Kritik der Nutzung des Autos im Besonderen und der Anwendung von Fremdbewegung mit Hilfe von Motoren - Analyse der motorengestützten Kultur -  Gegen ein still gestelltes Leben aus zweiter Hand, für Lebendigkeit

Stand:  4.  2. 12

Die Kritik des Autos beinhaltet auch eine Kritik der Fremdbewegung bzw. der gewaltsam durchgesetzten Nicht-Bewegungen. Es wäre fast alles erreicht, wenn Auto und Mensch nicht mehr als eine untrennbare, naturwüchsige Einheit aufgefasst würden. Das Auto ist lediglich eine (1!) Möglichkeit zur Ortsveränderung. Es gilt, im Interesse der Umwelt, des Klimas, aber auch der Autofahrer selbst, das zutiefst emotionale äVerhältnis zum Auto durch ein rationales zu ersetzen. Das Auto darf nicht ein Teil der Identität sein.

Das Auto (obwohl es natürlich auch wiederum bedingt) steht im Zentrum der Kritik , weil es in immer stärker werdendem Umfange die Eigenbewegung ersetzt. Die Verwendung des Autos ist nahezu universell geworden und das aus zwei Gründen: Zum einen realisiert und symbolisiert das Auto das gesamtgesellschaftliche Wollen, Wünschen und Handeln, es verkörpert die Logik unserer Gesellschaft (the primary driving force). Das Auto ist Selbstzweck, aber auch Mittel für nahezu alles, was der auf Konsum reduzierte Mensch erreichen will. Es ist der materielle und emotionale Mittelpunkt des individuellen Lebens und der gesellschaftlichen Prozesse. Zum anderen - auch als Folge - ist jede Ortsveränderung mit Hilfe des Autos zur nahezu habitualisierten Selbstverständlichkeit geworden. Die Einschränkung “nahezu” soll auf den verbliebenen Raum für Alternativen, wie sie momentan in der Neuendeckung des Wanderns und Gehens sich äußern, hinweisen. Ein Raum, der - so hofft und versteht der Autor seinen Beitrag - sich in Zukunft zu einem menschlichen Lebensraum erweitern wird, ja erweitern muss.

Es gibt inzwischen viele ermutigende Initiativen und Menschen, die sich für das Gehen und Radfahren einsetzen - aber allen ist gemeinsam, dass sie nicht substanziell und systematisch eine Kritik des Autos entwickeln. Dieses Defizit soll der Inhalt meines Buches und dieser Homepage ein Stück beheben.

Die Kritik beschränkt sich nicht nur auf Autos, sondern gilt  generell dem zunehmenden Einsatz von Motoren,  wenn  er  überflüssig ist, d. h. Not nicht vermindert, sondern vergrößert. Und diese Überlegungen beziehen sich primär auf den konsumtiven Bereich, deswegen, weil die Ersetzung harter körperlicher Arbeit durch motorangetriebene Maschinen eine Errungenschaft ist, die als letzte problematisiert werden sollte. Also ein Ja zu öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn sie sinnvollen Fahrten dienen, ein Nein zum Auto, wenn Alternativen vorhanden sind. 

Neue Einsicht: Ich kritisiere nicht die Technik, denn sie gehört unaufhebbar zum Menschsein, sondern ich  kritisere gegebenenfalls den Einsatz von Motoren. Meine früher geäußerte Technikkritik war genau besehen immer eine Motorenkritik. Bekanntlich kommt Motor von movere "bewegen", womit Eigenbewegung und Fremdbewegung als Motorenbewegung in die notwendige nähere Beziehung gesetzt werden. 


  1. Ein  Ex-Geheimdienst-Mitarbeiter ist in seiner Zeit als Agent nur schnelle Autos gefahren.  "Mit einem Golf brauchst du da nicht zu kommen. Dann ist dein Status von Anfang an ruiniert, weil Kriminelle andere Autos fahren."  Wenn man sich die Größe vieler Autos auf der Straße und vor den Wohnungen betrachtet, ist das keine spezifische Einstellung einer bestimmten Bevölkerungssegments.   
  2. Abwesenheit von Auto ist Abwesenheit von Hässlichkeit, schädliche Emissionen und  Gefahren und Anwesenheit  von Schönheit, guter Luft und Bejahung der Umwelt.
  3. Je befahrener eine Straße ist, desto weniger Fußgänger und spielende Kinder auf ihren Bürgersteigen, wenn überhaupt vorhanden.
  4. Fahrende Autos bedürfen potentiell immens viel Platz, aber wenn sie stehen,  nehmen sie  einen relativ geringen Raum ein. So entsteht für die Autos ein riesiger unbenutzter Raum, der keine anderen Dinge duldet.  Wohl gemerkt, relativ, denn die vollgeparkten Straßen  der Städte sind allein aus ästhetischen Gründen eine Zumutung.
  5. "Das Auto ist im besten Sinn  ein Stück Heimat" (in  einem Plädoyer für die Wiedereinführung von alten Autoschildern). Leider hat der Schreiber Recht.
  6. „Das Image der Bahn ist nach wie vor schlecht“ (ein Zeitungskommentar). Meine Erfahrungen sind gegenteilig.  Ich vermute, das negative Image der Bahn wird  überwiegend von Autofahrern geprägt, die damit von den katastrophalen Folgen des Individualverkehrs ablenken wollen.
  7. Positive Gemütszustände  werden heute zunehmend über technische Apparaturen vermittelt: Man ist lebedig, indem man die Geschwindigkeit seines Autos erhöht, man ist gut drauf, indem man die Musik lauter stellt.
  8. Die Anfangsbuchstaben von Vor- und Nachnamen  auf dem Autoschild des jeweiligen Besitzers sind für mich ein Indiz für die emotionale Verschmelzung von Maschine und Mensch: Ich bin mein Auto.
  9. Vielleicht sind Medien deswegen  so populär, weil dort keine externen Widerstände - wie in der Face-to-face-Kommunikation - auftreten können. Im Auto  fährt man übrigens auch widerstandslos durch die Welt.
  10. Im Auto wird die Umwelt zu einer Schattenwelt, vor dem Fernseher zu einer inszenierten Scheinwelt.
  11. Filme sind festgestellte Bewegungen – das merkt man aber erst nach mehrmaligem Sehen desselben Films.
  12. Auto und Fernseher sind die zwei großen Erzieher der Gegenwart. Wer in ihnen steckt, ist wehrlos.
  13. Aus einem Zeitungsbericht aus dem Jahre 2024: „Nach den weltweiten Benzinaufständen hat die Bundesregierung in Deutschland beschlossen,  alle Maßnahmen, die den Individualverkehr beeinträchtigen könnten, konsequent aus dem Sparprogramm herauszunehmen. Dazu aber die bisherige Reduzierung der finanziellen Aufwendungen in den Bereichen Kultur, Bildung, Renten, Gesundheit,  Subventionen, Militär um die Hälfte noch einmal um ein Viertel  auszudehnen. Die Regierung kommt zwingend zu dieser Lösung, weil  bisher die Proteste gegen Benzinpreiserhöhung sich  als die weitaus massivsten herausgestellt haben.
  14. Mein tiefster Grund, auf das Auto zu verzichten, besteht darin, dass ich Autofahren schlicht als  massiven Verlust von Lebensqualität empfinde.
  15. Wenn man der Meinung ist, dass Eigenbewegung ein Moment von Lebensqualität ist, muss man auch ihre Hauptverhinderer, das Auto und Medienkonsum, in Betracht ziehen.  
  16.  „Fast alle wollen fliegen, aber niemand will Fluglärm“ (FAZ v. 17. 1. 12). Fast alle wollen Autofahren, aber niemand will an Autostraßen wohnen. Diese Schizophrenie muss aufgelöst werden, aber nicht pro Fluglärm und Autostraßen. 
  17. Die große Mehrheit der zeitgemäßen  Bürger ist in Bezug auf Ortswechsel über hundert Meter auf Säuglings- bzw. Kindheitsniveau regrediert. Für diese Aufgabe bedürfen sie zwar keine Kinderwagen oder müssen auch nicht mehr von den Eltern auf den Arm genommen werden, sind aber dafür auf  Autos und Motorräder angewiesen.
  18. Lebensqualität besteht gerade nicht darin,  jede Ortsveränderung mit dem Auto zurückzulegen, jeden Abend die Langeweile mit Hilfe stundenlangen Fernsehens zu beseitigen müsse. Wer das meint, bei dem müssen die  Alarmglocken klingen, denn die Sehnsucht nach dem Leben ist erloschen.
  19. "Luxuswagen-Crash: 150 000 Euro Schaden" (aus einer Tageszeitung)-
  20. Zeitgemäße Autos können in der Regel zumindest neben dem Transport eines Menschen noch eine zusätzliche  Funktion erfüllen: die acht- bis zehnsitzigen Wagen  können auch als Busse, die kompakten, großvolumigen  Wagen als Lastkraftwagen und die überlangen Limousinen ggf. als Leichenwagen eingesetzt werden.
  21. Kein Mensch (von wenigen Ausnahmen abgesehen) will an einer Autostraße wohnen, kein Mensch (von wenigen Ausnahmen abgesehen) will auf das Autofahren verzichten. Die Folge: Siedlungsbrei, Zunahme des Autoverkehrs  und Vergrößerung des Straßennetzes.
  22. Die meisten Autofahrer  unterscheiden nicht zwischen subjektiven und objektiven Argumenten für oder gegen das Auto. Es mag ja sein, dass man Spaß am Fahren hat, aber dadurch wird die Schädlichkeit des Autos nicht geringer. Das sind zwei vollkommen verschiedene Dimensionen.
  23. Das Auto ist die Voraussetzung dafür, dass Siedlungen sich breiartig in die Landschaft hineinfressen und dass auf Berghängen flächendeckend gesiedelt werden kann.
  24. Die schnelle Aufeinanderfolge von Bildern in Filmen und und Sendungen im Fernsehen lassen nahezu keine Zeit für eine effektive Aneignung in Form von  Synthesen mit vorhandenen Inhalten. Es bleiben, wenn überhaupt, nur einige innere Bilder und Einschätzungen übrig. Anders formuliert: Der Wert eines Bildes besteht darin, sich auf es einzulassen.
  25. Der Navigator ist die technische Antwort auf das Verschwinden des Menschen in den Straßen.
  26. Wenn man Autos nicht mit Menschen gleichsetzt, sind unsere Straßen menschenleer.
  27. Da man  in unserem Stadtviertel im Normalfall keine Menschen sieht, denke ich manchmal, es gäbe dort  keine. Aber das stimmt wahrscheinlich nicht, denn aus den fahrenden sowie parkenden Autos und dem flackernden Licht der Fernseher kann man erschließen, dass hier doch Menschen wohnen müssen. Aber es gibt hier keine Originalbegegnung mit ihnen.  
