Miszellaneen

Stand:  4.  2. 12

Hier findet man Anregungen, Verständnishilfen, Positionen zu

0. Gedanken zu den Gedanken (Metaebene)

A. Philosophie/Anthropologie

B. Pädagogik

C. Bild und Wort bzw. Fernsehen

D. Mögliche Module und Elemente zur politischen Ökologie und Technikkritik

E. Riskante Aussagen

F. Unkommentierte Exzerpte

G. Literaturempfehlungen

O. Gedanken zu den Gedanken (Metaebene)

Das Verhältnis zwischen  begründetem, auf Veränderungen drängendes Engagement und veränderungsunwilliger Umwelt ist immer spannungsreich und problematisch, weil die Veränderung nicht eo ipso sinnvoller und humaner sein muss. Und es gibt auch keine Metainstanz, die dieses Problem  sicher und eindeutig beurteilen kann.



  1. Aussagen, die kategorisch  Modifikationen und Negation nicht zulassen, sind immer problematisch, u. U. gefährlich.
  2. Philosophie und Bildung sind Mittel, Probleme zu lösen und das Leben intensiver zu gestalten.  Diese Art von Philosophie wird auch als diagnostische bezeichnet.
  3. Philosophie hilft, seine Zeit und sich selbst besser zu verstehen.
  4. Meine Homepage ist der Versuch, die Zerstörungen der Gegenwart und ihre Ursachen auf den Begriff zu bringen, denn deren neuen Formen und Inhalte der Zerstörungen verlangen teilweise eine neue Sprache und/oder die Revitalisierung verlorener Sprachelemente.
  5. Versuch einer Selbstbewertung: Ich habe ein relativ sicheres und begründetes Urteil von dem,  was schlecht ist und was gut sein könnte, aber ich bin schwach, wenn es um die Beschreibung des Weges vom Schlechten zum Guten in der gesellschaftlichen Dimension geht. 
  6. In meinen Leserbriefen und anderen Veröffentlichungen geht es mir zur Hauptsache  um das Aufzeigen einer anderen, friedlicheren, weniger ausbeuterischen Lebenswelt.
  7. Lebendige Kultur besteht für mich aus Volkskultur von unterschiedlichen Niveau und aus Hochkultur.
  8. Ich sehe mich primär als (unvollständigen) Anthropologen, wohl wissend, dass das Ganze die Wirklichkeit und damit Wahrheit ist.
  9. Ein Teil der in dieser Homepage vorgestellten Gedanken sind sicherlich pointiert, parteiisch, einseitig usw. - allerdings mit gutem Gewissen, denn die Gegenposition ist zu jeder Zeit überall in der gesamten Gesellschaft übermächtig  vertreten.
  10. Ist das Wesen des Menschen Materie oder Seele? Die jeweilige Antwort auf diese Frage hat für die in dieser Homepage behandelten Thematik beträchtliche Konsequenzen.
  11. Es gibt keine Aussage, die nicht begründet negiert werden kann. Selbst diese Aussage kann wiederum negiert werden. Es ist oft schwer zu entscheiden, welche Negation und welche Negation nicht thematisiert werden muß.
  12. Klischee-Vorwürfe können selbst zu Klischees werden.
  13. Kritik kann sich selbst fetischisieren.
  14. Ich bin nicht altmodisch oder rückwärtsgewandt, sondern allein dem Menschen und der Natur verpflichtet.
  15. „Ideen, glanzvolle Krönung einer langen Sehnsucht“ (Mallarme).
  16. "Ich vermochte nie etwas zu lernen, es sei denn auf dem Wege über mich selbst." Ich bemühe mich, diesem Satz von Paul Velery zu folgen. 
  17. Dass man in der Wahrheit  ist, kann man nur hoffen, aber nie wissen. 
  18. Jeder  Mensch gräbt sich einen mehr oder weniger breiten, einen mehr oder weniger tiefen Tunnel in die Welt. Dieser Tunnel ist mit seinem Geist ausgefüllt. Über die  Welt außerhalb des Tunnels kann er nur Vermutungen anstellen, denn man kann den Tunnelblick nie gänzlich abstreifen.
  19. Bin ich mit meinen Gedanken meiner Zeit zwanzig Jahre voraus oder haben sie nicht die zukunftsermöglichende Bedeutung, wie ich denke?
  20. Man versteht ein Phänomen erst recht,  wenn man auch sein  Ausgeschlossenes, seine Negation, das Nichtthematisierte thematisiert. So gehören zum Algorithmus die Freiheit i. w. S, zu Eigenbewegung die Fremdbewegung.
  21. Zirkel: Wenn der Mensch  (Anthropologie) beschrieben wird, wird immer auch der Leser mitbeschrieben.
  22. Wenn vom Materie – Geist - Dualismus gesprochen wird, ist mit Geist allgemeiner Geist  gemeint, wenn vom  Körper – Geist - Dualismus gesprochen wird, ist mit Geist  individueller Geist gemeint. Leib bzw. Eigenbewegung wäre der Oberbegriff.
  23. Nicht vergessen!  Der homo humanus ist im Sein verankert, er hat potentiell ontologisches Niveau.
  24. Der Kern meines Anliegens ist - soweit ich ihn erkennen kann -  der Schutz des Lebens gegen seine Marginalisierung und Funktonalisierung durch  motorenbetriebene Technik. Leben als Freiheit, Eigenbewegung, Ausdruck, Spontaneität, Kreativität, Liebe .....  ist für mich unverzichtbar.
  25. Weil Politische Ökologie normativ ist, verlangt sie kategorisch als eventuelles Korrektiv Offenheit, d. h. Demokratie. 
  26. Gemessen an Freunden und Bekannten sind wir auf praktischer Ebene  Fundamentalökologen, aber gemessen an dem, was ökologisch möglich und nötig ist, bei weitem nicht.
  27. Demokratisierung ist auch eine qualitative und quantitative Aufgabe.
  28. Ich fotografiere ungerne, weil  man dann immer eine lebendige Situation zerreißt. Das ist nicht der Fall, wenn man explizit eine "fotografische Situation" schaffen will.
  29. Klarheit des Stils setzt nach Schopenhauer Klarheit des Gedankens voraus. Der Kern meiner Aussagen trifft die wichtigste Dimension des gegenwärtigen Zustandes der Welt. Diese Analyse ist meines Wissens nach einzigartig. Leider verfüge ich offensichtlich nicht über die Fähigkeit, diesen Kern überzeugend und verständlich für viele Menschen darzustellen. Oder bin ich mit meinen Gedanken für die Zeitgenossen zu früh bzw. die Widerstände zu stark?  
  30. Es gilt, eine übernationale Perspektive zu erlangen, die aber die verschiedenen nationalen nicht aus dem Blick verliert.
  31. Lebenswelten sind immer für Individuen und Kollektive jeweilige. Auch die Nationalsozialisten beeinflussten stark Lebenswelten. Deshalb gilt: Jede Lebenswelt muss von ihren „Bewohnern“ kritisch begleitet werden. Und Gleiches gilt für die Kritik, auch der ökologischen,  die wiederum einer Kritik unterworfen werde muß – ad infinitum. Einfacher ist es nicht zu haben. 
  32. Die Schuld anderer festzustellen, ist legitim, allerdings nicht, um seine eigene Schuld zu relativieren.
  33. Man muss ständig und zusammen das Besondere wahrnehmen und das Allgemeine  durch Denken herausfinden. 
  34. Wenn ich Nicht-Geglücktes, Falsches, Schädliches beschreibe, produziere ich zwangsläufig Kälte. Ich versuche diese Kälte durch sozialee Wärme auszugleichen. 
  35. Wäre "ökologisch-konservativ" ein angemessenes Merkmal für eine Selbstbeschreibung? 
  36. Vielleicht war die Selbstbeschreibung „ökolibertär“ genau richtig, wobei Ökologie die erhaltende-konservative, libertär die freiheitliche-dynamische  Dimension akzentuiert.  Unter diesem Label  gab es zu Beginn der Grünen eine kleine Gruppe mit Kretschmann, Schmid, Plagemann, .... und mir, um Dogmatismen abzuwehren. 
  37. Von der Idee bzw. Theorie müssten Technikkritik und Konservatismus gut zusammengehen, empirisch verhält es sich aber genau umgekehrt. Ich vertrete eine technikkritische Position, bin aber mitnichten rückwärtsgewandt.
  38. Wenn die Erhaltung der Natur der Kern konservativen Denkens und Handelns  ist, dann bin ich konservativ.
  39. Warum sich mit Heidegger beschäftigen? Seine Analyse der anthropogenen Ursachen der Naturzerstörung scheint mir sehr plausibel zu sein.
  40. Ich versuche, die Motive, Gründe und Bedinungen zu erkennen, die zur Verhäßlichung und  Zerstörung  unserer Welt führen.
  41. Meine Diagnose und die vorgestellten Alternativen sind  aus meiner Sicht  der einzige gangbare Weg in die Zukunft.
  42. Von den vier Feldern des Energieverbrauchs Mobilität, Beleuchtung, Wärme und Produktion  kann  ich theoretisch und praktisch fundiert nur  über  die  Mobilität als Eigenbewegung  Aussagen machen. 
  43. Der Liberalismus muß sich gegen jede Herrschaft stellen, auch gegen die Herrschaft der Wirtschaft.
  44. Jede Epoche der Menschheit hatte offensichtlich  eine Hauptaufgabe, die zu lösen, zumindest zu mildern ihr aufgegeben war. Die globale Hauptaufgabe der Gegenwart besteht darin, die drohende ökologische Katastrophe abzuwenden. Ich bin überzeugt, dass die Ursache für diese Entwicklung hauptsächlich in die zunehmende Ersetzung von natürlichen Prozessen und menschlicher Eigenbewegung durch technische Prozesse liegt. Erst wenn das erkannt wird und entsprechende Konsequenzen im Denken, Fühlen und Handeln gezogen werden, wird Zukunft möglich sein.
  45. Alles kommt auf die Verbesserung der Qualität der Fähigkeiten und des Gemachten an, im Fall dieser Homepage auf die der hier geäußerten Gedanken. Anerkennung ist wünschenswert und sinnvoll, aber sie ist und darf nie im Mittelpunkt der Anstrengungen sein. Der Wunsch nach Anerkennung darf nicht zum Hauptmotiv werden. Wird sie es, entsteht Falsches.
  46. Versuch einer Positionsbestimmung: Kapitalistische Theoretiker gehen vom einem Egoismus aus, der auch in seinen niedrigen Ausprägungen "in the long run" sich positiv für das Ganze auswirkt. Der Sozialismus will die Natur des Menschen ändern. Ich will den eigentlichen Egoismus, der auf gute Beziehungen zu  Natur,  Mitmenschen und Transzendenz angewiesen ist, freisetzen und stärken.
  47. Mein  Anliegen und meine beschränktes Vermögen bezieht sich allein auf ein Leben hier auf Erden. Die Transzendenz thematisiere ich nicht.
  48. Ich will und kann nicht nur Zuschauer der gegenwärtigen Prozesse sein. Ich will die Gesellschaft und mein Leben nicht nur wahrnehmen und bedenken, sondern tätig an ihnen teilhaben und sie gegebenenfalls kritisieren.
  49. Meine gegenwärtige Haltung zu Marx: Seine Analyse der kapitalistischen Wirtschaft ist im Wesentlichen stimmig. Dass die Zukunft der Gesellschaft deswegen determiniert sei, halte ich für falsch. Sein naturwissenschaftlicher Blick auf die Gesellschaft führt oft zu falschen Schlüssen. Der Mensch mit seinen Freiheitsmöglichkeiten zum Guten und Schlechten ist auch eine Realität. So gibt es keine Klasse oder Gruppe von Menschen oder Individuen, die Kraft ihrer gesellschaftlichen Lage automatisch das Richtige bzw. Falsche denken und machen. Ein weiteres Manko besteht darin, dass Technik und Ökologie nicht als eine Einheit gesehen wird.
  50. Meine Stärke ist zugleich meine Schwäche: Ich versuche (vergebens), das Ganze in den Blick zu bekommen,  zu thematisieren und ggf. zu kritisieren. 
  51. In meinem Sprachgebrauch ist der Kapitalismus eine Wirtschaftsform mit Vor- und Nachteilen.
  52. Zur Freiheit gehört auch, Grenzen anzuerkennen.
  53. Das Leben sollte der höchste Wert sein - meine ich.
  54. Obwohl grundsätzlich nicht bestimmbar und deshalb ist hier jede Bestimmung problematisch, ist für mich der konkrete körperlich-geistig-seelische Mensch der Maßstab der Beurteilungen.
  55. Bin ich ein linker Konservativer?
  56. Ich bestimme mich selbst als Postfundamentalist, d. h., Grundlegungen sind unversichtbar, aber man weiß, dass sie kontingent sind. Solange die von mir gesetzten  Gründe nicht widerlegt werden, vertrete ich sie offensiv. Grundsätzlich bin ich in der jeweiligen Negation entschiedener als in der Bestimmung der Alternativen, hier halte ich mich für relativ offen und liberal. 
  57. Inzwischen bin ich der begründeten Meinung, dass das von mir beschriebene System der Eigen-/Fremdbewegung  in  dieser umfassenden Ausformung noch nicht geleistet wurde und wesentliche Handlungsorientierung bietet.
  58. "Aus der Liebe allein soll mir ...mein warnender Vogel auffliegen: aber nicht aus dem Sumpfe" (Nietzsche). Zumindest denke ich das auch von meinen Absichten.
  59. Die Einsicht Heraklits, dass die Wahrheit sich durch ihre Unglaubwürdigkeit verberge, erklärt vielleicht das Unverständnis, auf das die politische Ökologie stösst. Aber auch mit dieser Fomulierung ist man mit Sicherheit nicht auf der Seite der Wahrheit. 
  60. Ich versuche, die Gegenposition zum Mainstream am Leben zu erhalten, dass sie gesehen und bedacht wird.
  61. "Aus der Liebe allein soll mir ...mein warnender Vogel auffliegen: aber nicht aus dem Sumpfe" (Nietzsche).  Ich nehme nach besten Wissen und Gewissen diese Position für meine Kritik in Anspruch. Meine Kritik zielt auf destruktive Produkte, Zustände und Prozesse, die Leben zerstören bzw. deren Ermöglichung ver- und behindern. 
  62. Wortverbindungen wie das „reale Reale“ oder die „natürliche Natur“ oder das „wirkliche Wirkliche“ sind formal tautologisch, aber inhaltlich aussagekräftig, da sie den jeweiligen reinen Inbegriff ausdrücken. Für den Ausdruck „wirkliche Wirklichkeit“ heißt das beispielsweise, dass die Wirklichkeit kein Hybrid, keine medial/vermittelte  ist, sondern als Wirklichkeit existiert und als solche wahrgenommen werden kann.
  63. Maxime: Trotz „Dunkelheit“ an der selbstgewählten  Arbeit unbeirrt festhalten, wenn ihre Sinnhaftigkeit nicht durch einen selbst oder andere widerlegt wird.
  64. Gleiche Lebensverhältnisse führen zu  gleichen wertenden und kognitiven  Ergebnisse, obwohl sie nichts von einander wissen:  Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein. Aber an dieser Stelle  bleibt Marx im Denken stehen. Warum? Die individuelle Vernunft, wenn sie nicht nur in Anpassung besteht, verhält sich zum gesellschaftlichen Sein, je nach Gegenstand bzw. Situation bejahend oder verneinend. Aber eben nicht einheitlich, sondern individuell verschieden, was nicht immer prognostizierbar ist.  Das leistet der Wille, der ein Teil der Vernunft ist.  Marx nimmt also  nicht das kritische Potential eines jeden Menschen wahr bzw. verdrängt es. Er nimmt es nur für sich selbst in Anspruch und schafft damit einen performativer Widerspruch, einen Selbstwiderspruch. Insgesamt ist dieser Prozess tröstlich, weil Minoritätspositionen an verschiedenen Stellen der Welt unabhängig voneinander sich immer wieder bilden. 
  65. Wenn Bruchstellen entstehen,  dringt neues Denken in sie hinein wie Wasser durch einen Spalt.
  66. In jedem Erscheinen ist auch ein Verbergen, so die transzendentalen Voraussetzung auf vertikaler Ebene und die ausgeblendete Phänome wie Ursachen, Bedingungen, „Mitphänomene" (Kovariablen) auf horizontaler Ebene. Diese ausgeblendeten Dimensionen versuche ich insbesondere im  gegenwärtig dominierenden Konsumentismus frei zulegen, d. h. zur Erscheinung bringen. 
  67. Ich sehe eine Aufgabe dieser Homepage auch darin, Formulierungen für Sachverhalte zu finden und bereitzustellen, die bisher so noch nicht  auf den Begriff gebracht wurden.
  68. Ich bewerte die Forderung Nietzsches nach einer Umkehrung aller Werte als  inhuman, aber das schließt nicht aus, bestimmte Werte abzulehnen.
  69. Jede Theorie darf und soll mit Vehemenz vertreten werden, aber sie muss anerkennen, dass ihr Status kontingent ist. D. h. auch, dass Gegenpositionen nie kategorisch ausgeschlossen werden dürfen. Die Maxime dafür lautet: Diese Theorie mit dieser Setzung gilt, solange sie nicht widerlegt ist.
  70. In meinen kritischen Aussagen ist implizit  als Hintergrundsfolie. als Orientierung in der Regel Schönheit i. w. S. gemeint.
  71. Es gibt einen archimedischen Punkt, aber der ist nicht hier. Das sind  ein Problem und eine Aufgabe, die bestenfalls nur annäherungsweise gelöst werden kann. 
  72. Wir müssen mit dem Abgrund, dem grundlosen Grund, der mehr ist als ein Nichts und weniger als ein Grund, umgehen lernen.

