereichen durchsetzen wird, dass die auf uns gekommene Welt zu Bildern, Surrogaten und Substitutionen wird.
- "Wir haben es mit einem Wettstreit zwischen Parteien zu tun, die alle die Vorstellung teilen, in der Politik ginge es nur um das Ich des Wählers, darum, was dieser Wähler sich als Individuum wünscht. Und ihm dann genau das zu versprechen. Es geht nur noch um größere Glaubwürdigkeit, nicht um einen Wettstreit der Konzepte. Es gibt keine Visionen eines anderen, besseren Zusammenlebens. Wir sind Komplizen des Konsumismus" (Adam Curtis, englischer Dokumentarfilmer). Die Aussagen dieser vorliegenden Homepage dienen ausschließlich einem Konzept, dessen entscheidendes Merkmal das der Nähe ist.
- Dunkle Vermutung: Der Konsumismus wird seinen Vater, den Kapitalismus, aber auch seine Mutter, die Demokratie, zerstören.
- Das Problem der Gegenwart besteht auch darin, dass die Zuwendung zu Lebewesen und Sachen sich auf Waren verlagert haben.
- Maschinenwesen transformieren Liebe in Wartung.
- Ich befürchte, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der größere Teil der Menschheit zu der Auffassung gelangt, dass die Existenz von wildlebenden Pflanzen und Tieren überflüssig sei und dass ihre Vernichtung notwendig und legitim sei, um die technischen Strukturen einschließlich ihrer in Kauf genommenen Zerstörungen zu realisieren. Es gäbe dann keinen Grund mehr, z. B. eine Ölkatastrophe als Katastrophe zu bewerten.
- Internet, sagt man, sei Einkaufen