  28. Alfred Korzybskis  „The map is not the territory”  stimmt natürlich,  aber ebenfalls stimmt die Aussage “The mind is the map” d. h. inzwischen bestehen im Bewusstsein von habituellen Autofahrern Landschaften und Städte allein aus Straßen, bestenfalls „gestört“ durch einige markante Bauwerke und Landschaftsteile. Orte, die nicht mit dem Auto erreichbar sind, existieren in diesem Bewusstsein nicht, es sind Un-Orte.
  29. Bei uns hat es seit Tagen sintflutartig geregnet. Flüsse  und Seen sind über ihre Ufer getreten, selbst einige Straßen sind überflutet. Die Fortschrittlichen unter unseren Autofahrern überlegen ernsthaft, ob sie sich nicht zusätzlich  zwei Boote, selbstverständlich Motorboote,  zulegen müssen, um ihren Mobilitätsstandard aufrecht zu erhalten.  Eines der Boote wäre dann das notwendige  Zweitboot.
  30. Ich gehe nach dem Abendbrot durch die Straßen einer dieser typischen Vorstädte. Obwohl ich eine halbe Stunde unterwegs bin, treffe ich keinen Menschen. Plötzlich wird mir klar, warum so viele Gespräche und Gedanken Navigatoren gelten: Es gibt keine Menschen mehr, die man spontan nach einer Straße befragen kann.
  31. Der Autofahrer und der Gefängnisinsasse führen während ihres Aufenthaltes in dem Wagen bzw. in der Zelle ein vergleichbares Leben. Genau betrachtet hat der Autofahrer durch den Autogurt noch weniger Bewegungsspielraum.
  32. Warum  geben sich die zeitgemäßen Menschen mit Bildern und Filmen zufrieden, die nicht ihre eigenen, sondern inszenierte sind und auch nicht weiter führen? 
  33. In einem Leserbrief wird den Radfahrern rücksichtsloses Verhalten vorgeworfen. Sicherlich gibt es unter ihnen Schwarze Schafe. Aber  Fehlverhalten findet man auch bei nicht wenigen Autofahrern. Unter dem Aspekt von schädlichen Emissionen mit ihren negativen Auswirkungen auf das Klima sind Autofahrer objektiv immer Schwarze Schafe, auch wenn sie sich im Verkehr nichts zu Schulden kommen lassen.
  34. Der Wunsch nach absoluter Bequemlichkeit entspringt vielleicht unbewusst aus  einem   pseudo-religiöses Gefühl.
  35. Vermutung: In nicht allzuferner Zukunft können wir uns die energieaufwendigen Mobilitätsstrukturen (und andere hochtechnische Strukturen) nicht mehr leisten.
  36. Insbesondere die Motoren-Technik scheint einen Abglanz vom Paradies zu verschaffen. Das erklärt die große Faszination und Engagement für diese Technik. Aber dieser Zusammenhang ist, wenn meine Vermutung dann stimmt,  den meisten Technikern und Technikgläubigern nicht bewusst.
  37. Zukünftige Revolten werden sich insbesondere über Topics wie "Nigeria fury at fuel price rises" (BBC) vermitteln. 
  38. Man sollte nicht von Naturgesetzen sprechen, weil sie das Leben ausschließen, sondern von Materiegesetzen. Materie ist der Zustand  der Abwesenheit von Geist.
  39. Das Auto und der Fernsehapparat sind heute die mächtigsten Disziplinierungsinstrumente
  40. In dem einen Haus sitzen drei Statuen vor dem Fernsehsender, in dem anderen sitzt eine Familie sprechend und lachend um einen Tisch. Das ist die entscheidende Differenz zwischen lebend und lebendig
  41. Die Faszination des Fernsehens speist sich wesentlich aus einem  voyeuristischen Interesse, das offensichtlich in dieser Form  bei vielen Menschen stunden- und jahrzehntelang nicht erlischt.
  42. Mutationen der  Füße und der  Augenäpfel  des Menschen haben die größten Erfolgsaussichten des Überlebens, aber nur dann, wenn die jeweilige Mutation der Füße  gaspedalförmige Form hat und die der Augenäpfel bildschirmartig, also vierartig,  ist.
  43. Es besteht absolute Prognosesicherheit in folgender Situation: Wenn das Auto nicht vor der Tür steht, ist er nicht zu Hause. Steht das Auto vor der Tür, läuft der Fernsehapparat oder er schläft.
  44. Folgende Frage habe ich einem klugen Bekannten zu verdanken: „Ist eine mehrstündige Autofahrt tatsächlich bequemer und weniger anstrengend als ein mehrstündiger Fußmarsch?“ Auf Grund eigener Erfahrungen verneine ich inzwischen diese Frage - mit Sicherheit ist körperliche und geistige Unterforderung anstrengender und damit unbequemer. 
  45. Wann kommt endlich die Zeit, dass eine Ferienregion mit dem Motto  „Menschen herzlich willkommen, Autos unerwünscht“ auch wirtschaftlich werben kann? Wann komm die Zeit, dass mündige Bürger fordern, ihre Stadt oder ihr Stadtteil soll autofrei werden. 
  46. Eine phänomenologische Beobachtung: Seit drei Jahren bin  ich nicht mehr  Auto gefahren. Nach einer drei Kilometer langen Fahrradtour  bei Gegenwind und Regen steige ich in einen Leihwagen: Zu Beginn  des Fahrens fühle ich keine Schwere, keine Körperlichkeit, keinen Widerstand. Der eigene Körper verschwindet in einem Gefühl des Getragenwerdens, aber die Seele steigt nicht nach oben oder seitwärts  in schöne Gefilde, sondern verbleibt in einer hässlichen Blase. Totales Unwohlsein. Als ich am nächsten Tag ins Auto stieg, um ihn zurückzubringen, hatte ich nicht mehr das Gefühl der Körperlosigkeit.
  47. Wenn jemand mit einem Hammer etwas zerstört, bemerkt er es, wenn er Auto fährt, bemerkt er es nicht.
  48. Das Auto verhindert körperliche (äußere) Eigenbewegungen, das Fernsehen geistige (innere) Eigenbewegungen.
  49. Wenn zum Verstehen untrennbar Leben gehört, versteht man im Auto von der durchfahrenen Umgebung und vor dem Fernsehapparat von den Inhalten sehr, sehr wenig.
  50. Ein Mensch ist ein Mensch, eine Katze ist eine Katze, eine Maschine ist eine Maschine. Basta!
  51. In einem Zeitungskommentar wird vermutet, dass Autofahrer erst dann auf andere Verkehrsmittel umsteigen, wenn es billiger wird oder schneller geht. Das wäre rational, aber offensichtlich ist es viel komplizierter: Ängste, Identitäts- und Prestigegründe, Bequemlichkeit sind zumindest gleich wichtige Gründe. 
  52. Autostraßen sind keine Straßen, die  direkte Kommunikation und Interaktion fördern. Es sind Autobahnen, auf denen der lebendige Mensch nur noch marginale Existenzberechtigung hat. Übrigens kann man Autos in Bezug auf Geschwindigkeit, Gefahrenpotential und Emissionen mit Pferdekutschen nicht sinnvoll vergleichen. 
  53.  „Die Technik hat jene alte Scheu verloren, die den Menschen davor zurückhält, die Erde zu verwunden und die Gestalt ihrer Oberfläche zu verändern (Friedrich Georg Jünger, Die Perfektion der Technik, S. 121).
  54. Habituelles, d. h. zwanghaft-suchtartiges Fernsehen und Autofahren deaktiviert  menschliches Potential.
  55. "Allerdings finde ich das Fernsehen ungefähr ebenso schlimm wie das Auto, weil es die geistige Bewegung blockiert wie das Auto die leibliche, und wir ein Gleichgewicht zwischen beiden Bewegungen halten sollten" (Klaus M. Meyer-Abich)  Rückmeldung).
  56. Den ständige Ausbau des Straßennetzes kann man als das entscheidende Moment des gigantischen Transformationsprozesses der herkömmlichen Stadt in  einen Siedlungsbrei interpretieren. Ich glaube nicht, dass diese Entwicklung allein aus energetischen Gründen Zukunft haben wird. Es wird die Zeit kommen, wo Nahversorger für die Mehrheit der Bevölkerung lebensnotwendig sein werden.
  57. Es gibt Straßen in der Innenstadt unseres Orte, durch die nahezu täglich 40 000 Auto pro Tag durchfahren. Möchtest Du dort wohnen, würdest Du das Deinen Kindern zumuten?
  58. "Wer Maschinen liebt, und nicht Menschen, ist ein Ungeheuer" (Friedrich Georg Jünger).
  59. Die begriffliche Trennung der Bewegung in  Eigen- und Fremdbewegung ist heute wichtiger denn je, da beide Bewegungsweisen  in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis stehen: Der Anteil der Fremdbewegung nimmt ständig zu, der der Eigenbewegung ständig ab. Diese Entwicklung  wird nahzu nicht durchschaut, weil Fremdbewegung als Leben und Erleben verkauft wird. 
  60. Wo Motore dominieren, ist kein Wohnen. In Atomkraftanlagen, aber auch in Fabriken oder an Autostraßen wohnt man nicht. Gilt das auch für Wohnungen, die zunehmend mit technischen Geräten vollgestellt werden?
  61. Entscheidend für die Attraktion des habituellen Fernsehens ist das Wie, das Was (die Inhalte)  ist bestenfalls von sekundärer Bedeutung, in der Regel eine Rationalisierung des Wie.
  62. Beim Autofahren und Fernsehen darf man  die Augen nicht zumachen, um nachzudenken oder zu träumen. "Augen zu machen" ist eine Metapher für Verzicht auf Reflexion und Träumen.  Im Zustand "der Augen auf"  ist man der jeweiligen  Umwelt ausgeliefert, beim Wandern dem Wald, beim Fernsehen dem Bildschirm, beim Autofahren den Straßen, Schildern, Mitautos und  vorbeihuschende Landschaften. Um den Sinn oder den Blick auf den eigenen inneren Zustand zu lenken, bedarf der zeitweisen sinnlichen Trennung von der realen Umwelt. 
  63. Natürlich sind  alle Dinge, Zustände und Situation nicht rein schlecht und auch nicht rein gut, sondern  immer liegen spezifische Mischungsverhältnisse vor. Das gilt natürlich auch für das von mir so heftig kritisierte Auto: Krankenwagen, Feuerwehrautos, Transportwagen usw. sind  gut. Schlecht dagegen ist die Nutzung des Autos, wenn Alternativen vorhanden sind.  
  64. Der SSW verlangt den Ausbau der Autobahn von Hamburg nach Flensburg auf sechs Spuren, wo ist die Partei, die den Rückbau auf zwei Spuren fordert?