  73. Natürlich gibt es Grenzen einer Naturbegegnung im Subjekt und in der gegenwärtigen Natur, die immer ein Hybrid aus Natur und Kultur ist. Beide, der Mythos des Gegebenen (Realismus) und der Mythos, dass alles vermittelt sei (Idealismus), sind  falsch. Man muss mit beiden und gegen beide sich bemühen, die „Wahrheit“ oder bescheidener: die angemessene Position zu finden.
  74. Jede gemachte Aussage schließt gleichzeitig aus, und dieses Ausgeschlossene verschwindet in der Regel aus dem Bewusstsein, was nicht heißt, dass es unwirksam sei, oft im Gegenteil. Diese Befund gilt für alle Aussagen, also auch für die meinigen. Das ist der Preis der Sprache.  Wenn ich Tacheles rede, gilt das auch für die eigene Rede.
  75. Schweigen stützt die Definitionsmacht der technowissenschaftlichen Diskurse und ihrer populärwissenschaftlichen Ableger sowie das Warenbewusstsein.
  76. Das jeweilige Prädikat hat qua seines schieren Ausgewähltseins die Tendenz, das zugehörige Subjekt vollkommen zu überschwemmen. Hier ist prinzipiell Vorsicht geboten, also auch gegen die hier gemachten Aussagen. .
  77. Aus meiner Sicht besteht zwischen dem Streben nach intensiver  Sinnlichkeit und gleichzeitigem Streben nach „hoher“ Erkenntnis kein Widerspruch.
  78. Die Schwierigkeit, Realbegegnungen bzw.  Originalbegegnungen  zu definieren, entspricht der Schwierigkeit, Wirklichkeit zu definieren, weil letztlich alles, auch die höchste Abstraktion wirklich ist. Ein Vorschlag: Alle materiellen Dinge, wenn sie keine Vertretungsfunktion haben bzw. wenn sie nicht repräsentieren, sind Kandidaten für Realbegegnungen. Realbegegnungen mit Wörtern oder Bilder sind dann keine Realbegegnungen. Ist ein Buch eine Realbegegnung? Wenn man es sinnlich wahrnimmt, wäre es eine, wenn man es als ein Träger von Informationen sieht, nicht.
  79. Man darf weder das System oder Phänomen (Text) noch die Umwelt (Kontext) verabsolutieren. Beide stehen immer in einem spezifischen   Wechselverhältnis, auch wenn man es nicht wahr-nimmt – z. B. die hässliche Umwelt auf ein schönes Gebäude.
  80. Die begriffliche Alternative zu ´zeitgemäß´  und ´Aktualität´ ist nicht ´alt´, ´rückwärtsgerichtet´, sondern ´überzeitlich gültig´. In ´zeitgemäß´ ist Gutes und Schlechtes unbewertet enthalten, deswegen ist dieser  Begriff unkritisch.
  81. Gib es auf zu versuchen, alle Perspektiven eines Phänomens oder Problems auf einmal darzustellen. Dieser Appell gilt nicht zuletzt für mich selbst.
  82. Contemplatio ist eine Form der Reflektion.
  83. Ein schlechter Zustand: Der Geist arbeitet, aber er dringt nicht zu Wort, Begriff und Ganzheit  durch.  Gedanken, die nicht ausgesprochen oder niedergeschrieben werden, werden oft schnell giftig. 
  84. Die Suche nach Wahrheit ist nie zu Ende gehender Prozess.
  85. Wenn Gedanken nicht ausgedrückt und nicht gehört bzw. gelesen werden, sind  sie (fast) umsonst gedacht
  86. Platonische Ideen und/oder transzendentale Ansätze können menschliches Denken und Handeln meiner Ansicht nach besser erklären als pragmatisch-materielle Positionen.
  87. Als Wertekritiker bin ich Linker, inhaltlich ist diese Position cum grano salis identisch mit konservativ.
  88.  Alle Entscheidungen für Handlungen werden letztlich von individuellen Menschen getroffen. Die notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen werdendurch individuelles Handeln verwirklicht. Deswegen ist für mich, wenn der Mensch Subjekt ist und sein kann,  diese Ebene die entscheidende, wobei die gesellschaftliche immer mit zu denken ist. . Der Mensch muss moralisch sein, denn dann verschwindet der Zwang.
  89. Gedanken beleuchten etwas, was bisher für den Empfänger im Dunkeln lag, aber für ihn wichtig sein könnte.
  90. Da einerseits KZs oder Atombomben unzweifelhaft auch zur Wirklichkeit gehören, und es andererseits auch keine reine Natur mehr gibt, sollte man vielleicht sinnvoller von lebensfördernd bzw. lebenshindernd sprechen – , aber nicht als duale Pole, sondern als Kontinuum.
  91. "Wenn eine Idee nicht zuerst absurd erscheint, taugt sie nichts" (Albert Einstein). Ich hoffe, dass zumindest  einige meiner Ideen so eingeschätzt werden.
  92. Die einzige wirklichkeitsverändernde Stellschraube ist die Praxis und damit das überwölbende Dritte. Das gilt auch für Wahrnehmung, Sehen, Eigenbewegung. Verdichtet: Wenn wir uns für eine bestimmte Praxis entschieden haben, sind wir ihr unterworfen.
  93. Unbeantwortlichkeit legitimiert nicht Eliminierung.
  94. In der Analyse nicht vergessen: Das Allgemeine ist nicht das Andere, sondern ein Teil des Phänomens. 
  95. Reinheit ist (wie ein zweidimensionales Ding) in der Realität  nicht vorhanden, sie ist reines Gedankending. Abstraktionen und Verallgemeinerungen gehen immer in Richtung Reinheit, d. h. etwas wird auf die Existenz einer Eigenschaft reduziert. Die Natur als Abstraktion  zu behandeln, ist selbstwidersprüchlich. Aber zwischen Gedankending und Realding besteht offensichtlich eine wie auch immer geartete  Beziehung.
  96. Es ist wohl unvermeidlich: Jedes Entdecken ist gleichzeitig ein Verdecken.
  97. Im Kern ist meine Theorie der Eigenbewegung (und Fremdbewegung) eine Erkenntnistheorie
  98. Meine Theorie der Eigenbewegung ist nur ein Teil, allerdings ein wichtiger, menschlichen Daseins. Die Gefahr besteht, weil hier nur Eigenbewegung thematisiert wird, die Eigenbewegung  für das Ganze zu halten, sie als Lösung aller Probleme auszugeben, zu einem Ismus zu machen. Das wäre fatal, auch für die Eigenbewegung selbst.
  99. Die in dieser Homepage von mir geäußerten Gedanken fühlen sich nicht primär für den zukünftigen Kompromiss zuständig, sondern dienen der Akzentuierung von gegenwärtigen Widersprüchen
  100. Jede beschreibende und insbesondere jede normative Aussage sollte nie kategorisch explizit oder  implizit ihre  Negation ausschließen.   
  101. Natürlich weiß ich, dass Dualismen wie Individuum vs. Gesellschaft bzw. Struktur in der Analyse zu überwinden sind.  Es stimmt aber auch, dass in meiner Position der Pol Individuum in der Beschreibung und in den  Lösungsansätzen stärker betont wird. Das hängt vielleicht auch mit meiner Biographie zusammen.
  102. Sehen ist genau so auf Veränderung zielendes Handeln wie Rezeptivität. In Rezeptivität steckt immer auch ein aktives Moment, auch hier handelt es sich nicht um eine Gegenüberstellung, sondern um eine Unterscheidung. Wenn man das nicht sieht, entsteht auch hier Verhexung durch Sprache, denn es gibt keine absoluten Dualismen zumindest nicht  hier auf Erden.
  103. Nicht gegen das Ganze sich abschirmen, sondern sich öffnen, ist ein gutes Leben.
  104. Meine Kritik richtet sich nicht gegen Technik an sich, sondern primär gegen motorenangetriebene Maschinen.
  105. Der Begriff „Umwelt“ ist problematisch, weil er letztlich auf ein Subjekt zielt bzw. vom Subjekt her definiert wird -  und dadurch oft drastisch An Eigenwert verliert.
  106. Hans  Blumenberg zur Begriffsbildung:  „Immer wieder erweist sich als eine der Illusionen im Umgang mit Theorien aller Art, dass von dem Bestimmtheitsgrad der Begriffe, die sie einführen und verwenden, ihre Qualität schlechthin abhinge.“ Wogegen er die Einsicht in Stellung bringt, „dass die Strenge bei Bildung oder Zulassung von Begriffen eher Sterilität begünstigt als präzisen Fortgang“ bewirkt, und für eine „Tugend verminderter Strenge“ plädiert. (aus FAZ v. 26. 7. 10)
  107. Denken, Sprechen, Schreiben und  Fühlen finden ständig über einen Abgrund statt, in den man jederzeit stürzen kann. Ein anderes Bild wäre: Denken, Sprechen, Schreiben und Fühlen sind höchst fragile Konstruktionen, die jederzeit zusammenstürzen können. 
  108. `Hybrid´ ist ein formaler Begriff, der eine Zusammensetzung thematisiert, die man nicht mit einem Wort ausdrücken kann.
  109. Ich will das Leben stärken und die Ausbreitung von technischen Surrogaten, die das Leben ersetzen und imitieren, zurückdrängen.
  110. Information genügen nicht,  Leben zu verstehen. Auch wenn man mich selbst noch so genau und vieldimensional von außen beschreibt, wird nicht mein Ich erreicht.
  111. Es gibt nichts Reines, sondern nur Mischungen bzw. Hybride. Selbst, wer 12 Stunden fernsieht oder jede Ortsveränderung mit dem Auto vornimmt, ist noch in dieser Welt. Nicht absolute, sondern nur relative Aussagen sind sinnvoll: A ist nach den Kriterien XY besser als B.
  112. Geäußertes, gesagt oder geschrieben, hat allein wegen ihres Seins, größeres Gewicht und Bedeutung als rein Gedachtes. Ja, es kann der Verdacht entstehen, dass die dadurch entstandene Einseitigkeit genau das Denken spiegelt. Deswegen muss ich immer den Unterschied von Entgegensetzen und Unterscheiden zumindest erwähnen. 
  113. Eine Stärke des Bildes soll darin liegen, dass in ihm  - im Gegensatz zum sprachlichen Ausdruck - Gegensätzliches gleichzeitig thematisiert werden kann. Stimm das im Grundsatz? Der Entstehungsprozess eines Bildes verläuft ebenfalls linear und selbst die Wahrnehmung ist ein lineares Abtasten des Bildes - allerdings äußerst schnell, so dass der Eindruck der Gleichzeitigkeit entsteht.
  114. Die Kunst der Kritik besteht darin, Festigkeit in der inhaltlichen Position mit Offenheit und Toleranz zu einer Einheit zu verbinden.
  115. Genau  besehen vertrete ich eine negative Theorie:  Ich negiere die  Dominanz der Fremdbewegung und bestimme nicht die Eigenbewegung, denn alle Konkretionen sind nur als Beispiele zu verstehen.
  116. Ich vermute, dass die in dieser Homepage geäußerten Gedanken zumindest eigenständig und nicht dem Mainstream angepasst sind, da wir kein Auto und Fernsehen haben, so dass unsere Lebensweise sich wesentlich von den meisten Menschen unterscheidet. Denn die Lebensweise bestimmt entscheidend das Fühlen, Denke und Handeln
  117. Ich muss mich noch mehr auf den Übergang analysieren, wo Form sich in Materie ausprägt, wo Geist sich materialisiert.
  118. Ich versuche, das zu benennen und zu kritisieren, was dem Leben entgegensteht.
  119. Ich kann für mich in Anspruch nehmen, dass ich die Normen, die ich für gut und richtig erachte, auch ein Stück selbst praktiziere. Ich teile, wie mehrfach in dieser Homepage thematisiert, die (soziologische) Einschätzung, dass das Auto  und der Fernsehapparat die zwei Hauptkontaktvernichter zur sozialen, natürlichen und kulturellen Umwelt sind. Deswegen habe ich auch kein Auto und keinen Fernsehapparat. 
  120. Ich bestimme das Auto, aber das Auto bestimmt auch mich. Verallgemeinert: Zwischen den zwei Polen einer Beziehung besteht immer eine Wechselbeziehung, eine gegenseitige Einflussnahme,  in jeweils verschiedenen Stärken in die eine und in die andere Richtung. Wenn ein Pol verabsolutiert wird, entsteht immer Täuschung.
  121. Soweit ich es erkennen kann, ist mein Grundmotiv des Bedenkens und Handelns, die Möglichkeiten des Lebens zu gewähren, vertiefen und  und zu verbreitern.
  122. Die hier geäußerten Gedanken sind sicherlich aus der Perspektive der bestehenden Parteien Hybride und entbehren eines vereinheitlichen Prinzips. 
  123. In unserer Küche irrt eine vereinzelte Ameise hin und her. Ich bringe sie zu ihren Artgenossen auf unserer Veranda. Habe ich ihr einen Gefallen getan? Nun bin ich mir zumindest nicht mehr so ganz sicher.
  124. Eine  existenzielle Handlungstheorie, die  Theorie der Eigenbewegung und die Forderung nach einer vita activa speisen sich aus derselben Quelle.
  125. Ich konzentriere mich auf die Aufgabe, die Irrationalismen der Gesellschaft und des Menschen in Alltagssituationen aufzuspüren.
  126. Meine Position ist klar: Ich halte die Fähigkeit zur Eigenbewegung für ein hohes Gut des Menschen, auf das man nicht ohne Zwang verzichten sollte, wie es in der Gegenwart durch die zunehmende Technisierung in  immer mehr Lebensbereichen geschieht. Andererseits hüte man sich vor unausgewiesenen Verallgemeinerungen: Eigenbewegung führt nicht automatisch zu mehr Glück und macht auch nicht automatisch den besseren Menschen, auch hier gibt es keine Kausalitäten - aber sie verbessert die Wahrscheinlichkeit für diese Entwicklungen. So kenne ich z. B. habituelle Autofahrer, die in Punkto Hilfsbereitsschaft vorbildlich sind.     
  127. Meine Auffassung von Philosophie: Alle Aussagen haben einen lebensweltlichen und leiblichen Hintergrund, so auch die  Philosophie. Es ist eine Aufgabe des Philosophen, diese Hintergründe ins Bewusstsein zu heben, d. h. den Aussagen das Leben zumindest in symbolischer Form zurückzugeben
  128. Ich kritisiere und lehne Dinge, Zustände und Prozesse ab, die unnötiger Weise Leben hindern oder schmälern.
  129. Für ein Phänomen, für einen Prozess oder Zustand  eine Ursache finden, ist noch keine Garantie dafür, dass diese Ursache tatsächlich die richtige ist.  Diese Einsicht auf mich gewendet: Ich muss sehr achtsam sein, nicht zu vorschnell das Kapital oder das Auto als Ursache für Missstände einzusetzen.
  130. Was leisten die in dieser Homepage geäußerten Gedanken?  1. Sie begründen, warum Eigenbewegung so wichtig für die Menschen ist.  2.  Sie beschreiben, wie es gegenwärtig um die Eigenbewegung steht. 3. Sie erklären, warum es die Eigenbewegung gegenwärtig so schwer hat.
  131. Um nicht unnötige Widerstände aufzubauen, sollte man z. B. nicht von der "Kritik des Autos", sondern von "Eine andere 
  132. Sicht auf das Auto"  sprechen.
  133. Die hier geäußerte Kritik richtet  sich nicht gegen diesen oder jenen Menschen, sondern bezieht sich auf  dieses oder jenes Verhalten, dessen Träger zwar ein bestimmter Mensch ist, der aber als solcher nicht gemeint ist.  Wenn ich  also einen habituellen Autofahrer kritisiere, dann nur diesen und nicht die Person Peter, die das Auto fährt. Es geht also nur um das Autofahren.
  134. Die auf dieser Homepage geäußerten Gedanken sind, wenn es sich nicht um Zitate handelt, auf dem ersten Blick meine Gedanken, aber ich weiß natürlich, dass ich sie direkt oder indirekt (auf-)gelesen habe. Kurz: Ich bin ein Vermittler
  135. Zumindest in wissenschaftlichen Aussagen  empfinde ich es oft als unschicklich, von mir selbst zu sprechen.  Warum empfinde ich das Ich hier als problematisch? Der Grund liegt darin, dass es verschiedene Iche gibt, aber die Sprache nur ein Wort anbietet, eben "Ich".  Die Semantik des Ichs kann man aber als ein Kontinuum lesen. Der eine Pol ist das verschlossene, in sich gefangene, "nur" seine körperlichen und seelischen Bedürfnisse verfolgende, "egoistische" Ich;   am  anderen Pol steht ein Ich, dass sich zwar selbst sieht, aber gewissermaßen aus einer neutralen, außer-ich-lichen Mehrperspektivität, die  auf das Ganze zielt. Man könnte auch von einem Über-Ich sprechen, aber nicht als eine Außeninstanz im Sinne der Psychoanalyse, sondern als eine, die das Ich mit einschließt. Beide Pole, egoistisches Ich und Über-Ich und die jeweiligen Mischformen sind notwendig, legitim und machen den ganzen Menschen aus. Wissenschaftliche Aussagen sind immer direkt oder indirekt Aussagen eines Über-Ichs. Das kann und sollte  man gegebenenfalls explizit machen. Auch kann das Über-Ich Aussagen über das egoistische Ich und seine jeweilige Lebenswelt machen. Dieses Verfahren ermöglicht zwar immer noch nicht  absolute Objektivität, aber doch eine Annäherung, wobei auch die Verständlichkeit gefördert wird. 
  136. Gleiche sprachliche Problematik wie beim Ich liegt beim Begriff Zeit vor. Auch hier gibt es nur ein Wort für verschiedene Bedeutungen. Die Zeit wird nur noch als lückenlose Ereignisfolge verstanden, die  absolut auf die Zukunft ausgerichtet ist. Zeit ist aber auch der  Ermöglichungsgrund eines einzigen, isolierten Ereignisses; hier gibt es keine (kausale) Kette, kein Vorher, kein Nachher, keinen Anfang und kein Ende (und damit Tod), sondern nur erfüllte Gegenwart. D. h. also, es gibt zumindest zwei verschiedene Zeiten, die mit demselben Wort beschrieben werden, was unakzeptabel ist.
  137. Ich übernehme viele Aussagen Heideggers indirekt von  Autoren wie  Silvio Vietta, Wilfried Kuckartz oder Heinz Dieter Kittsteiner nicht, weil ich nicht weiß, ob deren jeweilige Gesamtbewertung Heideggers die "richtige" ist (Kittsteiner ist wesentlich kritischer als Vietta), sondern   weil ich die von mir zitierten Aussagen in ihrer isolierten Form für wertvoll, mitteilungswert, ja unverzichtbar halte, denn sie benennen und deuten die destruktiven Prozesse der Moderne. Auf Grund meiner Ambivalenz zu Heideggers Verhalten im und zum Nationalsozialismus  würde ich  am liebsten ganz  auf eine explizite Bezugsnahme auf ihn verzichten, aber das wäre unredlich.  Das Problem besteht also darin, dass man an Heidegger einerseits nicht vorbei kommt, andererseits aber zu ihm Distanz halten muss, da seine mögliche positive Beziehung zum Nationalsozialismus nicht aus der Welt ist, und er die unverzichtbaren Errungenschaften der Demokratie nicht würdigt.    
  138. Ein guter Gedanke ist, so wie er ausformuliert erscheint, an sich wertvoll und sollte als solcher reflektiert werden, egal, ob eigener oder übernommener, selbst,  wenn der übernommene Gedanke nicht angemessen interpretiert oder gar inkorrekt wiedergegeben wurde. Letztere zu kritisieren, ist ebenfalls sinnvoll, ist aber ein anderes Thema.
  139. Es gibt unaufhebbare existenzielle Entfremdungen und notwendige Zerstörungen,  wie der Begriff Dekonstruktion anzeigt. Ich glaube nicht an ein durchgängiges Paradies hier auf Erden;  aber zum Menschsein gehört der Wille,  nichtnotwendige Zerstörungen und Entfremdungen zu beseitigen und zu überwinden. 
  140. Viele der hier kritisierten Einstellungen und Handlungen sind in mir selbst vorhanden- zumindest ansatzweise:  Auch ich bin natürlich ein Kind meiner Zeit.
  141. Es ist ein großer  qualitativer Unterschied, ob ich mein Gefühl, meine Wahrnehmung, meinen  Gedanken zu etwas Bestimmten beschreibe oder mich  zu Gefühlen, Wahrnehmungen  und Gedanken im Allgemeinen äußere. Beide Formen haben je eine Wahrheit für sich.
  142. Die  meisten meiner kritischen Anmerkungen beziehen sich auf den konsumptiven Bereich, weil ich hier die rapide zunehmende Mechanisierung nicht nur nicht als überflüssig, sondern letztlich als inhuman erachte.  Im produktiven Bereich habe ich  diese Bedenken grundsätzlich nicht, denn ich halte dort eine Mechanisierung der Prozesse für sinnvoll, wenn es ökologisch vertretbar ist.
  143. Der kritischen Theorie verdanke ich die Einsicht, dass die Möglichkeit besteht, das Leben zu verfehlen
  144. "Ideologisch, das sind immer die anderen" (Roland Barthes). Ich glaube, dass Mannheims universelle Ideologieunterstellung stimmt, was aber nicht heißen muss, zu verzichten, verschiedene Ideologien zu unterscheiden und dort verschiedene Ausprägungen und Grade festzustellen.
  145. Alles ist relativ: Viele der in dieser Homepage geäußerten Gedanken mögen radikal klingen, sind es aber nicht, wenn man sie von den vorherrschenden Werten und Normen löst und von den Notwendigkeiten einer ökologisch-humanen Politik ausgeht.
  146. Die gegenwärtigen Bestimmungsfaktoren der vorherrschenden Lebenswelt zu kritisieren muss nicht heißen,  Lebenswelten zugunsten dahinterliegenden "eigentlichen" Welten aufzugeben. Mir geht es zu allererst um die Ermöglichung einer human-ökologischen Lebenswelt.
  147. Mein Verhältnis zur Realität ist ambivalent: Einerseits wehre ich mich  vehement gegen ihre umstandslose Ersetzung durch den Schein, andererseits sehe ich die Realität nicht als etwas absolut Feststehendes, sondern als etwas Dynamisches und für  uns Menschen Interpretationsnotwendiges.
  148. Fakten oder  Informationen werden erst durch eine Grundlegung zu Wissen und Erkenntnis, d. h. sie  bekommen ihre  Erkennbarkeit  durch einen  Grund bzw. durch ein sie  umfassendes und damit gestaltendes System.  Jeder Mensch hat einen  Grund, der ihm häufig unbekannt ist. Was bei Newton die Mathematik, bei Kant die Freiheit, bei Dilthey das Leben ist, ist  bei mir die Erhaltung der Erde, was als Bedingung die Entfaltung des Menschen zum Guten, Schönen und Wahren hat. 
  149. Das beschränkt sich auf das, was hier schriftlich entfaltet wird. Mit Sicherheit können  nicht alle meine Gedanken, Wünsche und Handlungen auf diesen Grund hin interpretiert werden. Das ist eben so.
  150. Im ökologischen Denken und Handeln  ist nicht Radikalität, aber Konsequenz gefordert, d. h. Widersprüche  zu erkennen und zu bearbeiten.
  151. Das Leben ist schön, es darf nicht verschüttet werden. Vorliegende Kritiken dienen allein dem Ziel, dem Leben Raum und Zeit zu geben. All das ist gar nicht utopisch gemeint, sondern richtet sich gegen nichtnotwendige Verletzungen des Lebens.
  152. Für mich besteht zwischen der Forderung nach Immanenz und Transzendenz kein Widerspruch.
  153. Nach der Sinnlichkeit erscheint Geist - oder sonst gar nichts.
  154. Es stimmt schon und beunruhigt mich manchmal: In der hier verhandelten Thematik nehme ich die Rolle des Besserwissers und des “Besserhandelnden” ein. Das ist darin begründet, dass ich mich intensiv mit dieser Thematik auseinandersetze und mein Handeln sich zumindest in einigen dieser Felder vom Normalverhalten unterscheidet. So führe ich Ortsveränderungen fast ausschließlich zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln durch - andererseits ist beispielsweise mein Kauf von Büchern im Sinne des Habens nicht vertretbar. Aber nur über gegenseitige Kritik kann es gelingen, Widersprüche zumindest zu verringern.
  155. Zwischen Natur und Kultur gibt es keine gleichwertige Gegenüberstellung, sondern zwischen beiden Begriffen gibt es nur Inklusionsbeziehungen und zwar jeweils doppelt entweder auf Bewusstseinsebene oder auf Dingebene: 1a) Alles Denken und Fühlen ist Kultur, so auch das Sprechen über die Natur. 1b) Alle Natur, alle Naturdinge sind kulturell geformt und bestimmt, d. h. es gibt keine Natur mehr. Umgekehrt: 2a) Alles ist Natur, so auch das Sprechen über die Kultur. 2b) Alle Kultur, alle Kulturdinge sind und bleiben im Wesen Natur, d. h. es gibt keine eigenständige Kultur. Zwischen der kulturalistischen und naturalistischen Position gibt es hier keine vermittelnde Position.
  156. Grundposition: Wenn Du das Wort „Miszellaneen“ nicht kennst, werde aktiv und schlage das Fremdwörterbuch auf. Unterforderung, nicht Überforderung ist heute oft das Problem. Deswegen erscheinen in dieser Homepage auch schwierigere Passagen und Begriffe, die nicht erklärt werden, sondern Eigenaktivität auslösen sollen.
  157. Die hier geäußerten Gedanken, Situationsbeschreibungen und Alternativen sind zum einen in sich abgeschlossene Einheiten, zum anderen sind sie als Ausgangspunkt für weitere Arbeiten gedacht.
  158. Die eigentliche Aufgabe meiner Aussagen besteht darin, wie in einem Spiegel sich selbst und seine Fähigkeiten zu erkennen, zu bejahen und ihnen zu vertrauen sowie dieses Vertrauen in Handlungen umzusetzen - so in Eigenbewegungen.
  159. Selbstproblematisierung: In diesen Texten wird von der “Subjekt-Objekt-Einheit” gesprochen. Dieser Ausdruck ist zum einen in sich problematisch, weil das Subjekt primär Freiheit und Selbstreflexion ist, als exzentrisches Wesen sich gerade aus der Einheit entfernt. Zum anderen ist totale Einheit mit der konkreten Welt Stillstand, ein Leben ohne Werden. Trotzdem ist auf die Subjekt-Objekt-Einheit als ein allgemeines Ziel. als zeitlich begrenzter Zustand nicht zu verzichten. Der Mensch gehört mehreren Welten an.
  160. Die von mir geäußerten normativen Aussagen wollen und dürfen nicht positiv bestimmen, man müsse so oder so leben und handeln. Es geht um die Abwehr von lebenshinderlichen bis lebenszerstörenden Prozessen, um Aktivitäten, die den Lebensrechten anderer Menschen, Lebewesen und Naturdingen ohne hinreichende Begründungen schaden. Da reicht die Erklärung, man habe eben “Bock” darauf, nicht aus.
  161. Es besteht die Gefahr der Verdinglichung der Verdinglichung, d. h. man sollte kritische Begriffe wie Verdinglichung, Entfremdung, Tauschwert usw. nicht überspannen und verabsolutieren, denn in ihnen ist auch immer das Andere enthalten. Selbst der verdinglichte Mensch ist Mensch und fühlt sich als Mensch. In mir selbst ist sicherlich Verdinglichtes am Werke.
  162. Es geht um das Bemühen von Erkenntnissen in der Perspektive Wahrheit - ob auf niedrigem, mittlerem oder hohem Niveau kann und will ich nicht beurteilen. Es sind wohl alle drei Ebenen vertreten und die Einordnung ist eine subjektive.
  163. Jede Disziplin, wenn sie denn auf Wahrheit aus ist, muss schließlich über sich selbst hinausgehen und sich der Philosophie zuwenden und von dort zu Gott kommen - oder resignieren.
  164. Wenn ich Plutarchs Auslassungen zu griechischen und römischen Helden lese, wenn ich auf den Irak schaue oder gar den Rassismus der jüngsten deutschen Vergangenheit bedenke, werden Begriffe wie Humanität, Moral und Wert unverzichtbar.
  165. Ich fokussiere die Eigenbewegung auf Ortsveränderung. Hier habe ich eine humane und ökologisch orientierte Praxis entwickelt, die “sich sehen lassen” kann. Aber auf anderen Feldern sind gravierende Defizite festzustellen, so im Bereich des Musizierens, das ja auch eine Form der Eigenbewegung ist. In diesem Feld lebe ich in absoluter Fremdbewegung: Ich bediene lediglich Knöpfe.