  65. Die zerstörerische Dominanz des Autos ist nicht neueren Datums: "Nach dem Ende des Kaierreichs 1918 veränderte sich das Stadtbild Berlins rasant. Wo einst um die Gedächtniskiriche Bäume, Blumenbeete und Parkbänke standen, fuhren nun täglich 35 000 Autos. Schon forderte die Berliner Automobil-Lobby den Abriss der Gedächtniskirche" (Schleswig-Holstein Journal v. 17. 12. 2011).
  66. Trostpflaster: Am Mont-Saint-Michel soll die Blechlawine vor dem Berg verschwinden, indem die Parklätze auf das Festland verlegt werden. Kommentar:  Wenn die Häßlichkeit abnorme Dimensionen erreicht, scheinen doch noch einschränkende Maßnahmen gegen das Auto durchsetzbar zu sein. 
  67. Die (krankhafte) Fixierung auf das Auto kann man als eine sekundäre Verpanzerung auffassen.   In der Humanistischen Psychologie kennt man den Begriff der emotionalen und körperlichen Verpanzerung, das wäre dann die primäre Verpanzerung.
  68. Vom Straßenverkehr in großen Städten sagte W. G. Sebald, der übrigens bei einem Autounfall starb: „Ich bin im Verlauf der Jahre zu dem Schluß gelangt, dass aus diesem Getöse jetzt das Leben entsteht, das nach uns kommt und das uns langsam zugrunde richten wird, so wie wir das langsam zugrunde richten, was da war lange vor uns.“
  69. Welche Gesellschaft hat endlich die Vernunft und die Kraft, das Auto zurückzudrängen?
  70. Wenn man den Mangel an Eigenbewegung beschreibt und kritisiert, kommt man auch unweigerlich auf den sitzenden Lebensstil im Auto und vor den Medien.
  71. Kein Mensch wird ernsthaft behaupten, dass er beweglich sei, weil er allein auf Grund der Erdumdrehung  knapp 2000 Kilometer pro Stunde zurücklegt. Gleiches gilt für die Überwindung von Ortsveränderungen mit dem Auto. Fazit: Wenn sich die Erde und das Auto bewegen, bewegt sich noch lange nicht der Mensch.
  72. Wenn ein Lebewesen nicht mehr über Eigenbewegung verfügt, ist es tot. Dieser wird auch nicht durch motorengestützte Beweglichkeit aufhoben.
  73. Ich bin ein Gegner des habituellen, „zufälligen“ Fernsehens. Je größer der Bildschirm ist, tendentiell nimmt er bereits eine ganze Zimmerwand ein, desto schwerer wird es für den Zuschauer zu erkennen, dass er sich in einer Welt der Fiktionen befindet. Warum? Der Rahmen rückt immer weiter aus dem Blick, er ist es aber, der genau die Grenze zwischen Realität und Fiktion markiert. Ist man in einer Fiktion und sieht den "Rahmen" nicht, ist die Gefahr groß, sich in ihr zu verlieren. 
  74. Immer häufiger ersetzen Großlimousinen Mittelklasse- und Kleinwagen. Diese Limousinen machen auf mich den Eindruck von Schlachtschiffen wie einst unter Wilhelm II. Sie sollten Ausdruck von Großmacht sein.
  75. Wann beginnt man endlich damit, Uferstraßen konsequent für den Autoverkehr zu sperren?
  76. Die Not wendende Umkehrung: Keine freie Fahrt für Autofahrer - von sinnvollen Ausnahmen abgesehen.
  77. Geteilte Vernunft: Ein  von uns wenige Häuser entfernt wohnender liebenswürdiger Nachbar kommt wider Erwarten zu Fuß zu uns auf Besuch. Auf die Frage, warum er zu Fuß gekommen sei, antwortet er, dass er natürlich ursprünglich mit dem Auto kommen wollte, aber die Aussicht, bei uns einen Schnaps zu bekommen, habe ihn dazu veranlasst, das Auto stehen zu lassen.
  78. Fremdbewegung ist nur zum Preis von Fremdbestimmung zu erlangen. Deswegen errege ich immer Unverständnis, wenn ich nicht zum Kauf eines Autos oder Erwerb eines Führerscheins gratuliere. 
  79. Warum fahren Autofahrer selbst bei schönstem Wetter kurze Strecken? Ich vermute, dass sie dadurch im Unterbewusstsein eine Situation schaffen wollen, die es ihnen ermöglicht, in Zukunft bei jeder Gelegenheit begründet, d. h. ohne schlechtes Gewissen das Auto zu nutzen, weil inzwischen das Wetter dank ihrer Aktivitäten immer schlecht sein wird.
  80. Fernsehwelten sind zwar virtuell, aber sie können wie ein reales Gefängnis wirken. 
  81. Eine geschlossene Welt: Sie ist Taxifahrerin und ihr Hobby ist Motorradfahren, ihre Lieblingssendung im Fernsehen ist Formel 1.
  82. Es geht doch! Die Schauspielerin Keira Nightley besitzt keinen Fernseher und vermisst nach eigenen Aussagen nichts. Gleiches können wir übrigens über das Auto sagen. 
  83. Motorenangetriebene Räder rollen weltweit ohne Unterlass nicht für den Sieg, sondern in die ökologische Katastrophe.
  84. Die Mehrbelastung von 100 Euro pro Jahr (2011) für Autofahrer hat meinen  Beobachtungen nach bisher noch keine Einschränkungen zur  Folge – im Gegenteil, es wird noch mehr gefahren. Die Medien bezeichnen diese Mehrbelastung als Horror,  nicht als eine notwendige Entlastung der Umwelt und letztlich auch des Menschen. e
  85. Gibt es eine kausale Beziehung zwischen geistiger und/oder körperlicher Kleinheit und den Besitz von großen bzw. übergroßen Autos?
  86. Die Wahrscheinlichkeit, tödlich zu verunglücken, sei bei jeder Autofahrt 67 Mal höher als bei einer Bahnfahrt, teilte die  "Allianz pro Schiene" mit.
  87. Werbung für ein Auto mit einer intakten Landschaft als Hintergrund ist eine Lüge, weil unterschlagen wird, dass das Auto Ursache für die Zerstörung von Landschaft ist. Werbung für Wandern oder Radfahren mit einer intakten Landschaft als Hintergrund ist keine Lüge, weil sie nicht Ursache von Landschaftszerstörungen sind.
  88. Das Auto ist seinem Wesen nach  nicht in der Lage, sich Stadt und Landschaft anzupassen. Deswegen verlangen   Autos und ihre Infrastrukturen die  Unterwerfung von Stadt und Landschaft und letztlich  deren Ersetzung durch autogerechte Strukturen. 
  89. Das Auto ist nicht nur das absolut Fremde zur Stadt, sondern auch die Hauptkrankheit gegenwärtiger Städte.
  90. Bewohner einer Stadt sind von ihrem Bewusstsein her  problemlos habituelle Autofahrer, Bürger einer Stadt reduzieren ihre Autonutzung so weit wie möglich. 
  91. Die Stadt hat in der Geschichte alles absorbiert, so auch die Industrieanlagen im 19. Jahrhundert, ohne ihr Wesen zu verlieren. Erst am Auto ist die Stadt gescheitert. 
  92. Ich bin wohl der letzte "ganzheitlich" sichtbare Mensch in unserem Stadtviertel - von Hundebesitzer abgesehen. 
  93. Stundenlang vor dem Fernsehapparat hocken und im Auto gefesselt sitzen sind eindeutig körperliche und geistige Unterforderungen.
  94. Das Auto, der Zerstörer der Stadt, mit Fußgänger rechtlich gleich zu setzen, ist ein großer (moralischer) Fehler. Der Fußgänger gehört zum Wesen der Stadt, das Auto nicht. 
  95. Im Auto wird die Umwelt zur Unwelt. Unter Autos leiden Städte und Landschaften und der Autofahrer selbst. 
  96. Etwa 90 Hektar Acker- und Grünland gehen in Deutschland täglich durch Straßenbau, Gewerbegebiete und Ausgleichflächen verloren. Das entspricht jeden Tag einer Größe von 13 Fußballflächen. Der weitaus kleinste Teil davon dient für  Ausgleichflächen, die ökologisch gesehen nicht auf der Minusseite stehen.
  97. Der eiserne Griff des Autos nach dem und um den Bürger lockert sich zumindest bei der jungen Generation. Carsharing, Kurzmiete oder Mitfahrergelegenheit ersetzen zunehmend das Auto. Zu hoffen ist, dass diese Tendenz sich auch positiv auf  das Gehen, Radfahren  und Nutzung von  öffentlichen Verkehrsmittel auswirkt.
  98. Täglich bis zu zehn Stunden in zwei Meter Entfernung vor einem großen Bildschirm eines laufenden Fernsehapparates zu sitzen. Ist das nicht eine Art uneingestandener Folter?
  99. "Den Automotor beim Enteisen laufen zu lassen, ist verboten". Aber selbst dieses sinnvolle Anliegen wird von vielen "freiheitsliebenden" Autofahrern als Überregulierung diffamiert.
  100. These: Alzheimer entsteht auch! durch körperlichen und geistigen Bewegungsmangel, sei es  als Folge von ständigem Autofahren  und mehrstündigem Fernsehkonsum pro Tag. Diese permanente Fesselung an Sinnlosigkeit muss meiner Ansicht zu Fluchtaktivitäten führen, eine davon könnte die Flucht in die Krankheit Alzheimer sein.
  101. Naturalismus und Szientismus machen aus dem Leben eine Maschine. So auch Ernst Jünger in „Der Arbeiter“. 
  102.  „Cool“ ist eine Metapher aus der Maschinenwelt für entsprechendes  Verhalten.
  103. In der Eigenbewegung gründe ich die Bewegungen, in der Fremdbewegung ist es der Motor. Die Bewegung des Motors ist das gänzlich Fremde. 
  104. Das zehnjährige Kind liest  nichts außerhalb der Schule. Dafür lesen die Eltern ihr vor. Das ist, als ob ein Auto vor der Tür stände, so dass es keine Notwendigkeit gibt, sich selbst zu bewegen. 
  105. Der Motor und insbesondere das Auto enteignet und entfremdet mich von meinen Fähigkeiten – meistens ohne Notwendigkeit. Gleiche Entfremdung findet durch ständiges  Fernsehen, insbesondere wenn es das Leben ersetzt. 
  106. Ich lebe zwar, wenn ich Auto fahre und vor dem Fernseher sitze, aber ich bin nicht lebendig.
  107. Autofreie Tage wie in der Ölkrise in den siebziger Jahren, wären heute nicht mehr durchsetzbar.
  108. „Man kann ohne Übertreibung sagen der Naturalismus, der Szientismus und damit mit ihnen verbundene technologische Weltbild vorerst als pures Wunschdenken eingestuft werden müssen. Dennoch entfalten sie eine enorme wissenschaftspolitische Wirkung. Sie stellen daher eine ernste Gefahr für den Bestand der Geisteswissenschaften und die Verteidigung eines humanen Menschenbildes dar“ (Wolfgang Detel). 