A. Aussagen zur Philosophie/Anthropologie


  1. Franz von Assisis Beziehung zu Tieren war viel mehr als Tierliebe, sondern der Aufweis, dass  universelle Liebe möglich sei.
  2. Klares begriffliches Denken ist oft  auch ein Stück gewalttätig.
  3. Man sollte nicht von Naturgesetzen sprechen, weil sie das Leben ausschließen, sondern eher von Materiegesetzen.
  4. Jede Idee realisiert sich in der Realität auf einem Kontinuum mit den Polen Gut und Schlecht. So  hatte der Begriff der  Romantik von Wilhelm II.  nichts Gutes gebracht, während das Nationalgefühl Herders  ethisch akzeptabel war.
  5. Der Inhalt des Blicks eines Mannes auf eine attraktive Frau ist sicherlich ein anderer als der Blick der Frau auf den Mann, der sie anblickt.
  6. Was in der Erkenntnis der (allgemeine) Begriff leistet, ist in der Moral die (allgemeine) ethische Maxime.
  7. Statt von Naturwissenschaften sollte man eher von (geist- und seelenbefreiten) Materiewissenschaften sprechen.
  8. Ein Ding ist gesehene Zeit, ansonsten ist sie unsichtbar.
  9. Die Natur verfügt über eine Vielzahl von Wegen, die der Verstand nicht alle denken und bedenken kann.
  10. Nicht auszuschließen:  Ideen beruhen  auf  induktive Fehlschlüsse.
  11. Vielleicht ist die Zeit das alles beherrschende Subjekt oder Substanz.
  12. Abstraktionen sind  ambivalent: entweder erweitern sie  oder sie reduzieren.
  13. Vier Definitonen;
    Idee = Wirklichkeit ohne Sinnlichkeit (Sinnliches)
    Abstraktion = Gedachtes ohne Sinnliches
    Geist = das positive Nichts
    Geist = absolute  Abstraktion und damit leerer als Mathematik.      
  14. Drei Perspektiven: Ich = ich bin allein in einem bestimmten Raum, Du = ich teile mit einem Du denselben Raum, Er/Sie/Es = sie sind in einem Raum, in dem ich nicht bin, aber in den ich hineinschauen kann.
  15. These: Die Dinge müssen Widerstand leisten, um wahrgenommen zu werden. Je größer der Widerstand, desto größer das Erkennen.
  16. Selbstbestimmung setzt Selbst- und Welterkenntis voraus.
  17. Vermutung: Libido und Aggression liegen viel näher beieinander als die dualistische Struktur Freuds vermuten lässt.
  18. In der technischen Welt und im Warenkosmos gibt es Informationen, im Handeln, Denken und Fühlen Wissen und Bildung.
  19. Von möglicher transzendentaler Ausstattung abgesehen, ist das Subjekt ohne Prädikate ein Nichs, bestenfalls ein Platzhalter. 
  20. Im Entbergen bekommt  das Objekt wieder Subjektivität: es zeigt sich, wenn es sich zeigt.
  21. Kant hat die kopernikanische Wende durchgeführt, vielleicht brauchen wir eine Wende der Wende innerhalb einer zirkulären Struktur.
  22. Viele der von Spinoza entwickelten Positionen teile ich. Allerdings lehne ich seinen Determinismus ab, der meiner Ansicht nach zu einer Lebenssicht führt. Dieser Determinimus ist sicherlich gegenüber natürlichen Prozessen richtig, aber nicht gegenüber von Menschen geschaffenen Dingen, Zuständen und Prozessen.
  23. Gedanken müssen wachsen.
  24. Hinter dem vom Menschen entworfenen abstrakten Sein muss es mit großer Wahrscheinlichkeit ein anderes Sein geben.
  25. Ist die Nähe von Geschlechts- und Ausscheidungsorgan, die denkbar größte Differenz, der Urspung der Dialektik?
  26. Jede Moral (und natürlich jede Handlung)  muß notwendigerweise von ihren Opfern abstrahieren, wenn sie vor sich selbst bestehen will.
  27. Die Stärke der Naturwissenschaften ist die Analyse, d. h. ein Bereich wird isoliert, bestimmt, definiert und untersucht, d. h. der jeweilige Bereich wird als ein geschlossenes System betrachtet, was es natürlich nicht ist. 
  28. Wissenschaft schließt, Philosophie öffnet.
  29. Man sollte nicht ohne Not reduzieren.
  30. Ich vertrete religiös gesehen eine „leere Metaphysik“, d. h. ich als Mensch erhebe mich nicht in dem Versuch, Gott zu bestimmen.
  31. Das wissende Nichtwissen ist die Quelle aller Neugierde.
  32. Ohne Metaphysik ist der Mensch ein halbierter.
  33. Nur philosophisches Reflektieren gestützt durch wirksame Traditionen kann freies Denken gegenüber der gegebenen Gegenwart ermöglichen
  34. Zwänge sind hypothetische Notwendigkeiten.
  35. Bei Ockham gilt die Tatsache nur, wenn es „normal“ zugeht. 
  36. Unrecht gibt es nicht bei Naturkatastrophen. 
  37. Bedenkenswert: "Gefühle sind völlig von Gesellschaft durchdrungen, sie sind nicht das Wahre und Unverstellte" (Ulrich Peltzer). Sie sind nicht authentisch.

  38. Die Existenz und der jeweilige Wert von Werten lassen  sich nicht zweifelsfrei bestimmen. Das heißt nicht, dass es  sie nicht gibt.

  39. Ein Grund ist zugleich und notwendig Abgrund.
  40. Alle Dinge, leider auch die guten, gehen stets mit ihrem Gegenteil schwanger.
  41. Philosophie - im Gegensatz zu Wissenschaft - geht bewusst das Risiko des Urteils ein.
  42. Das Vorstellen und Denken ist eine Art Taschenlampe, die die dunklen Teile des Bewusstseins mehr oder weniger scharf ausleuchtet. Diese „Taschenlampe“ ist sehr launisch und unberechenbar, manchmal funktioniert sie gut, manchmal gar nicht, meistens nur mit halber Kraft.
  43. „Das Seyn verbirgt sich in der Offenbarung des Seienden“  (Heidegger). Deswegen müssen wir auf das Seiende  sehr genau hinsehen, hinfühlen, hinöffnen. Auch andere Kontexte an es legen wie Philosophie, andere Erfahrungen wie von Kindern, Wissenschaft usw. Fazit: In Seinsnähe  kommen wir nur indirekt  mit und über das Seienden.
  44. Naturwissenschaftler sollten treffender  „Materiewissenschaftler“ genannt werden.
  45. Du bist die Summe Deiner Vorstellungen. Die Vorstellungen müssen nicht von der Realität, insbesondere  der schlechten, determiniert sein. Der Mensch hat hier Spielräume. Bereits die kritische Vorstellung zeigt zumindest einen Weg zur Verbesserung einer schlechten Situation auf, auch die Erinnerung an geglückte Lebenssituationen.
  46. Man sollte tunlichst nicht von Feinden reden, aber sicherlich gibt es Menschen, die einem nicht liegen. Dazu gehören Menschen, die außerhalb und innerhalb der eigenen Gemeinschaft und Gesellschaft leben und natürlich man selbst, d. h. Eigenschaften, die man hat und ablehnt. Entsprechend gibt es auch drei „Sorten“ von Freunden.
  47. Jeder Grund kann zu einem Abgrund werden. Vielleicht stammt diese Differenzierung nicht zufällig von Heidegger.
  48. Wenn es eine Lüge gibt, muss es auch eine Wahrheit geben.
  49. "Eine`Dafür-Kultur´  – wie auf dem CSU-Parteitag gefordert – ist  genauso  falsch wie eine `Dagegen-Kultur´. Beide Positionen sind keine kulturellen Formen, sondern Ausdruck von Kadavergehorsamkeit, Denkfaulheit und Verantwortungslosigkeit und haben in einer Demokratie nichts zu suchen. Dafür oder Dagegen werden erst dann wert- und sinnvoll, wenn sie an bestimmte Inhalte gebunden sind, die diskutiert und einer Lösung zugeführt werden können.  Wer, um ein warnendes Beispiel aus der Geschichte zu nehmen, in Deutschland  ab Mitte 1933 nicht`dafür´ war, hatte nahezu alles `gegen´ sich." (ein Leserbrief)
  50. Die gegenwärtigen Bewohner von Westerbüttel in Schleswig-Holstein in  Dithmarschen, wo ich vor 60 Jahren einen Teil meiner Kindheit verbracht habe, sind mir  bei der  ersten Begegnung sehr fremd. Ich vermute, die gleiche Erfahrungen  machen Vertriebene, wenn sie nach sechzig Jahren wieder ihre alte Heimat besuchen. Diese Fremderfahrung hat nichts mit deutsch oder polnisch, sondern allein mit den vielfältigen Veränderungen in der Zeit zu tun. Das darf man nicht verwechseln. 
  51. Wir können es drehen, wie wir wollen: In jeder von uns gemachten Aussage, selbst bei einer Mitleidbekundung, sind wir mit unseren Sorgen und Interessen enthalten – es gibt keine absolute Selbst-losigkeit, aber deren verschiedenen Grade.
  52. Durch den Holocaust ist der ewige Deutsche entstanden.
  53. Der Geist hat nicht nur die Fähigkeit zu definieren, d. h. Grenzen zu setzen, die es in der Realität nicht gibt, so dass die bestehenden Grenzen hätten  auch anders gesetzt werden können, sondern er ist gewzungen zu definieren, um Ordnung zu schaffen.
  54. Hinter jeder Sucht muss auch eine große Kraft stehen, diese durchzuführen - so z. B. jeden Tag zehn und mehr Stunden vor dem Fernsehapparat zu sitzen.  
  55. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Funktionales gleichzeitig schön sei. Das gilt wohl nur, wenn das Funktionale einem guten Zweck und Ziel dient, wenn es keine Opfer erfordert.
  56. Versuch einer Bestimmung: Das Bewusstsein i. w. S. ist ein Geist-Materie-Hybrid, ebenfalls Bedeutungen. Deswegen ist es prinzipiell nicht in der Lage, reine Materie (das Ding an sich) oder reinen Geist („der Geist an sich“) sich vorzustellen. Im Bewusstsein sind reine Materie und reiner Geist immer „verunreinigt“: die Materie durch Geist und der Geist durch Materie. Die absoluten Pole sind also dem Bewusstsein nicht zugänglich.
  57. Naturwissenschaften in ihrer kruden Form, auf die man allerdings sehr oft stößt, gleichen Glaubenssystemen, denn sie verbieten wie diese, ihre Aussagen auf Metaebene anzuzweifeln. 
  58. In jedem Fall "gewinnt" die Zeit.
  59. Die objektive Welt hat letztlich keine erkenn- oder gar nachbeweisbare  normative Dimension – das ist das Problem für uns handelnde Menschen
  60. Systemische Analysen haben sicherlich Plausibilität, aber man sollte sie auf keinem Fall plausibel interpretieren.
  61. Ein Argument für Bildung: Alles was ich nicht weiß, existiert nicht für mich.
  62. Eine Perspektive ist als ein Standpunkt in der Vergangenheit entstanden oder entsteht aus einem  Wollen, das aus der Zukunft  auf das gegenwärtige Denken, Fühlen und Handeln einwirkt.
  63. Zwei Arten von Wissen: a) inhaltlich Wissen wie es im Lexikon steht, b) zu wissen, warum etwas Wissen ist = reflexives Wissen.
  64. Wenn Sprache Schwierigkeiten hat, etwas zu fassen und darzustellen, ist das vielleicht  ihr Problem und muss  kein Problem des "Etwas"  sein. 
  65. Die zumeist impliziten (ontologischen) Voraussetzungen wissenschaftlichen Denkens blenden Leben kategorisch aus.
  66. Mich hat es immer irritiert, dass man in der Philosophie  von der Gattung "Mensch" spricht. Ich vermute, dass es daran liegt, dass man in der griechischen Philosophie bzw. im Mittelalter und frühen Neuzeit noch nicht den biologischen Artbegriff kannte. Aber auch heute wird meines Wissen nach in der Philosophie noch immer von der Gattung "Mensch" gesprochen
  67. Theologie ist beantwortete Metaphysik.
  68. Es gibt meiner Ansicht nach mehr bejahende als ablehnende Gründe, von der Existenz von Metaphysik auszugehen. Aber: Wir können (und sollten) in den metaphysischen Raum hineinfragen, aber wir werden keine sicheren Antworten bekommen.
  69. Definiert man Schmutz bzw. Dreck als Materie am falschen Ort, dann sind die realen Machtverhältnisse in dem Adjektiv "falsch" enthalten: Wer dieses "falsch" definiert, hat die Macht.
  70. Die traditionelle Grammatik suggeriert, dass in einem Aussagesatz das Subjekt  das Prädikat und, falls gegeben, das Objekt bzw. die Objekte  bestimmt. Ein Beispiel: „Der Chor singt ein Lied“.  Aber ein genauer Blick zeigt, dass hier keine einseitige Bestimmung, sondern eine  Wechselbeziehung vorliegt: Prädikat und Objekt bestimmen auch das Subjekt, so müssen auch die Chorsänger als Chorsänger sich der Situation anpassen. Also auch in der Realität gibt es keine absolute Herrschaft des Subjekts. Zugespitzt: Das Subjekt ist eine abstrakte Konstruktion und wird in seiner Wirkmächtigkeit sehr überschätzt. Erst als in der Welt handelnd,  wird aus dem  Subjekt ein Mensch. Die jeweilige Welt,  sei es ein  Wald oder ein  Auto, bestimmt entscheidend den Menschen, und es bedarf  einer großen Kraft,  wenn man denn will, sich ihr zu widersetzen.
  71. Jede Gewissheit wird angesichts des Unbegreiflichen zur Ungewissheit - zumindest zu einem vorläufigen Nichts.
  72. Bedeutungen sind wie Wolken, sie können stehen bleiben oder weiterwandern  - unabhängig von den Realitäten auf der Erde.
  73. Ich habe sehr darunter gelitten, wenn meine Mutter mit meinem Vater auf existenzieller Ebene stritt. Vielleicht deshalb, weil ich doch beide Seiten, Mutter und Vater, in mir vereine.
  74. Das Du ist die Anerkennung des Menschseins des anderen. Nähere Nähe ist nicht möglich. Wir dürfen das Du nicht ver-Ichen. Wenn ich mich über ein bestimmtes Handeln eines anderen, mir unbekannten Menschen ärgere, duze  ich ihn. Nicht um ihn zu diskreditieren, sondern um seine Würde, trotz dieser Kritik, gleichzeitig zu betonen.
  75. In dem Wort "Sehnsucht" ist Sucht" enthalten. Ein Mensch hat immer Sehnsüchte, schon allein wegen seiner Endlichkeit. Es kommt darauf an, körperlich, geistig  und moralisch wachstumshemmende Süchte durch wachstumsfördernde zu ersetzen. Das ist unser einziger Weg. 
  76. Man müsste den Dualismus "Naturwissenschaften versus Geisteswissenschaften" durch "Materiewissenschaften versus Geisteswissenschaften" ersetzen. Beides wären Abstraktionen, die es so in der Realität nicht gibt. Die reale Synthese wäre dann die  Naturwissenschaft bzw. Lebenswissenschaft.  
  77. Die Negation des Individuums ist ebenso falsch wie seine Verabsolutierung.  Der Mensch ist Teil des Ganzen und existiert gleichzeitig außerhalb dieses Ganzen.
  78. Der Subjekt-Prädikat-Dualismus liegt der Sprache unhintergehbar zugrunde. Jeder sprachliche Versuch, den Subjekt-Objekt-Dualismus, wie z. B. im "Ereignis", zu überwinden, zerfällt sofort wieder in Subjekt und Prädikat. 
  79. Dass Natur und Welt beherrscht werden, ist für eine bestimmte erkenntnistheoretische Richtung Beleg dafür, dass Natur und Welt erkannt worden seien. Als ob ich bereits eine Kuh kenne, bloß weil ich sie beherrsche. 
  80. "Ein wohlgeratner  Mensch, ein "Glücklicher", muss gewisse Handlungen tun und scheut sich instinktiv vor andren Handlungen, er trägt die Ordnung, die er physiologisch darstellt, in seine Beziehungen zu Menschen und Dingen hinein" (Nietzsche, Götzen/Dämmerung, S. 972) . Als Formel: seine Tugend ist die Folge seiner Physiologie. Ich schließe daraus:  Wenn Nietzsche Recht hat und wenn wir uns ändern wollen, dann nur auf der Ebene unserer Physiologie, der Rest ist nur Folge als Tugend, Tüchtigkeit, Optimismus, Zuversicht Behändigkeit und Menschlichkeit.  Wenn man in sich hineinhört und sein bisheriges Leben kritisch bedenkt, dann bekommt die Aussagen, dass das Tier und das Tier im Menschen  nicht schlecht seien, Plausibilität. 
  81. Im Nietzsche-Haus in Sils Maria waren viele junge Menschen, was mich nicht verwunderte, denn seine Lebens- und Leibphilosophie muss doch gerade jungen Menschen ansprechen.
  82. Ein Beispiel für "apriorisch". Bevor Scott und Amundsen den Südpol erreichten,  also empirische Gewissheit von seiner Existenz erlangten, wusste man bereits vorher mit absoluter Gewißheit, dass er dort vorhanden sei. 
  83. Leben- Wissen - Leben, d. h. Wissen muss aus dem Leben entstehen und dort wiederum z. B. als Orientierungswissen zurückfließen
  84. Im Phänomen ist schon immer Allgemeines wirksam. 
  85. Man darf nicht den Praktiker kritisieren, weil er nicht die reine Lehre realisiert.
  86. Thesenartige Anmerkungen zum Roman "Feuchtgebiete und zur Moral": Die denkbar größte Nähe von Lust und Ekel  in Form von Sexualität und Entleerung des Magens zwingt zur absoluten Unterscheidung der Werte. Moral hat dualen Charakter, gut und böse, ein Drittes gibt es nicht. Hier gibt es keine akzeptablen Hybriden, darf es nicht geben. -  Dieser Gedanke muss mit großer Vorsicht gedacht werden, denn er kanln sehr schnell in die Starre, ja Inhumanität  führen. 
  87. Ich vermute, dass wir das Unbewußte in der Folge von Siegmund Freud zu homogen sehen. Es stimmt zwar, dass  es  von Trieben, insbesondere dem Lebenstrieb beherrscht wird und logisch paradox denkt, aber das Unbewusste  enthält  auch  rationale Strukturen (vielleicht im Sinne von Lacan). Ich stelle mir vor, dass alle diese Gebilde und Fähigkeiten als verschiedene Ressourcen zugänglich sind, wobei man über die Art des steuernden Zugriffs wohl nichts Genaues sagen kann. Kurz: Ich behaupte, dass es sehr wohl die Möglichkeit des "Es denkt" statt des "Ich denke" gibt, dass der Satz "Wo Es ist, soll Ich werden" nicht immer eine Transformation des Irrationalen in Rationales ist, sondern auch eine Bewusstmachung rationaler Strukturen sein kann.  
  88. Es gibt für uns Menschen keine vollkommene Immanenz, immer ist auch Transzendenz vorhanden, aber auch für uns Menschen keine vollkommene Transzendenz, denn etwas müssen wir schon von ihr wissen bzw. erahnen, um zumindest von ihr zu sprechen zu können.  
  89. Selbst in allen Dingen ist Ambivalenz, Polarität, vielleicht Dialektik, ja Streit (Ding und Thing sind gleichen Ursprungs).
  90. Handeln hat immer auch eine Bewusstseinsebene, das gilt auch für destruktives Handeln.
  91. Die wünschenswerte Kritikfähigkeit darf den Kritiker nicht ausblenden bzw. die Kritik muss auch auf das "Kritikinstrument" angewendet werden.
  92. Die negative Folge des (absoluten) Konstruktivismus besteht darin, dass die "wirkliche Wirklichkeit", die Referenz an Glaubwürdigkeit und Wert verliert: Sie ist letztlich eben auch nur Sprache. Einen Ausweg bietet Gottlob Frege mit seiner Unterscheidung von Sinn (der Abendstern ist ein Planet) und Bedeutung (Abendstern und Morgenstern sind identisch, nämlich die Venus). Ein gut geformter Satz hat immer einen Sinn, aber nicht immer eine Bedeutung (der jetzige König von Frankreich). Wissenschaftliche Aussagen  haben den Status von Bedeutungen, obwohl es auch hier keine absolute, beweisbare Sicherheit oder Wahrheit gibt. Trotz dieser Unsicherheit sollten wir an dieser Unterscheidung festhalten und - paradox formuliert - daran glauben, ja behaupten und danach handeln, dass es eine außer uns seiende Realität gibt. Mit dieser Auffassung nähert man sich dem Essentialismus. 
  93. Natürlich ist die jeweilige Bestimmung eines Satzes immer auch ein Stück Willkür. 
  94. Begriffe sind Fest-legungen, sie stellen das Gemeinte still, so dass es sich nicht verändert. Aber das machen entweder der Rezipient und/oder die Zeit nicht mit. Das kann dazu führen, da der Begriff sich inhaltlich  so weit verändert hat, dass ein neues Wort gefunden werden muss. Ein Beispiel: Konsum im Sinne von consumere (verbrauchen) ist eine Notwendigkeit allen Lebens. Wenn Konsum zum Selbstzweck, zum übersteigerten Konsum wird, ist es sinnvoll, diese neue Situation unterschiedlich zu benennen, in diesem Fall mit Konsumismus zu bezeichnen.
  95. Es gilt, den Sinn des Seins zu erfüllen. Dieser ist natürlich schwer bzw. gar nicht bestimmbar, aber mit Sicherheit  ist ein Leben als Funktion des Konsums keine Seinserfüllung.
  96. Der Dualismus Objektivität und Subjektivität führt  meiner Ansicht nach zu falschen Schlüssen,  denn beide haben ihren Ursprung im Subjekt. Man sollte  also umständlicher von "objektiven Subjektivismus" und "subjektiven Subjektivismus sprechen. Objektiver Subjektivismus meint dann mit Kant die Kategorien und Anschauungsformen, die wir den Phänomenen hinzufügen, subjektiver Subjektivismus meint dann die Aneignung, die vom Ding an sich ausgehen, aber von uns nicht auf den Begriff gebracht werden, sondern vorbegrifflich  als sinnliche Erfahrung erahnt oder gefühlt oder .....  wird.  Man kann beide Modi der Aneignung auch als Erkennen und Erleben unterscheiden, die  einerseits das Allgemeine, andererseits das Besondere zum Gegenstand haben. 
  97. Kant betont ausdrücklich die konstituierende Leistung der Sinnlichkeit im Erkenntnisprozess. Aber durch das Konstrukt des Ding an sich verbietet es sich,  wahre Aussagen über die  jeweiligen sinnlichen Ausprägungen und Ausformungen   von bestimmten Dingen machen zu können. Der Status der sinnlichen Wahrnehmung bleibt fragil. Das einzelne Phänomen  verliert an Wert und Sicherheit, die man erst im Gesetz erlangt.
  98. Die Sinnlichkeit bzw. das sinnlich Gegebene  im Sinne Kants geht  vom Ding an sich aus. Zu dieser Sinnlichkeit  gehören "gleichwirksam" und untrennbar der sich bewegende Körper. Statt also die Sinnlichkeit herauszuheben, könnte man ebenso den Körper und seine Eigenbewegung  zum Leitbegriff machen.
  99. Jede Präzision geht auf Kosten des Lebens - also vorsichtig und sparsam  mit diesem Instrument umgehen.
  100. Das Sein bestimmt das Sein, aber nicht kausal im Verhältnis eins zu eins, sondernals Richtung.
  101. Spekulative Gedanken: Die Welt ist von Gott geschaffen. Wir leben in einer Idee Gottes. Erst langsam im Laufe seiner  Entwicklungsgeschichte beginnt der Mensch, die Konstruktionsprinzipien Gottes zu ahnen und zu begreifen. Aber die menschlichen Aktivitäten des Menschen gefährden und zerstören die Erde nicht nur in Teilen, sondern nun auch als Ganzes. Liegt es daran, dass sie die Konstruktionsprinzipien falsch verstehen oder dass Egoismus das richtige Verstehen überlagert?  Kann es in diesem Zusammenhang nicht sein, dass Gott seine Schöpfung verlassen hat, vielleicht nicht freiwillig, sondern  mit brutaler Gewalt aus ihr vertrieben worden ist? Merken wir das nicht oder wollen wir es nicht bemerken?
  102. Erst wenn man etwas Unrechtes in autonomer Entscheidung nicht tut, handelt man moralisch. Also jenseits jeglicher Nutzungserwägungen und Gefahrenabwehr.
  103. Das Gute und das Schöne an sich sind  uns Menschen nicht deutlich zugänglich. Gleiches gilt wohl auch für die Wahrheit, auch ihr können wir uns nur annähern.  Die Aussage "Das ist ein Zaunkönig" kann wahr sein, aber das ist noch nicht die Wahrheit.
  104. Moral ist immer auf Kognition angewiesen und  Kognition immer auf Moral.
  105. Wenn man wie Kant den Menschen als Endzweck der Schöpfung ansieht, allerdings nur in moralischer Hinsicht, dann sind Wirtschafts- und Technikentwicklungen nur Hilfsmittel, wobei diese Mittel sehr schnell auch zu Bremser und Verhinderer von Moralität werden können.
  106. Ich denke, dass die gegenwärtige Bewegungslosigkeit wirksam nur auf zwei Wegen unterlaufen werden kann: einmal durch die Analyse der herrschenden Prinzipien, die das Verhalten in unserer Gesellschaft bestimmen und b) durch konkretes Vorleben
  107. Spekulativ oder Lösung? Sicherlich hat jeder Gedanke eine neuronale Dimension, aber diese ist nicht das Ganze. Das Neuronale ist ein Signifikant, ein materielles Zeichen, das erst von einem Subjekt gewissermaßen innen gelesen werden muss. Dieses materiefreie Subjekt man kann auch Seele nennen. Aber auch diese duale Lösung wirft neue Fragen auf.
  108. Es gibt gute und schlechte, lebenshelfende und lebensverhindernde Abstraktionen.
  109. Zu sehen, wie ein kleines Kind einem Erwachsenen vollständig vertraut, ist ein Blick ins Paradies.
  110. Ein erfülltes Leben besteht aus Physis und Metaphysik. Eine rein innerweltliche Vervollkommnung ist nicht möglich, aber auch nicht eine rein außerweltliche.
  111. Leben sind intensive Beziehungen zu sich selbst, zu anderen Menschen, zur Natur, zu …..
  112. Metaphysische These: Das Ganze (oder gar die Ganzheit) ist empirisch nicht fassbar, uns Menschen nicht zugänglich, ist immer absent - und trotzdem unsichtbar wirksam, so dass wir das Ganze als eine Art Vorwissen ahnen bzw. spüren.
  113. Einerseits vertragen Begriff und Sache des Humanismus keine Einschränkungen, andererseits muss Humanismus insbesondere in konkreten Situationen immer wieder interpretiert und begründet werden. Ohne Zweifel stärkt der Bezug auf Eigenbewegung und Ökologie eine konservative Orientierung, gesetzt, dass die Moderne das körperliche (und geistige) Subjekt zunehmend enteignet.
  114. Es geht hier um die kultivierte Freiheit. Sie zu verwirklichen, ist ein durch und durch schweres Unterfangen, dass auch einen ständigen selbstkritischen Blick verlangt.
  115. Geisteswissenschaften müssen sich für die Existenz des Begriffs einsetzen, um die Zahl in Grenzen zu halten.
  116. Technik hat nicht die Aufgabe, ad infinitum zu immer neuerer Technik zu führen, sondern sie soll Leben und Kultur ermöglichen.
  117. Nein zu sagen, ist eine Bedingung für die Möglichkeit der Freiheit und für die Realisation von Verbesserungen.
  118. Die Unterscheidung Zivilisation und Kultur, die es meines Wissens nach nur in der deutschen Sprache gibt, war bekanntlich ein konstituierendes Moment deutscher Überheblichkeit. Trotzdem denke ich, sollten alle Gesellschaften nicht auf diese Unterscheidung verzichten, sie aber durch einen dritten Bereich Demokratie ergänzen und die Bereiche Zivilisation und Kultur umwerten: Zivilisation als unverzichtbare Bedingung des Lebens und Kultur als die Sphäre des Zweckfreien, der Sublimation, des Humanen. Alle drei Bereiche sind gleich notwendig und gleichwertig.
  119. Eine Seele stellt metaphysische Fragen und bewegt sich im Raum der Zweckfreiheit, während der Selbsterhaltungstrieb in der Immanenz verbleibt, der in seiner pervertierten Form auf Konsumerwerb beschränkt ist. Seele und Selbsterhaltungstrieb im Sinne von Immanenz sind gleichwertig.
  120. Gegen ein Vorurteil: Gute Philosophie erfindet nicht, sondern beschreibt Bestehendes. So rekonstruiert Kants Transzendentalphilosophie plausibel unser Erkenntnisvermögen. In einem Bild: Wie es bereits Amerika vor Columbus gab, so auch das Erkenntnisvermögen vor Kant.
  121. Weil Gott an seine eigenen Gesetze zurückgebunden wurde, genügt es vielen Menschen, die Gesetze zu kennen.
  122. Setzt man das Allgemeine als das Obere und seine Konkretionen unter ihm liegend, so gibt es vom Begriff her gesehen eine Erkenntnisgrenze nach oben in Richtung Abstraktion und nach unten in Richtung Konkretion. Nach oben fehlt ein überzeugendes Allgemeines, nach unten fehlt eine überzeugende Konkretion. Beide, Begriff und Gegenstand, werden zunehmend formloser und unbestimmbarer. Was wäre das Allgemeine zu Gott, was das Konkrete zu Quark (bzw. zu einer noch kleineren Einheit)?
  123. Jede Konkretion, am Ideal gemessen, ist defizitär. Daraus folgt, dass man nur Konkretionen miteinander vergleichen darf.
  124. Ich bevorzuge das Wort Philosoph im Sinne von “Freund der Wahrheit” eher als das Wort Sophist im Sinne von “weiser Mensch”.
  125. Natürlich ist jedes sprachliche Werk Konstruktion, unabhängig davon, ob wissenschaftliche Beschreibung oder Roman. Der entscheidende Unterschied besteht in der Einstellung, ob Wille und Absicht herrschen, wahrhaftig abzubilden, darzustellen, zu rekonstruieren oder fiktiv Welt zu gestalten.
  126. Ob Materie überhaupt Materie ist, ob Geist überhaupt Geist ist, das zu wissen, ist uns Menschen prinzipiell nicht möglich, weil unser Erkenntnissystem ein Gemisch aus “Materie” und “Geist” ist und das Ergebnis des Erkenntnisprozesses ebenfalls immer ein Gemisch aus beiden ist.
  127. Bei der Lektüre von Egon Friedell, der beim Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich Selbstmord beging, kam mir der Gedanke, den Opfern von Unrecht eine Internetadresse einzurichten, um so zu ihnen reden zu können.
  128. Der Philosoph bewegt sich ausschließlich im System der Sprache, der Techniker im Reich der gemachten Gegenstände.
  129. Vor und bei jedem Handeln steht die Destruktion, dann folgt die Konstruktion. Handeln ist also immer Dekonstruktion.
  130. Man zwinge keinen Menschen zu seinem Glück, aber erst recht nicht zu seinem Unglück.
  131. Wenn die beschreibenden Kategorien nicht mehr der Wirklichkeit entsprechen, wenn sie einander überlappen und nicht mehr homogen sind, muss man sie ändern oder eben die Wirklichkeit normativ wenden.
  132. Ist Metaphysik etwas ganz anderes als Physik oder nur eine andere Physik?
  133. Aus Prinzipien entstehen System, Struktur, Ordnung und Gefüge im vorhandenen Material bzw. Elementen.
  134. Ordnung ist entweder die Ordnung des Kosmos oder die der Mechanik. Die Ordnung der Mechanik ist ambivalent:  lebensfördernd, aber auch lebenshinderlich.
  135. Das Subjekt ist „nur“ ein Platzhalter, eine „leere Mitte“. Es wird durch noch so viele und tiefsinnige Prädikate immer nur vorläufig bestimmt - Prädikate umkreisen das Subjekt wie eine hungrige Katze den heißen Brei.
  136. Der Mensch „hat“ Finalität, d. h. er bestimmt sein Denken und Handeln durch Zwecke, die Natur „hat“ dagegen Kausalität. Finalität setzt Freiheit voraus. Aber dieser kantische Dualismus darf meiner Ansicht nach nicht absolut gesetzt werden. 
  137. Was die deutsche Romantik über die tiefer liegenden Sinnstrukturen der Sprache an sich und über die deutsche Sprache gesagt haben, stimmt. Falsch war zu denken, dass dieser tiefere Sinn gewissermaßen automatisch wirksam und begriffen wird. Ich denke dagegen, dass gar nichts passiert, wenn nicht entsprechendes Wissen und Enthusiasmus  für diese Tiefe vorhanden  sind.   Zumindest Enge, oft auch Leid entstehen dann, wenn  die Sprache, die man spricht, bloß,  weil man sie spricht, gewissermaßen als beste, sinnvollste verabsolutiert und ideologisiert wird. Das ist eine Falle, in die man fast zwangsläufig tappt.