  109. Du entscheidest, wieviel Nahrung das inhumane und ökologisch zerstörerische System Auto an Nahrung erhält.
  110. Es gibt nach meinen Beobachtungen immer mehr Familien, die ihren Familiennamen wie Müller oder Hansen in Autosen  ändern müssten. Warum? Ihr Lebensmittelpunkt  einschließlich der ihrer Kinder ist zeitlich, finanziell und von der inhaltlichen Sorge her  das Auto. Zudem ist es der Kern ihrer Identität. Deswegen vermute ich, dass diese vorgeschlagene Veränderung des Familiennamens nicht auf wesentlichen Widerstand stoßen wird, sondern in den meisten Fällen von den Betroffenen begrüßt werden wird.
  111. Der Umbau der Städte in autogerechte Siedlungen, der wenige Jahre  nach dem zweiten Weltkrieg massiv begann, hat volkswirtschaftlich riesige, nie benannte Kosten verursacht und ist zudem nicht zukunftsfähig. Diese Entwicklung war, ist  und wird  eine Sachgasse bleiben.
  112. Atmosphärischer Zentrum von Mali Lošinj ist die autofreie Hafenpromenade (Gerhard Fitzthum). Verallgemeinert: Das Auto verhindert immer und überall Atmosphären.
  113. Wahnwitzige zeitgemäße  Normalität: Distanzen über fünfzig Meter können nur noch Mit Hilfe von  Motoren überwunden werden.
  114. Individualverkehr ist ein viel zu schöner Begriff, um ihn ausschließlich für den Autoverkehr zu verwenden. 
  115. Das Auto ist fast immer der (tiefere) Grund dafür, dass insbesondere ältere Stadtviertel für die meisten Menschen nicht mehr attraktiv sind.
  116. Landschaften und Städte vertragen Autos nur in homöopathischen Dosen.
  117. Der nahezu ausschließliche Umgang mit technischen Geräten statt mit Lebewesen führt dazu, dass neue Eigenschaften des Maschinen-Menschen entstehen: Regelmäßigkeit, Emotionslosigkeit und Berechenbarkeit statt Spontaneität und Eigensinn (Arno Bammé u. a.: Maschinen-Menschen). Eigensinn ist entscheidend. Spontaneität verlangt Offenheit, Toleranz  und Wertschätzung durch die soziale Umgebung.
  118. Irreführend ist der Begriff „Zweirad“, weil der entscheidende Unterschied zwischen Eigenbewegung und Fremdbewegung untergebügelt wird.
  119. Abgesehen von der grundsätzlichen Problematik des Autos stören sie mich zusätzlich, wenn sie zu groß sind. Dann ist nämlich das Verhältnis zwischen Mensch und Autogröße nicht mehr ästhetisch stimmig, ähnlich wie im Mittelalter überlange Schuhe oder im Barock Riesenperücken Mode waren.
  120. Von den zwei  in meiner Straße parkenden Autos hat das eine mehr Ähnlichkeit mit einem Panzer, das andere mehr mit einem Megaliner.
  121. Bilder und Filme, wenn sie Authentizität anstreben, sind immer nur eine Teilwahrheit (Sinnlichkeit), sie müssen durch den Begriff (Verstand) erweitert werden. Bilder ohne Begriffe sind blind, Begriffe ohne Bilder sind leer. Erst zusammen bilden sie eine Erkenntnis.
  122. Früher galt offensichtlich "Kleider machen Leute", heute wohl eher "Autos machen Leute".  "Machen" im letzteren Fall  einmal im Sinne von "Prestige schaffen", aber dann auch im Sinne von "körperlich verdicken und "geistig verflachen". 
  123. Der Anteil schädlicher Treibhausgase hat einen neuen Rekord erreicht, wobei die Zunahme sich beschleunige (Flensburger Tageblatt v. 22. 11. 11.
  124. Deutsche Straßen wieder gefährlicher (genauer: tödlicher, bm).  Von Januar bis Ende September 2011 verloren 2938 Menschen ihr Leben, das waren fast sechs Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2010.
  125. Stefan Zweig war ein leidenschaftlicher Nichtautofahrer, besaß nicht einmal ein Auto. Ist das nicht ein Grund zum Überdenken.
  126. Auto und Fernsehen verhindern den verweilenden Blick ins eigene Innere.
  127. „Falsches Bewusstsein vom E-Bike: Der entscheidende Satz in den zwei Erfahrungsberichten von E-Bikes im Urlaub (FAZ v. 17. 11. 11) lautet: „Wir können uns einbilden, die Strecke aus eigener Kraft zu schaffen“. Das dazugehörige Foto unterstützt diese Einbildung, denn zumindest das ungeübte Auge sieht keinen Unterschied zum Normalrad. Aber dieser Unterschied ist für Körper und Geist sowie für  das Klima (bekanntlich wird Strom ja nicht in der Steckdose hergestellt)  der denkbar größte: Wenn  jemand den  Motor seines E-Bikes anwirft, ist er zumindest ein partieller Motorradfahrer mit vielen der  Probleme dieses Fortbewegungsmittels. Auch fehlen eindeutige Begriffe in diesem Bereich: Wenn jemand ein Auto fährt und meint, er sei beweglich, ist er im Irrtum, denn nur sein Auto führt die Bewegungen durch, während der Fahrer, durch Sicherheitsgurte gefesselt, nahezu unbeweglich ist. Um hier semantische Eindeutigkeit herzustellen, sollte man das Verb `sich bewegen´ nur im Sinne von Eigenbewegung verwenden.“
  128. Der Fernsehapparat ist  kein Fenster zur  Welt, sondern eine Projektionsfläche für produzierten Schein.
  129. Vor der autogerechten Stadt war jede Stadt schön in dem Sinn, dass sie über eine lebendige Innenstadt mit anschließenden Wohnbezirken und unregelmäßig verteilten Produktionsstätten verfügte. Heute ist die Innenstadt an die Peripherie gezogen, wo sie sich autogerecht ausbreitet. Dort herrscht die  nackte Hässlichkeit. 
  130. Beim Autofahren sind die Fahrenden körperlich, geistig und seelisch drastisch reduziert: Beim Konsum von Bilderfluten ist die Welt drastisch reduziert.
  131. Für habituelle Autofahrer haben nur die Orte Realität, die über Parkplätze verfügen. Ist das nicht der Fall, ist es so, als ob diese Ort  nicht existierten. Sie sind unerreichbar.
  132. Ich erinnere im Zusammenhang eines Artikels zu Günther Grass´Mitgliedschaft in der SS ein Foto von einem großen Panzer einer SS-Division, vor dem es offensichtlich kein Entrinnen gab. Heute ist in der Zeitung ein  Foto eines Rennautos von Red Bull: zwischen dem SS-Panzer und diesem Rennauto  besteht  meiner Ansicht nach kein Unterschied in dem aggressiven Einschüchterungspotenzial. Formel-I-Rennen sind kriegskompatibel.
  133. Dass ein Mensch sich insbesondere in der Jugend an Geschwindigkeit berauscht, kann ich nachvollziehen, aber wenn dieser Rausch ein ganzes Leben andauert, kommen mir Zweifel.
  134. In einer typischen  Vorstadtsiedlung gegen Mittag an einem Alltag: Man sieht keine Menschen, aber dafür massenhaft parkende Autos.  Ist dort eine Neutronenbombe gefallen?
  135. Sich ins Auto setzen heißt,  auf Erfahrungen über sich und Welt zu verzichten.
  136. Wenn technische Prozesse dominieren, wird das autonome Ich überflüssig.
  137. Junge Großstädter: Das Auto langweilt. Autobesitz und Autonutzung gehen bei der städtischen Jugend signifikant zurück. Noch im Jahr 2000 besaß mehr als die Hälfte der Männer im Alter zwischen 18 und 29 Jahren ein eigenes Auto. Inzwischen ist es noch gut ein Drittel (aus Spiegel 45, 2011).
  138. Derjenige verfügt über  Macht, dessen Befehle befolgt werden. So gesehen haben Motore über uns Macht gewonnen, denn wir folgen ihren Befehlen in Form von Bedienung, von Benzin und Öl, von Wartung, von Kauf, von vorgeschriebenen Handlungen usw. Aber diese Tätigkeiten werden nicht als Machtbefolgung angesehen.
  139. In dem Film „Willkommen im  Süden“ gibt es in dem malerischen Ort Castellabate voller liebenswerter Menschen nahezu  keine Autos. Hier werden implizit verdrängte Sehnsüchte thematisiert.
  140. "Die Losung lautet: Attacke" (zu der Zweiradmesse in Mailand). Diese militärische Sprache ist angemessen, denn unter Zweirädern werden allein Motorräder verstanden.
  141. Ein Hotel wirbt in einer Anzeige an erster Stelle mit günstigen  Autoparkplätzen.
  142. Ca. zwanzig Menschen stehen  ehrfurchtsvoll, staunend und stumm vor einem Schaufenster, in dem eine Großlimousine ausgestellt ist. Plötzlich ist hinter ihnen deutlich eine Stimme zu hören „Das ist kein Gott, sondern ein Scheißauto“.
  143. Eine junge Frau mit zwei sehr großen Kopfhörern steigt in die U-Bahn ein. Ihre Botschaft lautet: "Keine Kommunikation mit mir". 
  144. Warum gibt es viele Menschen, die eine Zugfahrt unter ihrer Würde halten, aber nicht das Flugzeug meiden?
  145. Heute erkrankt das Leben häufig an der Technik.
  146. "Meine Einbildungskraft widersetzt sich in jedem Augenblick jedem Bild, und meine Freiheit zu formulieren jeder Formel" (Paul Velery). Das wäre auch ein Argument gegen Fernsehkonsum.
  147. Autofahren stärkt die Fernsehsucht, Fernsehen stärkt die Autosucht.
  148. Fernseher und Autos sind faktisch Trivialisierungsmedien.
  149. In Beethovens Pastorale haben Autos keinen Platz.
  150. Vermutung:  In den neu angelegten  Wohnsiedlungen um und vor der Stadt wird im Alltag viel weniger gelaufen oder Rad gefahren als  in älteren Wohnvierteln. 
  151. Wer Auto fährt, lebt, ist aber lange noch nicht lebendig - im Gegenteil.
  152. Seitdem ich Telefonnummern speichere und ggf. abrufen kann, behalte ich sie auch nicht mehr. D. h. ich muss meinen Geist nicht mehr anstrengen. Das gilt generell für alle Technik: Man verblödet bzw. schlafft körperlich ab. Natürlich gibt es Situationen, wo diese Verluste letztlich doch einen Gewinn sind
  153. Selbst Leute, die in Autoabgasen nahezu ersticken, kritisieren nicht das Auto an sich.
  154. Zwei Drittel der Autofahrten sind nicht notwendig, wobei dieser  Anteil größer wird. Die Politik unterstützt und fördert diesen irrationalen Prozeß durch ständige Anpassung. 