B. Aussagen zur Pädagogik


  1. Sei ein aufsaugender Schwamm und kein abgeschlossener Ziegelstein.
  2. Bildung ist zur Hauptsache Bildung am Begriff.
  3. Programmieter Unterricht Defizit besteht darin, dass  per definitionem zwischen ihrem Programm und dem Lernenden keine lebendige, d. h. echte Kommunikation stattfinden kann.
  4. Eine Aneignung im richtigen Sinne hat zweierlei Folgen: a) der Aneignungsprozess verändert denjenigen, der aneignet und b) das, was nun angeeignet ist, hat sich von seinem Ursprung her verändert, es hat sich dem Aneigner angepasst. Also eine doppelte Veränderung findet statt: beim Aneigner und beim  Angeeigneten.
  5. Verstehen heißt: mit eigenen Worten einen schwierigen Sachverhalt sinnverstehend nacherzählen können. Also nur auf Bedeutung, Proposition konzentrieren. Dann geht der Druck weg und Sicherheit entsteht. Sonst ist man ein letztlich unsicherer Papagei, der schnell aus der Bahn geworfen werden kann.
  6. Wachstum ist im Kern ein autonomer Prozess, geistiges Wachstum ebenfalls.
  7. Ein Lehrer muss Gestaltungswille für die  Idee  der  Bildung  und Kraft für deren Durchsetzung haben.
  8. Filmmusiken im Sender NDR Kultur haben für mich die Behaglichkeit, aber auch die Leere von Wellness-Einrichtungen.
  9. "Reading makes a country great" (Tafelanschirft in einer amerikanischen Grundschule)
  10. Ist die mangelnde eigene Bildungsbereitschaft der Lehrer ein Teil des Problems?
  11. Ob jemand Fragen verstanden hat, ist entscheidbar, ob die Antworten richtig sind, ist prinzipiell nicht entscheidbar. Das hätte z. B. Klafki in seiner Didaktischen Analyse explizit sagen müssen.
  12. Roland Reichenbach fordert eine „Gegenkultur der Bildung“, die sich nicht als „Arsenal“ unmittelbar nützlichen Wissens, sondern als „Horizont“ versteht. Er  hat die sokratische Methode einer Erziehung zum Vorurteilsabbau im Blick. Ging es dem Philosophen doch weniger um die Inhaltsvermittlung als um die Entbindung von „falschen Meinungen.“ „Denn die Zerstörung“, sekundiert ihm Hannah Arendt, „wirkt befreiend auf ein anderes Vermögen, das Vermögen der Urteilskraft, das man mit einiger Berechtigung das politischste der geistigen Vermögen der Menschen nennen kann.“ Erst wenn ein Bewusstsein für das Element der Selbsttäuschung entwickelt werde, so Reichenbach, das in allem Verfügungswissen steckt, könne der „Wind des Denkens seine diskursiven Turbulenzen entfachen“. Nur wer von unabhängigen Lehrern zu denken lernt, wird von Mal zu Mal seine Position zu bestimmen vermögen, der der „Nähe zu dem, was wir als gut, richtig und wichtig empfinden“ (Rezension in der FAZ v. 30. 4. 11).
  13. Universität im Sinne von Humboldt funktioniert nicht, wenn Bildung für die Ökonomie instrumentalisiert wird. Das ist klar. Aber dahinter liegen noch wesentlich tiefer liegende Gründe für die Misere der Universität, denn zunehmend wird die Gesellschaft  auf Makro- und auf Mikroebene  eindimensional zu einem Wirtschaftssystem – auch wenn das nicht in allen Bereichen auf dem ersten Blick nicht immer erkennbar ist.
  14. Ich bin der Meinung, dass Schule ihren Schülern  in einer für sie verständlichen Form nicht genügend vermittelt, was sie ihnen an Leistungen bietet im Sinne von „Du wirst Englisch, Mathematik auf diesem Niveau  nach Beendigung der Lerneinheit  können“.
  15. Es wäre meiner Ansicht nach sinnvoll, die Funktion der Vermittlung von Lerninhalten und deren Evaluation personell zu trennen.
  16. Man lernt sehr viel in  Situationen, die sich zufällig, ja aus einem Irrtum heraus ergeben.
  17. Selbstermächtigung ist eine pädagogische Kategorie.
  18. Schwierige Gedanken müssen einem durch Wiederholung und Wiederkäuen vertraut werden, erst dann versteht man sie, allerdings dann oft plötzlich. 
  19. Die elfte Feuerbachthese „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt drauf an, sie zu verändern“ gilt mit entsprechenden Änderungen auch für den Bildungsprozess.
  20. Wer lernt, ändert sich. Und das ist doch etwas!
  21. Meine Überzeugung: Jede Bildungsstufe hat ihre eigene Hochkultur, in die sie eigentlich eintreten sollte – sonst liegen Unterforderung und Verschwendung von Ressourcen vor.
  22. In der Schule und in der Universität muss gelernt werden. Der Schüler und der Student müssen aus der Veranstaltung klüger rauskommen als sie hinein gegangen sind.  Sie müssen deshalb in einer Befragung nicht nach ihrem Spaß (Spaß ist  ein Beiprodukt, nicht mehr) , sondern konkret nach ihrem Lernerfolg befragt werden, indem sie zu folgenden Aussagen Stellung nehmen und Erklärungen finden:
    -  Ich habe Neues gelernt.
    -  Ich habe nichts Neues gelernt.
    -  Ich habe nichts Neues gelernt, weil Neues nicht angeboten wurde.
    -  Ich habe nichts Neues gelernt, weil ich das Neue trotz meiner Bemühungen nicht verstanden habe.
    -  Ich habe das Neue nicht verstanden, weil ich keine Lust hatte zu lernen.
    -  Ich habe das Neue nicht verstanden, weil ich zu müde war.
    -  Ich habe das Neue nicht verstanden,  weil ich es für unwichtig halte.
    -  Ich habe das Neue nicht verstanden, weil ich es ………
    Der Fokus des Interesses muss sich primär auf die inneren Prozesse des Lernenden beziehen und erst von dort gilt es – sekundär- Konsequenzen für die Lehre zu ziehen.
  23. Bildung ist immer ein Streben nach Höherem als regulative Idee.
  24. Naturerleben entspricht strukturell der epoché in Husserls Phänomenologie, durch die zunächst alle (begrifflich) vorgefassten Urteile zu einem  Phänomen ausgeblendet werden, so dass nur ihre sinnliche Dimension untersucht wird.
  25. Pädagogik Kants: Vom äußeren Zwang zur inneren Freiheit. Klappt das? Oder kommen Kinder nicht mehr aus dieser Spur raus? Wie kann man da helfen?
  26. Eine liebenswerte junge Frau befürchtet, ihr Leben lang eine Studentin zu bleiben. Sie sollte sich nicht fürchten, denn,  wer nicht sein Leben lang studiert (im weitesten Sinne), verfehlt sein Leben.
  27. Kinder begreifen buchstäblich alles. Woher kommt die Einengung auf bestimmte Begriffe?
  28. Wenn die Sehnsucht nach Bildung nicht besteht, greift keine der Schulreformen.
  29. Versucht man, Bildung exakt zu bestimmen, verfehlt man das Wesen der Bildung. s
  30. Ein Lehrer darf  bezüglich seiner pädagogischen Fähigkeiten nicht isoliert von bestimmten Schülern betrachtet und bewertet werden, denn Lehren ist immer eine Relation
  31. Erziehungssysteme können deviante Kinder erzeugen.
  32. Das eigentliche Ziel des Lehrers besteht darin, seinen Schülern ihr eigenes Potenzial bewusst machen - und das geht nur über das Fordern. Potenziale ragen immer auch in die Zukunft.
  33. Pädagogik heißt,  den Schülern einen für sie begehbaren Weg des Wissenserwerbs aufzuzeigen. Gehen müssen sie diesen Weg allerdings selbst.
  34. Generell geht die Didaktik von dem  "fertigen" Gegenstand aus und ignoriert die Erkenntnisprobleme, die in dem "fertig" stecken.
  35. Vielleicht sollte man den Gedanken fördern, dass Lernen als Bemühen um Wahrheit wenig oder nichts mit dem Lernenden zu tun hat. Das Gelernte ist ein autonomes System, hat eine eigene Existenz. Wenn ich lerne, bin ich nicht ich, sondern Träger und so eine Art Motor des Lernens. Ich folge nicht meinen Gesetzen, sondern die des Lernens und des jeweiligen Lerngegenstandes unabhängig von meinem eigenen Nutzen und Wollen. Ich bin dann außerhalb zumindest meiner eigenen Zeit. 
  36. Jede (pädagogische) Maßnahme bringt (hoffentlich) großen Gewinn, aber auch Verluste hervor.  Verluste entstehen immer, wenn man  die Elle des Idealen anlegt.
  37. Forderung an das Lernen in der Schule und anderswo: Hauptsache ist, dass gelernt wird, d. h. hier Qualität vor Quantität. Das gilt übrigens bis für den letzten Tag des Lernens. Das quantitative Ziel, wie es z. B. in Lehrplänen festgelegt ist, kann  für das Lernen hinderlich, ja schädlich sein.
  38. Die gegenwärtigen Bildungsbemühungen werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie nicht systematisch durch eine generelle Konsumorientierung behindert werden.
  39. Eine These: Schüler müssen jeden Tag in eine ihnen mehr oder weniger fremde Gedankenwelt eindringen. Das ist sehr, sehr schwer, das ist so, als wenn ich in ein mir bisher unbekanntes Gedankengebäude eindringen will. Ich muss den Text zumindest zweimal lesen, um erste Vertrautheit und Verständnis aufzubauen. Das erfordert Zeit, Durchhaltevermögen, Anstrengung, Mut. Wenn ein Lehrer  - das wäre meine These - nur noch ihm bereits Bekanntes wiederholt, wenn er nicht ständig qualitativ und quantitativ sein Wissen erweitert und verbessert, wenn er nur noch Fernsehen und Zeitungen konsumiert, oberflächlich und anstrengungslos lebt,  dann muss er den Schüler verpassen, sei es, dass er nicht dessen Schwierigkeiten versteht, sei es, dass er für den Schüler kein Vorbild ist, sei es, dass sein vermitteltes Wissen ein totes ist.
  40. "Quand on me demande quel sport je pratique, je reponds l´enseignement" (die franzöische Schriftstellerin Mara Goyet).
  41. Warum wird es von vielen als störend empfunden, wenn sie in einem Text  Wörter oder Schwierigkeiten vorfinden, die  sie nicht kennen bzw. verstehen und deshalb gezwungen sind (oder nicht), diese  aus einer anderen Informationsquelle sich anzueignen bzw. durch Nachdenken zu erschließen. Das ist doch ein zusätzliches Lernen.
  42. Bildung und  das Streben nach ihr ist ohne metaphysische Prämissen nicht möglich.
  43. Erziehung und Bildung beschreibt nicht ein leeres Blatt, sondern es sind immer bereits Strukturen, Dispositionen, Transzendentalien, Ideen, Urbilder, Anlagen ... vorhanden. 
  44. Zweierlei ist für unseren Gehirnspeicher wichtig: a) die Qualität der Inhalte und b) seine quantitative Kapazität, wozu  eine längere Aufmerksamkeitsfähigkeit gehört.
  45. Die jeweilige Bildung ist immer unvollständig. Wenn das Streben nach Bildung aufhört, stirbt nicht nur diese Bildung, sondern auch  deren Träger.
  46. Nietzsche hat Recht: Das Wiederkäuen schwieriger Textpassagen tut not.  Dazu muss man beinahe Kuh und jedenfalls nicht moderner Mensch sein.
  47. Selbst denken und selbtverantwortlich handeln sind sicherlich nicht leicht, weil fehleranfällig,  und enthalten  auch leidvolle Phasen. Aber das "Selbst" zeichnet das Menschsein aus. Erziehung im Elternhaus und Schule berücksichtigt nicht genügend diese Einsicht.
  48. "Sekundärliteratur? Niemals!" Diese Maxime der Universität von Santa Fe ist vielleicht eine wesentliche Antwort auf das Bildungsproblem - auch wenn sie nur als  Richtung des Bildungserwerbs verstanden werden kann:  Primärquellen sind das Telos. Tiefer als in das "Great Books Curriculum"  kann man seine  Bildung nicht gründen. Über deren Aussagen zu "brüten", einsehen, sie nie ganz erhellen können, weil immer etwas prinzipiell Unaufschließbarers bleibt, ist das Wesen der Bildung. 
  49. Habituelles Autofahren und Fernsehen einschließlich eines konsumorientierten Lebens ist dem Bildungsprozess nicht zuträglich.
  50. In der gegenwärtigen Bildungsdiskussion wird weitestgehend unterschlagen, dass zweckfreie Bildung für viele Menschen keine Selbstaufgabe mehr ist. Lediglich Funktionswissen für bestimmte Aufgaben wie Bedienung von Maschinen und Organisation von Problemen sind gefragt. Aber beides, Bildung und Wissen, gehören zum menschlichen Leben.
  51. Meine Beobachtung: Visuell geprägte Mediennutzer sind nicht mehr in der Lage, sich auf längere anspruchsvolle Texte zu konzentrieren.
  52. Im 18. Jh. hat es eine Kritik des Lesens von (Ritter-)Romanen gegeben, aber nicht - wie heute oft suggeriert - gegen das Lesen selbst.
  53. Wenn die Welt zunehmend von realen Dingen und Menschen entleert wird, dann sind die Möglichkeiten der Mimesis stark eingeschränkt. Aber gerade diese Lernform ist wahrscheinlich das Fundament allen Lernens. Selbst das Verstehen von Theorien hat Merkmale der Mimesis.
  54. Kulturelle Verarmung ist eine schwere Form der Verarmung.
  55. Die Fähigkeit, selbst zu entscheiden, findet nicht nur im geistigen, sondern auch im Modus der Eigenbewegung statt.
  56. Doris Lessing behauptet, dass die lange Erzählung der Ordnung des menschlichen Gehirns entspräche. Wie auch immer, auf jeden Fall gehört das längere zusammenhängende Bedenken einer Sache oder eines Problems zur Grundausstattung eines gelungenen Lebens.
  57. Vermutung: Die Feststellung Wittgensteins, dass die Bedeutung eines Wortes sein Gebrauch sei, lässt sich produktiv für Lernprozesse (im Unterricht) verwenden. Beispiel: Unser knapp vierjähriger Enkel sagte, als die Katze im Keller war: “Tini ist im Teller”. Daraufhin holte ich einen Teller aus dem Schrank, guckte ihn an und sagte: “Tini ist nicht auf, in oder unter dem Teller”. Der Enkel stutzte, fing dann aber, sich etwas peinlich windend, laut zu lachen an. Er hatte es begriffen, hatte für Laute grundsätzlich ein erstes (phonologisches) Bewusstsein erlangt, hörte zu, als ich ihm noch einmal den Unterschied erklärte, was vielleicht gar nicht nötig war.
  58. Kinder bauen zunehmend keine eigene Welt mehr auf. Der objektiv schlechte und der subjektiv gut gemeinte Fremdeinfluss dominiert.
  59. Wenn ich einen französischen Text lese, ist (leider) 95 % für mich neu, bei einem schwierigen Text sind es oft 60 %, bei einem Roman vielleicht 40 %, bei einer anspruchsvollen Tageszeitung 10 %. Sehe ich einen Krimi im Fernsehen im Höchstfalle 2 %.
  60. “Solange Kinder geboren werden, müssen wir weiterspielen, dann sie haben die Fünfte von Beethoven noch nicht gehört” (James Levine zitiert  George Szell).
  61. Wenn in der Unterrichtsvorbereitung die Phasen Sachauseinandersetzung, didaktische Analyse i. e. S. und methodische Strukturierung inhaltlich und zeitlich voneinander getrennt durchgeführt werden, ist das - metaphorisch ausgedrückt - der Tod der Lehre. Warum? Die Sache ist nie abgeschlossen, was ständig implizit und explizit zum Ausdruck gebracht werden muss. Nicht: “Ich habe im Studium gelernt - Schluss!.” Jede neue Erkenntnis, jeder Einwand oder Frage oder Erstaunen der Schüler führt und muss zu einem Bedenken und u. U. Umdenken der Sache führen. Wenn der Lehrende nicht lebenslang lernt, auch in seinen Fächern, dann ist Schule beschädigt. Pointiert: Nur der Irrtum ist das Leben, das Wissen ist der Tod.
  62. Ein Begriff, der nicht “in sich arbeitet”, ist keiner bzw. ein toter.
  63. “Hast du drei Tage kein Buch gelesen, werden deine Wort seicht” (chinesisches Sprichwort).
  64. Höherentwicklung, Selbststeigerung, lebenslanges Lernen usw. sind Aufgaben, die jedem Menschen aufgegeben sind. Wie “hoch” er kommt, ist immer eine offene Frage.
  65. Erziehung ist heute faktisch Konsumerziehung, aber nicht kritisch, sondern affirmativ.
  66. “Der rechte Weg ist mühsam, wie rechte Wege es zu sein pflegen” (Erich Auerbach). Es ist unredlich gegenüber Schülern, dieses Moment des Lernens nicht ausdrücklich zu nennen.
  67. Die gegenwärtige Bildungsdiskussion berücksichtigt entschieden zu wenig, dass Bildung eine individuelle Leistung im Medium der Selbstreflexion ist. Bildungserwerb kann nur vom Subjekt selbst gesteuert werden. Gesellschaft vermag und soll hier unterstützen. Wenn aber nur von der Gesellschaft her gedacht wird, werden Schüler zu Objekten bzw. zu Rohmaterial, das nach vorgegebenen Zielen bearbeitet wird. Das ist weder ethisch noch realistisch.
  68. Die Ziele der Selbstbildung positiv zu bestimmen, ist anmaßend, ja gefährlich. Aber was Bildung behindert oder verunmöglicht, kann und muss öffentlich benannt und diskutiert werden - nämlich das Leben ausschließlich als Funktion von Konsumimperativen zu führen. Konkrete Formen eines solchen Lebens im falschen sind: täglicher mehrstündiger Fernsehkonsum, Literatur auf Boulevardblätter zu beschränken, Weltbegegnung im Modus des Autofahrens zu verabsolutieren.
  69. Ich finde es richtig, dass im NDR-Kulturradio die vorgelesenen Gedichte nicht interpretiert werden, sondern dass der Hörer eigene Interpretationen und Bilder entwickeln muss.
  70. Eine wichtige pädagogische Frage ist, ob Erziehung gegen den Willen des zu Erziehenden sinnvoll und effektiv ist.
  71. Worin besteht der Unterschied, ein Buch oder eine Blume zu verschenken? Eine Blume erfreut durch ihren Anblick, verliert ihre Schönheit aber sehr schnell. Ein Buch kann im Beschenkten, wenn er es denn liest, Prozesse auslösen, die ihn verändern, weil sie ihn über sich selbst hinausführen.
  72. Die Vermittlung von Bildung macht den Empfangenden an geistigem Gute reich und den Gebenden doch nicht ärmer. Diese Aussage, auf Lorenz von Stein zurückgehend und bei R. Koselleck „Begriffsgeschichten“ (S. 129) gefunden, führt direkt in das reale Glück des Lehrenden – wenn denn gelernt wird.
  73. Zwar ist abfragbares Wissen eine unverzichtbare Voraussetzung für das Verständnis von Gesamtzusammenhängen und für eine eigenständige Urteilsfähigkeit, aber niemals Endziel von Bildung.
  74. Inzwischen glaube ich, dass jeder normal begabte Mensch gut beraten ist, ein Drittel der Lernzeit mit Wiederholung, ein Drittel mit Neulektüre und ein Drittel mit Eigenformulierungen auszufüllen.
  75. Es liegt im Wesen der menschlichen Kraft, dass sie sich bei Anwendung vergrößert und verfeinert.
  76. „Um ein Kind zu erziehen, ist ein ganzes Dorf nötig“ (Pröbstin Jutta Gross-Ricker).
  77. An die Eltern: Stellt das Kind nicht in den Mittelpunkt Eurer Zeit und Eures Tuns, sondern stellt es in eine vieldimensionale Struktur, in und mit der es sich selbst entwickeln und bilden kann und muss. Ihr seid ein Teil - nicht mehr, aber auch nicht weniger - dieser Struktur.

C. Aussagen zu Bild und Wort bzw. Fernsehen 


  1. Wenn Bilder und Filme den Anspruch haben, Wirklichkeit abzubilden, sind sie mehr als dürftig. Wenn sie sich die Aufgabe stellen, Wirklichkeit zu erhellen, sind sie wertvoll, wenn es ihnen gelingt.
  2. Ein Film basiert auf einem Algorithmus. Beim ersten Mal bemerkt ihn der Zuschauer nicht, er sitzt der Täuschung auf, aber ab dem zweiten Mal fängt er an, es an zu bemerken. Deswegen werden Filme, mehrmals gesehen,  langweilig.
  3. Interessant wie die Photos  vom alternden Papst Benedikt XVI. zum Urteil führen: Er ist zu alt. Liest man seine Verlautbarungen und Vorträge, bricht dieses Urteil zusammen. Das Wort, d. h. der Geist, befreit sich vom Bild, d. h. von der Sinnlichkeit. 
  4. Gutes Lesen ist immer ein Dialog zwischen Text und Lesenden. Habituelles Fernsehen ist meistens ein Monolog des Fernsehapparates.
  5. In einem Hotelzimmer stand ein Fernsehapparat mit einem der großflächigen Bildschirme, wie sie heute  für  viele Menschen Mode   geworden ist. Ich habe ihn nicht angestellt, weil ich befürchtete, in riesigen  Farbteppichen ertrinken zu müssen.
  6. „Was ich las, kam mir wirklicher vor als das, was draußen geschah, denn es wirkte viel in mir nach (Peter Bieri). Die Informationsfluten erschweren, ja verhindern dieses Nachwirken. 
  7. Selbst im Urlaub nicht vom habituellen Fernsehen loszukommen, sollte Anlass für eine Selbstbefragung sein.
  8. Das Internet formt das Denken, vielleicht sogar verformen.
  9. Ich bin gegen die Dominanz der Bild-Medien und für das gesprochene und geschriebene Wort. Heute wird die reale Welt von ihren Abbildungen ersetzt  - und die Menschen sind damit offensichtlich zufrieden. Das Bild wird als Realität zur Kenntnis genommen, nicht weiter bedacht. 
  10. Internet und Fernseher schaffen scheinbar Nähe, während die reale Ferne immer weiter entrückt. Es gibt hier keine anderen Grenzen als die Müdigkeit oder Resignation der Bildbetrachter.
  11. In den Medien wird das Fremde,  wenn es medienkompatibel ist, in einem ersten Schritt vertraut gemacht.
  12. Zumindest ist die Ähnlichkeit zwischen zwei realen Dingen eine kategorial andere als die zwischen Ding und seinem Abbild.
  13. Beim Fernsehen wird die Hauptleistung vom Fernseher vollbracht, beim Buch von seinem Leser.
  14. Gefahr der Bilder, insbesondere der laufenden: Der Betrachter setzt schnell die Bilder mit Wirklichkeit gleich, während der Leser sich (fast) immer während des Lesens und insbesondere in der Erinnerung der absoluten Differenz von Zeichen und Imagination bewusst ist.
  15. Lasst Euch nicht durch die grundsätzlich relative Tristesse  von historischen Schwarz-Weiß-Fotografien täuschen: auch damals war das Leben bunt.  
  16. Der Fernseher saugt alles Leben auf bzw. bringt alles Leben zum Stillstand. Beim Lesen dagegen findet uneingeschränkt Leben statt, allerdings im Kopf.
  17. Äußere Bilder ersetzen innere Bilder, d. h. Leben. Die Frage ist, ob es sinnvoll ist, "innere Bilder" mit Bild zu bezeichnen. 
  18. Anspruchsvolle Literatur lesen macht das Leben intensiver. Man verlangt danach nach Leben, bei Bildern ist es genau umgekehrt.
  19. Meine Position zu Bildern: Wenn Bilder den Anspruch erheben zu reproduzieren bzw. zu reproduzieren, sind sie für mich wenig wertvoll. Wenn Bilder Konstrukte sind, die auf etwas Neues wie Gemälde oder künstlerische  Photos weisen, dann sind sie für mich wertvoll.
  20. Filmbilder sind  in der Regel  perfekt realisiert und gleichzeitig vollkommen irreal.
  21. Je größer der Bildschirm, desto eher wird der künstliche Charakter des Fernsehens verdrängt und mit Realität gleich gesetzt.
  22. Gegen die Übermacht der Bilder" (Artikelüberschrift in der FAZ).
  23. Fernsehen steht hier oft für Wahrnehmung von Bildern in massenhaftem Ausmaße.
  24. Fernsehen hat die  Normierung von Perspektiven zur Folge.
  25. Im Sehvorgang reduzieren sich alle Körper zu Formen (= erste Entkörperung), im Bild findet eine zweite Entkörperung statt.
  26. Worin liegt der Mehrwert von anspruchsvollen Texten? Sie verlangen eigene Einbildungskraft, nicht übernommene fremde Einbildungskraft.
  27. Das Dargestellte auf einem Bild ist nicht das Dargestellte der Realität.
  28. Anlass zum Bedenken: "Ein Lebewesen auf ein Bild bannen" oder "Ein Photo schießen". 
  29. Die Materialität der Symbole ( = Zeichen und Bilder) ist für viele Menschen bereits die Wirklichkeit.
  30. Wer ein Bild wahrnimmt, nimmt nach Platon nicht Seiendes, sondern Scheinendes wahr.  Scheinendes kann wertvoll sein, ist es aber nicht, wenn es  als Realität, als ein Objekt genommen wird. Ein gutes Gemälde ist natürlich auch Scheinendes, aber der Betrachter - im Gegensatz zum Tagesschaukonsument - weiß das. Er sieht den Wert im Bild.
  31. Ein Film ist ein Film ist ein Film -  selbst wenn er ausschließlich Naturwunder thematisiert.
  32. Der Fernsehapparat kann auch als eine motorenbetriebene Maschine angesehen werden, die Schein-Wirklichkeiten produziert.  
  33. Wer jeden Tag fünf und mehr Stunden fernsieht, muss doch die Inhalte abschwächen, ausblenden, filtern, abwehren, um seine Seele zu schützen.
  34. Bilder, insbesondere aus Massenmedien und Werbung, sind schlechtes Material für das Denken, das Wahrheit finden will.
  35. Die Realität eines Bildes ist sein Materielles, also Farbpigmente, belichtetes Fotopapier, Lichtpunkte usw. Die Bedeutung des Bildes ist allein  eine geistige Leistung des Betrachters. In dieser Relation ist eigentliche Welt ausgeschlossen.  
  36. "Das Fernsehen schläfert uns ein, nicht die Politik" (eine Überschrift in einem Zeitungsartikel).
  37. "Ein Problem der bewegten Bilder sehe ich darin, dass der Zuschauer nicht das Tempo und die Pausen zur Reflexion selbst bestimmt.
  38. Die Wahrnehmung von Wirklichkeit und von Bildern ist identisch im Wahrnehmungsakt, aber  different im Objektbereich (=ontologische Differen
  39. Wahrnehmungen und Vorstellungen sind identisch im Objektbereich, egal ob Wirklichkeit oder Bild, aber different im Bewusstseinsakt. Die Wahrnehmung ist ein rezeptiv-reproduktiver Vorgang, das Vorstellen ein aktiv-produktiverer Vorgang.
  40. Man erwägt, Radio- und Fernsehgebühren für jeden Haushalt zusammenzufassen, auch wenn kein Fernsehapparat vorhanden ist. Ich wäre nur dann damit einverstanden, wenn Basis der Berechnungen die jeweilige Einschaltzeit wäre, d. h. wer viel sieht, zahl viel, wer weniger sieht, zahlt weniger und wer gar nicht sieht, zahlt nichts. Vielleicht macht es Sinn, die verwendete Zeit progressiv zu belegen, so die Gebühren pro Stunde zu verdoppeln. Wozu? Um Vielseher vor sich selbst zu schützen. Gleiches müsste meiner Ansicht nach auch beim Internetanschluss erfolgen.
  41. Bilder fressen in der Regel wichtige Informationen, die in den Wörtern stecken.
  42. Natürlich ist auch die Wahrnehmung nicht die Realität, sondern, wenn man so will, eine Verdünnung, Abschwächung, Entmaterialisierung. Eine Bildwahrnehmung ist eine Verdünnung, Abschwächung, Entmaterialisierung des Verdünnten, Abgeschwächten, Entmaterialisierten.
  43. Das Bild wird immer häufiger mit der Wirklichkeit gleichgesetzt und ersetzt diese problemlos. Das ist unzulässig, da  der Unterschied zwischen beiden  riesig ist. Bilder sind nur dann wertvoll, wenn sie etwas zeigen, was wir nicht sehen können oder was es so in der Wirklichkeit nicht gibt (Kunstgemälde und Visibilisiertes). Wenn  ansonsten   eine Originalbegegnung mit der Wirklichkeit möglich ist, ist es ein Fehler, sich mit ihrer Abbildung zufrieden zu geben. Wenn man wie z. B. Kant von der Sinnlichkeit spricht, meinte man immer materielle Dinge, erst in neuerer Zeit bezieht man sich auf Bilder. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass wir so viele Dinge vernichten, so dass nur noch Bilder übrig bleiben. Die reale Welt wird durch Abbildungen von ihr ersetzt. Bereits  das Wort „Abbildung“ ist eine kleine Kapitulation und  selbst Deixis scheint nur noch für Bilder reserviert zu sein.
  44. Menschen, die täglich stundenlang vor dem Fernseher sitzen, verändern sich nach meinen Beobachtungen in zwei Richtungen: Entweder werden sie schweigsam oder sie reden ohne Unterlass.
  45. Wie bei allen Handlungen findet auch beim Fernsehen gleichzeitig Prozesse des Bestimmens und Bestimmtwerdens statt. Wer meint, er müsse sich jeden Tag vor den Fernseher setzen, hat eine bestimmte Einstellung, die er aktiv realisiert: Ich will mich entspannen, nicht anstrengen, es bequem haben usw. 
  46. Die Welt, die das Fernsehen vermittelt, ist unbestreitbar undinglich. Auch deswegen kann man sagen, dass sie keine Referenzen haben, sondern sie präsentieren eine eigene Welt, eben eine Fernsehwelt.
  47. Innere Bilder sind unabgeschlossene Prozesse, die mit Möglichkeiten, Erinnerungen und Phantasien interagieren.
  48. Bilder erzeugen falschen Schein. Aus dem fahrenden Auto heraus entstehen Wahrnehmungen, die im Vergleich zur Wirklichkeit stark reduziert sind.
  49. Habituelle Fernsehnutzer sind nicht mehr in der Lage, aus diesem System der Bilder zu entkommen und es zu transzendieren.
  50. Nach einem Filmbesuch (Buddenbrooks), teile ich Lessings Auffassung von Kunst: Bildende Kunst (Plastik, Malerei einschließlich der modernen Bildmedien) steht unter dem Gesetz der Schönheit. Äußerster Schmerz und Leid gehören dort nicht hin, sondern in die Dichtkunst. Bei leidvollen Darstellungen werde ich gezwungen, sie mir anzusehen, obwohl ich sie gar nicht sehen will. Das ist nicht der Fall bei "schönen" Bildern, denn die will ich sehen und werde dazu nicht gezwungen. In der bildenden Kunst wird - im Gegensatz zur Dichtkunst - das Spiel der Einbildungskraft außer Kraft gesetzt, weil bestimmt 
  51. Ist eigentlich schon untersucht worden, welche psychischen Strukturen und Weltsichten Menschen entwickeln und einnehmen, die jahrzehntelang täglich acht und mehr Stunden vor dem Fernsehapparat verbringen?
  52. Die meisten der Bilder, die in Form von Filmen, Werbung, Photos auf uns einstürmen, sind überflüssig, oft sogar schädlich. Auch  weil die vom Produzenten geschaffenen Bilder die eigene Einbildungskraft schwächen
  53. Der reale Gegenstand von Bildern und Filmen, sind nicht die wahrgenommenen Gegenstände, sondern Leuchtpunkte, Fotoschwärze, Malfarben, die erst im Kopf zu Bildern werden. Ich sehe also keine Bilder. Zudem wird der visuelle Sinn verabsolutiert, Hören, Schmecken, Riechden, Tasten findet nicht statt. Reale Gegenstände liefern in der Regel  Anregungen für alle Sinne, die aber nicht immer bewusst wahrgenommen werden.
  54. Wenn heute ein bestimmtes Gebäude im Gesamtensemble stört, erklärt man es flugs zu einem Motor des Dialogs zwischen Verschiedenem. 
  55. Radikale These:. Es gibt weder äußere noch innere Bilder: Sogenannte (äußere) Bilder sind Materie, die von einer besonderen Materie (= Rahmen) umgeben ist, sogenannte innere Bilder sind Gedanken nach einem bestimmten Konstruktionsprinzip.  Geistiges ist jenseits von Bildern. Wenn wir Geistiges objektivieren, nennen wir einen Teil dieser Objektivationen einfach Bilder.
  56. Wenn man ein Gemälde sieht, weiß man, dass es sich schon wegen des Rahmens um ein Bild handelt. Wenn man vor dem Fernsehapparat sitzt, weiß man ebenfalls, dass das dort Gezeigte Bilder sind, aber  früher oder später wird der Verstand müde, diese Denkleistung "Das ist ein Fernsehapparat" durchzuführen mit der Folge, dass die Bilder subjektiv zur Realität werden.
  57. Während des normalen Fernsehkonsums gibt es (fast) keine Kontrollen, ob man das Gesehene überhaupt verstanden hat, denn es gibt immer niedrigere Bedeutungsebenen wie Häuser, banale Handlungsabäufe) die man selbst im Halbschlaf noch versteht. Zudem hat man keine Zeit, sein jeweiliges Verständnis zu überprüfen, denn die Bilder, d. h. die Karawane zieht weiter. 
  58. Ein Film ist bestenfalls nur beim ersten Sehen faszinierend, später nicht mehr. Warum?  Weil er eben nicht in die Kategorie des Lebens gehört, denn es gibt keine Entwicklungen, Veränderungen, Spontaneitäten. Beim mehrfachen Sehe entsteht Langeweile. Und wenn das schon vorher bedenkt, verschwindet u. U. auch das Interesse an nicht-künstlerischen Filmen und Serien
  59. Wahrnehmungen und Vorstellungen sind kategorial verschieden von Gegenständen, die wir mit dem Wort "Bild" bezeichnen. Man sollte deshalb auch nicht von inneren Bildern und äußeren Bildern sprechen, denn diese Begrifflichkeit führt zu  mehr  Mißverständen als zu Klarheiten. Die Wahrnehmung eines Realgegenstandes und das Bild desselben sind ebenfalls kategorial verschieden. Statt von inneren Bildern sollte man von Wahrnehmungen, Vorstellungen, Phantasie und Einbildungskraft sprechen und das Wort Bild nur für bestimmte "äußere"  materielle Gegenstände reservieren. 
  60. Ein Problem bei der Betrachtung eines Bildes, z. B. eines Porträts, besteht darin, dass man es räumlich und zeitlich für das Ganze hält, also vergisst, dass es es sich um eine Momentaufnahme aus einer ganz bestimmten Perspektive handelt.
  61. Eine große Anzahl von Wahrnehmungen und Vorstellungen ist grundsätzlich wünschenswert, eine große Anzahl von Bildern ist schädlich. Zu viele Bilder, z. B. täglicher mehrstündiger Fernsehkonsum,  verhindern die Wahrnehmung von Realgegenständen.  
  62. Für Thomas Hettche läuft die mediale Bilderflut auf eine Rebarbarisierung des öffentlichen Raumes hinaus. 
  63. Der Ausschluß von Begriffen,  ist das Ende des Denkens.
  64. Ein Bild ist ein Bild ist ein Bild. Es ist nie Wirklichkeit. Was für die (mehrdimensionale) Wirklichkeit gilt, dass wir sie nie vollkommen erkennen und in ihr leben können, gilt erst recht für das (visuelle) Bild.  Das anspruchsvolle und verdichtete Bild kann allerdings Hinweise auf etwas enthalten, das sich in der Wahrnehmung nicht zeigt. Aber es  bedarf keiner ständigen Wiederholungenn dieser Möglichkeiten im Bilde, um sie zu erkennen. 
  65. Wie funktioniert das Faszinosum der Bilder? Identifikation, große Möglichkeitsräume, keine realen Gefahren, maximale  Bequemlichkeit, der versprechende Schein,  ....
  66. Fernsehen und Autofahren faszinieren, weil sie permanent  scheinbar Neues erfahren lassen, obwohl es sich tatsächlich um die Wiederholung des Ewiggleichen handelt. Denn beim genauen Hinsehen erweisen sich die hier gemachten Erfahrungen weder als   Wirklichkeit noch als nachhaltige und systematische Informationen.
  67. Fernsehbilder von aktuellen Anlässen dulden keinen zeitlichen Aufschub, weil Fernsehen  als ein aktuelles Medium begriffen wird.  Aufzeichnungen sind deshalb auch nicht attraktiv und setzen sich auch nicht durch. Dagegen kann man sich beispielsweise Gemälde zu jeder gewünschten Zeit ansehen.
  68. Bei der Bildbetrachtung wird nur der visuelle Sinn mit Hilfe der Netzhaut aktiviert, alle anderen Sinne werden nicht genutzt. Zudem bestimmt der Bildproduzent, nicht der Wahrnehmende die Perspektive.
  69. Ein Bild ist nur ein (1!) mögliches Element eines Begriffs, sie dürfen nicht mit dem Ganzen verwechselt werden
  70. In welchem Verhältnis stehen heute quantiativ Ding-, Zeichen- und Bilderfahrungen?  Wenn Dingerfahrungen, insbesondere von Naturdingen, immer geringer werden, was heißt das für die Seele?
  71. Fernsehapparate an jedem Krankenhausbett halte ich kontraproduktiv für den Heilungsprozess. Gerade hier braucht die Seele Ruhe und Zeit für sich selbst
  72. Die riesengroßen Fernsehschirme verlangen genau dieselben psychischen Tätigkeiten wie ein Normalbild.  Der Überraschungseffekt der Größe müßte doch eigentlich schnell erebben.
  73. Begriffe machen aus Wirklichkeiten der Welt Möglichkeitsräume, dagegen verdoppelt das Bild die Wirklichkeit  im Scheine. Es gibt aber gute Argumente, die eine Verdoppelung bestreiten: Das Bild, auch das Photo, ist eine autonome Wirklichkeit.
  74. Merkwürdig: Es gibt die gegenstandslose Malerei, aber meines Wissens nicht gegenstandslose Photographien.
  75. Äußere Bilder machen unsere Einbildungskraft und Phantasie überflüssig. 
  76. Eine Vermutung: Auf der Retina lässt sich zwischen  der Wahrnehmung des Bildes eines Hundes und  der Wahrnehmung dieses realen Hundes kein Unterschied ausmachen. Das würde erklären, warum so viele Menschen dem Mediensog erliegen, da sie Bild und Wirklichkeit als gleichwertig betrachten. Von der Mühelosigkeit des Bilderwerbs ganz abgesehen.
  77. Der gegenwärtige Hunger nach immer neuen Bildern ist ein  Beleg dafür, dass entweder die Bilder nicht angeeignet werden oder dass sie trivial sind. Somit wird ein Bewusstsein erzeugt, dass nie ankommt, nie etwas "behält", dem alles nach kurzer Zeit zum Müll wird.
  78. Ein gutes Bild verdichtet eine Aussage - wie man es mit Wörtern nicht kann.
  79. Dass viele Engländer Churchill für eine Sagengestalt halten, ist ein Beleg für die Auflösung der Realität durch die Medien.