  155. Neuzeitliche Technik ist von externer Energie abhängig. Neuzeitliche Technik ist in mehreren Dimensionen destruktiv. Neuzeitliche Technik ist der primäre Grund für Änderungen. Neuzeitliche Technik bestimmt zunehmend die Psyche des Menschen. Neuzeitliche Technik ist aber nicht naturwüchsig.  
  156. Das Auto hat einen naturwüchsigen Charakter angenommen. Auch bei größter Destruktion wird und kann es nicht mehr kritisiert werden.
  157. Wenn die Technik dominiert, wird die Seele überflüssig.
  158. Lange Schornsteine oder versteckte Auspuffrohre sind keine Lösung: Sie verkleinern nicht einmal as Problem.
  159. Wer will an einer mäßig bis viel befahrenen Autostraße wohnen? Häuser, die direkt an viel befahrenen Autostraßen liegen, haben keinen großen preislichen  Wert, weil keine Lebensqualität. Selbst schalldichte Fenster helfen hier nicht, denn sie halten nicht Erschütterungen und Vibrationen ab. Hinzu kommt, dass dieser Verkehr, auch wenn er nicht wahrgenommen wird, doch als existent registriert wird. Das Auto zerstört die Städte.
  160. Eine Ursache der Faszination für das Auto: „Aggressive Autofahrer identifizieren sich oft besonders stark mit ihrem vierrädrigen Gefährt. Entsprechend sehen sie die Straße als ihr Territorium an, das es zu verteidigen gilt“ (aus einer Studie unter der Leitung von Ayalla Ruvio).
  161. "Gott schuf den Menschen, weil er ihn träumte. Der Mensch aber vergaß Gott und schuf die Maschine, weil er sie träumte. Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts aber hat die Maschine den Menschen vergessen. Wer wollte vorhersagen können, von wem oder was sie träumt?"(Friedrich Kittler).
  162. Die Verschmutzung und  Entwertung menschlicher Lebensräume  durch Rauchen konnte trotz starker Widerstände  merklich zurückgedrängt werden. Warum soll Gleiches nicht mit der Motorrad- und Autosucht gelingen?
  163. Fremdbewegung reduziert drastisch kreative Möglichkeiten.
  164. Formal gesehen haben haben Sebastian Vettel und sein Team eine staunenswerte Leistung vollbracht. Hätten sie nur andere Inhalte gewählt, denn die Formel-1-Rennen sind direkt, aber noch stärker indirekt eine große Belastung für Klima und Umwelt. Ich schlage aus ethisch-ökologischen Gründen vor: Vettel und sein Team gründen einen Radrennstall.
  165. Welch eine gigantische Zukunftsperspektive: „Die schöne neue Welt des Autoverkehrs.“ Wie das? „Künftig sollen Autos untereinander und mit der Verkehrsinfrastruktur kommunizieren“ (FAZ v. 18. 10. 11).

  166. Überflüssiger Motoreneinsatz schwächt den Menschen körperlich und geistig.
  167. Sie beschwert sich, weil sie vor dem Haus ihrer Freundin nicht parken darf und nun gezwungen ist, vierzig Meter zu laufen. Ihr Kommentar: „Und das soll ein freier Staat sein?“
  168. Der Fernsehzuschauer sitzt und "im Fernsehapparat" wird gelaufen. Ebenso: der Autofahrer sitzt und das Auto läuft.
  169. Audi-Vorstandsmitglied Peter Schwarzenbauer entwirft die schöne neue Welt: Auf der Buchmesse 2011 „skizzierte er eine Welt der Megacities, eine Welt ohne Parkplatzsuche, in welcher das Automobil den Besitzer vor der Tür ablade, sich in der vernetzten Parkplatzwelt einen freien Stellplatz suche, dort automatisch einparke und morgens auf Zuruf wieder zur Abholung vorfahre“ (FAZ v. 12. 10. 11). Endlich eine Antwort auf die brennenden Probleme der Gegenwart.
  170. Überall der gleiche Film: „Die Seepromenade in Lugano wird vom Autoverkehr erdrückt und präsentiert sich alles andere als idyllisch“ (FAZ v. 13. 10. 11). 
  171. "Die technischen Neuerungen beanspruchten, so muss es den Ammischen Leut vorgekommen sein, einfach zu viel Platz im Leben der Menschen, das waren keine gehorsamen Sklaven, die den Menschen dienten, sondern sie wurden sehr schnell zu Tyrannen, die denjenigen zum Untertan machten, der sich ihnen anvertraute“ (Martin Mosebach).
  172. In Kanada wird gegenwärtig eine intakte Landschaft zerstört, um Öl aus Ölsänden für Amerikas Energiehunger zu gewinnen. Wann begreifen es endlich die Menschen, dass z. B. jede individuelle Autofahrt einen Beitrag für dieses „Werk“ ist.  Das gilt  nicht nur für amerikanische Autos, sondern für jedes Auto auf der Welt.
  173. Projekt: Immer mehr Lebenswelten vom Auto zu befreien. 
  174. "Ich benutzte die Millionen für Einweihungen und dann die Einweihungen, um die Wahlen zu gewinnen (der wiedergewählte Ministerpräsident Jardim von Madeira). Diese Rechnung ging auf, weil  allein aus den Hilfsfonds der Europäischen Union schon mehrere Milliarden Euro nach Madeira geflossen sind, mit denen Jardim Schnellstraßen, Tunnel, Viadukte für sein Reich schaffen konnte" (FAZ v. 11. 10. 11).  Ich vermute, dass diese Maßnahmen nicht nur dem einheimischen Autofahrern, sondern den nicht weniger Auto fahrenden Touristen dienen.
  175. Begründete Einsicht: Die Herrschaft des Autos über den Menschen ist wesentlich umgreifender und tiefgehender als die Herrschaft des Menschen über das Auto
  176. Viele Menschen, oft auch ältere, meinen, wenn sie über neueste Techniken verfügen, wären sie jung, aktiv, lebendig.
  177. Zu meinen, je größer das Fernsehbild ist, desto näher wäre man an der Wirklichkeit, um schließlich, bei maximaler Größe, in die  Wirklichkeit selbst zu gelangen, ist ein Irrtum.
  178. Michel Desmurget: Beim Fernsehen geht es „nicht nur Kinder und Diabetes, Fettleibigkeit, mangelnde Bewegung, Knabbern und Trinken, die nicht direkt dem Fernsehen angelastet werden können. Das passive Konsumieren schade dem Hirn genauso wie dem Körper“  Auch Alzheimer droht – sagt eine andere Studie.
  179. Das Auto ist in der Gegenwart nicht die Ursache aller, aber vieler Übel. Übrigens scheint jedes Zeitalter, zeittypische Übel zu haben.
  180. „Zehn Minuten zur Innenstadt“, eine Formulierung in einer Inmoblien-Anzeige. Diese Art der Zeitangabe hat  inzwischen Selbstverständlichkeitscharakter angenommen, d. h. man geht davon aus, dass räumliche Distanzüberbrückung  immer mit dem Auto, nicht etwas zu Fuß realisiert wird.
  181. Das Ziel der technischen Entwicklung ist auch, jegliche Eigenbewegung überflüssig werden zu lassen. Aber das ist kein humanes Ziel. Aber das  zu problematisieren, ist offensichtlich ein Tabu unserer Gesellschaft. 
  182. Das Auto hat auch deswegen eine dominierende Position im Alltagsleben, weil es sehr viele Funktionen in sich bündelt :  Es ist Mantel, Jacke, Regenschirm, Sonnenschirm, Windschutz, Privatraum, Schutzraum, Liebesnest, Fluchtvehikel, Darstellungsmittel und vieles mehr. 
  183. Ein Stau ist viel mehr als eine Ansammlung von Autos, die gezwungen sind zu stehen, sondern er ist das Ergebnis von  idiotischen (grch. idiotes = Privatmann) Bedürfnisstrukturen und Wirtschaftsinteressen, die diese Strukturen verstärken.
  184. Beim täglichen mehrstündigen Fernsehkonsum werden die ständig vorbeiziehenden Bilder nicht lebendig verarbeitet, sondern unwiederbringlich im nowhere versenkt.
  185. Mein Kommentar zum Scheitern der Verhandlungen zwischen SPD und Grünen im November 2011:  Der gefräßige Individualverkehr muss endlich seine Expansion einstellen. Auf das Auto zu setzen, führt nicht nur in eine (1) Sackgasse. Deswegen war die Standhaftigkeit der Grünen in dieser Frage richtig. Dazu noch einen  „technischen“ Vorschlag: Nicht sich auf negative Aussagen festlegen und festlegen lassen, sondern positiv ausdrücken, was man will, wenn es um die Abwehr von negativen Veränderungen geht. Nicht sagen: „Wir wollen die Autobahn verhindern“, sondern: „Wir wollen, dass auf diesem Gebiet  das Quartier bestehen bleibt, dass Kinder dort weiterhin spielen, Erwachsene laufen und sich unterhalten, Pflanzen wachsen und Tier leben können. Zusätzlich schlagen wir für dieses Gebiet folgende Weiterentwicklungen vor: ….….. Aber die SPD will dort eine Autobahn bauen.“ Diese Aussage mit Bildern unterstützen.
  186. Wenn ich zu Fuß gehe oder mit dem Rad fahre, sind die individuellen Freiheitsgrade größer, also wenn ich mit dem Auto fahre.  Individualverkehr allein auf Autos zu beziehen, ist ideologisch einseitig. 
  187. Der auf Autos basierende Individualverkehr  ist eine materielle Setzung, die auch hätte anders ausfallen können.
  188. Eine der größten Lügen: Das Auto sei ein wesentliches Mittel zur Erlangung von  indiviueller Freiheit
  189. Widerstände haben in Grenzen eine förderliche Funktion für das Leben. Überflüssige Technik schafft für uns Menschen Lebensbedingungen, wie sie in einem Schweinestall(Konrad Lorenz) vorliegen -  mit entsprechenden Folgen.
  190. Es wäre vollkommen falsch und unvertretbar, Fremdbewegung grundsätzlich abzulehnen. Jeder Krankenwagen spricht dagegen. Mir kommt es nur darauf an, unnötige Fremdbewegung, von der es leider viel zu viel gibt,  zu kritisieren. 
  191. Was ist barbarischer? An einem dieser seltenen Spätsommertage ein Motorrad ständig aufheulen zu lassen oder den Motorrasenmäher anzuwerfen?
  192. "Ich bin erschöpft und kann nichts mehr sehen, alle Oberflächen bleiben Oberflächen und ist schrecklich“ (Samuel  Beckett). Alle Fluten, seien es Bilder oder Wörter, müssen oberflächlich werden.
  193. Habituelles Autofahren  macht unseren Körper krank und beeinträchtigt unseren Geist, habitueller Medienkonsum  unseren Geist und unseren Körper.