  80. Bilder sind zur Hauptsache deswegen so attraktiv, weil man sie, wenn man es denn will, ohne Anstrengung stundenlang ohne viel Nachdenken konsumieren kann und dabei der  Täuschung unterliegt, man hätte viel gelernt. Das ist kein Argument gegen das Bild schlechthin, sondern gegen deren Verwendung.
  81. Dass Inhalte von Bildern nicht in diesen objektiv vorhanden, sondern Projektionenen sind, möge folgendes kleine Gedankenexperiment aufzeigen: Ich lege Menschen mit verschiedenen Bildungshintergründen Fotos von berühmten, aber auch "normalen"  Männern und Frauen vor, wobei allerdings diese Fotos nicht als bedeutsame Menschen von ihnen selbst oder dem Fotografen inszeniert wurden, sondern alltägliche Situationen  entnommen sind. Hinzu muss kommen, dass die Betrachter  die berühmten Männer und Frauen nicht kennen.  Die dazu gehörige Hypothese lautet: Die Betrachter sind nicht in der Lage, jenseits des Zufalls berühmte von berühmten Menschen zu unterscheiden.  
  82. Die Wahrnehmung hat im Gegensatz zum Bild keinen Rahmen und  auch keinen undurchdringlichen Grund aus Pappe, ist also nicht festgestellt, sondern dynamisch -mit der Welt verbunden. 
  83. Beim zweiten oder mehrfachen Sehen wird das laufende Bild zu einem stehenden - es verändert sich nämlich nichts. Interpretiert: der Film ist nichts anderes als eine Aneinanderreihung von stehenden Einzelbildern.
  84. Der Begriff umfasst einen Möglichkeitsraum, das Bild eine (1!) realisierte Möglichkeit. Bilder bestätigen, Begriffe flexibilisieren.
  85. Bild und Wahrnehmung haben im Erkenntnisprozess die gleiche Funktion. In einigen Fällen (z. B. in der Kunst oder in der technischen Darstellung) ist das Bild wertvoller, in der Regel ist die autonome, ganzheitliche Wahrnehmung von größerem Wert.
  86. Vielleicht kann man den Gebrauch des Staubsaugers mit der habituellen Nutzung des Fersehapparates vergleichen: Beide sind innen letztlich leer und saugen aggressiv die Umwelt in sich hinein. D. h. wir werden nicht gefüllt, sondern entleert. Ich denke, jeder kennt dieses Gefühl der Leere nach langem Fernsehkonsum, was nicht der Fall beim Bücherlesen ist.
  87. Beim Fernsehen verlernt man die Anstrengung des Begriffs.
  88. Was passiert mit all den schrecklichen Bildern in Geist und Seele? Was passiert mit all den zusammenhanglosen Fragmenten?
  89. Die auf uns einstürzenden Bilderfluten zwingen die Bildbetrachter, sich selbst zunehmend aus der Außenperspektive als Bild zu interpretieren. Ob das Bild ein wahres ist, möchte ich stark bezweifeln. Die Folge ist, dass die Außenarbeit an sich immer mehr zuungunsten des inneren Wachstums und Strukturierung voranschreitet und damit zu eigentlichem Wert und Aufgabe wird.
  90. Wo und wann muss man sich beim Fernsehen anstrengen? Körperlich sowieso nicht, aber ich behaupte, auch geistig nicht. Die Inhalte werden so einfach wie möglich präsentiert; sollten doch Denkanforderungen notwendig sein, hat man keine Zeit, sich mit ihnen auseinander zu setzen, denn es folgen ja die nächsten Bilder. Es werden zwar Probleme gestellt, aber nicht der Zuschauer, sondern andere lösen sie für ihn. Das Fernsehen vermag zwar Fakten zu transportieren, aber es verhindert Denken.
  91. Der angesehene Erziehungswissenschaftler Prof. Peter Struck verlangt Ganztagsschulen u. a. deswegen, “weil wir durchweg immer noch Halbtagsschulen haben, also den Nachmittag dem zufälligen Lernen im multimedial vernetzten Kinderzimmer, der Fußgängerzone, der Clique oder im Kaufhaus überlassen, obgleich junge Menschen zwischen 14 und 16 Uhr eine zweite Hochleistungs-Lernphase im Laufe eines Tages haben.” Die Schule soll es richten. Eine Änderung der richtig beschriebenen Strukturen kommt überhaupt nicht in den Horizont des Möglichen.
  92. Was passiert eigentlich in unseren Gehirnen, wenn wir in kürzester Zeit eine Sendung, einen Artikel, einen Werbespot nach dem anderen an uns vorbeizieht, ohne dass wir sie bedenken? Gleiche Frage gilt für die schnelle Raumdurchquerung.
  93. Ein Bild ist die erstarrte Einbildungskraft des Produzenten. Diese Veräußerung ist für den Produzenten generell wertvoll, für den Konsumenten oft nicht, weil seine eigene Produktivität verkümmert.
  94. Ein Film ist nur bei der ersten Betrachtung “lebendig” und spannend, beim zweiten und mehrfachen Sehen wird die Täuschung offensichtlich: Der Film ist eben nicht das Leben.
  95. Ich fahre mit der Fähre nach Griechenland. Überall laufen laute Fernseher, deren Sprache ich nicht beherrsche. Ich setze mich mit dem Rücken zu den Bildschirmen, um zu lesen. Dabei wird mir klar: Das Akustische ist noch aggressiver als das visuelle: ständiger Wechsel, Überspielungen, raunende Sprache abgelöst durch grelle Schreie, mystische Musik, Denotationen, Krach…. = inszenierte Nervenerregung und das jeden Tag mehrere Stunden: grauenerregend.
  96. Filme und Bilder erzeugen in der Regel (nach den “Regeln” der Produzenten, aber auch der Konsumenten, denn letztere wollen ja die Illusion) das falsche Bewusstsein, nicht im Film, sondern in den dargestellten Situationen zu sein. Davon leben auch die so geschätzten Naturfilme, die durch und durch ästhetisch sind, einschließlich der einschmeichelnden Begleitmusik. Ich sehe in diesen Filmen die Gefahr, dass in der nicht inzenierten Originalbegegnung Enttäuschung sich breit macht. Hinzu kommt, dass die Originalbegegnung in der Regel auch Anstrengung verlangt. Selbst, wenn man diese Art Filme als eine Art Einstieg oder als Motivation auffasst, in die Natur zu gehen, muss bedacht werden, dass der Film nur einen Teil des Visuellen und Auditiven wiedergibt, während alle anderen Sinne nicht aktiviert werden. Wenn der Film als Modell für Wirklichkeit genommen wird, werden diese ausgeblendeten Dimensionen nicht oder nur schwerlich wahrgenommen.
  97. Das Fernsehen für die älteren, das Youtube für die jüngeren Menschen sind die modernen moralischen Anstalten der Gesellschaft. Sie sind gegenüber Schule und Universität so attraktiv, weil in ihnen problemlos ein kontrollierter Kontrollverlust jederzeit möglich ist.
  98. Ein Photo reißt eine Situation aus lebendigen Prozessen heraus. Sie wird zeitlos und ist damit tot. Aber auch der Film ist trotz der Veränderungen real zeitlos. Er läuft determiniert ab. Deswegen sieht man sich in der Regel einen Film auch nicht zweimal an.
  99. Nach Pascal sind Langeweile und Unterhaltung (durch Medien, bm) zwei Seiten desselben Prozesses.
  100. Jeden Abend sitzen Menschen wie Puppen erstarrt und ausdruckslos vor den Fernsehapparaten - besonders häufig von der Form her Übergewichtige.
  101. Wenn Informationen in die Welt kommen, materialisieren sie sich überwiegend in der Fläche (Buch- und Zeitungsseiten, Monitore, Bilder, Werbetafeln, Armaturenbretter, Navigationssysteme usw.). Bedenkt man, wie oft man sich in diesen Flächen am Tag aufhält, wird die Aussagen “Die Welt wird flach” wahr.
  102. Der Fernsehschirm wird metaphorisch als ein Fenster nach außen hin aufgefasst. Aber das ist eine Illusion, denn man sieht nach innen in den Fernsehapparat auf Produkte, die in den Fernsehanstalten hergestellt werden. Der Fernsehschirm ist ein Schaufenster, vor dem wir stehen, und in dessen Auslage mediale Produkte zum Begaffen ausgestellt sind. Fernsehen ist Abwendung von der Welt. Man schaltet ein, um abzuschalten.
  103. Ich verweise auf eine Sendung. Mein Ansprechpartner geht selbstverständlich davon aus, dass ein Fernsehsender und nicht ein Radiosender gemeint ist.
  104. Bilder, auch laufende, sind real ohne Leben. Deswegen erzeugen sie keine Nachhaltigkeit, wie es eine Berührung mit einem Lebewesen vermag.
  105. In einem Hotelzimmer ist an der Wand dem Bett gegenüber in ca. zwei Metern Höhe ein Fernseher installiert. Bevor ich einschlafe, gilt ihm mein letzter Blick, und wenn ich aufwache, mein erster. Ich fand es bedrückend.
  106. Ob mein Zug oder der gegenüberstehende fährt, kann ich erst dann entscheiden, wenn ich den Blick auf ein drittes Objekt, z. B. ein Bahnhofsgebäude zur Bestimmung heranziehe. Der Zeitraum des Noch-nicht-Entschiedenen “Fährt mein Zug oder der gegenüberliegende?” entspricht genau dem Unterschied von Bewegungen im fahrenden Auto (mein Zug fährt) und Bewegungen auf dem Fernsehbildschirm (der gegenüberliegende Zug fährt). Die Gemeinsamkeit ist die, dass der Mensch in beiden Situationen immer sitzt, d. h. sich selbst nicht bewegt. Im Auto entsteht “wirklicher” Schein, im Fernsehen entsteht virtueller Schein von Bewegungen.
  107. Wenn mein Auge einen Gegenstand, z. B. ein Gebäude, wahrnimmt, tastet es dieses in einer Bewegung ab und leitet die Informationen zum Gehirn zur Verarbeitung. So gesehen führt das Gebäude auf meiner Netzhaut und in meinem Gehirn eine Bewegung durch.
  108. Bild und Film sind fremde Wahrnehmungen, die ich wiederum wahrnehme, also eine Wahrnehmung der Wahrnehmung. Das im Bild und Film Wahrgenommene ist immer Vergangenes.
  109. Meine Kritik richtet sich selbstverständlich nicht gegen Bilder an sich, ich bin kein Ikonoklast, sondern gegen die Bilderschwemme, die nicht mehr verarbeitet werden kann und so Denken verhindert.
  110. Bilder ersetzen zunehmend Wirklichkeit und das nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich, denn die Bildschirme werden immer größer, so dass es bald möglich sein wird, Zimmerwände oder Häusermauern in Bildschirme zu verwandeln. Ist diese Transformation vollendet, leben wir in der totalen Bilderwelt - ohne Ausgang bzw. ohne Abschaltknopf.
  111. Der Mensch lebt in drei Welten: a) mit seinem Körper ist er mit seiner direkten Umwelt unmittelbar verbunden wie Klima, Untergrund, von ihm angefassten Geräten, von ihm berührten Menschen. b) Mit seinen Fernsinnen Sehen und Hören (und bedingt Riechen) erfährt er seine Umwelt, so weit eben die jeweiligen Sinnesorgane reichen. c) Mit dem Geist gelangt er in Zeiten, Räume und Phantasiewelten jenseits der sinnlich erfahrbaren Welt. Das Bild ist eine Art Zwitter zwischen der zweiten und dritten Welt. Wenn das nicht sauber im Bewusstsein getrennt wird, kann ein Problem entstehen.
  112. Es ist ein fundamentaler, ja ontologischer Unterschied, ob ich im Film oder auf der Straße einen Bettler sehe. Im Kino- bzw. Fernsehsessel macht es keinen Sinn, die dort dargestellte Situation direkt durch eine Handlung beeinflussen zu wollen. Von Sportsendungen abgesehen, hat man gelernt, still zu sitzen. Aber man verlernt dabei auch einiges, nämlich die Fähigkeit zum Entscheiden, Verantwortung zu übernehmen und mit Freiheit umzugehen, kurz zu handeln. Es gibt Hinweise, dass die damit einhergehende Persönlichkeitsveränderung bis hin zur Entpersönlichung Haupteffekt des inflationären Konsums von Bildern ist. Nur in Realsituationen lerne ich Handeln.
  113. Das Zeichen bezieht sich auf das Allgemeine, die Wahrnehmung auf sinnlich Gegebenes. Dinge und Bilder selbst sprechen nicht, falls dem Wahrnehmenden kein (allgemeiner) Begriff zur Verfügung steht. Umgekehrtes gilt ebenso. Achtet also auf die Proportionen!
  114. Bildschirme sind entwickelt worden, die einen Diagonalmaßstab von 2,75 Metern haben - aber es bleibt immer ein Fernsehapparat. Ab welcher Größe wird der Trug nicht mehr bemerkt?
  115. Die Bildschirme der Fernsehapparate sind flach und verflachen. “Verflachen” in dem Sinne, dass das Bild dominiert und der Begriff auf ein Minimum reduziert wird, so dass keine Tiefe entsteht. Diese Verflachung verdoppelt sich durch die Veränderung der Art und Weise der Wahrnehmung.
  116. Vom vielen Bildersehen haben wir zur Welt überwiegend einen Kamerablick, der sich von der natürlichen Wahrnehmung unterscheidet: Dieser Blick mischt sich nicht in das Leben ein, man steht vor dem Leben.
  117. Im Spiegel wird der dreidimensionale Körper zu einem zweidimensionalen, körper- und bildlosen Bild - wird aber als Körper wahrgenommen. Nach diesem Prinzip funktionieren alle Bilder, die den Anspruch auf Abbildung erheben.
  118. Dreidimensionale Wirklichkeit in zweidimensionale Bilder zu transponieren kann Gewinn sein, weil man der Metaphysik näher ist, kann aber auch Verlust sein, weil Abschied von der diesseitigen Wirklichkeit. Heute favorisiert man Bilder im Modus des habituellen Konsums aus Faulheit heraus.
  119. Der Bildschirm des Fernsehers wird mit einem Fenster verwechselt, das sich zur Welt hin öffnet. Aber das ist eine Täuschung, ein trompe l´oeil - denn das Fenster ist blind. Es besteht aus einer Projektionsfläche, auf die konstruierte Welten geworfen werden. Die Täuschung gelingt, weil Sichtbarkeit mit Anwesenheit gleichgesetzt wird.
  120. Es ist eine schwierige Aufgabe, überzeugend den Unterschied von Bild und Wirklichkeit zu bestimmen. Die folgende Interpretation entstand in der Auseinandersetzung mit dem Buch “Bild-Anthropologie” von Hans Belting, wobei meine Deutung nicht den Anspruch erhebt, Belting angemessen wiederzugeben: Äußere Bilder haben immer ein Trägermedium, beim Gemälde sind es Farben und Leinwand, beim Photo der empfindliche Film, beim Fernsehbild der Monitor. Die Wirklichkeit hat kein Trägermedium, sie kommt ohne es aus. Der ein Bild oder Realding wahrnehmende Mensch ist selbst ein Trägermedium, nämlich sein lebendiger Körper und damit haben auch innere Bilder ein Trägermedium. In dem Moment, wenn der Mensch ein äußeres Bild wahrnimmt, findet ein Tausch der Trägermedien statt: Das Medium des äußeren Bildes wird im Wahrnehmungsakt sofort durch den Körper des Wahrnehmenden ersetzt. Mir kommt es hier auf Folgendes an: Der Unterschied zwischen Wirklichkeit und Bild besteht darin, dass die Wahrnehmung eines Bildes von zwei zeitlich folgenden, verschiedenen Medien, während die Wahrnehmung eines Realdings nur von einem (1) Medium, eben dem lebendigen Körper, abhängt. Diesen Unterschied halte ich für gravierend.
  121. Wenn diese Beschreibung stimmt, dann zieht die Bilderfahrung auch eine veränderte Körpererfahrung nach sich, d. h. die Täuschung wirkt sich auch auf die Körpererfahrung aus. Wem Welt tendenziell ausschließlich im Modus der Bilder begegnet, “vergisst” seinen lebendigen Körper.
  122. Es ist schon paradox: Wir sehen Bedeutungen und nicht Farben und Leinwand, also Materie. Wir sehen nicht die materiellen Medien. Das ist wohl der Grund, dass wir die Wirksamkeit von Medien nicht bemerken. Sie verstecken sich gewissermaßen in den Bildern. Das erzeugt z. B. den Irrtum, dass zwischen dem winzigen Bildchen auf einem Handy und dem entsprechenden 11×17-Photo kein Unterschied besteht.
  123. Es gibt im objektiven und subjektiven Sinne wenige wertvolle Bilder, aber im objektiven Sinne viele wertlose Bilder
  124. Optimisten halten den Fernsehschirm für ein Fenster, das sich zur Welt hin öffnet. Aber die dort zu sehenden Bewegungen sind keine Bewegungen in der Welt, sondern finden auf dem Bildschirm statt: reale Zweidimensionalität statt vermeintlicher Dreidimensionalität. Der Blick aus dem