  194. Ein windstiller, sonniger Tag. Das können viele Menschen nicht ertragen: überall heulen Motorräder auf, Motorrasenmäher werden angeworfen, im Radio hört man von vielen, kilometerlangen Staus.
  195. Im Fernsehen zieht das Leben an einem vorbei – wie bei der Krankheit CFS (Erschöpfungssyndrom).
  196. Die heutige abstrakte Lebenswelt ist ohne Auto überhaupt nicht realisierbar. Übrigens ist das abstrakteste Leben, z. B. im Gefängnis, immer noch Leben?
  197. In vielen Landschaften und Siedlungen  muss ein Rückbau der Autostraßen durchgeführt werden
  198. Der Navigator ist zwar nicht in der Landschaft, aber er hat Kontakt zu ihr. Der Autofahrer, der aus seinen Navigator schaut, ist im Auto, nicht in der Landschaft.
  199. Viele Menschen sind stolz, wenn sie sich selbst zu einer Maschine machen.
  200. Eine mit Krach und Lärm erfüllte Umwelt ist für das Ohr eine Hölle, während das Auge nicht gestört wird.
  201. Weil die Fernsehsendungen nur einen winzigen Knopfdruck von einander entfernt liegen, bedarf es des Spektakels, um sich für den einen oder den   anderen Sender zu entscheiden. Bei realen körperlichen Handlungen  entscheidet oft  bereits  die Anstrengung der Erreichbarkeit.
  202. Besser als nichts oder eine gigantische Täuschung? Der Dorfplatz im Internet (ein Angebot der Telekom).
  203. Eine Frage, die beantwortet werden müßte: "Warum stehen wir stoisch stundenlang im Stau auf der Autobahn, regen uns aber über fünf Minuten Verspätung der Bahn so maßlos auf? (Margret Kiosz in einem Zeitungskommentar des Flensburger Tageblatts).
  204. „Das Auto hat eine lange Geschichte. Und seine Zukunft hat gerade begonnen“ (aus einer Werbung). Dazu fünf Einwände: a) gemessen an der Geschichte des Menschen ist die des Autos kurz, b) die reine Existenz des Autos, auch als Elektroauto, ändert nichts an der Tatsache der überfüllten Autostraßen und der  voll geparkten Städte, c) auch das schnell fahrende Elektroauto bildet eine ständige Gefahr für das Leben der Fahrenden und der Mitmenschen, d) auch Elektroautos, selbst wenn sie ihre Energie aus alternativen Quellen beziehen, sind materiell und energetisch nicht zum Nulltarif zu haben und landschaftsästhetisch eine Belastung, e) „Individualverkehr“ ist ein beschönigender  Ausdruck, denn primär  ist er ein „Von-der-Welt-getrennt-Sein“ Verkehr, d. h. ein Kontaktvernichter. 
  205. Die Bezeichnung des Personenkraftwagens mit Automobil (von grch.  autos „selbst und lat. mobilis „beweglich“) ist absolut korrekt;  absolut  inkorrekt ist allerdings die Meinung, man führe selbst, nicht das Auto. Nein, nur das Auto bewegt sich, nicht der Fahrer
  206. Die Existenz des Autos ist bedingt, und das Auto selbst ist wiederum Bedingung für andere Dinge, Prozesse und Zustände. Die negativen und zerstörerischen Folgen  thematisiere  ich  in meinen Veröffentlichungen. Genauer: Dass es Autos in dieser Vielzahl gibt, ist das Ergebnissen des Zusammenspiels von technischen, wirtschaftlichen, politischen und anthropologischen Bedingungen und Bedürfnissen. Das Auto selbst ist wiederum die Bedingung für die Existenz für andere Dinge, Prozesse und Zustände. Sie betreffen die Ökologie, Städte, Dörfer, Landschaften, Tradition, Kommunikation, Bedürfnisse des Menschen, sein Denken, Werte und Gefühle. Kurz: Das Auto ist viel mehr als ein Mittel zur Fortbewegung.
  207. Vermutung: Der ständige Aufenthalt in Bilderwelten schwächt den Möglichkeitssinn.
  208. Durch die geöffnete Verandatür dringen bemerkbar  Abgase in mein Arbeitszimmer. Als Ursache dieser Störung mache ich ein stehendes Auto in fünfzehn Meter Entfernung aus, dessen Motor einige Minuten läuft. Wohlgemerkt, diese schädlichen Emissionen stammen von einem (1) Auto, allein in der Bundesrepublik gibt es weit über 40 Millionen.
  209. Zwei Wahrheiten: Einerseits ist die Autoindustrie gegenwärtig Kern und Motor der Volkswirtschaft, andererseits ist das Auto Ursache größter direkter und indirekter Zerstörungen =  Ökonomie versus Ökologie.
  210. Die Autosucht speist sich offensichtlich aus anderen psychischen Quellen als die Fernsehsucht.
  211. Der fundamentale Unterschied zwischen „fahren“ und „sich bewegen“ ist für habituelle Autofahrer belanglos.
  212. Wir müssen die gegenwärtige motorengrundierte Lebensweise ändern, die zunehmend auf den Einsatz von Motoren beruht. Deshalb  müssen wir eine Motoren-, nicht ein Technikkritik entwickeln: Wo ist Motoreneinsatz  sinnvoll, vertretbar, wo gegenüber Umwelt und Nutzer überflüssig, ja schädlich?
  213. Was ist eigentlich Lärm? Dass die  Hälfte der Deutschen  keinen Kinderlärm am Wohnort akzeptiert, enthält ja die andere tröstliche Information, dass die andere  Hälfte mit Kindern sehr wohl problemlos zusammenlebt. Ich frage mich, ob es überhaupt sinnvoll ist, natürliche Lebensäußerungen wie Singen, Jauchzen, Sprechen und Schreien  generell als Lärm zu bezeichnen.   Überwiegende und wirkliche  Lärmquellen  sind doch in der Gegenwart aufheulende Motorräder,  Lärmteppiche von viel befahrenen  Autostraßen und wöchentlich angeworfenen Motorrasenmähern, d. h. von Lärmquellen, die in der Regel ohne Notwendigkeit entstehen. Hier muss die Kritik ansetzen.”
  214. Erst „helfen“ die habituellen Autofahrer massiv mit, das Klima zu verändern, dann nutzen sie das schlechte Wetter für die Begründung, jede Distanz mit dem Auto zurücklegen, nur noch in überdachten Einkaufszentren einkaufen  und im Urlaub in die Sonne fliegen zu müssen.
  215. In Nähe unserer Wohnung ist eine Durchgangsstraße wegen Bauarbeiten ür den Autoverkehr gesperrt. Ein Paradies ist entstanden. Ich hoffe nur, dass die Stadt  vergisst, die Sperrung aufzuheben.
  216. Erst durch die massive Ausweitung des automobilen Verkehrs selbst sind Strukturen geschaffen, die das Auto als unverzichtbar erscheinen lassen. Es bekommt nun einen naturwüchsigen Charakter. Diese Autostruktur ist  übrigens nur durch größte Zerstörungen realisiert worden. 
  217. Wort und Begriff „Individualverkehr“ allein auf das Auto zu beziehen, ist falsch und ideologisch motiviert. Gehende Menschen sind mit Sicherheit individueller in ihrem Gang als Autofahrer in ihrem Auto. 
  218. Wenn man ein Auto schieben muss, merkt man erst, welch großen Widerstand der Motor überwinden muss. Fünfzig Prozent der Fahrten liegen unter drei Kilometer, für jede Fahrt müssen Tonnen an Stahl in Bewegung gesetzt werden. Welche eine Energieverschwindung und Belastung der Umwelt.
  219. Muss man eigentlich ein bzw. mehrere Autos und  ein bzw.  mehrere Fernsehapparate haben? Meine langjährigen Erfahrungen verneinen diese Frage.
  220. Immer mehr Eigenheime werden zu  autonomen Befestigungsanlagen, die man nur mit einem panzerartigem Gefährt, dem Auto, verlässt. 
  221. Je mehr  Fremdbewegungen man  in Anspruch nimmt, desto anfälliger wird man gegenüber den Angeboten aus der Warenwelt. Bedürfnisse, die man übrigens nicht beim Wandern hat.
  222. Er ist Mitte zwanzig, gesund und total bewegungsfaul. Außerhalb von Gebäuden ist er die personifizierte Einheit von Mensch und Auto. 
  223. Das Auto enthält viel destruktives und wenig konstruktives Potential - nicht umgekehrt, wie uns die Werbung und schwache Mitmenschen einreden wollen.
  224. Außerhalb von Gebäuden wird der Mensch wie die Gehäuseschnecke zu einem „Gehäuseträger“. Ohne Auto kann er sich nicht mehr außerhalb von Gebäude bewegen, da er in diesem Zustand nackt ist.
  225. Oft hört man den Satz „Im Urlaub  nehmen wir das Auto mit, um viel zu sehen.“ Objektiv schafft man damit aber Bedingungen, weniger zu sehen.
  226. Auch wenn die Motore von Autos und Motorrädern aufheulen, hat das eine subjektive und objektive Bedeutung. Die objektive Bedeutung lautet: "Ich bin leer".
  227. Wenn  in zumutbarer Nähe eine Einkaufsmöglichkeit besteht und man sich trotzdem ins Auto setzt, um dorthin zu gelangen, ist dieses Verhalten inakzeptabel.
  228. Eine nahezu motorenfreie Ferienregion müßte immer noch für viele Menschen interessant sein. . 
  229. "Räder rolllen für den Sieg." Diese Parole zeigt auch die aggressiven Möglichkeiten von Rädern. 
  230. Autos machen Landschaften und Siedlungen real kaputt, aber es findet  auch ihre Zerstörung im Bewusstsein der Autofahrer in Form von Ausblendung statt.
  231. Einseitiges Denken: Der Bürger und die Verkehrsplaner sehen Staus und sehen in den Straßen, nicht in den Autos das Problem.
  232. An einer Autostraße, die früher mal ein ruhiger Weg war, steht eine Gebetssäule. Sie ist verstaubt und verdreckt, niemand  nimmt sie mehr wahr oder bleibt gar vor iher stehen.
  233. Alle Städte und Dörfer  sind durchgehend  hässlich geworden, nicht, weil sie sich immer mehr angleichen, sondern weil sie durch massiven Autobefall sehr krank geworden sind.
  234. Mein Bekannter riet mir, während unseres Urlaubs unseren Nachbarn zu bitten, eines seiner Autos auf unsere Auffahrt zu stellen. Warum? Wenn kein Auto vor der Tür steht, es als sicher gelten kann,  dass die Bewohner nicht zu Hause sind.
  235. Kreuzfahrten sind, selbst bei Familien mit Kindern populär. Das ist ein Ausdruck für die Präferenz technischer Strukturen und Gleichgültigkeit gegenüber der Natur. Ich denke, ein Schiff ist kein Selbstzweck, sondern dient zuallererst dem Ziel, von A nach B zu kommen, was Komfort nicht ausschließt.
  236. Zwei Minimalanforderungen an Autofahrer: Bei Ortsveränderungen unter drei Kilometern und im Urlaub  auf das Auto verzichten. 
  237. Auf einem Berg oder auf einer Insel Autos zu finden, tut einfach weh. 
  238. Zu hochgelegenen  Klöstern gibt es immer Treppen, die heute von Touristen fast nicht mehr benutzt werden. 
  239. Ein gutes Verkehrssystem wäre eine Mischung aus  öffentlichen Verkehrsmitteln, Elektrofahrzeugen für notwendigen Individualverkehr, Fahrrädern und sich selbst bewegenden Bürgern. 
  240. Die Zeit, dass sich Städte, Landschaften, Sozialgefüge und der  einzelne Mensch sich widerstandslos dem Auto unterwerfen, muss endlich beendet werden.
  241. Natürlich lebt ein Mensch, der Technik nutzt, aber es in der Regel ein stark reduziertes Leben. Diese Reduktion wird meistens verdrängt: ja diese Reduktion wird als besonderes intensives Leben interpretiert. 
  242. Ganzheitlich gesehen zerstört das Auto wesentlich mehr als es Sinnvolles ermöglicht.
  243. Viele  Menschen fliehen aus  ihrer Wohnung entweder real mit dem Auto oder virtuell über den Fernseher.
  244. Immer mehr Menschen sind ohne massiven Motoreneinsatz nicht mehr lebensfähig. 
  245. Es gibt ein Menschenrecht auf längere Abwesenheit von Lärm und Krach durch nichtnotwendigen Motoreneinsatz zu Land, Wasser und Luft.
  246. Wenn beim Bauen und Erstellen relativ viel Energie und Material verbraucht werden und Krach entsteht, ist das vielleicht akzeptabel, aber beim späteren Betrieb sollte der Energie- und Materiealaufwand und Krach minimal sein.
  247. Die Menschen vor den Fernseher in Räumen mit schalldichten Fenstern hören nicht den durch Motore verursachten Krach.
  248. Zwischen Motoreinsatz und Gletscherschmelze auf Grönland und  besteht Kausalität. Ein Zeichen von Reife wäre es, das zumindest einzugestehen.
  249. Mit dem Auto zu fahren, erweckt in mir in wachen Augenblicken das Gefühl eines Gleitens über Schleim, zumindest der Weltlosigkeit.
  250. Das Ehepaar besitzt zwei Autos, die im Jahr von ihnen über 50 000 Kilometer bewegt werden, also mehr als einmal um die Erde. Erstaunlich ist, weil diese netten Leute sonst nicht so phantasievoll sind: Sie finden für jede Fahrt einen Grund.
  251. Ein Befunde gegen eine ausschließlich  sitzende Lebensweise: "Jede Stunde, die ein Erwachsner vor dem Fernseher verbringt, verkürzt seine Lebenserwartung um 22 Minuten. Menschen mit einem täglichen TV-Konsum von sechs Stunden  leben nahezu fünf Jahre kürzer als Menschen, die nicht fernsehen" (Flensburger Tageblatt v. 19. 8. 11).
  252. Autos sind Krücken, die in der Regel von gesunden Menschen ständig in Anspruch genommen werden.
  253. Der zeitgemäße Mensch interpretiert  sich selbst immer mehr nach dem Modell und Bild eines Motors. Ein Motor hat kein  telos und keine Seele, er muss nur funktionieren und gut aussehen.
  254. Auf abstrakter Ebene brauchen Motor und Mensch  Energien, deswegen kann man beide auf dieser Ebene gleich setzen. Aber  externe Energie  und metabolische  Energie machen  qualitativ einen kategorialen Unterschied aus, nämlich den zwischen Leben und Tod. 
  255. Technik fasziniert offensichtlich  Menschen, insbesondere, wenn sie sie einsetzen. In diesem Zustand der Zuhandenheit (Heidegger) werden kritische Einwände nicht zugelassen bzw. tauchen erst gar nicht auf. Das habe ich gerade gestern   beim Einsatz eines Hochdruckreinigers an mir selbst erlebt.
  256. Wenn der Motor nicht als notwendiges Übel bewertet wird, um schwierige Aufgaben zu bewältigen, sondern an sich für gut befunden wird, dann ist der Niedergang des Lebens besiegelt. So gesehen ist der Motor der Hauptgegner des Lebens.
  257. Aktienhändler überantworten ihre Kompetenz und Entscheidungsmacht dem PC, weil dieser keine Zeit mehr für Entscheidungen lässt. Das gilt zunehmend generell: Die Technik ersetzt den Kern des Menschen.
  258. Das tatsächliche  Subjekt  ist beim Autofahren das Auto, weniger der Mensch, das zu meinen, ist die große Täuschung.
  259. Autofahrten sind, abgesehen von möglich autointernen sozialen Konstellationen,  verlorene Lebenszeiten und Auslassen  von spontanen Begegnungen. Das eigentliche Leben liegt vor der Abfahrt und nach dem Ankommen, dazwischen ist Leere.
  260. Wir wohnen in einer so genannten  ruhigen Seitenstraße. Nur die Autos der  wenigen Anlieger fahren an unserem Haus vorbei. Sie werden  allerdings häufig in Anspruch genommen, Trotz dieser geringen Verkehrsdichte  ist innerhalb von zwei Jahren unser Balkonboden mit einer schmierigen Ölschicht überdeckt. Ob das wohl auch der Fall in meiner Lunge ist?  Heizungsemissionen als Ursache fallen weg, da unsere Stadt über ein Fernwärmenetz verfügt. Übrigens ein Segen. 
  261. Wir sitzen uns krank. Wer nur noch sitzt, entfernt sich vom Leben.
  262. Verhexung durch Sprache: In früheren Sprachzeugnissen sind die Verben fahren und  gehen nahezu gleichbedeutend, wobei Gehen mehr die sanfte, Fahren mehr die heftige Fortbewegung beschreibt. Diese Unterscheidung ist nicht mehr üblich, denn im  gegenwärtigen Sprachgebrauch wird fahren für die rollende, auf Räder angewiesene Fortbewegung, gehen für eine  natürliche, auf Füße oder fußähnliche Organe angewiesene Fortbewegung verwendet. So ist z. B. die Frage „Wer fährt das Auto?“  deshalb  falsch und liegt  auf der Linie der Autoenthusiasten, Mensch und Auto zu einer ununterscheidbaren Einheit zu verschmelzen.
    Das entspricht übrigens der Formulierung, wenn jemand im Gespräch zurückschaut und sagt: „Ich stehe dreihundert Meter entfernt auf dem Parkplatz.“ Auch ein Beleg für die Einheit von Mensch und Auto oder durch Sprache verursachte Schizophrenie. – Fahren und Gehen entspricht  Fremdbewegung und Eigenbewegung.
  263. Wer zwölf Kilometer vom nächsten Kaufmann wohnt und wenn keine öffentlichen Verkehrsmittel vorhanden sind, kann schwerlich auf das Auto verzichten. Aber diese Struktur ist von den Bürgern selbstverschuldet.  
  264. Im Auto bewegt man sich nicht, sondern wird bewegt. Diesen Unterschied kann man heute gar nicht oft genug wiederholen.
  265. Die sitzende Lebensweise (im Auto, vor dem Fernsehapparat, im Beruf) ist für den Leib keine Erleichterung, sondern letztlich Tortur.
  266. Erst mit der Erfindung des Motors beginnt die reale Gefährdung der Erde als Ganzes. Also muss sein  jeweiliger Einsatz schon intensiv bedacht werden.
  267. Nachbarn sehe ich nur bei Verabredungen oder wenn sie mehrmals am Tag  je nach Parksituation zwei bis zehn Meter zum Auto laufen.
  268. Es gibt immer noch viele jungen Menschen, die derart lebendig sind, dass sie bisher von der Technik  nicht "entlebendigt" wurden. Ihre Lebendigkeit ist stärker als die Technik. Aber wie lange?
  269. Autofahrer bemerken nicht, dass ihre körperliche Bewegungsfreiheit maximal eingeschränkt ist. Sie sind gefesselt, aber nicht nur ihr Körper, sondern auch ihr Geist und ihre Seele.
  270. Fremdbewegung = externalisierte Eigenbewegung. Man kann Wissen und Bildung mit Eigenbewegung, Informationen im PC im Sinne von "Ich weiß, wo ich sie finden kann" mit  Fremdbewegung gleichsetzen.
  271. Stärke war und ist aus evolutionären Gründen für Menschen  immer höchst faszinierend. Abgesehen von  Sportlern hat sich die Stärke von Menschen auf die von Motoren übertragen: „Mein Auto hat 18 PS“.
  272. Als habitueller Radfahrer freue ich mich jedes Mal, wenn ich am Straßenrand ein Hinweisschild mit "Vorsicht! Straßenschäden" sehe, denn es wird weniger gefährlich, stiller, menschlicher. 
  273. Fremdbewegung in Anspruch zu nehmen, verlangt umfangreiche  materielle Voraussetzungen (vom Auto bis hin zu den notwendigen Infrastrukturen), was wiederum vermehrte Abhängigkeit, also Verlust von Freiheit einschließt.
  274. Es gilt, für den Technikeinsatz das jeweilige Optimum zu finden. Überschreitet man dieses Optimum in Richtung Maximum, wird das Leben beschädigt. 
  275. Technikkritik hat wenig mit romantischer Sehnsucht, aber viel mit Lebensqualität zu tun.
  276. Auch technische Welten sind Welten, die uns wie Natur umgeben. Denkt man technische Welten als das schlechthin  andere, errichtet man einen nicht existierenden Dualismus. Weder technische, soziale, kulturelle oder natürliche Umwelten kann man Realität oder Weltcharakter absprechen. Es gibt nur eine (1!) Welt, aber viele Umwelten. Aber man kann sie unterschiedlich für sich bewerten. Wollen wir diese Umwelt oder nicht? Diese Frage wird übrigens momentan in China reflektiert.
  277. Sie fährt zweimal in der Woche mit ihrem großen Auto zu ihrer  18 Kilometer entfernt wohnenden Freundin zum Walken.. Danach die gleiche Strecke zurück. Wird der positive Effekt nicht wieder durch dieses Arrangement zunichte gemacht?
  278. Was wird aus einem Kind, mit dem alle  größeren  Ortsveränderungen über hundert Meter mit dem Auto  vorgenommen werden? Zumal die  aufgesuchten Orte sich auf Einkaufszentren,  Vergnügungsparks und Großevents beschränken.
  279. Das Auto wird zunehmend zu einem Selbstzweck. Man liebt seine Schnelligkeit, sein Design, sein Prestigepotential, seine Aggressivität, seine Weltabweisung,  aber seine Funktion, Ortsveränderungen durchzuführen, verliert an Relevanz. 
  280. Das Auto verspricht schrankenlose Mobilität, jeder Stau erweist das als Ideologie. "Schrankenlosigkeit" ist übrigens identisch mit  Herrschaft, die hier gleichbedeutend mit Zerstörung ist.
  281. Wenn Können (techné) sich von Hand und Leib löst und in motorenbetriebene Motoren externalisiert (objektiviert) wird, dann wird aus eigener Technik fremde Technik, und es entstehen körperliche Unfähigkeit und geistige Unterforderung. Diese Aussagen stimmen nur für die Nutzer von externalisierter Technik, nicht für deren Entwickler. Und: Solange externalisierte Technik nicht vollkommen automatisiert ist, bleibt immer noch ein Rest notwendigen Eigenkönnens.
  282. Die Wege in Form von Autostraßen und Autobahnen sind real monoton, sie lassen keine sozialen und Naturerfahrungen zu. Aber auch die  Ausgangspunkte und Ziele dieser Verkehrswege erodieren in der Regel unbemerkt leiden durch  diese.
  283. Medienkonsum ersetzt nicht die Reflexion. These: Habitueller Fernsehkonsum macht dumm, ohne dass das von den Betroffenen bemerkt wird  - im Gegenteil. 
  284. Eine zukünftige Welt kann nur noch als technische oder als eine a la Harry Potter vorgestellt und  gedacht werden. In den virtuellen Spielen sind beiden zu einer Einheit verschmolzen.
  285. Zum Autowahn fällt mir nichts mehr ein: Die Deutschen fahren immer höher motorisiert. Geländewagen und Firmenautos treiben den Durchschnitt der Neuwagen auf den Rekord von 134 PS (FAZ v. 30. 7. 11).
  286. Ortsveränderungen kennt der Sechsjährige nur mit dem Auto. Was lernt er dadurch und daraus?
  287. Speist sich die Begeisterung für schnelle Autos aus derselben Quelle wie Pferd und prächtige Rüstung  für den Ritter, wie das gefüllte Stadion für den Fußballspieler, wie die Uniformen der Eroberer?  Der Unterschied besteht darin, dass der Autofahrer (fast) keine Zuschauer hat, aber die imaginiert er wohl.
  288. Der Würgeengel der Gegenwart ist das Auto. Einerseits hat es für viele Menschen, insbesondere Männer, die Schönheit, Elganz und die übernatürliche Kraft  eines Engels, andererseits erwürgt es Städte, Landschaften, Klima und letztlich die Menschen.
  289. Offensichtlich ist die Flugentfernung  für viele Menschen ein Qualitätsmerkmal. Da die Erde nun einmal natürliche Grenzen setzt, wäre es vielleicht ein Renner, wenn Fluggesellschaften  erst nach einmaliger Umrundung des Globus am entfernten Ziel  landeten.
  290. Motore sind omnipräsent, sie bestimmen und ersetzen unser Leben.  Diese Dominanz wird von allen gesellschaftlich relevanten Gruppen ausgeblendet bzw. verdrängt.  Das ist das eigentliche Tabu in unserer Gesellschaft.
  291. Erfahrungen sind das Gegenteil von Autofahren. Je mehr man mit dem Auto oder Motorrad fährt, desto weniger Erfahrungen. 
  292. Die Dominanz moderner Verkehrsmittel, insbesondere die des Autos und Flugzeugs, hat nicht nur die Anzahl von Ortsveränderungen erhöht und die Distanzen drastisch erweitert, sondern ebenso  Mensch, Gesellschaft und die Erde drastisch verändert.
  293. Ein E-Bike ist keine Fahrrad, sondern ein Motorrad.
  294. Die tiefe, nicht aufzulösende  Fixierung der Autofahrer auf ihr Auto ist Ausdruck einer tiefen Entfremdung.
  295. In der Fremdbewegung ist der Mensch muskulär und sinnlich drastisch reduziert.
  296. Wo das Auto dominiert, legt sich über das Dominierte ein schmutziger Ölfilm, in dem und durch den das Leben nahezu erstickt.
  297. Seit vier Tagen hat es ununterbrochen geregnet. Ich vermute, dass in vielen Gegenden der Welt die Autofahrer bald ihr Auto durch Ruder- und Segelboote ersetzen müssen -  nicht durch Motorboote!  Auch sie müssen aus Fehlern lernen.
  298. Der alltägliche Auto-Wahnsinn in seiner Normalerscheinung wird  ständig erweitert und stabilisiert durch Freizeitaktivitäten wie Motorbootnutzung  bis hin zu Formel-1-Rennen.
  299. Ein Beispiel für die Kraft des Faktischen ist das Auto und die von ihm entwickelten Strukturen. Es ist trotz aller Destruktivität unverletzbar.
  300. Noch ein Baustein zum Verschwinden der Wirklichkeit: Für Beifahrer hat Toyota ein „interaktives Seitenfenster“ entwickelt, d. h. einen Monitor statt eines Seitenfensters. Dieses sogenannte „Window to the World“ ersetzt den sowieso schon reduzierten Außenblick auf die Welt durch  eine "Scheibe",  auf der auch gemalt werden kann. 
  301. Unser Fahrradhändler macht unter dem Motto „Energie erleben“ für Elektro-Bikes Reklame. Nach meiner Theorie kann man  Energie nur als metabolische, d. h. als Eigenenergie erleben. So gesehen fallen diese Fahrzeuge in die Kategorie Auto.
  302. These: Der geringe Widerstand gegen den Autowahn erklärt sich auch daraus, dass immer weniger Menschen in der Öffentlichkeit über einen längeren Zeitraum den aufrechten Gang ausüben.
  303. Das Romantische der Romantischen Sprache lockt die Millionen Autofahrer, die die Zerstörung dieses Romantischen verursachen.
  304. Ein Slogan "Den Norden erleben" wirbt für Motorroller.
  305. Die Ideologie der Autofahrer ist schwieriger zu beseitigen als eine überflüssige meterdicke Betonwand. 
  306. Wie Johann Gottfried Seume sich weigerte, aus politisch-sozialen Gründen ein Pferd zu besteigen, so reduziere ich aus ökologischen und kommunikativen Gründen das Autofahren gegen Null. 
  307. Auf der Fähre von  Ramsgate nach Ostende werden Menschen ohne Auto nicht mitgenommen
  308. Eine fremde Leistung wird als eigene ausgegeben, wenn gesagt wird „Ich bin nach Stuttgart gefahren“. Nicht er, sondern das Auto ist gefahren. 
  309. Wenn du an einer viel befahrenen Ausfallstraße wohnst, bist du dir ganz sicher, dass motorenbetriebene Fahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger nicht gleichwertig sind. Dort zu leben, ist ein Leben auf einer akustischen und schmutzigen Müllhalde
  310. Das Auto ist real der Umweltzerstörer schlechthin, aber auf symbolischer Ebene und im Bewusstsein steht es für Freiheit und Fortschritt.
  311. Ein Held unserer Zeit oder Eine Vernunft ohne ökologischen Grund? Ein Amerikaner hat nach Angaben einer Fluggesellschaft als erster Mensch zehn Millionen Meilen bei nur einem Anbieter erflogen. Diese Fluggesellschaft will ein Flugzeug nach ihm benennen.
  312. Technische Apparate  reden  ständig auf uns ein: ”Das mache ich viel besser als du, kaufe mich, und ich löse für dich alle Aufgaben. Mach es dir bequem.“  Aber: Erst wird der Mensch antiquiert und  dann fühlt er sich auch bald so.
  313. Oxford wird nicht nur von der Themse, sondern auch von einem Kanal durchzogen, der im 18. Jahrhundert gebaut wurde, um billiger Kohle aus Nordengland in den Süden  transportiert können. Die Transportschiffe stießen dermaßen viel Schmutz aus, dass es ein Zumutung war, dort wohnen zu müssen. Nachdem andere Transportwege sich durchsetzten, sind  Grundstücke am Kanal nun  sehr gefragt. Schöner zu wohnen, ist fast nicht möglich. Gleiches würde eintreten, wenn der Autoverkehr auf viel befahrenen  Straßen drastisch eingeschränkt oder ausgeschlossen werden würde. Ich bin mir sicher, dass die  volkswirtschaftlichen Verluste allein durch die Unbewohnbarkeit an Autostraßen in die Milliarden gehen. 
  314. Der Traum eines jeden Autofahrers könnte aufgrund der Folgen der Klimawandels und technischen Fortschritts wahr werden: Eine Autobahn  zwischen Europa und Amerika.
  315. Die Hymne wahrer Autofahrer: "Wir fahren, fahren, fahren, bis die Welt ersteckt".
  316. Man kann meiner Ansicht nach den gegenwärtigen Autowahnsinn plausibel mit den Kategorien „zuhanden“ und „vorhanden“ Heideggers erklären. Zuhanden meint das distanzlose Einssein eines Menschen mit einem Ding, Zustand oder Prozess; wenn letztere vorhanden sind, aber zwischen ihnen und dem Menschen eine räumlich oder zeitlich Distanz besteht, die auch kritische Reflexion ermöglicht, dann entsteht  die Möglichkeit  von alternativem Denken und Handeln.  Der Zustand des Einsseins verunmöglicht kritisches Bedenken der jeweiligen Umwelt.
  317. Das Verhalten der  Autofahrer ist schon paradox: Einerseits verkünden sie  städig das Loblied auf das Auto, andererseits wollen sie aber möchst "im Grünen" wohnen und das heißt im Kern "Abwesenheit von Autos", von ihren eigenen abgesehen. Unbewusst sind sie zumindest partiell also auch autokritisch. Hier gilt es anzuknüpfen. 
  318. Autofahren ohne Notwendigkeit gehört in den Bereich Trash-Verhalten.  Trash kann also auch die Folge von materiellem Überfluss sein. 
  319. Je dichter das motorisierte Verkehrsnetz wird, desto geringer werden die Möglichkeiten, sich dem Verkehrslärm zu entziehen. 
  320. Heute gilt derjenige als altmodisch und nicht als Ausdruck von Autonomie, der nicht alle technischen Möglichkeiten realisiert. 
  321. Selbst wenn es gelänge, ein emissionsfreies Auto zu entwickeln, wäre das Autoproblem grundsätzlich nicht gelöst.
  322. Eine prinzipielle Ablehnung der Technik wäre antihumanistisch, aber eine prinzipielle Annahme ebenfalls. Es geht um eine technikkritische Position (krinein = unterscheiden), die von Fall zu Fall reflektiert entscheidet,  ob die infrage kommende Technik Humanität fördert oder behindert. Denn: nicht jede technische Erneuerung und Erweiterung, d. h. Ersetzung von menschlichen Fähigkeiten, ist sinn- und sinnenvoll. Abgesehen davon, dass jede  Erweiterung von Motoreneinsätzen die ökologische Krise verschärft.   
  323. Es gibt immer noch einige wenige Orte, wo man zu günstigen Zeiten statt motorener